Wird LEGO in Zukunft aus Hanf gefertigt? Ein Fake-News Artikel dreht seine Runden…

LEGO Minifigur auf einem Hanf-Blatt

Aktuell macht ein Artikel in den sozialen Netzwerken die Runde. Darin wird behauptet, dass LEGO plant, bis 2030 die gesamte Produktion so umzustellen, dass LEGO aus Hanf hergestellt werden soll. Warum es sich bei diesem Artikel um „Fake-News“ handelt, wollen wir kurz erklären.

Auslöser für unseren Beitrag hier ist dieser Artikel vom „Hanf-Magazin“. Dieser wurde uns von vielen Lesern zugeschickt mit der Nachfrage, ob die Angaben in dem Artikel korrekt sein. Damit wir nicht alle Anfragen einzeln beantworten müssen, nun dieser Artikel zur Einordnung.

Was behauptet der Artikel?

Grundaussage des Beitrages ist, dass LEGO plane, bis zum Jahr 2030 die gesamte Produktion auf Plastik auf Basis von Hanf-Pflanzen umzustellen. LEGO würde aktuell Millionen investieren, um Plastik aus Hanf herzustellen.

Außerdem erwähnt der Beitrag, dass Hanfplastik „biologisch abbaubar“ sei und damit der Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik entgegengewirkt werden könnte.

Welche Quellen nennt das Magazin?

Der Artikel erwähnt Allan Rasmussen, einen Projektmanager bei LEGO. Es wird dessen Versprechen erwähnt, dass die neuen LEGO Steine sich nicht von den alten unterscheiden würden. Man müsse schließlich ein Material finden, dass in 50 Jahren immer noch wie neu sei. Wie das damit zusammen passen soll, dass das Material „biologisch abbaubar“ ist, wird leider nicht erwähnt.

Das Magazin bezieht sich laut eigenen Aussagen auf einen (leider nicht verlinkten) Artikel einer „Nachrichtenseite“ namens „Plastic News“. Dieser Artikel soll die Quelle dafür sein, dass LEGO zukünftig aus Hanf (und nicht etwa aus anderen Pflanzen) gefertigt wird.

Wir haben uns auf die Suche nach der genannten Quelle gemacht. Wahrscheinlich bezieht sich das Hanf-Magazin auf die Seite „Platics News“ und auf diesen dort im Jahr 2014 veröffentlichten Artikel. Darin geht es allerdings an keiner Stelle um das Thema Hanf, sondern ganz generell um die seit Jahren von LEGO kommunizierten Versuche, eine pflanzliche Alternative als Rohstofflieferanten für Kunststoffe zu finden, die das von LEGO so viel genutzte Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer (ABS) ersetzen kann. Das Wort Hanf (im englischen „Hemp“) ist dort aber an keiner Stelle erwähnt.

Man kann also sagen: Valide Quellen für den „LEGO aus Hanf“-Artikel in dem Magazin gibt es keine.

Es gibt übrigens international einige Seiten (die sich komischerweise alle mit dem Thema Cannabis, Legalisierung von Gras etc.) beschäftigen, die in den letzten Jahren ähnliche Artikel veröffentlicht haben. Alle beziehen sich auf den Artikel von Plastics News. Die meisten davon würde ich allerdings nicht als „Fake-News“ bezeichnen, denn sie stellen eine Kleinigkeit richtig dar: Hanf ist hier nur EINE von vielen Möglichkeiten, an denen LEGO (eventuell) forscht.

Was ist dran an der Geschichte?

Was wie erwähnt unbestreitbar richtig ist: LEGO ist seit vielen Jahren damit beschäftigt, pflanzenbasierte Rohstoffe zu finden, die bis 2030 (so das selbst gesteckte Ziel) in der gesamten Produktion von LEGO zum Einsatz kommen sollen. Für einzelne Elemente hat LEGO hier schon erfolgreich Alternativen gefunden. Zu nennen sind hier vor allem die Pflanzen-Elemente, die LEGO relativ öffentlichkeitswirksam im vergangenen Jahr auf Kunststoffe auf Basis von Zuckkerrohr aus Brasilien umgestellt hat (Quelle). So sind zum Beispiel im kommenden LEGO Ideas Baumhaus (21318) alle Pflanzen-Teile aus diesem „Bio-Kunststoff“ hergestellt

Zuckerrohr Feld: Ein Rohstoff für LEGO

Bei den „normalen“ Steinen ist LEGO allerdings noch nicht so weit. Für das in über 70% der Steine genutzten ABS gibt es bisher keine gute Alternative, obwohl schon über 200 Material-Kombinationen getestet und rund 150 Millionen US-Dollar investiert wurde. Wie das Wallstreet Journal (Artikel leider hinter einer Paywall) berichtet, hat LEGO sich für das Vorantreiben der Forschungen auch mit Unternehmen wie McDonald’s, Procter & Gamble und Nestlé zusammengeschlossen. Zusammen will man eine Lieferkette für pflanzenbasiertes Plastik aufbauen. Es wird der Nachhaltigkeitschef von LEGO, Tim Guy Brook, zitiert: „Es ist wie bei der ersten Mondlandung. Als Kennedy ankündigte, er wolle einen Mann auf den Mond schicken, existierte ein Großteil der dafür erforderlichen Technologie noch gar nicht. Wir müssen das jetzt erstmal erfinden.

Der aktuelle Artikel erwähnt übrigens bisher Materialien auf Basis von Weizen oder Mais, die aber ungeeignet seien. Von Hanf ist beim Wall Street Journal nicht die Rede. Weder als geeignete, noch als ungeeignete Alternative.

Wo wird Hanf heutzutage in Kunststoffen eingesetzt?

Nur als kurzer Einschub: Heutzutage wird Hanf vor allem als Verstärkungsfaser in Verbundwerkstoffen eingesetzt. Hier werden lange oder kurze Hanf-Fasern genutzt, um gewünschte Werkstoffeigentschaften zu erreichen. Um die Fasern herum befindet sich in den (wenigen) im Alltagseinsatz genutzten Produkten aber immer noch herkömmlich gewonnene Polymere. Für LEGO Steine kämen solche faserverstärkten Kunststoffe aber wohl eher nicht in Frage.

Kunststoff, der zu 100% aus Hanf hergestellt wird, kommt aktuell nur sehr selten zum Einsatz, vor allem wenn es um das Thema „biologisch abbaubare Kunststoffe“ geht. Auch das ist für LEGO selbstverständlich keine Lösung, denn die Steine sollen ja nach wie vor über Jahrzehnte haltbar sein und sich nicht bei Kontakt mit Wasser und Wärme langsam auflösen.

Warum wird so ein Artikel geschrieben?

Warum veröffentlicht das Hanf-Magazin also einen solchen Artikel, dessen Faktenbasis „ziemlich dünn“ ist? Die Antwort darauf ist relativ einfach: Es klickt sich gut, wie der mittlerweile über 12.000 mal gelesene Artikel beweist. Da Hanf (selbst als harmloser Rohstoff für Plastik) in vielen Köpfen immer noch als zwielichtig abgestempelt ist, lässt sich der Artikel wunderbar mit ein paar kreativen Zeilen wie „Hahaha, demnächst wird man von LEGO Steinen high 😂😂😂“ teilen.

Betreiber der Hanf-Magazin Seite ist übrigens eine Marketing-Agentur aus der Schweiz.

Fazit: Kommt nun LEGO aus Hanf?

Wir können euch also beruhigen (oder enttäuschen 😉): LEGO wird nicht ab 2030 komplett aus Hanf herstellt. Und wie vielversprechend Plastik aus Hanf als mögliche Alternative für heutzutage genutzte Kunststoffe ist, muss die Forschung erst noch zeigen. Wir wollen hier nicht behaupten, das Plastik auf der Basis von Hanf grundsätzlich völlig ungeeignet wäre und das LEGO nicht auch eventuell daran forscht. Was aber schlichtweg nicht stimmt ist, dass die Umstellung auf Hanfplastik eine beschlossene Sache ist. Sie ist allerhöchstens eine von vielen Optionen.

Weder das Hanf-Magazin, noch LEGO haben bisher auf unsere Anfragen zum Sachverhalt reagiert. Wir reichen die jeweiligen Antworten aber nach und bauen sie in unseren Artikel ein.

Seid ihr auch schon auf Facebook oder in anderen sozialen Medien über den Artikel gestolpert, oder haben wir euch jetzt erst darauf aufmerksam gemacht? Wir freuen uns auf eure Gedanken zum Thema in den Kommentaren!

Über Lukas Kurth 738 Artikel
LEGO Liebhaber und Star Wars Fan seit der frühen Kindheit. Begeisterungsfähig und immer Kind geblieben. 28 Jahre alt, studierter Maschinenbauingenieur und der Mensch und Gründer hinter StoneWars.de

21 Kommentare

      • Tja, und Phrasendreschen ohne Nachzudenken ist zeitlos.

        Kannst ja mal meine Kommentare zum jüngsten Brickheadz-Artikel durchlesen, oder dem Baumhaus, oder der Harley oder dem T-Rex oder der SDCC-Stranger Things Minifigur – jeder wird Dir zustimmen, daß ich als Lego-Basher hier unterwegs bin.

        Also, lieber Fanboy: Immer schön Lego-Kritik wegbeißen.

        • Können wir bitte nicht zum 100. mal diese „Hater vs. Fanboy“ Grundsatzdiskussionen hier anfangen? Das ist einfach nicht Thema des Artikels und es ist unfassbar ermüdend…

          @Man-O-Brick: Du weißt ja selber, dass deine Kommentare manchmal anecken. Das das für manchen Leser auch mal anstrengend sein kann, sollte dir dann ja auch bewusst sein.

          • Ehrlich gesagt und mit allem gebotenen Respekt: Du hast es gerade nötig.

            Wer selber konflikträchtige Themen wie zu „Amazon“ aufmacht oder gezielt nach Meinungen fragt, der sollte sich zumindestens nicht genervt geben, wenn die Leser dem folgen.

            Im Übrigen bedienst Du selber allzu gerne streitbaren Dauer-Themen wie Unzulänglichkeiten im Online-Shop.

            Du beschwörst es herauf, Du hälst es dann aber bitte auch aus.

            Und was Du mit „anecken“ negativ zu konnotieren suchst ist nix weiter als eine Position zu beziehen mit Sachbezug.

            Ich bin davon überzeugt, daß Deine Kommentierung sympathiegeleitet ist.

            Du hättest genauso in Richtung „derMatze“ einen genauso berechtigten Tadel äußern können.

            Daher überlass ich Dich in Zukunft mit Deinem „promobricks“-Klon Dir selber und verabschiede mich als Leser von dieser Seite.

          • Ich habe niemanden getadelt und auch nicht versucht, eine negative Konotation einzubringen. Ich wollte dir eine Perspektive von Außen auf deinen Kommentar geben wollen. Die kannst du versuchen einzunehmen, oder eben nicht. Und ich bin auch nicht genervt über alle kontroversen Diskussionen, aber sich immer nur die Begriffe „Fan Boy“ und „Hater“ an den Kopf zu werfen ist nicht zielführend.

            Mein Kommentar kann übrigens nicht sympathiegeleitet sein, denn ich kenne dich ja nicht. Ich kenne nur deine Kommentare, die manchmal themenbezogen, freundlich und konstruktiv und manchmal eben kontrovers und eher destruktiv sind.

            Das mit dem Promobricks-Klon hast du ja schon mal in einem anderen Beitrag angeführt. Ich nehme das einfach mal so als Feedback hin. Das du hier nicht mehr mitlesen willst ist natürlich schade, aber ich werde dich nicht aufhalten.

        • Erstmal danke für diese informative Antwort. Mich als Fan-Boy zu betiteln ist dein gutes Recht und wahrscheinlich im Kern auch wahr. Deswegen lese ich ja Blogs über Lego. Scheinbar hast du aber nicht verstanden worum es mir ging?!
          Deine durchaus sachliche und zur genüge durchgekaute Kritik in Sachen Aufkleber der Firma Lego war nicht Bestandteil des Artikels, nur darum ging es mir. Es ist mittlerweile fast schon egal um was es geht, in jeder Kommetarspalte finden sich die gleichen drei vier Kritikpunkte. Das nervt mich persönlich nur noch. Ich mag auch keine Aufkleber, grade bei hochpreisigen Sets, aber das muss ich doch nicht in jeder Diskussion kundtun? Gut gut, ich hoffe ich konnte meinen einfach nur genervten und nicht persönlich bezogenen Kommentar etwas auflösen.
          Ansonsten, schönen Abend noch, der Fan-Boy

          • Ich muss zumindest auch immer 2 mal hinschauen, um zu erkennen, ob ich gerade bei Promobricks oder bei Stonewars bin. Farbgebung und Aufbau der Seite mit allen Details gleichen sich ja zu 95%. Jetzt mag ich nicht zu beurteilen, ob das ganze vielleicht auf einem Baukasten beruht, den beide Seiten gleichermaßen nutzen oder ob Stonewars hier tatsächlich die Promobricks-Seite als Vorlage verwendet hat. Also alles nur äußerlich. Was den Inhalt angeht, hat ja jeder seinen eigenen Stil gefunden.

          • Also beide Seiten basieren auf WordPress (ziemlicher Standard für fast jede Art von Website heutzutage), allerdings auf verschiedenen Design-Grundlagen. Aber wir nutzen beide Magazin-Layouts, weil es eigentlich für die Art von News-Seite nichts anderes gibt, was sinnvoll wäre. Was wir (als StoneWars) uns vorwerfen lassen müssen sind die ähnlichen Farben wie bei den Kollegen. Letztendlich lag das an dem Designer, der damals unser Logo gemacht hat und seitdem haben wir daran einfach nicht mehr viel geändert. Es war also keine bewusste Entscheidung, da wir von der optischen Ähnlichkeit ja auch keineswegs profitieren…

      • Top recherchirten Artikel? Wenn das Fundament nicht stimmig ist (Wahrscheinlich bezieht sich das Hanf-Magazin auf die Seite „Platics News“ und auf diesen dort im Jahr 2014 veröffentlichten Artikel) ist alles danch nuchr doch Bul….. Doch urteilt selber

  1. Nun ja die Basis für die weitverbreiteten Kunststoffe ist an sich auch Biologischen Ursprungs. Aber man sieht ja recht gut wie Mitweltverdräglich es ist.
    Das Öl wird auch entsprechend verarbeiten um einen wie der Name schon sagt künstlichen Stoff herzustellen.
    Problematisch für die Natur ist das solche künstlichen Stoffe nicht durch Natürliche Prozesse abbauen.
    Selbst auf Molekularer Ebene ist die Auswirkung der Kunststoffe kaum bis gar nicht erforscht.
    Um ein anderes Beispiel zu nennen gibt es seit kurzem Waschmittel in Kunststoffbeuteln. Der dann zur Wäsche gegeben wird und der Kunststoff löst sich beim Wäschen auf und gibt diesen Kunststoff in Molekularer Form ins Wasser ab.
    Wie verhält sich dann sowas bei anderen Kunststoffen.
    Die Auswirkungen unserer Rohstoffverwertung ist in vielen Bereichen nur begrenzt erforscht. Man macht einfach um des Geldes wegen.

    Nachhaltig ist leider nicht wirtschaftlich

  2. Hach, ist schon schön, wenn man gerade aus dem Urlaub zurückgekommen ist, 7 Stunden Fahrt in den Knochen hat und mal auf dem Sofa zur Entspannung die LEGO News der letzten Tage liest und dann so viel Freude und Liebe in den Kommentaren wiederfindet. Es geht doch immer nur um Spielwaren, die wir junggebliebenen, alten Spielkinder eigentlich mögen.

  3. Kurzes Fazit zum Artikel:
    Es wird wieder einmal gezeigt, wie einfach Tatsachen verdreht werden können. Die Mehrheit der Menschen hinterfragt nichts mehr. Hauptasche: Die Überschriften brennen sich die in die Köpfe. Darauf kommt es hier an.

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