Wolfholm: Ein eisiges Burg-MOC und seine Entstehung

Wolfholm Titelbild

Bis jetzt habe ich meine eigenen Modelle hier immer bloß als Bauinspiration des Monats vorgestellt, aber heute kapere ich StoneWars mal, um euch mein neuestes MOC zu präsentieren: Wolfholm! Und zwar inklusive detailliertem Einblick in den Entstehungsprozess. 

Alles angefangen hatte mit einem Bauwettbewerb auf Flickr, dem Summer Joust 2020 – jetzt, wo mein LEGO Zimmer so gut wie fertig ist, kann ich endlich wieder an solchen Herausforderungen teilnehmen. Für die Kategorie „The Frozen North“ wollte ich gerne eine Burg bauen, die in Mitten eines eisigen Sees, dem Schneesturm und frostigen Temperaturen stand hält.

Normalerweise würden jetzt sofort die fertigen Fotos des Modells kommen, die vielleicht begeistern, euch aber im Dunkeln lassen, wie das Modell überhaupt entstanden ist. Deswegen habe ich erstmals den Bauprozess detailliert festgehalten und mit meiner Instagram Community geteilt. Die insgesamt 100 Stories können hier chronologisch nachgeholt werden.

Für StoneWars habe ich einige dieser Schnappschüsse ausgewählt und mit erklärendem Text versehen, damit wir die Entstehung von Wolfholm nochmal zusammen erleben können:

Ideenfindung

Die grobe Idee mit der Burg im gefrorenen See stand recht schnell, aber architektonisch wusste ich noch nicht, wo die Reise hingeht. Da ich selbst kein Architekt bin, suche ich mir bei solchen Herausforderungen oft Zeichnungen oder Fotos, welche die Ästhetik einfangen, die ich gerne auch in meinem Modell wiederspiegeln möchte und mir mit Ideen aushelfen können.

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Für meine Burg habe ich einen Sketch von Ian McQue, einem relativ bekannten Concept Artist, als Grundlage genommen. Mir hat die Komposition der verschiedenen Gebäude gut gefallen und die verschiedenen Arten von Fenstern, Balkonen, Erkern und Dachgauben haben mich sehr inspiriert.

Brücke

Die Brücke über den See war tatsächlich das erste Element, was ich für mein LEGO-Modell umsetzte. Wie die meisten Burgen sollte auch meine vornehmlich grau werden, sodass ich die monotone Farbgebung mit einer extra Priese Struktur im Mauerwerk ausgleichen wollte. Zum Beispiel hat der Bogen einen Offset von einem halben Stein oder die grauen Zähne, welche die Ecken des Pfeilers bilden – eine Technik, die sich durch das gesamte Modell gezogen hat.

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Von Anfang an präsent waren auch die Eiszapfen, schließlich sollte das Modell nach eisigem Norden aussehen. Primär habe ich dafür auf weiße Unikitty-Hörner, weiße Speerspitzen, transparente Antennen und transparente Zähne gesetzt – die Zähne gibt’s seit dem Micro A-Wing endlich in der Farbe: Heureka! Die Laternen kamen später dazu und wurden natürlich auch mit Schnee bedeckt (Weißer Minifigur-Kragen und ein Ninja-Tuch)

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Haus

Der Entstehungsprozess ist dabei nie so gradlinig, wie es hier scheint, sondern ich springe immer zwischen den verschiedenen Sektionen, je nachdem, wofür grad die Ideen da sind. An die Brücke angrenzend steht ein kleines Haus, das ich zunächst mit der kleinen Treppe grob gebaut habe. Später, als dann klar war, in wieweit es von der Burg davor verdeckt wird, habe ich die Fassade nochmal verbessert und das Dach über der Tür gebaut. Für die eisernen Beschläge der Tür kamen übrigens Hammer zum Einsatz.

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Bergfried

Das Hauptgebäude der kleinen Burg begann ich, sehr an die ursprüngliche Zeichnung angelehnt, mit der Wendeltreppe, die zum Anleger führt. In diesem Bereich sind die Wände alle nicht rechtwinklig zueinander, was das Bauen etwas komplizierter macht, aber am Ende besser zur Ästhetik der Burg passt.

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Besonders viel Spaß beim Bauen bereitet mir die steinernden Wände mit Details auszuschmücken, wie zum Beispiel dem schwarzen Gittertor, dass den Eingang in einen Keller verschließt, eine kleine Feuerschale oder das Schild mit den riesigen Eiszapfen. Das Wolfpack Zeichen brachte die zündende Idee die kleine Burg zur Behausung der einsprechenden Castle Fraktion zu machen und führte mich zum Namen Wolfholm.

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In der zweiten Etage des Bergfrieds befindet sich ein gusseiserner Balkon, ein Detail, dass wiederum durch die Zeichnung con Ian McQue inspiriert wurde. Außerdem konnte ich das neue LEGO Teil für das Minion Auge geschickt als rundes Fenster einbauen. Steine & Teile sei dank!

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Aufgebrochen wird das triste Farbschema durch dunkelbraune Holzelemente für den Erker und die Dachgauben. Ich habe hier bewusst auf Reddish Brown verzichtet, um das Gesamtbild so kalt wie möglich wirken zu lassen. Die Dächer habe ich durchgängig in Dunkelblau gebaut und hier und da mit Schnee bedeckt. Das war am Anfang noch etwas wenig, aber ich habe später nachgebessert.

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Nachdem die drei Sektionen Brücke, Haus und Bergfried fertig waren, habe ich sie in der finalen Konstellation zusammengestellt: nun galt es unter die Burg einen eiskalten See zu bauen. Die Kombination aus sandblauem Unterbau und transparenten Fliesen gefiel mir am besten, sollte aber auch meinen Vorrat an Platten in Sandblau an seine grenzen führen. Die Seefläche wurde dann noch zusätzlich mit einigen Eisschollen bedeckt und der Anleger mit hölzernen Pfosten eingegrenzt.

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Details

Auch wenn bei den frostigen Temperaturen sicher niemand freiwillig draußen sein möchte, habe ich eine kleine Auswahl an Minifiguren zusammengesteckt, um die Burg zu bevölkern. Dabei habe ich versucht, die Charaktere möglichst warm einzupacken und mit Mänteln und Fellen behängt. In Kombination mit den Helmen entwickelte sich dann ein bisschen ein Wikinger Flair, was ich aber ganz passend fand.

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Eine der Figuren fährt auch einen Schlitten, der von einem Pferd über die Brücke gezogen wird und hat sich nach den besten Möglichkeiten in den Sitz gemümmelt und die Mütze tief ins Gesicht gezogen. Die Eiszapfen am Haus bereiteten mir etwas Probleme, da sie im 45° Winkel befestigt werden mussten, aber das Action-Element der Minifiguren stellte sich als perfektes Teil für diese Situation heraus.

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Sobald ich einmal mit dem eisigen Setting warm (bzw. kalt) geworden war, sprudelten die Ideen im wahrsten Sinne des Wortes und ich versuchte für den Abfluss eine passende Stelle zu finden. Außerdem baute ich ein kleines Gestell für den Fisch, da mir eine Kiste für die Aufbewahrung nicht passend genug erschien. Als kleine Mit-mach-Aufgabe dürft ihr gerne mal den Papagei im rechten Bild suchen!

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Soweit mein kleiner Ausflug in den Entstehungsprozess. Es ist immer schwierig sich nachträglich in die Situation zu versetzten, deswegen empfehle ich die Instagram Stories, da diese live meine Gedanken und Ideen festgehalten haben.

Finales Modell

Und hier nun endlich die finalen Bilder. Ich präsentiere: Wolfholm

Wolfholm Castle02

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Wolfholm Detail03

Insgesamt habe ich sechs Tage non-stop an diesem Projekt gearbeitet inklusive Fotografieren und Bilder bearbeiten, um rechtzeitig für den Wettbewerb fertig zu werden. Die schnelle Bauzeit ging dabei auf Kosten der Rückseite, die leider nicht existiert, dafür aber Einblicke ins Innere gewährt:

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Normalerweise hätte ich mir die Mühe gemacht die Rückseite zu bauen und das Modell auf der nächsten Ausstellung dem Publikum zu präsentieren. Da das dieses Jahr nicht möglich ist, habe ich mich für die detailliertere Vorstellung im Netz entschieden.

Oft drucke ich dann für die großen Modelle zusätzlich noch Postkarten, die ich dann auf den Live-Events verteile. Das fällt leider auch flach, sodass ich mir überlegt habe, erstmals die Postkarten direkt an euch zu schicken. Falls ihr also Lust habt, schaut auf meiner Seite vorbei, unterstützt das Projekt und erhaltet als Dankeschön einen kleinen, exklusiven Print schon bald in eurem Briefkasten. Vielen lieben Dank!

Ich hoffe der kleine Ausflug nach Wolfholm hat euch gefallen. Gefällt euch die frostige Burg? Würdet ihr gerne mehr meiner MOCs auf StoneWars sehen oder reicht euch die Bauinspiration einmal im Monat? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Jonas Kramm
Über Jonas Kramm 407 Artikel
26 Jahre jung mit 22 Jahren LEGO Erfahrung. MOC-Bauer, Pilz-Pflanzer, Dino-Zähmer, Bautechniken-Tester, Set-Schlachter, Foto-Bearbeiter, Farben-Kenner und Teile-Experte.
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