StoneWars Smalltalk: Der Erfolg von LEGO Ninjago – Fluch oder Segen?

Smalltalk Titel

Einer der schönsten Aspekte eines gemeinsamen Hobbys ist es, sich mit Gleichgesinnten darüber auszustauschen. Auch unabhängig von News, Angeboten oder Reviews gibt es viele LEGO Themen, über die man trefflich philosophieren kann, und genau dafür haben wir den „Smalltalk“ ins Leben gerufen.

In unregelmäßigen Abständen reißen wir hier ein Thema an, über das wir uns dann alle in den Kommentaren unterhalten können. Sucht euch ein gemütliches Plätzchen, schnappt euch einen leckeren Kaffee oder ein anderes Heißgetränk eurer Wahl und plaudert mit uns und miteinander!

Heute geht es um das Thema:

Der Erfolg von LEGO Ninjago – Fluch oder Segen?

Die neuen Ninjago Sets, mit denen LEGO uns in diesem Jahr überraschte, sorgten bei mir für ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst erschienen die „Insel-Sets“, die in mancherlei Hinsicht an die alte Insulaner-Reihe, eine meiner absoluten Lieblings-Themenwelten erinnerten, und nun bringt LEGO mit den im Juni anstehenden Unterwasser-Sets quasi auch noch einen Aquazone- bzw. Atlantis-Nachfolger auf den Markt. Also alles super und für mich ein Grund zur Freude – oder nicht?

Im ersten Moment freute ich mich tatsächlich über die nostalgischen Assoziationen, die diese Sets bei mir hervorriefen. Doch mit etwas Abstand und nach einiger Überlegung machen sie mich eher traurig. Zum Inselthema erschienen gerade einmal vier Sets (und ein Polybag), von denen ich nur zwei für wirklich gelungen halte, und nun wird nach gerade einmal drei Monaten schon wieder „die nächste Sau durchs Dorf getrieben“.

Was mich daran stört? LEGO verbrennt hier meines Erachtens kreatives Potential zugunsten einer leichteren Markteinführung. Wo man früher das Risiko eingegangen wäre, eine eigenständige Reihe zu entwickeln, werden nun die zweifellos guten Ideen in ein Ninjago-Korsett gepresst, denn dieses Thema ist inzwischen beinahe ein Selbstläufer und die passende TV-Serie zum Vermarkten hat man ja auch schon. Die gleiche Strategie ist auch bei City und Friends erkennbar.

Ich überspitze hier etwas, doch dieses Vorgehen ärgert bzw. enttäuscht mich. Es führt dazu, dass im Endeffekt alle neuen Ideen und Konzepte, selbst das Unterwasserthema, nach Ninjago aussehen – und das ist schade, denn daraus hätte man mit etwas Mut so viel mehr machen können. Aus wirtschaftlicher Perspektive kann die Strategie, nach der LEGO offenbar vorgeht, natürlich nachvollziehen – warum sollte man sich unnötig selbst Konkurrenz machen?

Meines Erachtens waren die Nexo Knights, die ich persönlich, zumindest am Anfang, sehr gelungen fand, der letzte ernsthafte Versuch von LEGO, ein eigenes, lizenzfreies Spielthema neben City, Friends und eben Ninjago zu etablieren. Diese Reihe brachte aber, wie zuvor schon Legends of Chima, nicht den gewünschten langfristigen Erfolg, und seitdem scheint LEGO für klassische Spielwelten lieber auf Nummer sicher zu gehen und setzt deren Konzepte im Rahmen der drei genannten etablierten Reihen um.

Schauen wir einmal zurück auf die vergangenen drei Jahre: Mit den Sets zu The LEGO Movie 2 versuchte man in 2018 und 2019, auf der erhofften Erfolgswelle der Kinofortsetzung mitzuschwimmen – was, wie wir wissen, nicht gelang. Hidden Side floppte, weil sich das Marketing allzu sehr auf die eher langweilige App fokussierte, und mit VIDIYO, übrigens genau genommen wieder ein Lizenzthema, steht offenbar bereits der nächste Flop in den Startlöchern – die Reihe konnte bisher wenig überzeugen und z.B. die Beatboxen werden im Einzelhandel teilweise schon mit extrem starken Rabatten abverkauft.

Warum traut LEGO sich nicht mehr, die gleiche Energie und Zuversicht, mit der Konzepte wie Hidden Side oder VIDIYO offenbar entwickelt wurden, in die Vermarktung eigener, klassischer Spielwelten zu stecken, die ohne Gimmick auskommen und außerhalb der Ninjago-Welt funktionieren? Monkie Kid zeigt, wie es gehen könnte, doch auch hier traute man sich nicht, die Reihe global auszurollen.

Deshalb würde ich die eingangs gestellte Frage, ob der Erfolg von Ninjago Segen oder Fluch ist, gerne beantworten mit: Beides.

Es ist für das Unternehmen und auch für uns Kunden toll, dass es bei LEGO eine so erfolgreiche Reihe gibt, in die unheimlich viel Energie gesteckt wird und die mit teilweise großartigen Sets zu überzeugen weiß. Es ist gleichzeitig aber auch extrem schade, dass dieser Erfolg bei LEGO offenbar zur Überzeugung geführt hat, es könne zumindest in den westlichen Märkten keine weitere phantasievolle Spielwelt neben Ninjago existieren, sofern sich diese nicht über eine technische Spielerei, am besten eine App, definiert und sich so von Ninjago, City und Friends deutlich abhebt. Ich halte dies für einen Irrglauben.

Was ich mir wünsche: LEGO sollte wieder mehr Vertrauen in die Fähigkeit seiner Produkte haben, Kinder und Erwachsene aufgrund ihres Designs zu begeistern – auch ohne bekannte Lizenz oder technisches Gimmick. Denn schließlich war auch das Ninja-Thema bei Ninjago nicht automatisch ein Selbstläufer, sondern musste erst am Markt etabliert werden – und warum soll das mit einem anderen Thema nicht wieder gelingen? Und außerdem: Selbst, wenn wie bei Chima oder Nexo Knights der „Hype“ nur für kurze Zeit anhält, dürfte das wirtschaftliche Resultat kaum schlechter ausfallen als bei gefloppten Themen wie TLM2 oder Hidden Side – warum also nicht einfach mal versuchen?

Wie steht ihr zu diesem Thema? Findet ihr es primär großartig, wie vielfältig Ninjago ist und wie die LEGO Designer es, teilweise mehrfach im Jahr, immer wieder neu erfinden? Oder trauert auch ihr den vertanen Chancen nach, einige der Ideen in vollwertige eigene Themenreihen zu entwickeln? Was spricht aus eurer Sicht dafür und dagegen, und wie könnte LEGO eventuell einen guten Mittelweg finden? Lasst uns darüber sprechen!

Über Jens Herwig 295 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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