StoneWars Smalltalk: Tag des Erwachens – Unser Weg aus den Dark Ages

Smalltalk Titel

Einer der schönsten Aspekte eines gemeinsamen Hobbys ist es, sich mit Gleichgesinnten darüber auszustauschen. Auch unabhängig von News, Angeboten oder Reviews gibt es viele LEGO Themen, über die man trefflich philosophieren kann, und genau dafür haben wir den „Smalltalk“ ins Leben gerufen.

In unregelmäßigen Abständen reißen wir hier ein Thema an, über das wir uns dann alle in den Kommentaren unterhalten können. Sucht euch ein gemütliches Plätzchen, schnappt euch einen leckeren Kaffee oder ein anderes Heißgetränk eurer Wahl und plaudert mit uns und miteinander!

Heute geht es um das Thema:

Tag des Erwachens – Unser Weg aus den Dark Ages

LEGO ist für viele als Hobby nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken, doch in den meisten Fällen war das nicht immer so. Für die meisten von uns gab es, nachdem man sich schon als Kind für LEGO begeistert hatte, eine Zeit, in der die bunten Steinchen aus Billund plötzlich keine Rolle mehr spielten, z.B. weil man entdeckte, dass andere Dinge (und Menschen) plötzlich ebenfalls interessant waren. Diese Phase, sozusagen die „dunkle Zeit“ im Leben eines AFOLs, bevor man zurück zu LEGO fand, wird gerne selbstironisch als „Dark Ages“ bezeichnet. Ich möchte euch heute von den drei Schritten erzählen, in denen ich wieder mit dem Bauen und Sammeln anfing, und wie aus den zaghaften Anfängen schließlich ein Hobby wurde, dem ich mich nun sogar beruflich widme.

Alles begann im Jahr 2012. Ich hatte gerade mein Studium beendet und meinen ersten Job angetreten, die allgemeinen finanziellen Ansprüche waren noch sehr studentisch geprägt und mit dem Geld, das deshalb übrig blieb, wollte ich mir gerne sebst eine Freude machen. Im Kollegenkreis war – ich weiß selbst nicht mehr genau, wie es dazu kam – über den LEGO Technic 8810 Unimog gesprochen worden, und da mir die großen Technic-Modelle früher immer besonderen Spaß bereitet hatten, schaffte ich ihn mir an – mehr aus Neugier, wie diese sich in den vergangenen 10-12 Jahren weiterentwickelt hatten. Hätte mich dieses Set nicht so begeistert, würde ich heute wohl nicht diese Zeilen schreiben, aber weil es so war, standen zwei Jahre später schon vier weitere, große Technic-Modelle in meinem Büro, für die ich inzwischen sogar extra ein Regalbrett an der Wand angebracht hatte.

Erneut waren es dann die Kollegen, die mein neues Hobby amüsiert zur Kenntnis genommen hatten, die mich fragten, ob ich denn schon einmal im deutschen LEGOLAND gewesen sei – das sei ja schließlich nicht allzu weit entfernt. Ich hatte bis dahin, ehrlich gesagt, gar nicht realisiert, dass es überhaupt ein deutsches LEGOLAND gab, war nun aber natürlich sehr neugierig und konnte sogar meine bessere Hälfte überreden, mich mehr oder weniger freiwillig dorthin zu begleiten. Die fröhliche Gestaltung des Parks gefiel uns beiden gut und die Fahrgeschäfte machten, da wir eh keine allzu wilden Achterbahnen mögen, Spaß. Am meisten faszinierte mich aber die Fabrik. Die dortige Auswahl an Einzelsteinen war beeindruckend und hatte etwas von einem (zugegebenermaßen recht teuren) Schlaraffenland, und weil mir der kleine Drache Ollie, das Maskottchen des LEGOLANDs, das sich bei der Feuerdrachen-Fahrattraktion an diversen Stellen versteckt, so gut gefiel, beschloss ich, mich mit grünen Steinen einzudecken und mich an einem Eigenbau zu versuchen – den Begriff MOC kannte ich damals noch nicht. Meine Mini-Version gelang mir gar nicht mal so schlecht, aber auf der Suche nach Bildern stellte sich heraus, dass es diesen Drachen sogar einmal als offizielles Set mit der Nummer 3724 gegeben hatte – den musste ich haben! Nach einem kurzen Blick auf die Gebrauchtpreise wurde mir schnell klar, dass auch hier ein Rebrick angesagt sei. Doch würde ich im LEGOLAND alle Teile bekommen? Und welche Teile brauchte ich überhaupt für das Set? So kam ich erstmals in Berührung mit Bricklink, und ehe ich mich versah, hatte ich neben meinen Technic-Modellen zwei Drachen im Zimmer stehen und begann, mir eine Teilesammlung für eigene Modelle aufzubauen.

Der dritte Schritt und der Grund, warum plötzlich auch Spielsets für mich wieder interessant wurden und ich begann, meine alten Themenreihen aus Kindertagen zu vervollständigen, hieß: Nexo Knights. Diese Reihe wurde anfangs im LEGOLAND intensiv beworben, und irgendetwas daran, vermutlich das Farbschema, das mich ein wenig an die alten Weltraumthemen der 90er-Jahre erinnerte, sprach mich ungemein an. Zunächst war die Hemmschwelle groß – die Begeisterung für solche „Kindersets“ ließ sich doch schließlich, im Gegensatz zu der für die großen Technic-Sets, als Erwachsener kaum rechtfertigen. Doch irgendwann schlug ich bei einem besonders günstigen Angebot für das 70317 Fortrex einfach zu, und einige Zeit später hatte ich dann plötzlich alle Sets der ersten Welle beisammen (so lernte ich auch, wie man auf LEGO Schnäppchenjagd geht).

Ich stellte fest, dass mir die bunten, phantasievollen Spielsets im Grunde viel mehr Freude machten als die Technic-Modelle, denn mit Technik hatte ich im beruflichen Alltag ja schon genug zu tun. Auch war es mir inzwischen egal, ob mein Hobby von anderen belächelt wurde, denn je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es viele Erwachsene gab, die Spaß an den kleinen Steinen hatten – und die anderen hatten es wahrscheinlich nur einfach noch nicht ausprobiert. Ich begann, ganz selbstbewusst auch meinen geliebten Retro-Spielwelten wieder zu frönen, und als mir auffiel, dass es zum Themenkomplex „alte Sets“ in den einschlägigen Blogs (Stand damals) nur recht selten Beiträge gab, bot mir Lukas an, ich solle doch ruhig mal selbst einen Text darüber verfassen – den Rest kennt ihr. 😉

So viel zu meiner LEGO Geschichte. Aber jetzt interessieren mich, und bestimmt auch euch gegenseitig, eure Geschichten! Hattet ihr womöglich gar keine „Dark Ages“? Gab es „Schlüsselerlebnisse“, durch die ihr wieder mit dem Hobby LEGO begonnen habt, und welche Entwicklung haben eure diesbezüglichen Interessen seitdem genommen? Was glaubt ihr, wo die Reise für euch noch hingeht? Seid ihr gleich (wieder) voll ins Hobby eingestiegen oder hat sich dies über einen längeren Zeitraum ergeben? Erzählt es uns!

Über Jens Herwig 278 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
guest
152 Kommentare
Ältester
Neuester Bestbewertet
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare