Partnerschaft mit European Energy: LEGO sichert sich nachhaltig produziertes Methanol für Kunststoffproduktion

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LEGO hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 große Teile der Produktion auf nachhaltig produzierte Rohstoffe umzustellen. Hierfür werden vor allem neue Ausgangsmaterialien für die Herstellung des Kunststoffgranulats benötigt, um dieses nicht mehr auf Basis von Erdöl oder Erdgas synthetisieren zu müssen. Nun hat LEGO auf diesem Weg eine weitere Weiche gestellt, indem man eine strategische Partnerschaft mit den Unternehmen European Energy A/S und Novo Nordisk A/S eingegangen ist.

European Energy, ein dänisches Energieunternehmen mit Sitz in Søborg, ist vor allem auf Bau und Betrieb von Wind- und Solarparks spezialisiert. Als drittes Standbein setzt die Firma allerdings auch sogenannte “Power-to-X”-Projekte um, also Anlagen, in denen mit Hilfe erneuerbarer Energie und nachhaltiger Ausgangsmaterialien wie pflanzenbasiertem CO2 unter anderem Methanol gewonnen werden kann. Zuletzt zeichnete sich durch die Entwicklung neuer Katalysatoren ab, dass dieser Prozess In Zukunft effizienter vonstatten gehen könnte, was möglicherweise zum Interesse von LEGO beitrug: Anstatt als “E-Fuel” weiterverarbeitet zu werden, sollen nämlich künftig aus dem “E-Methanol” Kunststoffe hergestellt werden, indem man es mittels MTO-Verfahren z.B. in Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) umwandelt.

Nachdem LEGO – neben dem schrittweisen Verzicht auf Folientüten in den Verpackungen und anderen Initiativen wie etwa der Ersetzung der “Pick a Brick”-Becher durch kleine Kartons – auch bei der Steineproduktion erste Erfolge verbuchen konnte, erhofft man sich neben den Elementen auf Basis von Zuckerrohr und den Prototypen-Steinen aus recycelten PET-Flaschen offenbar einen dritten Weg, um die Produktion nachhaltiger zu gestalten.

Die größte Power-to-X-Anlage von European Energy steht derzeit in Aabenraa (bzw. auf Deutsch “Apenrade”), das etwa eine Stunde von Billund entfernt liegt. Gemeinsam mit dem ebenfalls in Dänemark beheimateten Phamaunternehmen Novo Nordisk A/S, das zu den führenden Anbietern im Sektor Diabetes zählt und in dieser Eigenschaft auch Produkte aus Kunststoff wie z.B. Insulin-Pens vertreibt, hat LEGO nun mit European Energy eine Vereinbarung über die teilweise Belieferung der Materialproduktion mit E-Methanol ab 2024 geschlossen. Zumindest bei LEGO wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen, bis wir die ersten Steine auf Basis des neuen Ausgangsmaterials sehen werden, denn die hauseigene Forschung an der Umstellung auf diese Kunststoffe beginnt offenbar erst. Nachfolgend haben wir die offizielle Pressemitteilung für euch übersetzt.

European Energy schließt Vereinbarung mit Novo Nordisk und der LEGO Gruppe über die Bereitstellung von E-Methanol als kohlenstoffärmere Alternative zur herkömmlichen Kunststoffproduktion

European Energy A/S hat mit dem führenden Gesundheitsunternehmen Novo Nordisk A/S und dem weltgrößten Spielzeughersteller, der LEGO Gruppe, eine Vereinbarung bekannt gegeben, die es den beiden Unternehmen ermöglichen wird, einen Teil des fossilen Kunststoffs in Zukunft durch kohlenstoffärmere Alternativen zu ersetzen.

Im Rahmen dieser Vereinbarung wird European Energy aus erneuerbaren Energien und biogenem CO2 Methanol, das so genannte E-Methanol, herstellen, das wiederum für die Kunststoffproduktion verwendet werden soll.

Damit hat Novo Nordisk einen Schritt in den Bereich der Substitution von fossilen Kunststoffen durch kohlenstoffärmere Quellen für medizinische Geräte wie Insulinpens getan. Die LEGO Gruppe wird das Potenzial der Verwendung von E-Methanol für die Herstellung ausgewählter Elemente ihres Portfolios untersuchen und plant, in den kommenden Jahren Prototypen zu entwickeln, die längerfristig auf den Markt kommen sollen.

Beide Unternehmen sind bestrebt, in Technologien zu investieren, die den Wissensaustausch fördern und den Fortschritt in der gesamten Branche beschleunigen.

Knud Erik Andersen, CEO von European Energy, sieht in der neuen Partnerschaft ein großes Potenzial:

“Die Verwendung von Kunststoffen ist ein integraler Bestandteil der modernen Welt, nicht nur in unserem täglichen Leben, sondern auch in industriellen Prozessen und Anlagen. Novo Nordisk und die LEGO Gruppe sind bereits auf verschiedene Weise wegweisend für die Zukunft, und durch diese Zusammenarbeit wird dies nun noch verstärkt. Dies ist für alle Branchen von Bedeutung, die sich von fossilen Brennstoffen verabschieden wollen.”

Die Vereinbarung zwischen European Energy, Novo Nordisk und der LEGO Gruppe wird die Lieferung von E-Methanol für einen Teil der Materialproduktion der beiden dänischen Unternehmen ab 2024 sicherstellen. Laut Dorothee Nielsen, Vizepräsidentin für Umweltstrategie bei Novo Nordisk, ist die Vereinbarung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Umstellung auf nicht-fossile Kunststoffe:

“Wir möchten die Dekarbonisierung unseres Unternehmens vorantreiben und als Hersteller von Kunststoffprodukten die Verwendung von fossilen Kunststoffen reduzieren, indem wir mit Lieferanten in unserer Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, die die notwendigen Lösungen wie E-Methanol für die Kunststoffproduktion anbieten können. Mit unserer Umweltstrategie Circular for Zero haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Umwelt nicht mehr zu belasten, und Innovation ist ein wichtiger Faktor auf dem Weg dorthin. Wir hoffen, dass dieses Projekt mehr Partner ermutigen kann, sich an der Dekarbonisierung der Kunststoffproduktion zu beteiligen.”

Nelleke van der Puil, Vice President of Materials bei der LEGO Gruppe, fügt hinzu:

“Wir sind stolz darauf, gemeinsam mit European Energy und Novo Nordisk die Forschung und den Fortschritt bei der Entwicklung von kohlenstoffärmeren Kunststoffen zu beschleunigen. Im Rahmen unseres Engagements für eine nachhaltige Zukunft für Kinder haben wir uns verpflichtet, unsere Produkte aus nachhaltigeren Materialien herzustellen. Mit diesem Projekt erhalten wir unser drittes nachhaltiges Material, das wir neben Bio-PE und Prototyp-Bausteinen aus recyceltem PET entwickelt haben. Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel.”

Das E-Methanol wird in den E-Methanol-Anlagen von European Energy in Kassø, Aabenraa, Dänemark, hergestellt. Die Produktion von E-Methanol wird auf erneuerbarer Energie aus Wind- und Solaranlagen sowie auf biogenem CO2 basieren. Die erste Charge soll im Jahr 2024 ausgeliefert werden.

Wenn ihr weitere Informationen zu den Nachhaltigkeitsprojekten erfahren wollt, so findet ihr diese – natürlich in marketing-gerecht aufbereiteter Form – auf einer eigenen Themenseite auf der LEGO Homepage. Auch in speziellen Jahresberichten wird immer wieder auf den aktuellen Stand eingegangen – auch auf bisher verfehlte Ziele wie etwa die drastische Reduktion des eigenen CO2-Fußabdrucks, die natürlich durch das starke Wachstum erschwert wurde (s. 16 im Bericht über 2022).

Was haltet ihr vom Vorhaben, auf E-Methanol als weiteres Basismaterial für die Kunststoffproduktion zu setzen, um die LEGO Produkte nachhaltiger zu machen? Seht ihr in diesem Ansatz mehr Potential als etwa in der Verwendung von recyceltem Material, die ja im Spielwarenbereich ohnehin teilweise starken Einschränkungen unterliegt? Tauscht euch gerne im Kommentarbereich aus.

Über Jens Herwig 542 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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