Die neuen LEGO City Straßenplatten: Eine Einordnung

LEGO City Straßenplatten Meinung Titel

Seit LEGO ankündigte, in der LEGO City Themenwelt neue Straßenplatten einzuführen, die die von vielen lieb gewonnenen Grundplatten mit Straßenaufdruck ersetzen würden, erregt diese Entscheidung die Gemüter. Auch erste Reviews schufen hier keine Abhilfe, sondern befeuerten die Diskussion weiter.

Mit diesem Artikel möchten wir versuchen, mal einen Schritt zurück zu treten und das Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Wir hoffen, dadurch dazu beizutragen, die momentan sehr aufgeheizte Diskussion wieder auf ein sachlicheres Niveau zu bringen. Wie immer seid ihr am Ende dieses Artikels herzlich dazu eingeladen, über das Thema zu diskutieren, auch eine Umfrage haben wir eingebaut, deren ehrliche Beantwortung uns und euch bei der weiteren Einordnung des Themas helfen kann.

Bereits vorab möchten wir für die Diskussion einige Grundregeln aufstellen, die sich an unserer Netiquette orientieren:

  • Bitte formuliert eure Meinung sachlich und begründet diese.
  • Persönliche Angriffe, Beleidigungen und Herabwürdigungen anderer Leser, Blogger, Youtuber usw. sind verboten und werden von uns konsequent moderiert.
  • Bitte achtet darauf, dass euer Kommentar einen konkreten Bezug zu diesem Artikel oder den Kommentaren anderer Leser hat. Vermeidet bitte Allgemeinplätze wie „eh alles Schrott“, „das gefällt nur Fanboys“ (siehe hierzu auch Regel 2) usw.

Wir freuen uns auf eine höfliche, sachliche Diskussion mit euch! 🙂

Der Stein des Anstoßes: Was war passiert?

Mit den LEGO City Neuheiten, die seit Anfang Januar erhältlich sind, führte LEGO ein neues Straßensystem mit zwei Platten Höhe ein. Zeitgleich gingen die althergebrachten Straßen-Grundplatten, wie es sie in verschiedenen Zusammensetzungen seit 2005, in anderen Designs sogar schon seit den 70er-Jahren gegeben hatte, bei LEGO Ende 2020 aus dem Sortiment. Die neuen Straßenplatten wurden im Rahmen des Erweiterungssets LEGO 60304 Straßenkreuzung mit Ampeln auf den Markt gebracht und außerdem diversen Sets der neuen City-Welle beigelegt. Nachfolgende Galerie zeigt die zuletzt erhältlichen Straßen-Grundplatten sowie das neue Erweiterungsset und dessen Verbindungstechnik.

Diese Neuerung stellt nun all jene, die in der Vergangenheit in großem Umfang auf das alte Straßensystem gesetzt hatten, vor ein Problem: Das Höhenniveau ihrer bisherigen Stadt und das des neuen Straßensystems sind nicht mehr gleich. Die neuen Straßen sind im Vergleich wesentlich höher und lassen sich nicht mehr ohne Weiteres mit den vorhandenen Grundplatten kombinieren. Auch sind die neuen Straßenplatten nicht mehr 32 x 32 Noppen, sondern nur noch 16 x 16 Noppen groß, weil der „Bürgersteig“ wegfällt.

LEGO Grundplatten vs. normale LEGO Platten

Für diejenigen, die nicht ganz so tief im Thema sind, sei diese Problematik hier etwas ausführlicher erläutert. (Fast) alle Elemente im LEGO System passen in ein bestimmtes Raster, was Abstände, Höhe, Breite usw. anbelangt. So ist z.B. ein gewöhnlicher LEGO Stein exakt so hoch wie drei aufeinandergesteckte LEGO Platten. Die Grundplatten hingegen, die es nicht nur als bedruckte Straßen sondern auch unbedruckt als reine „Noppen-Grundplatten“ in verschiedenen Farben gibt, passen nicht so recht ins restliche LEGO System: Sie sind niedriger als eine gewöhnliche LEGO Platte, lassen sich aber nicht stapeln, um deren Höhe zu erreichen, da sie nur auf der Oberseite Noppen haben, aber auf Ihrer Unterseite keine andere Grundplatte aufnehmen können.

LEGO City Straßenplatten Einordnung Unterseite Grundplatte
Unterseite einer Grundplatte (links) im Vergleich zu einer normalen Platte. Die Grundplatte kann keine Noppen aufnehmen.

Das war früher nie ein Problem, denn damals enthielten nicht nur die Straßen-Packs Grundplatten sondern auch viele Sets wie z.B. Polizeistationen und Feuerwehren. So befanden sich die Noppen des Sets und die Noppen der Straßen, wenn man diese anlegte, wieder auf einer gemeinsamen Höhe und ließen sich problemlos verbinden. Mit der Zeit verschwanden jedoch die Grundplatten aus den Sets der City-Themenwelt und diese wurden stattdessen auf gewöhnlichen Platten gebaut, sodass diese Sets genau genommen bereits seit Jahren nicht mehr zum Straßensystem „kompatibel“ waren.

LEGO City Straßenplatten Einordnung Höhe Grundplatte
Höhenunterschied einer Grundplatte (links) zu einer normalen Platte

Allerdings verwendet noch heute die bei vielen erwachsenen Fans beliebte Modularhausreihe Grundplatten, um die Häuser darauf aufzubauen. Auch bei anderen großen Gebäuden wie den Teilen der Ninjago City kommen nach wie vor Grundplatten zum Einsatz. Für die Sammler solcher Gebäude ist das neue Straßensystem problematisch, denn es verwendet nun keine Grundplatten mehr, sondern Formteile, die sich wie ein Puzzle zu Straßen und Kreuzungen zusammensetzen lassen. Diese Formteile haben eine Höhe von zwei LEGO Platten (in den Aussparungen zum Verbinden von einer LEGO Platte) und sind damit deutlich dicker als eine Grundplatte. Da aber die Grundplatten wie oben beschrieben nicht wirklich ins System passen und sich auch nicht stapeln lassen, wird es schwierig, diese mit den neuen Straßen zu verbinden.

LEGO City Straßenplatten Einordnung Höhe Grundplatte Vs Modularhaus
Höhenunterschied der neuen Straßen (zwei Platten Höhe, in den Aussparungen eine Platte Höhe) im Vergleich zu einem Modularhaus

Wer also Sammler der Modularhäuser ist, steht nun vor dem Problem, seinen Straßenzug nicht um die neuen Straßen erweitern zu können, da diese außer dem Höhenunterschied auch in Sachen Breite und Gestaltung nicht zum alten Straßensystem passen.

Kompatibilität: Verschiedene Sichtweisen

Aus Sicht der erwachsenen Städtebauer, Modularhaus-Sammler oder jener, die schon viele der alten Straßenplatten besitzen, ist es aus obigen Gründen zunächst verständlich, von „Inkompatibilität“ des neuen Systems zu sprechen. De facto lassen sich die neuen Straßen nicht „einfach so“ mit den alten verbinden.

Betrachten wir das Ganze aber einmal aus einem anderen Blickwinkel: LEGO bestätigte gerade kürzlich in einem Interview mit Brick Fanatics, dass erwachsene Käufer, die die Sets für sich selbst anschaffen, inzwischen für 20% des Unternehmensumsatzes verantwortlich sind. Das klingt zunächst nach einem sehr großen Anteil, aber wie viele dieser erwachsenen Fans haben wohl einen Bedarf an Straßenplatten? Machen wir uns Folgendes bewusst:

  • Die Umsätze von erwachsenen Käufern umfassen nicht nur die Modularhausreihe oder sonstige Gebiete, für die man Straßen benötigt. Sie enthalten vielmehr auch alle anderen Produktreihen, die für Erwachsene interessant sind, und für die keine Straßenplatten benötigt werden, z.B. LEGO Star Wars, LEGO Technic, LEGO Ideas usw.
  • Nicht alle Käufer der Modularhausreihe sind automatisch Städtebauer und verwenden Straßenplatten, viele Käufer stellen sich die Häuser einfach ins Regal.
  • Der Anteil am Umsatz ist nicht gleichbedeutend mit dem Anteil an verkauften Sets. Da erwachsene LEGO Fans sich oft gerade für die besonders großen und teuren Sets interessieren, liegt der Anteil an der Gesamtmenge verkaufter Sets mit Sicherheit viel niedriger als 20%.
  • Gleichzeitig zählen die City- und die Creator 3-in-1 Reihe, also die beiden Reihen, in denen ebenfalls Häuser und Stadtszenen zu finden sind, zu denjenigen Reihen, die für Kinder besonders gerne gekauft werden. Aus den o.g. Gründen werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mehr Straßenplatten als Zubehör zu diesen Reihen verkauft als zu den Modularhäusern.
  • LEGO City und Creator 3-in-1, also die Sets der Hauptzielgruppe für Straßenplatten, waren, wie oben bereits erwähnt, schon seit Jahren „inkompatibel“ zu den bisherigen Straßenplatten. Auch waren die bisherigen Straßenplatten mit ihrer Größe von 32 x 32 Noppen im Verhältnis zu den meisten City Sets sehr groß.

Zusammengefasst: LEGO schafft zwar mit dem neuen Straßensystem eine „Inkompatibilität“ zu den Modularhäusern und ähnlichen Sets für Erwachsene, beseitigt aber gleichzeitig eine bestehende „Inkompatibilität“ zu City und Creator 3-in-1, wo aller Wahrscheinlichkeit nach der größte Bedarf an Straßenplatten besteht. Auch ist das neue System für Sets in diesem Maßstab wesentlich flexibler, da die Elemente kleiner sind und sich vielfältiger kombinieren lassen.

Offizielles Statement von LEGO

Solche Überlegungen und vor allem der Fokus auf das LEGO City-Umfeld haben bei der Entscheidung, diese Neuerung einzuführen, offenbar tatsächlich eine große Rolle gespielt. Darauf deutet ein offizielles Statement hin, das LEGO im LAN (LEGO Ambassador Network) veröffentlicht hat und das wir nachfolgend für euch übersetzt haben. Den originalen Wortlaut könnt ihr z.B. bei BricksFanz nachlesen.

Die Einführung der neuen LEGO City Straßenplatten in 2021 bietet mehere Vorteile. Die neuen Straßenplatten spielen eine wesentliche Rolle in den LEGO City Produkten, wo sie es Dir, bedingt durch ihren modularen Aufbau, ermöglichen, kreativ zu sein und die LEGO City Deiner Vorstellung zu erschaffen.

Aus diesem Grund glauben wir, dass die neuen Straßenplatte ein authentischeres Bauerlebnis bietet und außerdem, weil sie in vielfacher Weise umgestaltet werden kann und Dir erlaubt, Deine LEGO City Gebäude auf eine bessere Art zu verbinden.

Künftig werden wir in der Lage sein, relevanten Produkten des LEGO City Portfolios eine oder mehere Straßenplatten beizulegen. Dies ist etwas, das wir mit der alten Version nicht tun konnten. Wir glauben, dass dies den Kindern einen großen Vorteil bringt, da sie kein seperates Straßenplatten-Produkt kaufen müssen, um mit dem Bau ihrer LEGO City zu beginnen.

Wir räumen auch ein, dass dies eine große Änderung für die AFOL Community bedeutet, aber wir glauben daran, dass die neue Straßenplatte langfristig sogar noch bessere Fanmodelle und -modifikationen ermöglichen wird.

Es war für uns von großer Wichtigkeit, ein neues Element zu entwickeln, das die Spielerfahrung , die LEGO City jedes Jahr Millionen von Kindern bietet, um neue Aspekte erweitert und zur gleichen Zeit mehr für das steht, worum es bei LEGO geht: Das Bauen.

Wenn ich dieses Statement in eigenen Worten zusammenfasse (und dabei den Anteil der PR-Abteilung einmal ignoriere), so bedeutet es für mich, dass LEGO den Einsatzzweck des Straßensystems ganz klar bei LEGO City und der zugehörigen Zielgruppe sieht, die bisherigen, „vorgefertigten“ Straßen-Grundplatten nicht mehr der Philisophie des Unternehmens entsprechen und dass aus Sicht von LEGO die erwachsenen Fans einfach „damit leben müssen“. Und auch wenn ich persönlich den alten Grundplatten nachtrauern werde: Aus Sicht des Unternehmens, das die Zielgruppe für seine Produkte im Auge behalten muss, kann ich die Entscheidung nachvollziehen.

Natürlich könnte LEGO ebenso gut zweigleisig fahren und beide Systeme parallel anbieten. Das werden sie aber zur Markteinführung der neuen Straßenplatten tunlichst vermeiden, um nicht selbst den Absatz der neuen Produkte zu schwächen. Ob sich dies mittelfristig ändert, bleibt abzuwarten. Betrachtet man den Trend der vergangenen Jahre, in denen die Grundplatten immer stiefmütterlicher behandelt wurden, so wirkt es allerdings eher, als wolle LEGO irgendwann komplett auf Grundplatten verzichten.

Womöglich liegen die Gründe im Produktionsverfahren: Die Grundplatten werden nicht wie die anderen LEGO Elemente im Spritzguss-, sondern im Thermoform-Verfahren hergestellt. Das sieht man u.a. daran, dass LEGO Grundplatten keine Angusspunkte wie normale LEGO Teile haben. Es ist möglich, dass LEGO zukünftig auf den Einsatz dieses Verfahrens in der Produktion verzichten und sich ganz auf die Spritzgusstechnik fokussieren möchte. Auch liest man hin und wieder, dass die Grundplatten schon heute nicht mehr durch LEGO selbst hergestellt, sondern extern produziert werden. Die Abschaffung der Straßen-Grundplatten könnte also ein weiterer Schritt dahin sein, dass LEGO sich von zugekauften Teilen unabhängiger machen möchte, wie dies kürzlich schon durch den Verzicht auf Metallachsen bei den Zügen zu beobachten war. Aber das ist alles reine Spekulation.

Erwachsene LEGO Städtebauer: Eine laute Minderheit?

Die oben angestellten Überlegungen zur Zielgruppe der alten und neuen Straßenplatten basieren letztlich nur auf Vermutungen und Deduktion, denn LEGO veröffentlicht keine konkreten Zahlen dazu, wie viele Sets z.B. aus der City Reihe sie pro Jahr verkaufen oder welche Umsätze sie mit bestimmten Themenreihen erzielen. Das macht eine objektive Bewertung des Sachverhalts schwierig. Um zumindest ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, wie groß der Anteil der Städtebauer unter unseren Lesern tatsächlich ist, haben wir eine kleine „Marktforschungs-Umfrage“ aufgesetzt. Wir würden uns freuen, wenn ihr an dieser teilnehmt.

Verwendet ihr aktuell Straßenplatten und wie steht ihr zu der Neuerung?

  • Ich verwende aktuell Straßenplatten und lehne die Neuerung ab (36%, 890 Votes)
  • Ich verwende aktuell KEINE Straßenplatten und lehne die Neuerung ab (22%, 540 Votes)
  • Ich verwende aktuell KEINE Straßenplatten finde die Neuerung gut (18%, 441 Votes)
  • Das Thema ist mir egal. (18%, 437 Votes)
  • Ich verwende aktuell Straßenplatten und finde die Neuerung gut (7%, 183 Votes)

Anzahl Stimmen: 2.491

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Immer geradeaus: Braucht es Kurven im LEGO Straßensystem?

Ein weiterer Punkt, der immer wieder kritisiert wird, ist, dass das neue Straßensystem – Stand heute – keine Kurven vorsieht. Das ist für diejenigen, die sich eine möglichst realistische LEGO Stadt aufbauen wollen, zweifelsohne ein Ärgernis und eine Verschlechterung gegenüber dem alten System.

Betrachten wir gleichwohl erneut die vermutliche Hauptzielgruppe: Wo liegt für ein Kind, das mit seinen LEGO City Sets spielt, der Mehrwert einer Kurve? Welchen zusätzlichen Spielwert bietet diese, der sich nicht auch mit Geraden und (T-)Kreuzungen realisieren ließe? Bietet ein System mit vielen Kreuzungen, Ampeln und Fußgänger-Überwegen, wie sie die neuen Straßenplatten enthalten, nicht sogar einen wesentlich höheren Spielwert? Unbestreitbar ist doch schließlich, dass große Teile des LEGO Systems… nun ja… eben eckig sind. Die Grundflächen fast aller Sets, die Gebäude enhalten, egal ob City, Modularhaus oder Creator 3-in-1, sind eckig.

Und schließlich: Vielerorts auf der Welt gibt es Städte, die fast gänzlich ohne Kurven auskommen. Sind Kurven also wirklich eine Notwendigkeit, wenn es nicht um Realismus, sondern um Spielwert für eine Zielgruppe im Vorschulalter geht? Ich persönlich finde: Nein. Wenn ihr dies anders seht, äußert eure Gedanken und Argumente hierzu gerne in den Kommentaren! Im Übrigen bleibt abzuwarten, ob LEGO die neuen Straßenplatten nicht doch noch um Kurven ergänzt, denn immerhin: Denkbar wären sie auch in diesem System.

Weitere Kritikpunkte: Hochglanz und Breite

Nun haben wir die Punkte Kompatibilität und fehlende Kurven betrachtet, doch die neuen Straßen bieten noch weitere Angriffspunkte. Im Gegensatz zu den bisherigen Grundplatten, die eine recht unempfindliche Oberfläche hatten, werden die neuen Straßen nun aus Hochglanzteilen zusammengesetzt. Das macht sie wesentlich empfindlicher gegenüber Kratzern und Abdrücken aller Art. Und auch wenn die Hauptzielgruppe sich wahrscheinlich an einigen Kratzern nicht stört, so empfinde ich dies als eindeutigen Nachteil.

Andererseits verstehe ich die Entscheidung von LEGO, die Teile so zu produzieren: Hätte man den Straßenplatten eine matte, strukturierte Oberfläche gegeben, so hätte man auch entsprechende neue Formen für beide Fliesentypen gebraucht, die hier zum Einsatz kommen um z.B. die Platten zu verbinden und die Zebrastreifen zu bauen. Alle beim Käufer vorhandenen (hochglänzenden) Fliesen, die man sonst ebenfalls mit dem System hätte kombinieren können, hätten dann aber deplatziert gewirkt. Schade ist es trotzdem, dass die neuen Straßen nun empfindlicher sind.

LEGO City Straßenplatten Einordnung Vergleich Glänzende Matte Fliesen
Glänzende Fliese im Vergleich zu einer matten Fliese, wie LEGO sie oft ab einer bestimmten Größe verwendet

Ebenfalls kritisch betrachtet wird vielerorts die Breite der neuen Straßen. Da die Straßenplatten jetzt 16 x 16 Noppen groß sind, haben beide Spuren nur etwas weniger als 8 Noppen Breite zur Verfügung, wenn wir den gedruckten Mittelstreifen einmal abziehen. LEGO hat allerdings diverse Autos mit 8 Noppen Breite im Portfolio, z.B. wurde die Speed Champions Reihe erst kürzlich auf dieses Maß umgestellt. Oft sind die Autos effektiv sogar noch breiter, da Spiegel oder Räder überstehen. Kurzum: Zwei solche Autos können auf den neuen Straßenplatten nicht aneinander vorbeifahren. Und selbst in der LEGO City Reihe gibt es Fahrzeuge, wo dies zumindest fraglich ist, z.B. das große Polizeifahrzeug im Set LEGO 60278 die Suche nach dem Ganovenversteck, zu dem uns allerdings bisher nur einige unscharfe Bilder vorliegen.

Zugegeben, die Autos bei LEGO City sind in der Regel vier, manchmal auch sechs Noppen breit. Und auch hier gilt wieder, dass die Hauptzielgruppe sich wahrscheinlich am Manko der zu engen Straßen kaum stören wird. Es ist auch nachvollziehbar, warum LEGO gerade eine Fläche von 16 x 16 Noppen für das neue System gewählt hat, nämlich um zumindest in dieser Hinsicht noch eine gewisse Kompatibilität zu den bisherigen Grundplatten mit 32 x 32 Noppen zu erhalten. Trotzdem ist die Lösung nicht optimal und es bleibt abzuwarten, wie LEGO zukünftig mit diesem Thema umgehen wird.

Ist der Preis zu hoch angesetzt?

Neben allen Diskussionspunkten, die mit dem Design der neuen Straßenelemente zusammenhängen, wäre da schließlich noch die Preisdiskussion. Fragt man mich, ob ich die neuen Straßenplatten für zu teuer halte, so lautet die kurze Antwort lautet: Ja. Die etwas längere Antwort lautet: Die UVP für das neue Straßensystem, aber auch für viele andere aktuelle City Sets, wirkt sehr hoch angesetzt und es scheint, als seien die marktüblichen Rabatte von ca. 30% hier schon eingepreist. (Dass diese Rabatte letztlich zu Lasten der Händler gehen, ist sehr unschön, soll aber nicht Thema dieses Artikels sein.)

Betrachten wir einmal die LEGO City 60304 Straßenkreuzung mit Ampeln für 19,99 Euro. Der Teilepreis wirkt mit ca. 18 Cent pro Stein zwar hoch, befindet sich aber innerhalb des „LEGO City Kosmos“ noch im Rahmen, zumal die großen Straßen-Formteile enthalten sind. Der Preis pro Stein ist allerdings nicht immer ein guter Indikator für den Wert eines Sets, wie sieht es deshalb mit dem Spielwert aus?

LEGO City 60304 Straßenkreuzung Mit Ampeln (5)

Vergleichen wir hierzu dieses Set mit dem bisherigen Grundplatten-Paket 60236 für 9,99 Euro, das ebenfalls eine T-Kreuzung mit Fußgängerüberweg enthielt, so wird klar, dass das neue Set bei ähnlichem Spielwert doppelt so teuer ist.

LEGO 60236 Gerade Und T Kreuzung

Die Verkehrsschilder, Pflanzen und Ampeln im neuen Set wiegen meines Erachtens diesen Preisunterschied nicht auf. Mit der Preisfindung hat LEGO dem neuen Straßensystem also vielleicht einen Bärendienst erwiesen: Die Absatzzahlen werden es zeigen.

Neue Straßen mit Grundplatten kombinieren: Es geht doch!

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf die Frage der Kompatibilität von altem und neuem Straßensystem zurück. Es gibt eine einfache Lösung, wie sich die Grundplatten von z.B. Modularhäusern und die neuen Straßenplatten doch auf ein gemeinsames Niveau bringen lassen, sodass sie sich wieder im selben Raster befinden und miteinander verbinden lassen. Ausführlich könnt ihr das in diesem sehr schönen Artikel von New Elementary nachlesen, doch ich fasse die Lösung auch hier kurz zusammen:

Man kann LEGO Grundplatten zwar aufgrund ihrer inkompatiblen Unterseite nicht mit anderen Elementen verbinden, aber legt man eine Grundplatte einfach auf eine normale LEGO Platte, so entspricht die resultierende Höhe wieder exakt zwei gewöhnlichen Platten!

LEGO City Straßenplatten Einordnung Workaround Höhenunterschied
Auf eine normale Platte gelegt, hat eine Grundplatte die gleiche Höhe wie zwei gestapelte normale Platten

Es ist also durchaus möglich, seine vorhandenen, auf Grundplatten gebauten Häuser aufzubocken, sodass sich wieder ein kompatibles Niveau zu den neuen Straßen ergibt. Auch gibt es von anderen Herstellern – leider nicht von LEGO selbst – für vergleichsweise kleines Geld gewöhnliche Platten in Grundplattengröße, die man hierfür als Unterlage verwenden könnte. Das Ganze bleibt für viele Sammler und Städtebauer bestimmt trotzdem ein Ärgernis – aber immerhin ein lösbares.

Fazit

Wie fast immer, wenn eine große Neuerung eingeführt wird, hat das neue LEGO Straßensystem einige Startschwierigkeiten. Viele Entscheidungen seitens LEGO finde ich in Anbetracht der Zielgruppe nachvollziehbar, manche sorgen wahrscheinlich wirklich für ein besseres Spielerlebnis. Andere Probleme wie den hohen Preis und die für manche LEGO Fahrzeuge zu geringe Breite der Straßen finde ich hingegen etwas problematisch und es bleibt abzuwarten, wie LEGO hiermit umgehen wird. Auch wird es spannend sein zu sehen, ob wir für das neue System noch Kurven bekommen. Übrigens gab es in der LEGO Geschichte schon öfters „harte“ Übergänge zu neuen Straßendesigns, wenn diese auch zugegebenermaßen nicht ganz so disruptiv waren wie jetzt. Eine sehr schöne Abhandlung über die Geschichte der LEGO Straßen findet ihr z.B. bei The Rambling Brick.

Die erwachsenen Modularhaus-Sammler und Städtebauer werden sich mittelfristig wohl mit dem neuen System anfreunden müssen, aber immerhin gibt schon eine Lösung, wie sich grundplatten-basierte Gebäude mit dem neuen System verbinden lassen. Wer dies partout nicht möchte, dem bleibt noch immer die Möglichkeit der „Endbevorratung“ mit den alten Grundplatten, denn diese sind zur Zeit am Markt durchaus noch erhältlich.

Jetzt interessiert uns eure Meinung: Seht ihr das neue LEGO City Straßensystem ausschließlich kritisch oder könnt ihr ihm auch positive Seiten abgewinnen? Gefällt es euch womöglich sogar besser als die alten Grundplatten? Seht ihr euch als Teil der Zielgruppe und wenn ja: Wofür verwendet ihr die LEGO Straßen? Wir freuen uns auf den Austausch in den Kommentaren, wobei wir noch einmal an die oben definierten Umgangsregeln erinnern möchten.

Über Jens Herwig 278 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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