It’s Lights Out and Away We Go! Der LEGO 42141 McLaren Formel 1 Rennwagen startet zur neuen Saison ins Review

LEGO 42141 Mclaren Sticker 02

Heute startet die größte Motorsport-Rennserie in ihre 73. Saison. Der perfekte Zeitpunkt, uns den 42141 McLaren Formel 1 Rennwagen einmal genauer anzuschauen. Anfang des Monats erschien erstmals seit 2006 wieder ein offizieller Formel 1 Rennwagen aus LEGO Technic Elementen. Für das Modell wurden dieses Mal die jüngsten Boliden des traditionsreichen Rennstalls McLaren zum Vorbild genommen und auch die umfassenden Änderungen des Formel 1 Regelwerks zur neuen Saison sind dem Set bereits anzusehen.

Senna, Prost, Lauda, Hunt und Hamilton sind nur eine kleine Auswahl großer Formel 1 Piloten im Cockpit eines McLaren Rennwagens. Alleine die genannten Fahrer gewannen neun Formel 1 Weltmeisterschaften für den Rennstall, der trotz eines Tiefs in der jüngeren Vergangenheit nach wie vor das zweiterfolgreichste Team der Formel 1 Geschichte hinter Ferrari ist. Für den vierten Nachbau eines realen Formel 1 Rennwagens aus LEGO Technic Steinen fiel die Wahl des Designteams somit auf ein traditionsreiches Vorbild, das seit 2017 auch wieder in der orangen Lackierung der Gründerjahre unterwegs ist.

Im Zuge der Reduzierung von Emissionen und eines ausgeglicheneren Wettbewerbs wurde das Formel 1 Reglement zur Saison 2022 grundlegend verändert. Besonders die Regeln rund um die aerodynamischen Bauteile haben einen erheblichen Einfluss auf die neue Optik der Boliden. Da bis zum Februar dieses Jahres keines der neuen Fahrzeuge vorgestellt wurde, hielten sich die Designer größtenteils an offiziell von der FIA und den Teams veröffentlichte Konzeptentwürfe, die die Auswirkungen des überarbeiteten Regelwerkes anhand der bestehenden Lackierung des Vorjahresfahrzeugs veranschaulichte.

Mclaren F1 2022 Konzept
Rendering der Lackierung des MCL35M auf einem 2022er Fahrzeug (© Formel 1)

Was genau davon umgesetzt wurde und wie viel Formel 1 Fahrzeug sich im LEGO Modell widerspiegelt, werden wir in dieser Review erörtern. Viel Spaß beim Lesen!

Allgemeine Informationen

LEGO kooperiert im Rahmen der Speed Champions Reihe bereits seit 2015 mit McLaren. Damals erschien sogar bereits ein Set zum firmeneigenen Formel 1 Team (75911), welches sich interessanterweise auch damals gerade in einem großen Umbruch befand. Trotz des Wechsels von Mercedes zu Honda als Motorenlieferant im gleichen Jahr wurde das Speed Champions Set noch unter dem alten Namen „McLaren Mercedes“ veröffentlicht. Nachdem im vergangenen Jahr mit dem McLaren Senna GTR (42123) das erste LEGO Technic Set der Kooperation entstand, erschien am 1. März 2022 das bislang größte Modell des Automobilherstellers aus LEGO Steinen. Der McLaren Formel 1 Rennwagen, bestehend aus 1432 Teilen, stellt dabei eine Hybridvariante der Rennfahrzeuge aus der aktuellen und der vergangenen Saison dar. Während die äußere Form, besonders im Hinblick auf die aerodynamischen Elemente, dem neuen Regelwerk aus der Saison 2022 entspricht, stammt die Lackierung noch vom Vorjahresfahrzeug.

  • Setnummer: 42141
  • Name: McLaren Formel 1 Rennwagen
  • Anzahl Teile: 1432
  • Teilegewicht: 1.315 Gramm
  • Preis (UVP): 179,99 Euro
  • Preis/Teil: 12,6 Cent
  • Preis/Gramm: 13,7 Cent
  • Release: 1. März 2022

Inhalt der Sets

Die enthaltenen Steine verteilen sich bei diesem Set auf vier Bauabschnitte, zudem liegt noch eine weitere Tüte mit großen Elementen bei. Die Reifen liegen lose in der Verpackung. Die Bauanleitung ist sicher in einem Extraumschlag aus dünnem Karton verstaut, dem auch die drei enthaltenen Stickerbögen beiliegen.

Das Cover der 318 Seiten starken Anleitung zeigt den Rennwagen im Stil eines offiziellen Fahrzeuglaunches von vorne aufgenommen vor einem schwarzen Hintergrund. Auf der Rückseite prangt lediglich das Teamlogo auf ebenfalls schwarzem Hintergrund. Die Bauschritte selbst sind jedoch (wie inzwischen wieder üblich) auf einem hellen und neutralen Hintergrund abgebildet.

Die insgesamt 64 Aufkleber verteilen sich auf drei separate Bögen und wirken beim Auspacken erst einmal sehr mächtig. Insgesamt ist leider kein Teil bedruckt, alle Details der Lackierung wurden mithilfe von Stickern gelöst.

Der Aufbau

Durch die Einteilung in vier Abschnitte ergeben sich im Schnitt knapp 360 Teile pro Kapitel in der Anleitung, was besonders in den letzten Bauschritten durch große Panels eine ganze Menge Platz auf dem Tisch einnimmt. Aus meiner Sicht ergibt sich hier aber eine gesunde Mischung aus Teilesuchen und trotzdem zügigem Baufortschritt.

Bauabschnitt 1

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Die Bauanleitung steigt direkt zu Beginn mit einer hohen Dichte funktionaler Komponenten ein. Im kleinsten der vier Bauschritte entsteht zunächst die Hinterachse, deren Räder über beidseitige Antriebswellen und das bekannte Technic Differential mit dem Sechszylindermotor verbunden werden.

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Beim Bauen lässt sich gut nachvollziehen, wie das Einfedern der Räder am fertigen Modell über Pushrods und Umlenkhebel auf die beiden Federn übertragen wird. Da der gebaute Abschnitt später fest im Fahrzeug verankert sein wird, bleiben zunächst noch diverse Pins und Achsen als Verbindungsstellen sichtbar.

Bauabschnitt 2

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Im zweiten Bauabschnitt entsteht zuerst die Frontpartie des Wagens mit der Vorderachse und der Lenkung, jedoch noch ohne Nase und Frontflügel. Die Finnen über den Vorderrädern sind die ersten offensichtlichen Anzeichen für ein Design nach dem 2022er Formel 1 Regelwerk. Der Fahrersitz wird mithilfe eines umgedrehten 3×13 Curved Panels (18944) umgesetzt, steht zu Beginn aber noch recht alleine aus der Fahrzeugmitte hervor.

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Das Ende dieses Abschnitts verheiratet die beiden Fahrzeughälften und stabilisiert den Rahmen mithilfe einiger Liftarme und Pins. Das entstandene Fahrzeuggerüst beinhaltet nun bereits alle Funktionen rund um Radaufhängungen und Antrieb, sodass sich die folgenden Bauschritte um die Fahrzeughülle und die aerodynamischen Komponenten kümmern können.

Bauabschnitt 3

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Neben dem unteren Bereich der Seitenkästen kommt in diesem Bauschritt vor allem „Aero“ an das Fahrzeug. Die Fahrzeugfront wird mit Nase und Frontflügeln ausgestattet und vor allem in der Mitte des Rennwagens sind einige Komponenten zur Erzeugung von Anpressdruck hinzugekommen. Auch hinter der Hinterachse wird in diesem Abschnitt bereits weitergebaut. Hier kommen die Auslässe der Luftkanäle des Unterbodens ans Heck, außerdem wird der sogenannte „Beam Wing“, ein kleines Flügelelement unterhalb des Heckflügels angebracht.

Bauabschnitt 4

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Der letzte Bauabschnitt vollendet vor allem das Cockpit mit Halo (Cockpit-Schutz) und die Motorabdeckung mit der Heckfinne, die mithilfe eines Helikopter-Rotorelements umgesetzt ist. Dieses Teil war in der nicht erschienenen Osprey als tatsächlicher Rotor gedacht, kam (inklusive dieses Modells) bisher jedoch lediglich in drei Fahrzeugen in anderer Funktion vor. Bevor das Modell mit dem Anbringen der Räder fertig gestellt wird, erhält es außerdem noch einen Heckflügel.

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Wie üblich bleiben auch eine Hand voll Ersatzteile übrig, die in diesem Fall jedoch nichts Außergewöhnliches mit sich bringen. Ein zusätzliches Element des neuen roten 1/2 Pins und der weißen 2L Stange mit Stoppring sind immerhin recht neue Formen, die  in den heimischen Teilesammlungen noch nicht im Überfluss vorhanden sein dürften.

Sticker-Slider

Wer sich unsicher ist, ob das Modell auch ohne Sticker überzeugen könnte, kann sich mithilfe unseres Sliders einen eigenen Eindruck verschaffen:

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Neue Teile

Das Modell hält einige neue Elemente und auch verschiedene Teile in neuen Farben bereit. So enthält der McLaren Formel 1 Rennwagen erstmals das Curved Panel 2x1x1, das in blau beiliegt und dazu geeignet ist, die erstmals 2021 erschienenen Curved Panels 2x3x1 zu erweitern. Neu sind außerdem die Technic Paneele mit den Nummern 70 und 71, die als Finnen über den Vorderrädern zum Einsatz kommen. Ebenfalls neu in diesem Jahr erschienen, jedoch nicht exklusiv in diesem Set verbaut sind die roten 1/2 langen Pins (89678), die erstmals in dieser Größe als Pins mit hoher Reibung erschienen sind. Der 3×19 Liftarm Frame ist hingegen bisher einzig in diesem Set enthalten, dürfte in Zukuft allerdings wie die anderen noch exklusiven Teile, in zahlreichen weiteren Sets zu sehen sein.

Zusätzlich zu gänzlich neuen Elementen werden auch einige bereits bestehende Teile in neuen Farben verbaut. Das Querlenker-Element ist zum Beispiel zum ersten Mal in orange in einem Set enthalten.

Technik

Moderne Formel 1 Fahrzeuge zählen zu den komplexesten Fahrzeugen, die je gebaut wurden. Viele Performancetreiber sind aus verschiedenen Gründen gar nicht erst mit LEGO Steinen nachbildbar. Dazu zählen neben dem inzwischen seit über einem Jahrzehnt etablierten hybriden Antriebssystem mit zusätzlichem Elektromotor und Komponenten zur Energierückgewinnung vor allem die aerodynamischen Bauteile. Die im Vorfeld der heute startenden Saison eingeführte Regeländerung machte es dem Designteam nicht gerade leichter, da die Fahrzeuge nun von deutlich geschwungeneren Linien geprägt werden.

Trotzdem bildet das Modell natürlich einige funktionsfähige Komponenten des Vorbilds ab, die klassischerweise in nahezu jedem Monoposto-Formelrennwagen mit Verbrennungsmotor vorkommen. Kein Wunder also, dass die Vorgängermodelle im LEGO Sortiment mit den exakt gleichen Funktionen daherkamen. Einen kurzen Rückblick auf vergangene Formel 1 Fahrzeuge hatten wir bereits im Ankündigungsbeitrag für euch aufbereitet.

Fahrwerk

Hervorragend aus LEGO Elementen umsetzen lässt sich natürlich das Fahrwerk, beziehungsweise die Radaufhängung des Wagens. Die hier verwendeten Teile Wishbone Suspension Arm (65450) wurden im Jahr 2000 für genau diesen Zweck im Modell des Silver Champion (8458) erstmals eingeführt. Das LEGO Modell verfügt über eine Einzelradaufhängung, was bedeutet, dass jedes Rad unabhängig von den anderen drei Rädern ein- und ausfedern kann. An der Vorderachse ist zudem die Lenkung angebracht, die über sogenante Spurstangen seitlich an den Radträgern angreift und diese um einen Aufhängungspunkt zwischen Radträgern und Querlenkern drehen kann.

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Schräg zwischen den Querlenkern befindet sich eine weitere Strebe, die beim Einfedern Kraft vom Rad auf das Feder-Dämpfer-System übertragen kann. Werden die Fahrwerksfedern im unteren Fahrzeugteil verbaut, benötigt man eine Strebe, die im Falle des Einfederns (das Rad hebt sich in Relation zum Fahrzeug) zieht („Pullrod“). Werden die Komponenten wie im McLaren LEGO Modell oben verbaut, werden die Federn durch Pushrods aktiviert.

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Auch in realen Formel 1 Fahrzeugen sind die Dämpfer oft längs zur Fahrtrichtung eingebaut, weshalb zur Kraftübertragung zusätzlich noch ein Umlenkhebel benötigt wird. Löst man einige Teile der Verkleidung im hinteren Bereich des LEGO Modells, lässt sich diese Wirkweise gut nachvollziehen.

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Aerodynamik

In den vergangenen Jahren hatte die Aerodynamik in der Formel 1 einen entscheidenden Einfluss auf die Leistung der einzelnen Autos. Zudem konnte sie das Überholen für hinterherfahrende Fahrzeuge schwieriger machen. Die Verwirbelungen des vorausfahrenden Autos reduzierten die Leistungsfähigkeit der Aerodynamik des hinteren Wagens, was es diesem schwerer machte das Tempo beispielsweise in Kurven mitgehen zu können. Um die Rennserie wieder ausgeglichener und durch mehr Überholvorgänge auch attraktiver zu machen, wurden die Regeln für die aerodynamischen Bauteile vor dieser Saison grundlegend überarbeitet.

Grundsätzliches Ziel dieser Komponenten ist es, möglichst viel Abtrieb zu erzeugen, um das Fahrzeug auch bei hohen (Kurven-)Geschwindigkeiten sicher auf der Strecke zu halten. Die Kunst dabei ist es, diesen Abtrieb mit möglichst wenig Luftwiderstand zu bezahlen. Die genauen Wirkweisen sind dabei sehr kompliziert und werden unter Zuhilfenahme komplexer Strömungssimulationsprogramme (CFD-Simulationen) entwickelt.

Beginnend beim Frontflügel sehen die Komponenten in diesem Jahr nun deutlich simpler aus als noch in der Vorsaison. Das Flügelprofil besteht nun nur noch aus vier Ebenen, von denen die unteren beiden im LEGO Modell verschmolzen wurden. Das Funktionsprinzip der Flügel ist dabei genau umgekehrt zu dem vom Flugzeugtragflächen, weshalb die Flügel im einfachsten Fall auch wie ein umgedrehter Flugzeugflügel aussehen.

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Um genug Abtrieb zu erzeugen, ohne die Luft für den Verfolger zu stark zu verwirbeln, wird 2022 auf ein komplett neues Konzept für den Unterboden gesetzt. Klassische Bargeboards, also komplizierte Luftleitelemente im Übergangsbereich zwischen Nase und Seitenkästen, sind gemäß des neuen Regelwerks nicht mehr erlaubt, dafür ermöglichen die neuen Regeln wieder eine Nutzung des sogenannten „Ground-Effects“. Durch speziell geformte Kanäle unter dem Fahrzeug werden Niederdruckbereiche erzeugt, die das Auto „an den Boden saugen“. Die zugrunde liegende physikalische Wirkungsweise wurde bereits im 18. Jahrhundert von Daniel Bernoulli und Giovanni Battista Venturi entdeckt. An den Eingängen zu diesen Tunneln befinden sich „Vortex-Generatoren“, die den Luftstrom durch gezielte Verwirbelungen zusätzlich beschleunigen. Die vier Eingänge sind am LEGO Modell gut zu erkennen (drittes Bild in der Galerie).

Außerdem werden alle Fahrzeuge mit standardmäßigen Finnen über den Vorderrädern ausgestattet, die verwirbelte Luft durch die Rotation der Reifen direkt entschärfen sollen, was ebenfalls zu weniger „Dirty Air“ für den Verfolger sorgt. Auch darüber hinaus stellen die Räder zunächst einen ungewohnten Anblick dar. Um verschiedene Tricks im Hinblick auf die Kühlung der Bremsen und die Anströmung der Aerodynamik zu unterbinden, sind die Autos ab dieser Saison an allen vier Rädern mit geschlossenen Radkappen ausgestattet. Am LEGO Formel 1 Modell ist dieses Detail mithilfe von 8×8 Rundfliesen mit vier Noppen in der Mitte gelöst, die seitlich an die Räder angebracht werden. Die Beschriftung der Reifen sorgt allerdings für etwas Verwunderung, die blau markierten Regenreifen hießen in der vergangenen Saison zumindest noch „Cinturato“ und nicht „P Zero“.

Auch die neuen Heckflügel unterscheiden sich stark von der gewohnten Formel 1 Optik. Die Form ist deutlich geschwungener und es fehlen die typischen Endplates an den Seiten, die den Luftstrom auf die Profile leiten. Dafür kommt der 2013 abgeschaffte „Beam Wing“ zurück, der unterhalb des eigentlichen Heckflügels zu sehen ist.

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Das Profil des Heckflügels lässt sich am LEGO Modell in eine waagrechte Position bringen, was dem „Drag Reduction System“ (DRS) des Vorbilds entspricht. Um auf langen Geraden höhere Geschwindigkeiten erreichen zu können, kann dadurch der (in dieser Situation nicht benötigte) Abtrieb und gleichzeitig auch der Luftwiderstand verringert werden, was die entscheidenden zusätzlichen km/h zum Überholen verschaffen kann. Ob das Anstellen des Profils am Heckflügel des Modells als Funktion gedacht ist oder sich eher zufällig aus der Bauweise ergibt sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Das 2021 vorgestellte Concept Car der Formel 1, das das neue Reglement veranschaulichen sollte, war allerdings nicht mit einem DRS ausgestattet und aufgrund der (angestrebten) geringeren Geschwindigkeitsunterschiede könnte dieses Feature ab der kommenden Saison sogar ganz wegfallen.

Motor

Vor knapp 10 Jahren begann in der Formel 1 die „Hybrid-Ära“. Seitdem setzt die Rennserie auf Sechszylindermotoren mit einer integrierten Hybrideinheit, die sowohl kinetische Energie beim Bremsen als auch thermische Energie aus den heißen Abgasen zurückgewinnt und kurzzeitig über einen Elektromotor zurück in den Antriebsstrang gespeist werden kann. Der LEGO Formel 1 Rennwagen besitzt den klassischen Technic Motor mit beweglichen Kolben, wie er (mit leichten Veränderungen) seit 1990 in Sets zum Einsatz kommt.

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Die Kurbelwelle, die sich mit den Pleuelstangen und Kolben bewegt, führt auf das klassische LEGO Technic Differential, das die Drehbewegung auf die beiden Hinterräder verteilt.

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Cockpit

Das Cockpit eines Formel 1 Wagens bietet wenig Platz, dafür aber größtmögliche Sicherheit für die Fahrer. Der LEGO McLaren Formel 1 Rennwagen ist mit einer funktionsfähigen Lenkung ausgestattet, die aus dem Cockpit heraus bedient werden kann. Das Lenkrad selbst ist mit einigen Anzeigen bestickert, die jedoch lange nicht an die Anzahl des tatsächlichen Vorbilds herankommen. Mithilfe von Knöpfen und Schaltwippen können Formel 1 Fahrer die Gangschaltung bedienen, verschiedene Fahrmodi einstellen, die Bremsbalance verstellen, das DRS aktivieren und vieles mehr. Da während der hohen Geschwindigkeiten ohnehin keine Zeit bleibt auf das Lenkrad zu schauen, müssen die Piloten alle Knöpfe und deren Funktionen im Kopf haben. Das führte in der Vergangenheit zu lustigen Beschriftungen der Knöpfe (engl. Buttons), da diese sowieso nicht relevant waren. Der finnische Rennfahrer Kimi Räikkönen startete bereits mit einem „Call Mom“-Button und widmete seinem früheren Fahrerkollegen auch schon den „Jenson“-Button.

Seit der Saison 2018 müssen alle Fahrzeuge mit einem zusätzlichen Cockpitschutz, genannt „Halo“, ausgestattet sein. Dieser spannt sich mit zwei hinteren Befestigungspunkten und einer vorderen Strebe über den Kopf des Fahrers. Anfangs aufgrund der stark veränderten Optik der Fahrzeuge noch stark in der Kritik, rettete die neue Technik inzwischen vermutlich schon mehreren Fahrern das Leben.

Fazit

Eines direkt vorneweg: Der Aufbau dieses Modells hat mir richtig Spaß gemacht! Das kann natürlich daran liegen, dass ich mich grundsätzlich für Rennfahrzeuge dieser Art begeistern kann. Dennoch nimmt die Bauanleitung einen sinnvollen Weg von der Hinterachse aus bis zu den Anbauten wie dem Heckflügel auf dem LEGO Formel 1 Rennwagen.

Das größte Manko stellen für mich die Reifen dar: Während ich mit den Regenreifen an sich kein Problem habe, da diese nun mal bereits im LEGO System vorhanden sind, hätte eine bedruckte Reifenkennung auf der Flanke das Modell deutlich aufwerten können. Auch die Radkappen sehen, zumindest aus bestimmten Winkeln betrachtet, etwas aufgesetzt aus. Die schönste Lösung wäre aber natürlich eine neue Reifenvariante für Slicks mit entsprechender Felge und bedruckter Markierung gewesen.

Bei Formel 1 Enthusiasten und Sammlern könnte das LEGO McLaren Modell darunter leiden, dass es kein wirkliches Fahrzeug einer bestimmten Saison darstellt. Durch den aktuellen Übergangszeitraum zwischen den Regelwerken konnte das Designteam zwar anhand der Konzeptfahrzeuge bereits mit den Umsetzungen der neuen Regeln arbeiten, Lackierung und Sponsoren des Fahrzeugs entsprechen aber noch dem MCL35M aus der Vorsaison. Dass die neue Lackierung zum Zeitpunkt des Modellentwurfs in Billund noch nicht genau feststand, kann man LEGO zwar nicht vorwerfen, warum man sich aber zusätzlich noch genau den Übergangszeitraum der größten Regeländerung seit Jahren herausgesucht hat, ist zumindest von außen nicht wirklich ersichtlich.

Der LEGO McLaren Formel 1 Rennwagen beinhaltet prinzipiell die erwarteten „Pflichtfunktionen“: gefederte Einzelradaufhängung, Lenkung, Differential und einen mit den Hinterrädern verbundenen Motorblock. Damit steht das Modell auch seinen Vorgängern aus den letzten 22 Jahren in nichts nach. Silver Champion (8458) und Williams (8461) besaßen noch eine Motorabdeckung, die sich mithilfe von Stoßdämpfern halbautomatisch öffnen ließ. Der Ferrari (8674) kam schon ohne diese Funktion aus (die Motorabdeckung war von Hand abnehmbar) und beim McLaren ergibt sich durch die im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich massivere Bauweise keine Möglichkeit mehr, das Modell zu öffnen. Die sich bewegenden Motorkolben sind durch eine Aussparung in der Verkleidung jedoch trotzdem jederzeit sichtbar.

Durch ein eingebautes Getriebe oder ein funktionierendes DRS hätte sich der LEGO McLaren Formel 1 Rennwagen deutlich von früheren Modellen dieser Art absetzen können. Schaut man sich die Größe der Getriebe in den LEGO Supercars an, wird allerdings schnell klar, dass der Platz in diesem Fahrzeug dafür wohl zu eng ist. Zudem hätte sich die Frage nach der Bedienung gestellt, die eigentlich vom ohnehin schon engen Cockpit ausgehen müsste. Das LEGO Technic Super Car (8880) besaß als B-Modell einen generischen Monoposto-Formelrennwagen, der dieses Problem zumindest in Teilen löste. Mithilfe der klassischen LEGO Getriebeelemente wurde eine Schaltkupplung zwischen Motor und Differnetial gebaut, die die Kurbelwelle über einen ins Cockpit geführten Hebel zumindest zwischen zwei verschiedenen Übersetzungen wählen konnte. Beim DRS hätte ich mir für das neue Modell des MCL36 trotzdem eine kleine Funktion mit verschiedenen Umlenkungen auf einen seitlich oder in Cockpitnähe angebrachten Hebel gewünscht.

Preislich und in Sachen Teileanzahl liegt der McLaren bis auf ein Teil exakt gleich auf mit dem legendären Silver Champion aus dem Jahr 2000 (1431 Teile, 349,95 DM / später 179,99 Euro), der allerdings als unlizensiertes Set noch mit B-Modell kam. Die beiden folgenden lizenzierten LEGO Technic Formel 1 Fahrzeuge im ungefähren Maßstab 1:8 schnitten nach dieser Metrik etwas besser ab. Alle LEGO Formel-Rennwägen kamen bisher mit einer Vielzahl an Stickern daher, die ersten beiden Modelle besaßen jedoch bedruckte Reifen. Einen Vergleich mit nostalgisch aufgeladenen Sets wird eine Neuerscheinung wohl fast immer verlieren, aus meiner Sicht ist der McLaren durch die modernere Bauweise jedoch der bisher schönste lizenzierte LEGO Formel 1 Rennwagen.

Nun seid ihr an der Reihe! Begeistert ihr euch für die Formel 1 oder Motorsport im allgemeinen und beurteilt das Modell eher aus dieser Richtung? Oder seid ihr LEGO Technic Enthusiasten und beurteilt das Set eher anhand seiner Bauweise und Funktionalität? Lasst uns in den Kommentaren wissen, was ihr über den LEGO McLaren Formel 1 Rennwagen denkt!

Über Tobias 31 Artikel
Als Star Wars Fan kaufte er sich als Kind von seinem ersten Taschengeld Luke's Landspeeder (7110) und kam während des Studiums durch das Modell der Saturn V zurück zu LEGO.
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