Die etwas andere Art der Reform? Wie das BrickLink Designer Program viele Änderungswünsche für LEGO Ideas umsetzt

Bricklink Designer Program Ideas Kommentar

Die Kritiker der aktuellen Lage bei LEGO Ideas zufrieden stellen, ohne etwas an der Plattform zu ändern? Was zunächst paradox klingt könnte durch ein zusätzliches, regelmäßiges Programm zur Umsetzung von Fanentwürfen demnächst tatsächlich passieren. Warum ich mich auf das neue BrickLink Designer Program freue und warum es gute Chancen hat vielen AFOLs das zu geben, was sie sich derzeit von LEGO Ideas wünschen, erfahrt ihr in diesem Kommentar.

LEGO Fandesigner, die liebevoll ausgestaltete Modelle entwerfen, die sich zudem auch noch gut umsetzen lassen, stabil sind und nicht hauptsächlich durch den Einsatz von Spezialteilen oder (selbst gestalteten) Minifiguren getragen werden? Keine Lizenzthemen, die Abstimmungen durch die Mobilisierung von unzähligen Fans des Franchises leicht beeinflussen und verzerren können? LEGO Fans, die bei der Auswahl der zu produzierenden Modelle stärker mitentscheiden können und deren Stimme zumindest in der finalen Abstimmung mehr Commitment erfordert als nur einen Abstimmungsknopf zu drücken?

Das alles wünscht sich ein Teil der Fans seit geraumer Zeit für die LEGO-eigene Plattform Ideas, auf der eigene Entwürfe eingestellt werden können und nach dem Erhalt von 10.000 Stimmen aus der Community auf eine Umsetzung als echtes LEGO Set überprüft werden. Doch ein großer Anstieg der Nutzerzahlen, eine damit verbundene “Inflation” an Entwürfen mit 10.000 Stimmen und eine Zunahme der eingereichten Entwürfe, die auf einer Lizenz basieren, sorgen seit gut zwei Jahren für Verstimmung bei einem Teil der Nutzerinnen und Nutzern der Ideas Plattform. Auch hier im Blog hat sich Oliver bereits 2020 Gedanken über mögliche Reformen für LEGO Ideas gemacht, mit der die Plattform wieder näher zu ihrem früheren Zustand zurückkehren könnte. Passiert ist bei seitdem nichts, sagen einige. Das mag stimmen, sofern man nur auf die Ideas Plattform selbst schaut. Betrachtet man hingegen das Gesamtbild bei LEGO, hat sich ein nicht zu unterschätzendes Projekt immer mehr durchgesetzt, bevor es in diesem Jahr in seiner dritten Form langfristig etabliert werden soll: das BrickLink Designer Program (BDP). Auch wenn das BDP formal keinen Einfluss auf LEGO Ideas hat, könnte es dem harten Kern der LEGO Fans all das bieten, was sie bei Ideas seit langem fordern. Wird das BrickLink Designer Program auf absehbare Zeit also das bessere Ideas?

Die Vorgänger: ADP und BDP

Zum 60. Geburtstag des LEGO Steins im Jahr 2018 brachte BrickLink, damals noch als eigenständige und von der LEGO Gruppe unabhängige Plattform, zum ersten Mal ein Crowdfunding-Programm für Modelle aus der AFOL Community auf den Weg: Das AFOL Designer Program stellte erwachsenen LEGO Fans eine vordefinierte Teilepalette in Stud.io zur Verfügung, auf Basis derer unlizenzierte Entwürfe eingereicht werden konnten. Aus allen Einreichungen wählte BrickLink insgesamt 16 Finalisten aus, die sich in einem Crowdfunging zur Wahl stellten. Die zu überschreitende Schwelle an Bestellungen richtete sich damals noch nach dem Verkaufspreis des Modells, wodurch große Entwürfe nur 100 Käufe, kleine Sets bis zu 400 Käufe benötigten.

Trotz der aus heutiger Sicht sehr niedrigen Schwellen erreichten drei der 16 Entwürfe nicht die benötigte Anzahl an Vorbestellungen und schieden aus. Auch die Höchstmenge von 2.500 Bestellungen konnte nur von einem Set erreicht werden: Das Löwenstein Castle. Dass insgesamt nur etwas mehr als 18.000 der potentiell 40.000 möglichen Exemplaren aller Sets verkauft wurden, zeigt, wie viel kleiner die Aufmerksamkeit und die AFOL Szene zum damaligen Zeitpunkt noch waren. Die Verschiffung aus den USA und die damit verbundenen Unklarheiten bezüglich der Verzollung in Europa ließen sicherlich auch etliche Fans hierzulande von einer Bestellung absehen. Ein ausführliches Fazit mit den Erfahrungsberichten von Lukas, Malte und Oliver findet ihr in unserem Rückblick auf das AFOL Designer Program.

Bricklink Designer Program Titelbild1 3

Im  Jahr 2021 war BrickLink bereits von der LEGO Gruppe aufgekauft worden, was die Tür für ein neues, leicht anderes, Crowdfunding Projekt öffnete: Das BrickLink Designer Program.

Dieses als “invitational” bezeichtene Programm richtete sich an ausgewählte abgelehnte, lizenzfreie Entwürfe, die nach den Reviewphasen bei LEGO Ideas nicht als offizielles LEGO Set erschienen. Da alle Modelle ursprünglich als Ideas Entwürfe eingereicht worden waren, basierten diese anders als beim ADP nicht auf einer definierten und produktionsfähigen Teilepalette. Aus diesem Grund mussten die Fandesigner ihre Modelle eigenständig überarbeiten und auf Baubarkeit, Stabilität und die verwendeten Teile hin optimieren. Dieser teils enorme Arbeitsaufwand sorgte dafür, dass manche Entwürfe von den Designern zurückgezogen wurden, während andere an einem bereits bestehenden unrechtmäßigen Vertrieb von Fremdherstellern scheiterten.

Die verbleibenden 25 Modelle gingen in drei Runden aufgeteilt an den Start, in denen jeweils die ersten fünf der sieben bis neun Entwürfe, die 3.000 Vorbestellungen knacken konnten, produziert wurden. Die maximale Anzahl wurde kurz nach dem Start der ersten Runde auf 10.000 Exemplare pro Modell festgesetzt. Der deutlich größere Andrang im Vergleich zum ADP zwei Jahre zuvor ließ sich bereits in den ersten Minuten der ersten Runde feststellen. Die Server brachen unter dem Ansturm teilweise zusammen und das Castle in the Forrest war bereits nach 20 Minuten gefundet (3.000 Verkäufe) und kurz darauf sogar komplett vergriffen (5.000 Verkäufe). Einige daraufhin eingeführte Änderungen am BDP entspannten die folgenden Runden etwas, der generell große Ansturm (auch auf extrem hochpreisige Sets zwischen 250,- und 350,- Euro) blieb jedoch weiterhin sichtbar.

Was das neue BDP nun ändert und besser macht

Bricklink Designer Program Series 1

Im Verlauf der beiden Vorgängerprogramme konnten BrickLink und LEGO einiges an Erfahrung im Bezug auf Fandesigns, Crowdsourcing und Crowdfunding machen. Die Analyse und Überarbeitung des ADP und BDP kulminieren nun in einem neuen BrickLink Designer Program, dass durch den Zusatztitel “Series 1” zudem direkt auf eine regelmäßige Ausrichtung verweist und zukünftig drei Auflagen pro Jahr beinhalten soll, wie wir auch in unserer Ankündigung zum BrickLink Designer Program Series 1 berichtet hatten. Auch eine Kombination der Vorteile der letzten Crowdfunding Projekte ist schnell ersichtlich:

Alle LEGO Fans sind eingeladen, Entwürfe für das BDP einzureichen. Dafür stellt Stud.io, analog zum ADP, wieder eine gesonderte Teilepalette mit erlaubten Elementen und deren Farben zur Verfügung. Somit ist die aktuelle Umsetzbarkeit als Set von Beginn an ein essentieller Punkt beim Entwurf und ausgelaufene Formen, alte Minifiguren oder nicht-existierende Farbvarianten vorhandener Teile werden von vornherein ausgeschlossen.

Da auch abgelehnte oder ausgelaufene Ideas-Beiträge eingereicht werden dürfen (auch vor Ablauf der Frist von drei Jahren), können auch Ideas Entwürfe eine zweite Chance erhalten, sofern sie der vorgegebenen Teilepalette entsprechen oder daran angepasst werden. Auch Re-Entries, seit einiger Zeit ein kontrovers diskutiertes Thema bei Ideas, sind von Beginn an reguliert: Ein nicht für das Crowdfunding ausgewähltes Design darf in zukünftigen Runden erneut eingereicht werden, insgesamt jedoch maximal zwei mal.

“Models submitted to an earlier series can be re-submitted to a future series, if it meets the Submission Guidelines for that series. According to the Terms of Service, you may submit a design to BDP a maximum of 2 times.”

Weiterhin müssen die Entwürfe lizenzfrei sein (auch LEGO eigene IPs wie z.B. Ninjago sind nicht erlaubt) und dürfen keinen bestehenden LEGO Sets zu nahe kommen oder diese bewusst ergänzen. Dieser Aspekt alleine verhindert bereits, dass eher einfach gebaute Werke wie der BTS Entwurf oder Taylos Swift’s Lover House alleine aufgrund der enormen Fanbase des jeweiligen Franchise nach vorne gewählt werden. Lizenzlose Modelle können zwar auch rein thematisch mehr oder weniger Menschen in der AFOL Welt ansprechen, müssen aber dennoch auch bautechnisch überzeugen, vor allem, da die Entwürfe nicht mehr durch LEGO Designer überarbeitet werden und nur generische Minifiguren enthalten dürfen.

Ein weiterer Punkt betrifft das Crowdfunding selbst. Beim “invitational” BDP traten je nach Runde sieben bis neun Entwürfe gegeneinander an, es wurden allerdings nur die fünf Sets produziert, die als erste die Marke von 3.000 Käufen knackten. Dieser Wettbewerb fällt nun weg. Für die erste Crowdfundingrunde werden fünf Modelle ausgewählt und (sofern jeweils die 3.000er Marke geknackt wird) auch alle produziert. Dadurch haben auch langsame Entwürfe, die dennoch im Verlauf der Fundingphase genug Stimmen sammeln, die Chance auf eine Umsetzung und leiden nicht unter schnelleren Konkurrenten.

Wird ein Entwurf nicht umgesetzt weil er es nicht in die Crowdfundingphase schafft oder dort zu wenige Käufe generiert, gehen die Rechte direkt an den Designer zurück. Die ohnehin nötige Bauanleitung, die bei der Einreichung eines Entwurfs mitgeliefert werden muss, kann somit direkt anderweitig zum Kauf angeboten werden. Der hohe Arbeitsaufwand für ein gutes und regelkonformes Modell kann also in jedem Falle monetarisiert werden, sofern die Designer dies selbst in die Hand nehmen möchten. Generell ist zu betonen, dass ein BDP Entwurf einen hohen Zeitaufwand mit sich bringt. Ist alles entworfen und eine Anleitung erstellt erwarten die Ausrichter im Falle eines erfolgreichen Fundings noch etwa 100 zusätzliche Arbeitsstunden, um das Modell für den Verkauf zu finalisieren. Auch vor der Einreichung wird bereits ein realer Nachbau empfohlen, um die Stabilität und Umsetzbarkeit des Entwurfs zu verdeutlichen.

Steht das BDP nun in Konkurrenz zu LEGO Ideas?

In unseren Kommentaren äußerten Einige bereits Bedenken, ob Ideas durch das neue BDP nicht weniger attraktiv oder sogar obsolet werden könnte. Warum beide Programme nebeneinander sinnvoll sind und auf Seiten der Kunden verschiedene Zielgruppen ansprechen sollen, erklärt BrickLink auch im eigenen FAQ zum neuen BDP.

LEGO Bdp Series 1 Vergleich Mit LEGO Ideas

LEGO Ideas richtet sich an ein deutlich breiteres Publikum aus Teenagern und Erwachsenen mit einem gewissen Bezug zu LEGO (daher auch die 18+ Kennzeichnung), was durch den Verkauf der Sets in Ladengeschäften und Onlineshops, sowie der Bewerbung in Shop@Home LEGO Katalogen und dem LEGO eigenen Webauftritt begünstigt wird. Das BDP soll ausdrücklich AFOLs ansprechen, die naturgemäß deutlich tiefer in der Materie stecken und durch Blogs, Social Media und BrickLink selbst von diesem Programm erfahren. Während LEGO Ideas weltweit verfügbar sein wird und in Sachen Stückzahlen theoretisch unbegrenzt produziert werden kann, sind die Entwürfe des BDP auf jeweils 20.000 Exemplare limitiert, die zudem nur in 31 Länder weltweit geliefert werden können.

Aus Sicht von Designern sind die Einstiegshürden bei LEGO Ideas sehr viel geringer als beim BDP. In Sachen Teilepalette, Farben, Minifiguren und eigenen Dekorationen sind keine Grenzen gesetzt und auch was Lizenzthemen angeht ist sehr viel erlaubt. Mit erreichen der 10.000 Stimmen haben die Fandesigner ihre Arbeit getan, im Falle einer erfolgreichen Auswahl kümmern sich LEGO Angestellte um alles weitere (auch wenn Fandesigner natürlich dennoch in die Überarbeitungen mit einbezogen werden). Alleine die restriktiven Vorgaben beim BDP in Verbindung mit der zu erstellenden Anleitung und angekündigten 100 zusätzlichen Arbeitsstunden nach einer Auswahl für das Crowdfunding nehmen die Fans hier deutlich stärker in die Pflicht.

In Sachen Vergütung ist die Beteiligung an den BDP Verkäufen mit 5% der Erlöse rein prozentual gesehen zwar höher als bei LEGO Ideas (1%), allerdings auch auf 20.000 mögliche Verkäufe begrenzt. Ein beliebtes Ideas Set, das wie die Saturn V insgesamt länger als vier Jahre im Vertrieb war, dürfte sich sehr viel mehr als 100.000 Mal verkauft haben und damit die beim BDP mögliche Beteiligung trotz des geringeren Prozentsatzes deutlich übersteigen.

Zuguterletzt bleiben noch zwei subjektive Kriterien, die für den Großteil der Fans aber dennoch ein gewisses Gewicht haben dürften: Zum einen bleibt bei Ideas das große Prestige, ein wirklich offizielles LEGO Set des eigenen Modells zu erhalten, das in den Regalen der Geschäfte steht, von allen gesehen wird und neben eigenen Anspielungen auch eine Erwähnung des Fandesigners in der Bauanleitung beinhaltet. Und auch aus Kundensicht wird ein offizielles Ideas Set immer den gewohnten, aber selbst doch nicht ganz trivial umsetzbaren “LEGO Look” haben, während die BDP Sets erfahrungsgemäß trotz aller Überarbeitung und Professionalität immer noch wie sehr gute MOCs aussehen.

Wie man den Diskussionen in unseren Kommentaren regelmäßig entnehmen kann, gibt es für beides entsprechende Fangruppen. Die Größe und Relevanz dieser Fangruppen innerhalb der weltweiten Käuferschicht von LEGO dürfte allerdings recht gut im Verhältnis zu den verfügbaren Exemplaren bei Ideas und dem BDP stehen und falls nicht, könnte die Anzahl an Exemplaren pro BDP Set auch jederzeit angepasst werden. Durch das BDP werden also vor allem die “Ultras” bedient, während ein sehr großer Anteil der weltweiten LEGO und Ideas Käufer gar nicht so viel davon mitbekommen könnte, sich gleichzeitig aber auch kaum an den oftmals angesprochenen Problemen der LEGO Ideas Plattform stören, geschweige denn davon wissen dürfte.

Fazit

Was Fans, Kunden und Moccer in Zukunft stärker anspricht und wo welche Modelle künftig eingereicht und umgesetzt werden muss sich erst noch zeigen. Wer sich in letzter Zeit häufig an den eingangs genannten Punkten bei LEGO Ideas gestört hatte, könnte nun jedoch ein passendes Programm erhalten, das bis zu 15 Modelle pro Jahr hervorbringen kann. Somit steigen für die Zielgruppe der engagierten AFOLs durch das BDP sowohl die Auswahl an Fanmodellen, die zum Kauf stehen, als auch die eigenen Chancen auf eine Umsetzung bei einer Einreichung.

Bei aller berechtigter Kritik an Ideas ist mir selbst bisher auch keine wirklich Lösung zur Beseitigung der dortigen Probleme eingefallen, auch in den Diskussionen in den Kommentaren stellte es ein gewisser Konsens ein, dass es kaum einfache und dennoch für alle zufriedenstellende Maßnahmen gibt. Mit dem angekündigten BrickLink Designer Program scheint LEGO allerdings einen Ausweg gefunden zu haben, ohne überhaupt etwas an Ideas ändern zu müssen. AFOLs erhalten ein eigenes Programm, das viele der Forderungen berücksichtigt und umsetzt, während Ideas weiterhin niedrigschwellig und für alle offen ist und somit den von LEGO gewünschten Werbeeffekt beibehält. Ich bin gespannt darauf, wie das neue BDP anläuft und welche Modelle es hervorbringt!

Nun ist eure Meinung gefragt! Seht ihr das BrickLink Designer Program ebenfalls als “Ausweg” für die Kritik des harten Kerns der Ideas User? Denkt ihr, dass AFOLs durch dieses Programm regelmäßig mit Sets versorgt werden, die sie sich zuvor auch bei Ideas gewünscht hätten? Diskutiert gerne in den Kommentaren und tauscht eure Gedanken zum neuen BDP aus!

Über Tobias 101 Artikel
Als Star Wars Fan kaufte er sich als Kind von seinem ersten Taschengeld Luke's Landspeeder (7110) und kam während des Studiums durch das Modell der Saturn V zurück zu LEGO.
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