StoneWars Smalltalk: Unsere liebsten Themenwelten und der Grund dafür

Smalltalk Titel

Einer der schönsten Aspekte eines gemeinsamen Hobbys ist es, sich mit Gleichgesinnten darüber auszustauschen. Auch unabhängig von News, Angeboten oder Reviews gibt es viele LEGO Themen, über die man trefflich philosophieren kann, und genau dafür haben wir den „Smalltalk“ ins Leben gerufen.

In unregelmäßigen Abständen reißen wir hier ein Thema an, über das wir uns dann alle in den Kommentaren unterhalten können. Sucht euch ein gemütliches Plätzchen, schnappt euch einen leckeren Kaffee oder ein anderes Heiß- bzw. Kaltgetränk eurer Wahl und plaudert mit uns und miteinander!

Heute geht es um das Thema:

Unsere liebsten Themenwelten und der Grund dafür

Als ich diese Zeilen schreibe, hält in Deutschland gerade der Sommer mit aller Macht Einzug. Während sich draußen die Welt immer mehr in einen Backofen verwandelt und von der nebenan gelegenen Baustelle, auf der gerade der Boden verdichtet wird, ein permanentes, monotones Brummen zu mir durchdringt, sitze ich im abgedunkelten Zimmer, das trotzdem nicht kühl bleiben möchte, und träume vom Meer – natürlich nur, wenn ich nicht arbeite, Grüße an Lukas.

So lange ich zurückdenken kann, übt das Meer auf mich eine große Faszination aus. Die Gewalt der Gezeiten, der die Menschen schon seit Jahrtausenden zu trotzen versuchen und die doch immer wieder die Oberhand gewinnt, das Gefühl der endlosen Weite und Leere, wenn man sich mitten auf See befindet, das Rauschen und Schlagen der Wellen – all das kratzt buchstäblich nur an der Oberfläche dessen, warum ich das Meer liebe. Denn schon in wenigen Metern Tiefe endet die wahrnehmbare, die persönlich erfahrbare Welt, und eine ganz neue Welt, die wir trotz aufwendigster Expeditionen noch immer nur im Ansatz erforscht haben, beginnt.

Die Tiefen des Meeres finde ich deshalb ähnlich inspirierend wie die Weite des Weltraums. In beidem kann die Phantasie sich entfalten, kann man die Realität ausblenden und sich ganz der Vorstellung hingeben. Ideale Voraussetzungen für eine LEGO Themenwelt also, womit wir langsam zum heutigen Thema des Smalltalks hinüberschwenken, doch eigentlich sind wir ja schon mittendrin. Heute soll es nämlich darum gehen, welche LEGO Spielreihen uns damals wie heute besonders begeistert haben und was unsere ganz persönlichen Gründe dafür sind. Und zumindest für das „Damals“ fällt mir die Wahl nicht schwer: Aquazone.

Die Aquanauts und Aquasharks – mit Abstrichen, weil mir das Figurendesign zu düster war, auch die späteren Hydronauts und Stingrays – regten vor 25 Jahren meine Phantasie genauso an, wie sie es noch heute tun. In diese Welt kann und möchte ich voll und ganz eintauchen (kein Wortspiel), sie inspiriert mich zum Bauen, weil ich mir vorstelle, welchen Kreaturen die U-Boote wohl begegnen und wie sich die Beteiligten auf das Leben unter Wasser eingestellt haben könnten, das womöglich ihren kompletten Planeten bedeckte. Das Farbschema, die Gestaltung und Spielfeatures der Sets, das großartige Artwork der damaligen Werbung, all das ergab für mich ein wunderbar stimmiges Konzept, das gleichzeitig der eigenen Vorstellungskraft noch genügend Raum ließ, weil es nicht zu viel vorgab. Ähnlich denke ich über viele der LEGO Space-Reihen aus den Neunzigerjahren, die ich deshalb kollektiv auf Platz zwei meiner Allzeit-Favoriten wählen möchte.

Themen, die zu stark im Alltag verhaftet waren oder die reale Geschichte verdrehten, etwa LEGO City (das früher noch Stadt hieß) oder die diversen Burgen- und Ritterthemen, übten auf mich nie den gleichen Reiz aus wie die Themen, die in ihrem ganz eigenen Universum spielten. Auch heute finde ich an den alten Rittersets vor allem die Zauberer, Geister und Drachen spannend – die Burgen, Kutschen und anderen realen Anleihen jedoch kaum. Eine Ausnahme bilden hierbei für mich die Adventurers, aber der Mensch steckt ja bekanntlich voller Widersprüche.

Womit ich bei der der Frage angelangt wäre, wie es sich mit den modernen Themenwelten verhält. Denn auch hier empfinde ich ähnlich: Viele der heutigen LEGO Spielwelten beruhen auf Lizenzen zu Filmen, Serien oder Spielen, wodurch sie recht eng an eine vorgegebene Geschichte geknüpft sind. Auch bei eigenen Entwicklungen geht LEGO inzwischen fast immer diesen Weg, indem mittels Animationsserie, App oder anderweitiger medialer Begleitkampagne eine Geschichte vorgegeben wird.

In der Regel möchte ich das aber nicht, vor allem dann nicht, wenn Sets oder Story schlicht die Realität abbilden oder, noch schlimmer, zu dieser im Widerspruch stehen – etwa, wenn beim Kampf zwischen Helden und Superschurken reale Städte in Schutt und Asche gelegt werden. Als Blockbuster mag das funktionieren, doch ist dies nicht die Art Geschichte, die ich selbst weiterspinnen möchte – meine LEGO Welt ist friedlicher.

Meistens nehme ich also nur einen kleinen „Denkanstoß“ mit und ignoriere den Rest. Ganz wunderbar funktionierte dies z.B. bei  den eher unpopulären Nexo Knights, die aufgrund ihrer Anleihen bei den klassischen Weltraumthemen, ihres überdrehten Designs und ihrer gelungenen Spielfeatures mein Interesse für LEGO Spielsets überhaupt erst wieder weckten und auch ohne die begleitende Serie ihr ganz eigenes kleines Universum in meinem Kopf erschufen.

Die einzige Themenreihe, die gerade wegen ihrer Geschichte zu meinen liebsten zählt, ist LEGO Harry Potter. Joanne K. Rowling ist es in den Büchern gelungen, eine extrem phantasievolle Zauberwelt so mit der realen Welt in Einklang zu bringen, dass alles, was in den Geschichten geschieht, tatsächlich genau so hätte passiert sein können, ohne dass wir armen Muggel auch nur den Hauch einer Ahnung davon hätten – und genau das macht für mich den Reiz aus, zumal die LEGO Sets und speziell die Minifiguren der letzten Jahre die Geschichte wunderbar einfangen.

Sollte ich in zwei Sätzen zusammenfassen, was eine LEGO Themenreihe haben muss, um in meinen Favoritenkreis aufzusteigen, so würde ich sagen: Sie muss schön gestaltet sein und eine kleine Welt erschaffen, in der ich mich gedanklich gerne aufhalte. Sie muss den Rahmen für eine phantasievolle Geschichte bieten, die weit genug von der Realität entfernt ist, um wahr sein zu können. 😉

Was sind eure liebsten LEGO Spielwelten, damals und heute? Was macht für euch deren besonderen Reiz im Vergleich zu anderen Reihen aus? Schafft ihr es (hoffentlich besser als ich), eine Art „Regel“ zu definieren, was eine gelungene Spielwelt für euch haben muss? Ich freue mich auf den Austausch in den Kommentaren!

Über Jens Herwig 318 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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