Das LEGO Harry Potter Designteam erklärt: Warum es keine Sets zum 7. Teil gibt, das neue Hogwarts-Design und mehr!

LEGO Harry Potter 7 Titelbild 02

Auf den diesjährigen (digitalen) LEGO Fan Media Days erhielten einige Fanmedien interessante Einblicke in die Entscheidungsprozesse des LEGO Harry Potter Designteams. In mehreren Interviews wurden viele Fragen beantwortet, die vielleicht auch ihr euch schon einmal gestellt habt, z.B. warum es aktuell keine Sets zum 7. Teil der Filmreihe gibt.

Dies und worauf sonst die Designer Yi-Chien Cheng und Marcos Bessa, der als „Design Master“ des Harry Potter Teams unter anderem die kommenden LEGO 76391 Hogwarts Icons und die LEGO 75978 Winkelgasse maßgeblich gestaltet hat, noch eingegangen sind, haben wir unten für euch in eigenen Worten zusammengefasst. Die beiden Interviews, auf die wir uns dabei beziehen, findet ihr im englischen Wortlaut bei Tips & Bricks auf Instagram bzw. als Gedächtnisprotokoll auf dem Youtubekanal von Bricks By Mind.

Neustart der Reihe statt Sets zum 7. Teil

Nachdem sich LEGO in den letzten Jahren bei jeder Welle auf ein bis zwei Bücher konzentriert und damit die Schuljahre 1 – 5 abgedeckt hatte, hofften viele Fans auf neue Sets zu den letzten Filmen, speziell den Heiligtümern des Todes. Schließlich waren diese ja auch in den LEGO Videospielen von TT Games vorgekommen. Stattdessen entschloss sich LEGO aber zu einem „Reboot“, veränderte das Designkonzept und brachte wieder Sets zu den ersten Schuljahren auf den Markt. Was war hierfür der Grund und besteht überhaupt eine Chance auf Sets zum (zugegebenermaßen eher düsteren) Finale der Reihe?

Die LEGO Designer schlossen im Interview nicht aus, dass man sich zu einem späteren Zeitpunkt auch den letzten Filmen widmen werde, auch das „Hineinschmuggeln“ bestimmter Details in das eine oder andere Set sei durchaus denkbar. Allerdings richteten sich die Filme an ein älteres Publikum, und auch hinsichtlich der Firmenwerte seien die frühen Teile passender, da es dort noch mehr um Magie und das generelle Thema einer Zauberschule gehe.

LEGO Harry Potter 7 Duell
Harry und Voldemeort im Duell: Screenshot aus einem LEGO Videospiel von TT Games.

Für die Jahre 2018 bis 2020 bestand lt. Bessa von Anfang an der Plan, sich zunächst auf die ersten drei Filme, dann auf die Filme 4 und 5 zu konzentrieren. Für dieses Jahr gab es zunächst noch keinen festen Plan und man entschied sich nach einigem Überlegen für einen „sanften Neustart“ der Reihe, wobei man sich nicht mehr auf spezielle Filme, sondern auf Schlüsselmomente der Geschichte konzentrierte. Dies tat man, um das Franchise „frisch“ zu halten“ (was wahrscheinlich bedeutet, um neue Käufer anzusprechen). LEGO blickte für die neuen Sets aber in Anbetracht des 20-jährigen Jubiläums auch zu den Anfängen der Themenwelt zurück, wählte einige „starke“ Sets aus und passte sie den heutigen Designmaßstäben an, sodass die aktuelle Welle als eine Hommage an die frühen Sets gesehen werden kann.

Dachfarbe, Puppenhaus-Optik und Szenenauswahl

An den neuen LEGO Harry Potter Sets 2021 gab es einiges, das die Fans der Reihe irritierte. So hatte sich die Dachfarbe des neuen Schloss Hogwarts von Dunkelgrau zu Sandgrün geändert, auch waren die Sets zwar wesentlich modularer, dafür aber in einem kleineren Maßstab aufgebaut, was ihnen eine gewisse Puppenhaus-Optik verleiht. Zu diesen Entscheidungen wurden die beiden LEGO Designer ebenfalls befragt und erklärten dabei auch gleich, auf welcher Grundlage sich LEGO für genau diese Sets entschieden hat.

Harry Potter war, wie bereits erwähnt, ab 2018 ursprünglich für 3 Jahre geplant gewesen, danach wurde das Konzept im doppelten Sinne neu überdacht. Die neue, sandgrüne Dachfarbe wurde gewählt, um sich von den vorherigen Wellen abzusetzen und die Sets dadurch optisch interessanter zu machen (Stichwort Neukundengewinnung). Außerdem wollte man so das 20-jährige Jubiläum feiern, da die früheren Sets ebenfalls sandgrüne Dächer hatten.

Beim Design der Sets versuchte man, die verschiedenen Zielgruppen zu berücksichtigen. Kinder legen vor allem Wert auf hohe Bespielbarkeit, aber immer mehr Kunden möchten auch schöne Displaymodelle. Man dachte deshalb, der Puppenhaus-Ansatz erfülle beide Wünsche und versuchte, die Sets einerseits mit sehr guter Zugänglichkeit zu designen, aber von außen gleichwohl gut aussehen zu lassen.

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Das LEGO Schloss Hogwarts im Wandel der Zeit

Die Entscheidung, welche Szenen überhaupt als Set umgesetzt werden, wird laut den Designern gemeinsam mit Warner Bros. als den Rechteinhabern der Filme getroffen. Die kreativen Teams beider Unternehmen besprechen, was Warner gerne auf dem Markt sehen würde und was LEGO für am geeignetsten hält, wobei die Zielgruppe entscheidend ist. Auch andere Faktoren, etwa Rückmeldungen über die Nachfrage von verschiedenen Märkten und Händlern, fließen in diese Überlegungen mit ein.

Grundsätzlich kommen allerdings nur Szenen in Betracht, die auch in den Filmen vorkommen, denn diese sind durch den Vertrag mit Warner Bros. abgedeckt und das offizielle Referenzmaterial. Deshalb ist es aktuell sehr unwahrscheinlich, dass Sets erscheinen, die sich auf Aspekte nur aus den Büchern beziehen, auch wenn die Designer:innen daran Freude hätten.

Grund für Sammelfliesen und Auswahl der Jubiläumsfiguren

Neben dem veränderten Designkonzept warteten einige der diesjährigen Harry Potter Sets mit zwei weiteren Besonderheiten auf: Neben speziellen goldenen Minifiguren anlässlich des 20-jährigen Jubiläums wurde den Sets eine Reihe zufällig verteilter Sammelfliesen beigelegt, deren Design an die Schokofrosch-Sammelkarten aus den Filmen angelehnt ist. Doch was war die Idee hinter diesen Fliesen? Warum entschied sich LEGO für goldene Jubiläumsfiguren statt einer Neuauflage klassischer gelber Minifiguren und wie wählte man in Billund die neun Charaktere aus?

Die Jubiläumsfiguren sollten sich für die Fans besonders, „sammelbar“ und wertig anfühlen. Man dachte zunächst über eine Neuauflage klassischer gelber Figuren wie beim Star Wars-Jubiläum nach, entschied sich dann aber dagegen, weil sie wegen des damals sehr speziellen Grafikstils der Gesichter weniger „charmant“ gewesen wären als die Star Wars Figuren. Der Stil der alten Figuren entspricht nicht mehr den heutigen Standards – LEGO hatte gar Sorge, dass eine Neuauflage dieser Figuren effektiv als Wertminderung der Sets empfunden werden könnte. Laut Marcos Bessa wird man nach Ninjago und Harry Potter nun voraussichtlich auch für künftige Jubiläen bei goldenen Minifiguren bleiben und würde diese aus heutiger Sicht wohl auch für Star Wars verwenden.

Zur Auswahl der Charaktere erklärte Bessa, dass die Sammelfiguren auf den wichtigsten Charakteren des ersten Film basieren sollten. Das erklärt auch die Wahl von Professor Quirrell, denn dort war er die erste Manifestation von Voldemort und deshalb natürlich relevant. Man diskutierte allerdings zunächst darüber, in welcher Form Voldemort enthalten sein sollte, und entschied sich schließlich für beide Varianten. Quirrel sollte ursprünglich im Fluffy-Set enthalten sein (was viel besser gepasst hätte) und auch die dortige Dachkammer sollte sich stark an Quirrel orientieren. Die Designer bekamen aber für den goldenen Turban nur eine begrenzte Auflage genehmigt, weshalb die Figur in ein teilexklusives Set, die LEGO 76395 Erste Flugstunde, integriert werden musste. Auch die Dachkammer im Fluffy-Set wurde deshalb generischer gestaltet.

LEGO Harry Potter Sommer 2021 Sammelfiguren
Vier der insgesamt neun goldenen Jubiläumsfiguren

Mit den 16 Sammelfliesen (die man am einfachsten mit dem Polybag LEGO 30392 Hermines Schreibtisch komplettieren kann) wollte Marcos Bessa ein wenig das Staunen und die Überraschung zurück in die Sets bringen, die er als Kind erlebte, wenn er ein neues Spielzeug bekam. Heute seien aufgrund der vielen Produktbilder fast alle Details eines Sets schon vorher bekannt, weshalb das Designteam auf diese Weise versucht habe, überraschende Elemente in die Sets einzubauen.

Es ist laut Aussage des Designers übrigens durchaus möglich, dass die Fliesen noch in weiteren Sets erscheinen, wobei es, da das Interview bereits vor längerer Zeit geführt wurde, am wahrscheinlichsten ist, dass er sich hiermit auf den LEGO 76390 Harry Potter Adventskalender und das oben genannte Polybag bezog.

Diversität bei LEGO Harry Potter

Diversität ist ein Thema, das LEGO sich aktuell mit Sets wie dem enthusiastisch aufgenommenen LEGO 40516 Everyone is Awesome oder dem noch ausstehenden LEGO 10291 Queer Eye Apartment öffentlichkeitswirksam auf die Fahne schreibt. Doch spielen solche Überlegungen auch bei einer Reihe wie Harry Potter eine Rolle?

Die Designer haben diese Frage im Interview eindeutig bejaht. Man müsse sich natürlich an das vorhandene Quellmaterial halten, versuche aber, neben den Hauptcharakteren eine möglichst große Diversität in Form der Minifiguren zu erreichen. Aus diesem Grund landete z.B. die Figur von Professor Sinistra in der LEGO 76389 Hogwarts Kammer des Schreckens, obwohl die Schauspielerin in den Filmen nur kurz zu sehen ist.

LEGO Harry Potter 76389 Hogwarts Kammer Des Schreckens Schritt 1 1
Colin, Harry und Prof. Sinistra aus der LEGO 76389 Hogwarts Kammer des Schreckens

Auch bei den baubaren „Riesen-Minifiguren“ LEGO 76393 Harry Potter & Hermine Granger gab der Diversity-Gedanke den Ausschlag, beide Figuren gemeinsam als Set herauszubringen. Erst sollte zur Hälfte des Preises nur Harry enthalten sein, doch dann nahm man Hermine dazu, damit ein männlicher und ein weiblicher Charakter enthalten waren, was gleichzeitig auch den Spielwert erhöhte.

Das Design der Konstruktion hatte LEGO übrigens schon längere Zeit „in der Schublade“ liegen bzw. im Büro stehen. Das 20-jährige LEGO Harry Potter-Jubiläum bot schließlich eine gute Gelegenheit, daraus ein offizielles Set zu machen.

Fanwünsche und warum die Reihe zurückkam

Nachdem es ganze sieben Jahre still um LEGO Harry Potter gewesen war, startete man 2018 die Themenwelt neu. Was gab hierfür den Ausschlag und was waren die größten Herausforderungen dabei? Wie stark nimmt LEGO z.B. die Wünsche der Fans wahr und versucht, diese zu berücksichtigen?

Harry Potter war unter den Designer:innen in Billund immer sehr beliebt. Als die Idee eines Neustarts im Raum stand, gab es allerdings unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Zweifel, wie relevant das Franchise heutzutage bei Kindern noch sei. Man führte Studien durch, deren Ergebnisse sehr positiv ausfielen, was schließlich zur erneuten Aufnahme ins Portfolio führte. Die Aussagen von Marcos Bessa lassen darauf schließen, dass dies maßgeblich von LEGO und weniger von Warner Bros. ausging. Seit ihrem Neustart erfreut sich die Themenwelt eines großen Erfolges bei Jung und Alt.

Die größte Herausforderung, neben der wirtschaftlichen Einordnung, war für die Designer:innen vor allem, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Durch diese fühlten sie sich unter Druck, da sie wussten, dass sowohl den Fans als auch den Rechteinhabern bei Warner Bros. das Harry Potter-Universum viel bedeutet und sie deshalb nichts falsch machen wollten.

Konkrete Fanwünsche, etwa nach einer Erweiterung der Winkelgasse, nimmt man in Billund wahr. Aktuell sind zwar keine Erweiterungen geplant, aber das Design wurde bewusst so gewählt, dass man sich diese Möglichkeit offen lässt. Man sei sich bewusst, dass „ein bedeutendes Gebäude“, sprich Gringotts, aktuell in der Winkelgasse fehle und offen dafür, dies in der Zukunft anzugehen.

Wenn sich Fans ein bestimmtes Set wünschen, empfiehlt Marcos Bessa übrigens, dies LEGO über die Feedback-Seite https://lego.com/productfeedback mitzuteilen – so könne man sich am effektivsten Gehör verschaffen.

LEGO Harry Potter 76395 Hogwarts Erste Flugstunde (1)
Die LEGO 76395 Erste Flugstunde – manche Fans wünschen sich Flugbesen, deren Posierbarkeit näher an der Vorlage ist

Als weiterer konkreter Fanwunsch wurde die Einführung neuer LEGO Elemente zur Darstellung bestimmter Zaubersprüche und „richtiger“ Flugbesen angesprochen.

Was die Zaubersprüche angeht, hatte man ja bereits in einigen Sets mit den „Power Blasts“, die wir auch aus den Superhelden-Sets kennen, herumgespielt, allerdings stellte sich in Tests heraus, dass Kinder diese eher weniger mit Zaubersprüchen assoziieren, weshalb man wieder davon abrückte. Zum Thema Besen, auf denen die Figuren richtig sitzen können (statt diese wie oben bei Draco zu sehen, nur in der Hand zu halten), gab es schon Überlegungen und Skizzen. Allerdings stellte der sehr geringe Abstand der Minifiguren-Beine ein Problem dar, weshalb man bisher keine gute Lösung finden konnte.

Das war es mit unserer Zusammenfassung der Interviews mit dem LEGO Harry Potter Designteam. Fandet ihr diese kleinen Einblicke in die Entstehung der Sets genauso interessant wie wir? Hat euch etwas überrascht? Tauscht euch gerne im Kommentarbereich aus.

Über Jens Herwig 298 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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