Der LEGO Stein aus PET-Flaschen: LEGO Gruppe stellt Prototyp-Stein aus Recycling-Kunststoff vor!

LEGO Brick Prototype Titelbild

Wie viele Unternehmen hat auch LEGO in den letzten Jahren mehr und mehr das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und in der Vergangenheit mehrfach betont, dass das Unternehmen an einigen Projekten in dem Bereich arbeitet. Heute stellt LEGO einen Zwischenstand eines dieser Projekte in Form eines Prototypen-Steins aus recyceltem PET aus alten Plastikflaschen vor.

Rund um den Recycling-Stein hat LEGO heute eine Pressemitteilung rausgehauen, die wir euch hier aufbereitet und mit einigen weiteren Informationen angereichert haben.

LEGO Steine aus Recycling-PET

LEGO Plastikflaschen Zu PET Recycling Stein

Im Gegensatz zu normalen LEGO Steinen (die aus ABS bestehen) sind die neuen Recycling-Prototypen aus PET, also Polyethylenterephthalat, das beispielsweise in Plastikflaschen verwendet wird. PET ist dafür bekannt, in einigen Branchen gerne und viel recycelt zu werden und nun hat sich auch LEGO daran gemacht, das Material als Grundlage für einen Prototypen zu nutzen.

Hierfür hat LEGO nach eigenen Angaben über 250 verschiedenen PET-Varianten getestet. Dabei wurde immer wieder ein Prozess durchlaufen, der die mechanischen Eigenschaften der daraus entstehenden LEGO Steine sicherstellen soll. Diesen Prozess stellt LEGO in dieser Infografik dar und erwähnt dabei auch, dass sich die Patente für den Recycling-Kunststoff aktuell in der Anmeldung befinden:

LEGO Nachhaltigkeit Recycling Stein Infografik

Der nun von einem Team von 150 Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen entwickelte Stein ist wohl der erste, der die Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen der LEGO Gruppe (und wohl auch der Gesetzgeber) erfüllt – darunter wohl auch die beinahe schon „berüchtigte“ Klemmkraft der Steine

Die nächste Testphase mit dem Protoypen-Stein soll mindestens ein Jahr dauern. Der Ausgang der Forschung ist aktuell aber noch absolut unklar: Ob und wann diese Prototypen-Steine jemals ihren Weg in reale LEGO Produkte finden, steht noch in den Sternen. Die Pressemitteilung ist also aktuell nur so zu verstehen, dass LEGO zwar intensiv an dem Thema arbeitet und auch schon einige kleinere Fortschritte macht, aber noch weit von einem realen Produkt entfernt ist.

Unsere Kollegen von NewElementary haben ein Interview mit den Nachhaltigkeits-Verantwortlichen von LEGO geführt, das eventuell nochmal einige spannende Details beinhaltet. Unter anderem verrät LEGO dort, das neben ABS aktuell noch 20 andere Kunststoffe im Einsatz sind – schaut dort gerne mal rein.

Anbei noch eine kleine Galerie mit Pressefotos aus dem Labor von der Entwicklung des Recycling-Steins:

Bisherige Projekte

Der Prototypen-Stein aus recyceltem Kunststoff ist nicht der erste Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit, den das Unternehmen in den letzten Jahren unternimmt. Wir wollen hier nochmal kurz die beiden letzten „großen“ Projekte von LEGO in dem Bereich aufzählen.

Pflanzen aus Pflanzen

Den ersten kleinen Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit ging LEGO mit den „Pflanzen aus Pflanzen“ im Jahr 2018. Hier stellte LEGO im Sommer die ersten LEGO Elemente vor, die aus PE (Polyethylen) hergestellt waren, das aus Pflanzen gewonnen wurde. Der Kunststoff ist zwar chemisch betrachtet komplett identisch (und damit natürlich genau so schädlich für die Umwelt, wenn er beispielsweise im Meer landet), aber die Gewinnung ist insofern nachhaltiger, dass dafür keine begrenzten Ressourcen wie Erdöl nötig sind – die Kunststoffe können eben aus Pflanzen hergestellt werden.

LEGO Plastik Aus Pflanzen (2)

PE ist allerdings nur für weichere LEGO Elemente geeignet, wie beispielsweise eben die viel benutzten und beliebten Pflanzen-Elemente, wodurch auch der Aktionsname „Pflanzen aus Pflanzen“ entstand. Heute weitet LEGO diese Aktion rund um pflanzlich gewonnenen Polyethylen weiter aus und fertigt nun auch schon abseits von Pflanzen erste Teile aus nachhaltiger gewonnenem PE.

Mittlerweile werden laut LEGO mehr als 100 (von über 3600) LEGO Teilen grundsätzlich aus diesem pflanzlich gewonnenen Polyethylen hergestellt.

Papiertüten

Die letzten größeren Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit hat LEGO bei der Verpackung der eigenen Produkte erzielt. So kündigte LEGO im September 2020 an, künftig im Inneren der Kartons auf Plastiktüten zu verzichten und stattdessen auf nachhaltigere Papiertüten umsteigen zu wollen.

LEGO Papiertüten
LEGO Papiertüten

Die Papiertüten haben es bisher leider (mit Ausnahme einzelner Exemplare bei eBay) nicht über den Status der Ankündigung hinaus geschafft, allerdings will LEGO hier noch dieses Jahr die ersten Sets mit Papiertüten im Inneren auf den Markt bringen, zumindest wurde das so im letzten Jahr versprochen:

[…] This is part of its ambition to make all its packaging sustainable by the end of 2025. From 2021, Forest Stewardship Council-certified recyclable paper bags will be trialled in boxes.

In der folgenden Infografik hat LEGO die bisherigen Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit zusammengefasst:

LEGO Nachhaltigkeit Recycling Stein Infografik (2)

Warum kein Recycling-ABS?

Normale LEGO Steine sind aus ABS hergestellt, was als Abkürzung für die Gruppe des Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere steht. Nun hat LEGO einen Stein aus wiederverwendetem PET hergestellt. Da stellt sich doch die Frage: Warum nutzt LEGO nicht einfach Recycling-ABS für die Herstellung der eigenen Steine, wenn ABS doch das Material ist, aus dem die Steine ursprünglich hergestellt werden?

Das Problem ist, dass grundsätzlich quasi jeder Kunststoff (und damit auch ABS) nicht dauerhaft auf gleichem Niveau recycelt werden kann. Eigentlich müsste man korrekterweise von „Downcycling“ sprechen. Bei jedem Recycling-Prozess werden die langen Molekülketten, die dem Kunststoff die mechanischen Eigenschaften verleihen, mehr und mehr zerstört. ABS kann zwar theoretisch bis zu zwei mal recycelt werden, aber wird dabei in der Regel für immer minderwertigere Aufgaben eingesetzt, da der Kunststoff bei jedem der Prozesse an Festigkeit, Zähheit und anderen wichtigen Eigenschaften einbüßt. Aus einem LEGO Stein kann also nicht so einfach ein weiterer LEGO Stein werden, sondern eben beispielsweise eine Parkbank.

In vielen Ländern ist es darüber hinaus auch nicht erlaubt, Spielwaren aus recyceltem Kunststoff herzustellen, da es aufgrund strenger Richtlinien sehr hohe Anforderung an Materialqualität von Spielzeug gibt. Bei Recycling-Kunststoff können kleinste Verunreinigungen oft nicht zu 100% ausgeschlossen werden, was die Sicherstellung der Materialqualität unmöglich macht.

Fazit zum Recycling-Stein

Es ist spannend zu sehen, dass LEGO in dem Bereich der Recycling-Kunststoffe aktiv forscht und nun wohl auch zumindest einen kleinen Durchbruch erzielt hat. Wie zukunftsträchtig diese Forschung ist und ob daraus irgendwann auch reale Produkte werden, die über den (eher für Pressemitteilungen geeigneten) Prototypen-Stein aus PET hinausgehen, wird die Zukunft zeigen. Da LEGO im Bereich Nachhaltigkeit allerdings sehr aktiv kommuniziert, werden wir die Ergebnisse der Forschung sicherlich in den nächsten Jahren mitbekommen.

Wie ist euer Eindruck von dem PET-Prototypen-Stein und was denkt ihr über die Forschungen von LEGO in dem Bereich? Tauscht euch gerne in den Kommentaren zum Thema aus!

Über Lukas Kurth 1989 Artikel
LEGO Liebhaber und Star Wars Fan seit der frühen Kindheit. Begeisterungsfähig und immer Kind geblieben. 31 Jahre alt, studierter Maschinenbauingenieur und der Mensch und Gründer hinter StoneWars.de
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