Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen: LEGO 41714 Friends Andreas Theaterschule im Review

Review LEGO 41714 Theaterschule Titelbild

Als das Set LEGO 41714 Friends Andreas Theaterschule vor einigen Wochen hier im Blog vorgestellt wurde, waren die Meinungen zum Set großenteils positiv – höchste Zeit also, sich das erste LEGO Theater mal aus der Nähe anzuschauen! Und dies nicht nur aus meiner persönlichen Leidenschaft für Thalia und Melpomene heraus, sondern auch, weil bei mir im Haushalt eine lebende Zielgruppe für die Friends-Reihe herumhüpft.

Weil ihr in den Kommentaren zu Jonas‘ Vorstellungsartikel Ende April auch noch ganz unter dem Eindruck der Muppets-Minifiguren-Serie standet und unbedingt meine absoluten Lieblingsfiguren Waldorf und Statler in die Friends-Logen setzen wolltet, habe ich natürlich auch das ausprobiert – hoffen wir nun aber, dass mein Fazit zu diesem Set weniger vernichtend ausfällt als das Urteil dieser beiden Haudegen, wenn sie nach einer Nummer bei der „Muppet Show“ die Darstellenden abwatschen.

Set und Verfügbarkeit

LEGO 41714 Friends Andreas Theaterschule ist seit dem 1. Juni zusammen mit vielen anderen Juni-Neuheiten im freien Handel erhältlich – und seitdem schon regelmäßig mit etwa 30 Prozent Rabatt bei verschiedenen Händlern zu finden gewesen. Die Preisempfehlung liegt bei 99,99 Euro.

Das Designkonzept stammt von Joel Baker (der u.a. für seine Konzepte für 71043 Schloss Hogwarts und 70840 Willkommen in Apokalypstadt! bekannt ist), final umgesetzt wurde das Set vom LEGO Designer James May.

Alle Details im Überblick:

  • Setnummer: 41714
  • Name (englisch): Andrea’s Theater School
  • Name (deutsch): Andreas Theaterschule
  • Preis (UVP): 99,99 Euro
  • Anzahl Teile: 1154
  • Preis pro Teil: 8,7 Cent
  • Gewicht (nur Teile): 1147 Gramm
  • Preis pro Gramm: 8,7 Cent
  • Anzahl Sticker: 22
  • Anzahl Minidolls: 4
  • Altersempfehlung: 8+

Verpackung und Inhalt

Olympus Digital Camera

Die Setverpackung hat mit 58 cm breite, 38 cm Höhe und 9 cm Tiefe eine recht üppige Größe. Interessant fand ich hier, weil es mir noch nie zuvor aufgefallen ist, dass das Set eine leichte „Kissen-Taille“ hat: Die linke und rechte Kante sind im Kartonzuschnitt halbrund angestanzt, sodass sich die Verpackung seitlich ein wenig „zurückgewölbt“ – das sieht recht schick aus.

Die Kartonvorderseite zeigt uns sehr prominent und in Originalgröße den aufgeklappten Bühnenraum, umgeben von einer atmosphärischen, grafischen Theatergestaltung, in der gerade der roten Vorhang vor dem Set gelüftet wird. Alle enthaltenen Figuren befinden sich auf bzw. vor der Bühne, die verschiedenen Kopfbedeckungsständer und sonstige Bühnenelemente werden ebenfalls präsentiert. In der rechten oberen Ecke wird das Set zusammengeklappt vor einer Stadtkulisse gezeigt, hier unterscheidet es sich aufgrund der andersfarbigen Fassade und des anderen Formfaktors stark vom Hauptmotiv. Rechts unten sind die enthaltenen Minifiguren als Porträts abgebildet – Freya und Ollie scheinen Klassenkamerad:innen zu sein, Prof. Adrian dagegen die schneidige „Dramatisches Spiel“-Lehrkraft. Die titelgebende Andrea ist ganz in der Ecke wie von einem Maskenspiegel eingefasst dargestellt, analog zu den anderen namentlich zugeordneten Sets, die jeweils mit einem anderen grafischen Rahmen die Hauptfigur des Modells hervorhebt. Thematisch sind die Sets dabei den verschiedenen Hobbys und Talenten der fünf Freundinnen Andrea, Emma, Mia, Olivia und Stephanie angepasst.

Die farbliche Gestaltung der Vorderseite entspricht, bis auf die lilafarbenen Kartonecken, weniger dem „Pinke Mädchen“-Vorurteil der Reihe, sondern verströmt eher Theaterzauber.

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Die Rückseite lässt etwas mehr Lila leuchten, zeigt ansonsten aber recht übersichtlich und doch detailreich verschiedene Funktionen und Spielsituationen des Modells, in der Mitte prangt prominent erneut das aufgebaute Modell aus Zuschauersicht, diesmal aber halb zusammengeklappt, um diese Funktion zu verdeutlichen. Umgeben ist es von einer Darstellung der beiden vorhandenen „Bühnenprospekte“, einer Backstage-Ansicht des Modells, dem Blick in eine der Logen sowie eine Übersicht der klappbaren Falltür und des auf- und zuziehbaren roten Vorhangs. Darunter sind kleine Comicsituationen mit ein paar „Emoji-Sprechblasen“ zu erkennen: Andrea trifft vor dem Haupteingang auf Prof. Adrian, Ollie und Andrea holen Instrumente und Requisiten aus der Ausstattungskiste, Freya und Andrea stylen sich vor dem Maskentisch, Freya als Regieassistentin mit Walkietalkie im Gespräch mit dem regieführenden Lehrer sowie Andrea mit einem Tablet vor der Bühne. Die drei Schülerinnen und Schüler sind auch noch mal als Teil einer vermutlich musikalischen Nummer (mit Totenschädel) in der rechten Ecke abgebildet.

Aus dem Karton kommen uns zwölf beschriftete Tüten für acht Bauschritte entgegen, außerdem zwei große Platten sowie die Anleitung mit einem großen und einem kleinen Aufkleberbogen. Letzterer war bei mir leider etwas angerollt und ließ sich nur nach einer längeren Pressung zwischen zwei Buchdeckeln halbwegs in Form bringen – das war aber eher ein Problem fürs Fotografieren denn fürs Aufkleben.

Die Sticker habe ich im folgenden Bauprozess noch nicht aufgebracht, um euch im fertigen Modell den Effekt der verschiedenen Aufkleber besser zeigen zu können.

 

Aufbau

Abschnitt 1

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Im ersten Schritt bauen wir das zentrale Proszenium sowie Teile der Unterbühne. Dazu gehören ein kleiner Toilettenraum und eine Abstellkammer sowie ein Requisitenlager. Die Falltür wird dabei ganz klassisch und mit einem Teil gebaut, das seit 1996 (mit einem kleinen Stabilitätsupdate 2009) für quasi jede LEGO Falltür jemals verwendet wird. Schön ist, dass eine Kreuzachse mit Stopper am Ende verbaut wird, sodass man die Auslösung nie ganz herausziehen kann. Die goldene Pflanzenarabesken werden sich immer wieder durch das Set ziehen und deuten sicherlich den prunkvollen Reichtum eines üblichen Stadttheaters an.

Als erste Minidoll wird hier die titelgebende Andrea gebaut, sie trägt ein Rüschenkleid sowie ein Tablet und ein Opernglas. Genauer schauen wir uns die beigelegten Figuren dann noch einmal in einem separaten Abschnitt an.

Ich habe diesen Bauschritt mit meiner Tochter gebaut; nach etwa 15-minütigem Knolling haben wir entspannte 30 Minuten zum Warmwerden gebaut; mir kam dabei die glorreiche Aufgabe zu, die nächsten zu verbauenden Steine bereitzulegen. Beim Einbauen der Türen in die Rahmen durfte ich auch mal väterliches Geschick demonstrieren, das ist für Kinder doch recht straff. Der Rest ist Steinestapeln – in erstaunlich gedeckten Farben. Ich finde es interessant, wie sehr die „Friends“-Farbakzente in Dark Turquoise und Magenta Aufmerksamkeit ziehen, obwohl sie offensichtlich nur einen kleinen Teil der verbauten Steine ausmachen.

Witzig fand ich beim Bauen die Orgel, dass deren Pfeifen aus Platzgründen einfach weggeklappt werden können. Gestört hat mich in diesem Bauabschnitt, vor allem für die junge Bauleiterin an meiner Seite, dass die Funktion der Falltür nicht gleich als „Belohnung“ am Ende des Bauabschnitts demonstriert wurde – wir werden später sehen, dass das an andere Stelle durchaus so gehandhabt wird. Hier fehlte ein wenig der sinnstiftende Abschluss, durch den man versteht, was für eine coole und simple Funktion man da gerade gebaut hat. Ich habe von der Funktion aber ein kleines GIF gemacht:

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Abschnitt 2

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Im zweiten Bauabschnitt wächst das Gebäude dank einiger hoher Steine und Paneele rasch in die Höhe. Nachdem die Unterbühne mit einigen witzigen Details ausgestattet worden ist, werden oben zwei Backstage-Etagen gebaut: Im Erdgeschoss warten eine Kiste mit Kleinrequisiten und zwei Ständer mit einer Perücke und einem Ritterhelm, in der zweiten Etage hängen mit einem Hexenhut und Tigerohren zwei weitere Kopfbedeckungen für schnelle Umzüge bereit, auf der anderen Bühnenseite deuten ein Lippenstift und eine Haarbürste einen Maskentisch mit den obligatorischen Glühbirnen für eine schattenfreie Ausleuchtung an. Überzeugend fand ich hier die Verwendung von 2×2 Jumperplatten, sodass sich die verschiedenen Bühnenmöbel leicht aus den (auch für Kinderhände etwas schwer zugänglichen) dunklen Ecken entfernen und bespielen lassen. Hier hinter den Kulissen sorgen drei Sticker für Details, die ich euch wie schon gesagt später zeigen möchte.

Als Minidoll kommt in diesem Schritt die Mitschülerin Freya zum Zuge, deren Name man mühelos mit einer bekannten Theaterfigur in Verbindung bringen kann: Richard Wagners Freia, die der Komponist im „Ring des Nibelungen“ aus der nordischen Liebesgöttin Freyja und der Jugendgöttin Idun(a) zusammengelegt hat und die im „Rheingold“ die goldenen Äpfel verteilt, mit denen die Götter ewig jung bleiben, bis sie von den Riesen Fasolt und Fafner verschleppt wird – mit ungünstigen Folgen für die durchschnittliche Lebenserwartungen auf Walhall. Auch Freya schauen wir uns später noch einmal genauer ein.

Von der Zuschauer:innenseite betrachtet, macht die Architektur gerade wenig her, wir schauen auf die blanken Vorderseiten der Paneele. Diese werden in Kürze aber verdeckt werden.

Für diesen Schritt habe ich wieder gute 15 Minuten geknollt, danach haben meine Tochter und ich etwa 25 Minuten gebaut – aufgrund der symmetrischen Konstruktion zeitweise auch parallel.

 

Abschnitt 3

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In diesem Schritt wird für mich eines der Highlights dieses Sets verbaut: die beiden 10 x 13 cm großen, roten Stoffvorhänge – wahrscheinlich schlägt da mein kleines Piratenherz höher, das sich an die Stoffsegel vieler schöner Boote erinnert. Für die Mechanik des Vorhangziehens wird pro Seite mit einem Zahnrad und einer zugehörigen Zahnstange gearbeitet. Hübsch ist die Wolke, die an einer Traverse mit kleinen Scheinwerfern hängt – diese wird einfach in einige Steine des Schnürbodens locker eingehängt. Optisch nicht minder reizvoll ist der ornamentierte Abschluss des Bühnenhauses mit zahlreichen perlgoldenen Teilen, und damit es auch als Friends-Set erkenntbar bleibt, sind noch zwei goldene Herzchen mit von der Partie. Den Dachfirst ziert ein (hier meinerseits weiterhin unbeklebtes) großes Schild mit dem Namen der Bühne: „Assembly Theatre“.

Auf der Rückseite verändert sich wenig, der obere Teil des Bühnenhauses ist auch eher technische Rückseite als gestaltete Fläche.

Nach etwa 12 Minuten Knollen haben wir als Vater-Tochter-Team gute 20 Minuten den Schnürboden gebaut; mittlerweile hatte sich auch das Verbauen gleicher, symmetrischer Teile ganz gut eingespielt und wir kamen flott voran. Das Auf- und Zuziehen des roten Vorhangs machte dann schon in diesem Zustand viel Spaß.

 

Abschnitt 4

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Der vierte Bauabschnitt – variatio delectat – bringt ein wenig Abwechslung ins Hochziehen von Theaterwänden, denn wir gestalten die beiden Bühnenprospekte, die den hinteren optischen Abschluss des Bühnenraums bilden. Das passiert halbplastisch, indem – man könnte sagen: in DOTS-Bauweise – zwei 16×16 Platten in Medium Azure bzw. Dark Purple mit Fliesen, Platten und Wedges bestückt werden. Dargestellt ist dabei eine Tagszenerie mit einem Baum und einer Reminiszenz an das Gelbe Schloss (375) einerseits und eine nächtliche Szene mit drei (Hoch?-)Häusern und einigen Haussilhouetten andererseits. Leider wird auch hier wieder auf den Einsatz von nachleuchtenden „Glow-in-the-Dark“-Steinen verzichtet und damit den Minidolls die Chance auf durchgeknalltes Schwarzlichttheater und „Komödie im Dunkeln“ genommen. Die seitlichen Noppenreihen sind absichtlich mit einigen Fliesen gestaltet, um diese Wechselprospekte auf den Technic-Rollen des Bühnenhauses geräuscharm einsetzen und rausziehen zu lassen. Sind beide Platten „Rücken an Rücken“ installiert, bilden sie auch stabil und fast ohne Kippbewegung den Bühnenabschluss.

Außerdem werden fünf Stühle gebaut, die das gesamte Zuschauer:innen-Parkett darstellen sollen – da bekommt das alte Theaterzitat „Die vorderen von den hinteren Reihen sind fast voll“ eine ganz neue Bedeutung. Platz nehmen darf hier Ollie, eine der beiden männlichen Minidolls im Set; Ollie trägt ein historisches Kostüm und das 2014 für (Achtung, „Star Wars“-Content!) Kanan Jarrus aus der Rebels-„Ghost“ eingeführte Haarteil mit kurzem Pferdeschwanz, das sich zuletzt auch in zwei Ninjago-City-Sets und bei „Tattooga“ in der Pirate Bay gefunden hat.

Nach fast 15 Minuten Knollen haben wir zu zweit nur weitere 15 Minuten gebraucht, die zweidimensionalen Elemente in Form zu bringen; das ging, abseits von ein bisschen Noppenzählen, meiner Tochter auch geschickt und nahezu in Eigenregie von der Hand.

Abschnitt 5

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Wir haben noch vier Bauschritte vor uns, aber trotzdem ist das Ende schon absehbar – wir bauen jetzt noch pro Tüte ein Viertel der klappbaren Außenfassade auf. Der aktuelle Teil ist dabei recht simpel: Ein Schaufenster, auf das jetzt (oder in unserem Fall: später) noch ein Plakat-Sticker gehört, daneben ein etwas britisch wirkender Säulenbriefkasten und eine Straßenlaterne. Im oberen Teil der Außenfassade wird mit einem Telefonhörer offenbar eine weitere Plakatbeleuchtung vorbereitet.

Die Innenseite ist etwas unspektakulärer, zumal hinter dem Schaufenster nur ein massives (und eigentlich bestickertes) Paneel steht. Darüber wird immerhin die Loge mit zwei großen, goldenen Kuppelsteinen vorbereitet.

Diesen recht kleinen Schritt habe ich in gut 10 Minuten geknollt, dann haben wir ihn auch in knapp über 10 Minuten gebaut – natürlich hat uns auch der Verzicht aufs Stickeranbringen Zeit gespart …

Abschnitt 6

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Mit dem sechsten Bauabschnitt beenden wir die linke, klappbare Fassade in der Höhe. Ein weiteres Inszenierungsplakat wird nun für das gewisse Theater-je-ne-sais-quoi umrahmt, unter dem Dach sitzt ein Stuckgesims mit weißem Herzchendekor. Die Fassade ist farblich sehr zurückhaltend gestaltet, nur die Eckquader in Dunkeltürkis verraten, dass es sich hier wahrscheinlich doch um ein Friends-Gebäude handelt.

Im Inneren ist jetzt die Loge vollendet worden, aus der man auf zwei weiteren Stühlen in Magenta das Bühnengeschehen aus erhöhter Position verfolgen kann. Die Holzloge ist in Dark Orange gebaut und wirkt sehr gediegen, Farbakzente werden mit goldenen Blättern und Herzen, aber auch etwas Bright Light Orange und einer weiteren Schicht Friends-Magenta gesetzt. Darüber hängen jeweils ein Scheinwerfer und ein Lautsprecher-Setup in den Traversen, die man trotz der wenigen verbauten Steine sofort zuordnen kann.

Das Fassadenteil lässt sich mit drei Clips an der Seite des Hauptgebäudes andocken und hält dann auch bombenfest, ohne den Klappmechanismus zu komplizieren.

Nach dem obligatorischen Viertelstunden-Knollen haben meine Tochter und ich auch hier gute zwanzig Minuten gebaut.

Abschnitt 7

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Die andere Fassadenseite wird nun sehr ähnlich aufgebaut; allerdings warten hier im unteren Teil eine Abendkasse und eine zweiflügelige Eingangstür mit den neuen 3×6 Türen, die in diesem Jahr bei City und Friends neu eingeführt wurden und über die ich schon in meinem Krankenhaus-Review berichtet hatte.

Darüber prangt die durch Sticker gelöste Leuchtreklame an dem Vordach, das man so auch von Broadway-Theatern oder amerikanischen Kinos kennt. Diesem Gebäudeabschnitt gelingt ein wenig mehr Theatercharakter, dadurch wirkt die Rückseite – die auch hier wieder die Logenaufhängung beginnt – etwas gestalteter. Sonst warten an dieser Stelle keine Überraschungen; der herausragende Pin bietet, wie auch auf der vorhergehenden Halbfassade, einen Aufhängepunkt für eine graue Technic-Traverse, die noch etwas Bühnentechnik behauptet, aber eigentlich nur die kleinste Zuschauerbeleuchtung der Welt aus zwei LEGO Teilen festhält – die haben wir im Bauschritt vorher schon gebaut, und sie wartet auch im letzten, jetzt anstehenden Abschnitt auf uns.

Die zweite Fassade musste ich ohne Zielgruppenunterstützung fertigbauen und habe an diesem Teil 12 Minuten entspannt geknollt und anschließend in 15 Minuten den unteren Teil hochgezogen.

Abschnitt 8

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Dieser letzte Bauschritt bietet keine Überraschungen mehr, er ist buchstäblich (symmetrisch) identisch mit Bauabschnitt 6 – und langsam ist man auch froh, dass dieses Gebäude nun zu einem Ende kommt. Ein wenig bedauerlich ist auch hier, dass das Halbkreisfenster auf der Vorderseite kein Licht durchlässt, sondern zugunsten der rückwärtigen Loge zugemauert wurde. Auf der Rückseite gibt es die besagte Loge, die bekannte Vertikaltraverse und die Bühnentechnik zu bestaunen.

Zum Abschluss wartet der schneidige Professor Adrian auf uns, der aber weniger habilitiert, sondern eher der Theaterlehrer der drei Nachwuchstalente zu sein scheint.

Bei diesem Schritt hat sich meine mangelnde Bauassistenz gerächt – nach 15 Minuten Knolling habe ich geschlagene 25 Minuten am letzten Schritt gearbeitet, zugegebenermaßen auch zu nächtlicher Stunde.

Restliche und besondere Teile

Am Ende des Baus sind die üblichen Kleinteile übriggeblieben – gar nicht so wenige, aber wir haben ja auch ein durchaus mächtiges Gebäude zusammengesetzt, das zudem einige kleine Teile enthält, die uns als Ersatzteile noch einmal beigelegt werden.

Ich habe auch nach besonderen Teilen Ausschau gehalten. Neben einigen Steinen, die eher in den Friends-Farben Coral und Dunkeltürkis selten sind, könnten für uns Erwachsene folgende Teile von Interesse sein:

  • 35470 Wolke in Bright Green (exklusiv)
  • 18653 Bogen in 3er-Breite in Dark Orange (exklusiv)
  • 35827 Baumkostüm in Medium Nougat (exklusiv)
  • 39739 Herzfliese in Weiß (aktuell nur in 1 weiteren Set)
  • 20606pr0004 Hexenhut (bisher nur noch in der Winkelgasse)
  • 3044c 45-Grad-Doppel-Slope in Weiß (aktuell nur in 2 weiteren Sets)
  • 42205 Türrahmen in 6er-Breite in Schwarz (neu in 2022, aktuell nur in 2 weiteren Sets)
  • 65590pr0002 Tigermaske (bisher nur im BaM und einem seltenen Store-Exklusivset)

Die Minidolls

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Die Minidolls haben wir ja schon im Verlauf zumindest oberflächlich betrachtet; schenken wir ihnen nun unsere ganze Aufmerksamkeit.

Links sehen wir Andrea, nach der das Set benannt ist – eine der Friends-Freundinnen. Ihre Hautfarbe ist Medium Nougat, sie trägt hochgesteckte dunkelbraune Haare (neu in diesem Jahr, bisher nur in einem weiteren Set) und ein aufwendiges Kleid in Coral; der Torso ist beiseitig, das Kleid nur vorn bedruckt – sehr edel wirken die silbernen Dekorationen auf dem Stoff. Neben ihr steht Mitschüler Ollie, er hat als Hautfarbe Nougat und trägt als Kostüm ein beidseitig bedrucktes historisches Wams mit Goldapplikationen; seine Beine sind unbedruckt, aber dual-molded, die Haare sind zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden. Professor Adrian ist weniger theatral gekleidet – er trägt ein sandblaues Jeanshemd und darunter ein gestreiftes T-Shirt, dazu hat er sich für eine blaue Hochwasserhose und rote Turnschuhe entschieden, seine Hautfarbe ist Light Nougat. Sein Kurzbart weist ihn als Teil der Erwachsenenwelt aus; das (Minifiguren-kompatible) Haarteil in Dunkelbrau ist selten und bisher nur 2020 in einem anderen Set aufgetaucht. Den Abschluss bildet Freya, die einen Rock trägt und mit ihrer Kleidung eher privat wirkt; ihr Walkie-Talkie verweist darauf, dass sie – wie Adrian – vermutlich öfter hinter als auf der Bühne tätig ist. Sie besitzt den neu eingeführten Hautton Warm Tan, ihre Medium-Nougat-Haare mit den beiden Haarknoten und geflochtenen Zöpfen sind in dieser Farbe exklusiv; mit einem kleinen Loch lassen sich in ihre Haare Accessoires wie die beigelegte Krone und der kleine Zyliner stecken, was sie dann wahrscheinlich als Darstellerin qualifizieren würde.

Wie immer fällt die sehr geringe Anzahl von Figuren in dem Set auf – in 2022er City-Sets desselben Preispunktes findet man 6 bis 13 Figuren. Allerdings sieht man schon, dass die Figuren zum überwiegenden Teil aus zahlreichen neuen und oft einmaligen Teilen zusammengesetzt sind. Es ist eine sehr andere Philosophie im Vergleich zu City, so viel kann man festhalten. Gut gefällt mir hingegen die mühelose Verwendung der sehr unterschiedlichen Hauttöne für die Figuren.

Das fertige Set

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Viel haben wir ja schon beim Zusammenbau gesehen und gezeigt, deshalb möchte ich im Folgenden noch einmal auf Details eingehen und auch die ein oder andere Bewertung vornehmen.

Zücken wir erst einmal das Lineal: Das aufgebaute Modell ist 24 Zentimeter hoch und im zusammengeklappten (und damit dicksten) Zustand 17 Zentimeter tief. Auseinanderklappt ist es 40 Zentimeter breit, nach dem Zusammenklappen messe ich etwa 21 Zentimeter in der Breite.

Wenn ihr mitgerechnet habt, werdet ihr wie ich zu dem Ergebnis gekommen sein, dass ich üppige 1 Stunde und 10 Minuten Teile sortiert habe (natürlich vor allem für die Fotos und Teileübersichten hier im Blog, beim privaten Bauen mache ich das nur, wenn ich ein Set ganz besonders genießen möchte). Die reine Bauzeit betrug dann noch einmal 2 Stunden und 40 Minuten – ein erfahrender Erwachsener schafft das ganz gewiss auch schneller, baut man aber gemeinsam mit der Zielgruppe, darf man mit dieser Zeit durchaus rechnen. Wir haben das dann auch über mehrere Tage hinweg getan. Nichts ist für sich genommen übermäßig kompliziert, aber ich denke, dass Kinder unter 10 Jahren je nach Bauerfahrung durchaus die Hilfe eines Erwachsenen brauchen könnten. Man braucht auch schlichtweg Ausdauer und hat für das entstehende Gebäude schon mehr zu arbeiten, als es vielleicht bei einem Cupcake-Mobil der Fall wäre. Ich würde sagen, dass diese teileintensiven Sets durchaus als „Modulars der Friends-Reihe“ bezeichnet werden dürfen.

Über die ganze Architektur hinweg darf man allerdings nicht vergessen, dass auch viele zum Spielen einladende Minibuilds in den ersten Bauschritten entstanden sind. Hier gefällt mir, dass sich diese leicht von ihren Jumper-Untergründen lösen und um das Theater herum verteilen lassen, um den Spielraum zu vergrößern. Mit dabei sind eine kleine Hecke, eine Kiste mit zahlreichen Requisiten (vom Zauberstab über den Degen bis zur Krone), ein Baumkostüm, ein Schminktisch mit Spiegel, eine Orgel (die mich etwas mehr an das „Phantom der Oper“ oder eine kleine Kirchgemeinde erinnert und weniger an ein Schultheater), vier verschiedene Kopfbedeckungen sowie eine E-Gitarre und ein Mikrofon für musikalische Darbietungen.

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Wie bei der Friends-Reihe üblich, werden zahlreiche Details mit Aufklebern ergänzt. Ich habe das Modell mit und ohne Sticker fotografiert, sodass ihr im Folgenden bequem zwischen beiden Varianten slidern könnt. Insgesamt geht es mir mit den Aufklebern so, dass mich die sehr schön gestalteten Stückplakate, aber auch die Straßen-, Theater- und Leuchtschrift-Schilder am meisten überzeugen. Weniger notwendig finde ich die Beklebung von Minidoll-Accessoires wie dem Tablet und dem Regiebuch, aber auch die „Horror vacui“-Beklebungen der Wände mit den Musiknoten und den Maskenornamenten (die für sich genommen hübsch sind, aber in meinen Augen trotzdem eine ungestaltete Paneel-Wand zu überspielen versuchen). Etwas genervt bin ich von den Ministickern für den Briefkasten, vor allem aber von den beiden großen schwarzen Stickern, die backstage hinter den Kopfbedeckungen und der Schatzkiste kleben – ich verstehe, dass dies zwei eher flache Minibuilds sind und dahinter dann viel schwarze Wand hervorleuchtet, aber dieses plötzliche grafische, zweidimensionale Mittel von einem gezeichneten Garderobenständer, einer weiteren Truhe und einer Mithöranlage reißen mich mit meinem erwachsenen Kopf gänzlich aus der gebauten Ästhetik des Sets.

Ich mag an den Stückplakaten an der Außenseite zudem, dass hier einige LEGO Anspielungen zu sehen sind, darunter erneut die Gelbe Burg („Ein Klassiker!“ wird hier beworben, der aber leider „ausverkauft“ sei) und eine Figur der mittlerweile eingestellten „Elves“-Reihe, die ja ebenfalls mit Minidolls gearbeitet hat.

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Bewerten wir nun noch ein letztes Mal die verschiedenen Bereiche des Modells:

Die Außenseite gefällt mir im zugeklappten Zustand weiterhin sehr gut, die architektonischen Details machen Spaß, die Farben treffen für mich eine gute Balance aus bunter Friends-Verspieltheit und gedeckten Gebäudefarben. Die Stückplakate in den „Fenstern“, die Leuchtreklame im Vordach, die Abendkasse, der rote Teppich und die doppelflügelige Eingangstür wissen zu gefallen. Schwächer finde ich hier die Gebäudeseiten, die mit der teilesparenden Fensterpaneele-Bauweise sehr glatt und repetitiv wirken.

Wie beide Fassadenhälften beim Schließen zusammenrasten und dann auch stabil zusammenhalten, ist dann ein sehr zufriedenstellender Vorgang.

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Im aufgeklappten Zustand lenken vor allem der rote Vorhang und die beiden Seitenlogen den Blick auf sich. Etwas enttäuschend (und auch schlichtweg unproportional) ist die Bühnenbreite von 12 Noppen und ihre Tiefe von 6 Noppen – anfangs dachte ich, der Vorhang wäre hier der Schuldige, weil er sich nicht weiter öffnen ließe, tatsächlich verdeckt er aber nur die schwarzen Paneele. Hier mussten offensichtlich Kompromisse für die finale Setbreite gefunden werden, in der Konsequenz ist die Guckkastenbühne als Herzstück des Theaters zum Bespielen dann doch etwas eng und hochformatig. Positiv finde ich, dass man die Bühnenprospekte mit einem Griff entfernen und das Modell dann fast wie ein Kasperletheater auch von hinten oder oben bespielen kann.

Die Klappe zur Unterbühne wurde bei uns in der Familie mit Begeisterung immer wieder bedient und ich freue mich über diese Spielfunktion; ob es eine solche „Falltür“ zum schnellen Entsorgen der Schauspielerinnen und Schauspieler wirklich braucht, sei dahingestellt – dass es aber einen Zugang zur Unterbühne gibt und die Figuren wie von Zauberhand verschwinden können, ist aber eine nette Idee. Die goldenen Dekorationen als oberen Abschluss des Guckkastens gefallen mir ebenfalls gut.

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Der Rückseite gelingt es in ihrer sehr schwarzen, magischen Optik meines Erachtens gut, das Hinterbühnen-Flair einzufangen. Schön ist, dass die Spielelemente – seien es Perücken oder Hüte, der Schminktisch oder die Requisiten – in direkter Reichweite stehen und jederzeit für die nächste Szene gegriffen werden können.

Die Unterbühne kann zudem nicht nur in der Minidoll-Logik, sondern auch in der der spielenden Kinder als Lagerraum für die meisten Minibuilds genutzt werden kann – insgesamt passen alle Figuren, die Stuhlreihe usw. sehr geschickt in das Gebäude hinein und lassen sich so sinnvoll aufbewahren. Auch hier lässt Polly Pocket grüßen … Befragen würde ich allerdings, ob die beiden kleinen Seitenräume mit der klaustrophoben Toilette und der Abstellkammer mit Schirmständer einen wirklichen Mehrwert bieten.

Fazit

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Wie stehen wir nun zu LEGO 41714 Friends Andreas Theaterschule? Und wie verhält sich die Zielgruppe in Gestalt meiner siebenjährigen Tochter damit? Das gemeinsame Bauen war eine schöne Vater-Tochter-Aktion und ging gut von der Hand, nach dem Aufbau wurden vor allem die verschiedenen Funktionen ausgiebig unter die Lupe genommen. Anfangs traute sich dann niemand so recht an das Set auf dem Fototisch – als ich es aber unauffällig im Spielzimmer abgestellt hatte, entstanden einige schöne Spielmomente in freier Wildbahn, zuerst zwischen meiner Tochter und ihrem zweieinhalbjährigen Bruder, wobei hier vor allem Theaterfiguren verhext und dann per Falltür entsorgt wurden, ein erstaunlich langer und friedlicher geschwisterlicher Spielvorgang. Später spielte meine Tochter dann mit einer gleichaltrigen Schulfreundin mit dem Theater, dort wurden dann vor allem zahlreiche weitere Minifiguren zusammengebaut und auf zusätzliche Stühle platziert, damit das Auditorium auch seinen Namen verdient.

Dass meine Tochter schließlich den Satz „Friends hat ja schon so spezielle Farben, und die finde ich gar nicht so gut“ gesagt hat, führe ich ehrlich gesagt eher auf mein tendenziöses Bohren zurück, wie ihr denn die Farbpalette bei diesen Sets gefiele, und weniger als „Gotcha!“-Moment an die Marketingabteilung.

Dass es in dieser Friends-Welle so viele interessante, regelrecht üppige Gebäude gibt, die auch die schönen Künste thematisieren, begeistert mich. Das Farbschema finde ich gar nicht so störend, das entstehende Gebäude ist sehr stabil, macht im ein- und ausgeklappten Zustand etwas her und bietet auch Minifiguren problemlos ein Zuhause, wie meine „Muppets“-Minifigureninvasion zeigt. Über das Konzept „Schultheater trifft Broadway trifft europäisches Guckkastentheater trifft High School“ zerbreche ich mir noch etwas den Kopf, inwiefern das so ganz überzeugend zusammengekommen ist – es bleibt eine Chimäre. Ich bin außerdem unsicher, ob die doch etwas zusammengewürfelten Accessoires nicht etwas mehr zusammenführende Richtung gebraucht hätten – jetzt gibt es halt ’nen Zauberstab, einen Ritterhelm und einen Piratensäbel, und wie passt das zu der nächtlichen Hochhausszenerie des einen Bühnenprospekts? Es ist aber vielleicht etwas erwachsen gedacht, dass man sich mehr Überschrift und ästhetisches Zusammenbinden gewünscht hätte – es ist den Kindern zumindest schlichtweg wurscht, wie auch meine unauffälligen Naturstudien von meinem Sofakissen-Hochsitz aus bewiesen haben.

Für den Preis, vor allem aber nach den üblichen Rabatten, hat man am Ende definitiv ein handfestes, fantasievolles Theatergebäude in der Hand, das zum Rollen- und Theaterspiel einlädt.

Wie schaut ihr nach dieser Review auf das Set? Seid ihr immer noch so begeistert wie bei unserem Vorstellungsartikel? Würdet ihr euch oder haushaltsnahen Kindern das Set kaufen? Würdet ihr es mit Minidolls bevölkern, oder hätten bei euch Minifiguren das Sagen? Wie steht ihr allgemein zu LEGO Friends, was sind vor allem die Reaktionen von Mädchen und Jungs, die mit diesen Sets spielen? Lasst uns gern eure Gedanken und Kommentare da!

Über David 14 Artikel
Mitte 30, arbeitet in einer bayerischen Kulturinstitution und erkundet mit zwei Kindern die Welt. Hat 2016 durch DUPLO zurück zu LEGO gefunden und 2019 StoneWars entdeckt. Nun baut er die Blauröcke-Festungen und Piraten-Schlupfwinkel, von denen er als Kind geträumt hat.
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