Der Schöne und das Biest! LEGO Speed Champions Aston Martin DB 5 (76911) und Dodge Charger R/T (76912) im Review

76911 76912 Titel

Mit Beginn des Augusts wurde die Reihe der Speed Champions erstmals um zwei Sets mit Filmlizenzen erweitert, die mit jeweils einer Minifigur mit realistischen Hautfarben aufwarten. Dabei handelt es sich um zwei Fahrzeuge aus den Filmuniversen von James Bond und Fast & Furious. Somit haben wir es erstmals mit einer Doppellizenz zu tun: Nämlich Fahrzeughersteller und Filmfranchise.

Doch lohnen sich die Anschaffungen vom LEGO 76911 Aston Martin DB 5 und LEGO 76912 Dodge Charger R/T in Speed-Champions-Größe, da beide Auto in größerem Maßstab bereits erhältlich sind bzw. waren? Finden wir es heraus. Klappe Eins, die Erste. Und Action!

Für das heutige Leserreview nimmt wieder Maik als bekennender Petrol-Head das Lenkrad in die Hand. In seiner letzten Ausgabe hatte er bereits die beiden LEGO Speed Champions Sets Lamborghini Countach und Lotus Evija unter die Lupe genommen. Viel Spaß mit der neuen Spritztour in die Welt der Filmautos!

Auf dem Highway ist die Hölle los

Bei den beiden Nachzüglern zu den übrigen Speed Champions Neuheiten aus dem Frühjahr handelt es sich um keine geringeren Filmautos, als den Aston Martin DB 5, bekannt aus zahlreichen James-Bond-Filmen und das schwarze Muscle Car-Monster, der Dodge Charger R/T von Dominic Toretto aus „The Fast and the Furious“. Somit bieten beide im visuellen Kontext den größtmöglichen Kontrast, den zwei große, ruhmreiche Automobilnationen bieten können: Zum fahrbaren, britischen Edelmetall für den sonntäglichen Ausflug im feinen Tweet-Anzug nach Ascot gesellt sich der Vollprolet aus den USA: Hemdsärmelig und von oben bis unten tätowiert bölkt der Kontrahent bereits aus der Ferne hörbar. Den schickt man vorsichtshalber in die Wüste auf irgendwelche Drag Strips zu den Viertelmeilen-Rennens bei Hot Dogs und Bier – und weit weg vom edlen Briten.

Geschüttelt, nicht gerührt

Der 1964 Aston Martin DB 5 von James Bond aus „Goldfinger“.

  • Setnummer: 76911
  • Thema: Speed Champions
  • Verfügbarkeit: ab 01. August 2022
  • Altersempfehlung: 8+
  • UVP: 24,99 Euro
  • Sticker: 20
  • Teile: 298
  • Minifig: 1

76911 Inhalt

Fangen wir mal ganz vorne an. Der DB 5 bekam, wie bereits sein Vorgänger, der DB 4, sein elegantes Blechkleid maßangefertigt von der Design-Schmiede Carrozzeria Touring aus Mailand. Seine 2+2 Sitzkonfiguration machte ihn zu einem waschechten GT (Grand Touring) par Execellence. Also, Langstreckenkomfort gepaart mit ordentlicher Motorisierung. Das DB im Namen steht übrigens für die Initialen des langjährigen Eigentümers von Aston Martin David Brown. Die Topversion, der DB 5 Vantage lieferte für damalige Verhältnisse aus dem Sechszylinder-Triebwerk mit 4 Litern Hubraum ordentliche 318 PS. Als er 1964 in die Verkaufsräume rollte, konnte ihm nicht mehr Aufmerksamkeit gewiss sein: denn parallel lief „Goldfinger“ in den Kinos an, und darin fuhr ein gewisser junger Sean Connery als James Bond erstmals diesen edlen, sportiven GT als Dienstwagen. Wie wir alle wissen hat Q den edlen Briten in seiner Werkstatt vor Übergabe an den Doppelnull-Agenten ordentlich aufmöbliert und ihm u.a. zwei Browning MGs, ausfahrbare Zentralverschlussklingen an den Radnaben, eine schusssichere Rückwand, Schleudersitz, eine Radaranlage, Ölspray und das berühmte Wechselkennzeichen spendiert.

Auch wenn er heute eher gediegen chauffiert wird, hatte ihn Sean Connery dereinst recht hart rangenommen. In Goldfinger lieferte er sich mit seinem DB 5 eine wilde Verfolgung mit Tilly Masterson am Steuer ihres 1964 Ford Mustang Cabrio durch die engen Serpentinen des schweizerischen Furka Passes. All das auf 110 Minuten Zelluloid machten den DB 5 unsterblich – Sean Connery übrigens auch.

Kennzeichen, da war doch was. Dem Set liegen sage und schreibe fünf (!) Wechselkennzeichen bei. Bevor Fragen aufkommen, allesamt stammen sie aus James-Bond-Filmen. „LU 6789“, „4711-EA“62 und „BMT 216A“ stehen auf dem legendären Wechselkennzeichen in Goldfinger, „A4269 00“ stammt aus der Daniel-Craig-Ära, zuletzt in No Time to Die zu sehen. „BMT 214A“ erkennt man in Golden Eye und Tomorrow Never Dies. Dieses Kennzeichen stammt übrigens von Bond’s Privatwagen ohne all die Agenten-Gadgets, jedoch mit Sektkühler und Faxgerät.

76911 Kennzeichen

Es ist ja nur Gold, äh Geld

Wer nun ernsthaft in Betracht zieht, sich ein solch elegantes Stück Automobilgeschichte als echten fahrbaren Untersatz anzuschaffen, kann sich für den Schnupperpreis von rund 3,5 Millionen Euro einen von 25 gebauten Bond-Replicas mit allem Pipapo sichern – sofern noch nicht bereits alle verkauft wurden. Die in 2020 nochmals exklusiv bei Aston Martin aufgelegte Kleinserie verfügt jedoch über keine Straßenzulassung (aus Gadget-technischen Gründen) und ist außerdem nur im berühmten „Silver Birch“ zu haben. Ihr wisst ja, irgendwas ist ja immer. Straßenzugelassende Exemplare kosten hingeben „nur“ zwischen 470.000 und einer dreiviertel Million Euro. Allerdings ohne das ganze Agentenzeugs. Erheblich mehr muss man hingegen für den ultrararen Shooting Brake, den Radfort, ein britischer Tuner und Autoveredler, für eine Kleinserie umbaute, hinblättern. Hier werden schon mal etwas mehr als 1,5 Millionen Euro aufgerufen. Übrigens stand kürzlich sogar kein geringerer DB 5 als jener zum Verkauf, der bis zum Tod Sir Sean Connerys im Jahr 2020 in seinem persönlichen Besitz war. Auf der Monterey Car Week kam sein Exemplar für sagenhafte 2,42 Millionen US-Dollar unter den Hammer.

James Bond 007 Goldfinger Aston Martin Db 5

Jedenfalls gilt der DB 5 als DER fahrbare Untersatz in der langen Geschichte der 007-Dienstwagen. So ist es nur logisch, dass er in Daniel Craig’s letztem Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ noch einmal einen großen Auftritt hinlegt, nachdem Craig ihn ja im Film „Casino Royale“ einst gegen Dimitrios beim Pokern gewann. Somit schließt sich der Kreis, zumindest, was die Verbindung mit Daniel Craig und den DB 5 angeht. Bereits in Skyfall mussten Autoliebhaber ganz tapfer sein. Doch anstatt den DB 5 zu sprengen, verarbeiteten die Filmemacher lediglich einen Porsche 928 S zu Altmetall. Der Rest war Magie, und ein bisschen digitale Postproduktion. Obwohl ein ordentlicher 928 heute auch ziemlich rar ist.

Liebling, ich habe das Auto geschrumpft

Kommen wir endlich mal zum Modell. Nicht, dass beim Betrachten der Umverpackung Hoffnungen aufkeimen. Der Aston Martin ist nicht flat silver, wie es uns die Produktfotos durchaus weiß machen könnten, sondern schlicht light bley, also light bluish grey. Lediglich einige Akzente, die vornehmlich die Chromanteile des Originals imitieren, sind silbrig lackiert. Er geht Lackkleid-technisch also konform mit seinem größeren Creator-Expert-Bruder, Nr. 10262.

Als erstes fällt der/dem geneigten Zusammenbauer:in der große Kühlergrill auf. Hier lässt sich Entwarnung geben: sämtliche relevanten Teile hierzu sind bedruckt. Mehr noch, selbst die kleinen runden Standlichter sowie Scheinwerfer auf den (neuen) Viertelrundsteinen sind aufgedruckt. Sehr löblich oder Gottseidank.

76911 Neue Teile01 76911 Neue Teile02

Die Beklebung des Modells ist gesehen auf die Anzahl der einzelnen Sticker in etwa vergleichbar mit anderen Autos der Serie. Erwartungsgemäß entfallen bereits zahlreiche Sticker auf die Darstellungsmöglichkeiten der einzelnen Wechselkennzeichen. Der Rest ist reine Deko fürs Blechkleid, beispielsweise Lüftungsschlitze, Türgriffe oder Typenschilder. Dazu müssen auch recht große Flächen mit nur kleinen Grafiken, wie einem Türgriff beklebt werden, sodass ein Manko besonders heraussticht: die nicht exakte Farbgleichheit zwischen den grauen Farben des Aufklebers und der Steinefarbe. Je nach Lichttyp fällt dieser Unterschied stärker oder schwächer aus.

76911 Sticker
Die Seitenfläche wird mit einer stattlichen Anzahl an Aufklebern versehen

Hierzu hätte ich einen Vorschlag: transparente Aufkleberbögen, wie beim weißen Porsche 911, Nissan GR Supra und jüngst dem Toretto-Charger. Überhaupt kann man mal darüber nachdenken, die vollflächige Beaufklebung eines Bauteils zu überdenken. Gerade, wenn lediglich ein kleines Lüftungsgitter oder ein Türgrifflein die Fahrzeugseite zieren soll, wäre es schon schön, vielleicht nicht immer den ganzen Stein zu folieren. Das würde Farbabweichungen erheblich reduzieren und meines Erachtens die Gesamtoptik aufwerten. Dennoch empfehle ich hierbei die Platzierung der Aufkleber, da ansonsten die Seitenflächen recht detailarm bleiben.

76911 Front Oa 76911 Front Ma
76911 Heck Oa 76911 Heck Ma

Vollausstattung

Die Montage bot diesmal kaum hervorhebenswerte Bautechniken. Außer vielleicht jene, dass diesmal ein vollwertiges, limousiniges Interieur dargestellt wurde, sprich mit echter Rückbank. Sogar die Vordersitze lassen sich dazu vorbildgerecht umklappen. Zwar lassen sich auf den Rücksitzen zwei weitere Minifigs platzieren, jedoch sitzen sie derart hoch, dass das Dach nicht mehr zu montieren ist.

76911 Passagiere

76911 Interieur

Bei der Montage der Teile aus Tüte Zwei kam zwischenzeitig Aufregung auf. Anfänglich sah es im Baufortschritt nämlich so aus, als würde der Aston Martin mit einer klappbaren Haube ausgestattet. Wh00t? Ein Novum! Doch schon wenige Bauschritte später folgte die Ernüchterung. Die scharnierartigen Aufnahmen, die meinen Ruhepuls deutlich erhöhten, dienten lediglich der Befestigung der üppig gestalteten Haube und waren leider ohne weitere Funktion – schade. Darunter hätten sich, wenn schon keine Motornachbildung möglich gewesen wäre, zumindest gut die üppige Wechselkennzeichenfraktion für die Mitnahme verstecken lassen. Somit fällt sie durch die Befestigung lediglich nach vorne etwas windschlüpfriger ab, sodass der Kühlergrill auf der Stoßstange aufliegt. Die silbrige, um die Fahrzeugecke laufenden Stoßstangen mitsamt der kleinen Hörner sind um eine halbe Noppe nach außen versetzt und unterstützen somit den schönen klassischen Charakter des Modells.

76911 Wolkiges Silber
Die silbrig lackierte Oberfläche ist recht unterschiedlich vom Farbauftrag und wirkt daher wolkig

Als weiteres Neuteil sind die angedeuteten Speichenfelgen mit dem Wurfstern-artigen Zentralverschluss. Sie machen aus dem gummierten Schuhwerk sehr kleidsame 7-Meilen-Stiefel. Allerdings steht der Oldtimer viel zu breitbeinig auf dem Asphalt. Das gibt leider Abzüge in der B-Note. Seltsamerweise wirkt es nicht so falsch, wenn man das Modell nur für sich betrachtet. Damit sind wir auch schon bei der Silhouette. Schwierig ist es seit eh und je in derartigen Baugrößen Rundungen in mehrere Richtungen entsprechend vorbildhaft auszugestalten. Somit sind die aufgedruckten Scheinwerfer auf dem neuen Viertelrund viel zu sehr gestaucht. Auch wirken die hinteren Ecken mit Rückleuchten wie Fremdkörper, weil sie formgebende Seitenlinie mit dem dahinter montierten sperrigen Bracket nur mäßig zu einem gelungenem Heckabschluss führen wollen. Muss man mögen…

Die Bedruckung des neuen gewölbten Scheibenteils fällt sauber aus, passt farblich aber leider auch nicht exakt zum Steineton. Ist aber deutlich näher dran als es die Aufkleber sind und kaum der Rede wert. Größere Makel in Sachen Kratzer waren hierbei nicht zu entdecken.

76911 Front 76911 Front Original
76911 Seite 76911 Original Seite

76911 Heck

Abschließend reizte mich der eingangs erwähnte Shooting Brake von Radford noch zu einer kleinen Modifikation. Nicht spektakulär im Bau, aber vielleicht optisch nicht ganz uninteressant. Übrigens steht der so noch immer auf dem Schreibtisch.

Neues Modell. Originalteile.

Der 1970 Dodge Charger R/T von Dom Toretto aus „The Fast and the Furious“.

  • Setnummer: 76912
  • Thema: Speed Champions
  • Verfügbarkeit: ab 01. August 2022
  • Altersempfehlung: 8+
  • UVP: 24,99 Euro
  • Sticker: 6
  • Teile: 345
  • Minifig: 1

76912 Dom Und Dodge

Kommen wir vom 5-Uhr-Tee nun zum Wild-West-Kontrastprogramm. Der Dodge Charger ist der Inbegriff potenter US-amerikanischer Small- und Big Block-Muscle Cars jener 1960er und 70er Jahre, die eher auf Beschleunigung denn auf Endurance, also Ausdauer, ausgelegt waren und erscheint hierbei in der Ausführung des hochgezüchteten R/T (Road/Track Trim Package) aus dem ersten „The Fast and the Furious“-Film, der an dessen Ende einen spektakulären Auf- oder besser Abtritt hinlegt. Dem verbauten 350 ci (Cubic Inch) Triebwerk werden samt Lachgas-Einspritzung bis zu wahnwitzige 900 PS entlockt, mit dem das Fahrzeug die Viertelmeile in glatten 9 Sekunden ablaufen soll. Das ist flott, verdammt flott! Rund 120.000 Euro müsste man als Sammler hinblättern, um solch ein brachiales Stück Automobil sein Eigen zu nennen. Ein Schnapper im Gegensatz zum DB 5. Trotzdem. Dazu muss auch dieses Auto erst einmal angeboten werden. Das verbliebene Filmfahrzeug bspw. soll sich nämlich derzeit im Besitz eines europäischen Sammlers befinden. Ich denke mal, derjenige möchte es so schnell nicht abgeben wollen.

Coffeinhaltige Muse

1968 brachte Dodge die äußerlich stark veränderte Neuauflage auf den Markt, die den Käufer:innen die damals sehr beliebte Coke Bottle Line bot. Ein zu jener Zeit sehr beliebtes Stilmittel der Autodesigner bei der Gestaltung der Fahrzeug-Seitenlinie. Prominente Vertreter mit der schwungvoll-konturierten an eine Coca-Cola-Flasche erinnernde Linienführung waren u.a. die C3-Corvette, ebenjener Charger sowie in Europa bspw. der Opel Record C, oder der Opel GT (die kleine Corvette).

Days of Thunder

In den USA galt: kein Muscle Car ohne Rennsporteinsatz. So setzte Dodge den Charger bereits 1969 in der windschlüpfrigen Daytona-Ausführung auf den inländischen Rennstrecken, den sog. Nudeltöpfen (weil alle im Kreis fahren) in der NASCAR-Serie ein. Diese Aero-Paket flanschte dem Auto vorn eine spitz zulaufende Haubenverlängerung an und hinten fabrizierte ein beinahe mannshoher Heckflügel im Rennbetrieb ordentlich Abtrieb. Die mittlerweile verstorbene US-Rennfahrerlegende Buddy Baker fuhr damit zwei Siege ein. Ein Jahr später folgte deren vier für Dodge. Ebenso durchbrach er als erster überhaupt mit einem Aero-Daytona die 200-MPH-Schallmauer bei Rennwagen. Durch den großen Heckflügel bekam der Wagen den Spitznamen „Winged Warrior“. Leider war dem Dodge Charger Daytona keine längere Zeit in den Top-US-Rennserien beschienen. Bereits ein Jahr später wurden seine Aerodynamikpakete für Motoren über 305 ci verboten. Mit der Ölkrise und den damit einhergehenden hohen Spritpreisen steuerte die potente Muscle Car-Ära schließlich ihrem Ende entgegen und auch dem (vorläufigen) Ende des Chargers.

76912 Baker Glotzbach
Buddy Baker (#6) knackte 1969 auf dem Superspeedway in Talledega mit einem Aero-Charger die 200-Meilen-Schallmauer (321 km/h). Vorn versucht Charlie Glotzbach (#99) in einem ebensolchen Dodge Paroli zu bieten

Genau wie das Original?

Zum Modell. Mit dem Charger macht TLG die Produktpalette jener muskulöser Sportcoupés aus dem Hause Dodge aus der Zeit der üppigen Afros und Schlaghosen nun komplett. Denn wer bereits den violetten Challenger sein Eigen nennen kann, hat die wichtigsten (neben der C3-Corvette von Chevrolet) im Bestand. Fehlt eigentlich nur noch das Ford-Äquivalent in der neuen 8w-Baubreite, wenn man die bestehenden Lizenzen, die LEGO inne hat, berücksichtigt. Als persönlicher Wunsch wäre ich für einen Mustang der vierten Generation (1970 bis 1973), der insgesamt eher ein Schattendasein hinter seinem Vorgänger und weltberühmten Fastback aus „Bullitt“ (übrigens ebenfalls gegen einen Charger antretend) fristet, aber durch seine nüchterne Eleganz nicht minder schön anzuschauen ist. Dies war übrigens gleichzeitig auch der Start der Designabteilung, dem Fahrzeug für Generationen einen anderes Aussehen zu verpassen, ehe ab 2004 die jetzige retroeske Formgebung wieder eingeführt wurde, die an die allererste Mustang-Generation erinnert.

76912 Inhalt

76912 New Parts
Die wichtigsten neuen Farben und Teile

Pitch Black Beauty

Ich schweife ab. Kommen wir zum Modell. In Punkto aufzubringender Aufkleber ist dieses Set schon beinahe nicht zu toppen. Lediglich sechs kleine Stickerchen wollen auf dem Modell platziert werden. Hierbei hat man ein transparentes Trägermaterial gewählt, weil auch kleine Fensterflächen beklebt werden. Und eines machten die Entwickler dabei am Charger besser als beim DB 5: sie verwendeten hierbei keine großflächigen Sticker. Der Tankdeckel ist lediglich ein kleines dreieckiges Aufkleberfitzelchen, das auf der großen, clean wirkenden Heckfläche angebracht werden will. Top!

Da das Vorbild über ein Keilfahrwerk mit unterschiedlicher Bereifung verfügt, waren die Designer zumindest versucht, die Schrägstellung des Fahrwerks nachzubilden. Die eine Plattenhöhe macht aber nur bedingt den Unterschied. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis auch ich die heckseitige Höherlegung auf den Pressefotos und in der Anleitung (!) wahrgenommen hatte.

Bautechnisch erinnert einiges entfernt an den Zusammenbau des kleineren Challenger. Kein Wunder bei den Konzernbrüdern. Das ist aber auch völlig in Ordnung. Der große Charger soll sich ja wenigstens ein bisschen wie sein kleiner Bruder (an)fühlen dürfen. Zudem haben sich die Designer bei LEGO für eine relativ neutrale Zusammenstellung unterschiedlicher Farben entschieden. Dafür werden für meinen Geschmack ein paar orange-transparente 1x1er Plättchen zu viel verbaut. Ein recht unpraktikables Novum ist, dass das Fahrzeugdach lediglich auf Seiten- und Frontscheibe aufgelegt wird und keinerlei feste Verbindung mit dem Rest des Fahrzeugs eingeht. Dadurch fällt es häufiger mal zu Boden, wenn man schon wieder nicht an die Auflage gedacht hat. Das nervt und ergibt unschöne Macken. Nicht im Boden, aber an Bauteilen.

Wenn wir schon bei den Mankos sind, dann, dass der Felgenaufdruck etwas, ich will mal sagen, bemüht ausschaut und so gar nicht den original Cragar-200-S-Felgen entspricht.

76912 Felgenaufdruck

Auch steht das 8×5 Curved-Slope-Bauteil, das den Heckdeckel gibt, baubedingt etwas unter Spannung, was zur einer ungewollten Lücke zwischen Bauteil und Rückleuchten führt. Dafür verfügt er ganz vorbildgerecht nur über einen linken Außenspiegel. Schönes Detail sind auch die eingesetzten Rollschuhe als Türgriffe, die beiden verbauten 1×1 Viertelrundfliesen, die die für den damaligen Charger typischen Blechfalzen in den Türen imitieren und der üppige BDS 8-71 Roots-style Supercharger samt mächtigem Ansaugstutzen darüber.

76912 Interieur
Das Interieur besteht aus Schalensitz, Lachgaseinspritzung, Automatikwahlhebel und der rückwärtigen Konstruktion für den Überrollkäfig

Zurück in die Zukunft

Und damit in die Wirklichkeit. Künftig schafft Dodge höchstselbst Fakten für den Aufbau eines solchen 1970er Retro-Chargers. Erst vergangenen Monat stellte der Autobauer im Rahmen seiner „Speedweek“ eine komplette Karosserie aus Kohlfaser vor, die über die Direct Connection Perfomance Parts Gruppe des Unternehmens für einen Komplettaufbau bezogen werden kann. Darüber hinaus versorgt Dodge seine Kunden mit entsprechend authentischen Motoren und Getrieben bis hin zu einem kompletten Rolling Chassis. Über Preise schweigt sich die US-amerikanische Stellantis-Tochter aber noch aus.

Kleiner Bruder, großer Bruder

Vergleicht man am Ende beide Modelle Charger und Challenger miteinander, fällt auf, dass der Challenger tatsächlich minimal kürzer ist – nämlich um eine Noppe. Jedoch bedingt durch eine niedrigere Seitenlinie und eine um eine Platthöhe flachere Gesamthöhe wirkt der schwarze Charger einfach schlanker und muskulöser. Dazu kommt die zusätzliche Noppe für den Kofferraum. Länge läuft.

In Wirklichkeit ist der Challenger auch nur ein Pony Car. Der Unterschied zum Muscle Car war oder ist es auch noch immer, dass in die Fahrzeuggattung kompaktere Autos fielen, unter deren Haube zwar leistungsstarke V6- oder V8-Motoren schlummerten, aber erschwinglicher waren als die brachialeren Muscle Cars. Man beachte bitte das kleinen Aufkleberdreieck auf dem Heckdeckel des schwarzen Chargers. So mag ich das

76912 Vergleich02

Wer sind denn die?

Kommen zu Ende und damit zu den Figuren. Vin Diesel feiert(e) sicher seine Minifig, und auch Sean Connery wäre wohl stolz auf diese Art und Weise als James Bond verewigt zu sein. Im Kontext mit den Autos sind die Figuren toll, ihre Optik authentisch, die Aufrucke sauber. Jedoch folgt jetzt auch ein dickes Aber. Ihre Gesichtsausdrücke sind, seien wir mal ehrlich, bestenfalls nur schwerlich zu erkennen. Sie sind meines Erachtens zu generisch und mit anderen Gesichtern zu verwechselbar. Mir fehlt die Einzigartigkeit. Ich will kein fotorealistisches Abbild, jedoch hätten die Designer markante Gesichtszüge noch besser einfangen und umsetzen können. Wie so oft tut sich LEGO nicht leicht wiedererkennbare Gesichter prominenter Personen zu zeichnen. Auch Sean Connery und Vin Diesel machen dabei leider keine Ausnahme.

Bond, James Bond. Fehlt eigentlich nur noch ein Martini-Glas als Minifig-Utensil:

76911 Bond Minifig Vs 76911 Bond Minifig Rs

Der lässige Schmuddellook entspricht haargenau der Kluft, die Vin Diesel im ersten Furious-Film trägt:

76912 Dom Minifig Vs 76912 Dom Minifig Rs

Fazit

Für Autofans, Sammler und Liebhaber der Serien sind auch diese beiden Autos eine willkommene Bereicherung der heimischen Flotte. Beide sind in Wirklichkeit wahre Ikonen des Automobilbaus. In Europa sicher mehr der Aston Martin als der Dodge, aber das verkehrt sich, sobald man den Standort über den großen Teich verlagert. Jedoch spiegeln beide den Zeitgeist jener Jahrzehnte, in denen sie nahezu zeitgleich gebaut, verkauft und gefahren wurden, perfekt wider.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Die Bauteile sitzen, zumindest meist. Die Bauanleitung wirft keine Fragen auf. Die Montage macht Spaß und ist auf gewohntem Speed-Champions-Niveau. Auch hier kann man für den Bau wieder eine gute Stunde für jedes Modell einplanen.

76912 Front

76912 Heck
F**k, yeah! Der „Intimidator“ (dt. Einschüchterer) in Tagesleuchtschwarz. An der rechten Ecke erkennt man übrigens, wie der Heckdeckel ein Stück hochsteht

Müsste ich mich aber zwischen beiden Modellen entscheiden, würde ich den Charger dem DB 5 vorziehen, weil er die klassische Form des Originals besser nachzeichnet und dadurch in seinen Proportionen stimmiger ist. Außerdem wirkt das Schwarz herrlich unheimlich und unterstützt die insgesamt kantig-massige Optik. Auch einige Details erzeugen durch eine bautechnische Umsetzung einfach bessere Resultate (Türgriffe, eingelassene Rückleuchten oder der „Chrom“-Rahmen um den Kühlergrill). Und in echt? Ich würde wohl den Aston Martin wählen.

Zu Allerallerallerletzt: Der Charger zeigte sich in zahlreichen (durchaus sehenswerten) Filmen. Die bekannteste Rolle hatte er sicher als knatscheoranger General Lee in „Dukes of Hazzard“ inne. Als 1969er Charger R/T 440 in „Citron Yella“ wurde er in „Kesse Mary – irrer Larry“ von 1974 unsanft geschrottet. In „Bullit“ hetzte er als schwarzer 68er R/T 440 Steve McQueen im schnellen Mustang Fastback, und in Fast and Furious 6 kam er in der Daytona-Ausführung in kastanienbraun zum Einsatz. Übrigens setzte der Film „Vanishing Point“ (dt. „Fluchtpunkt San Francisco“) dem kleineren Challenger 440 R/T sein filmisches Denkmal – allerdings mit tragischem Ende.


Vielen Dank an Maik für das ausführliche Review und deine tollen Illustrationen zu den beiden LEGO Speed Champions Sets. Mehr Auto-Fachwissen von Maik lest ihr ihn seiner Review zum LEGO Lamborghini Countach und Lotus Evija oder auf seinem Blog zur LEGO Feuerwehr Farnheim. Falls ihr selber mal ein Review veröffentlichen wollt, schaut gerne auf der „Bei StoneWars mitwirken“-Seite vorbei.

Wie gefallen euch die beiden LEGO Speed Champions Automobile? Habt ihr den Aston Martin oder Dodge Charger schon in eurer Sammlung und sagt euch die Umsetzung zu? Schreibt gerne eure Meinung zu der Review in die Kommentare!

Leserbeiträge
Über Leserbeiträge 12 Artikel
Unter dem Autor "Leserbeiträge" werden alle Artikel von Lesern hier auf StoneWars gesammelt. Wenn du auch einen Leserbeitrag schreiben willst, melde dich unter leserbeitrag@stonewars.de
guest
26 Kommentare
Ältester
Neuester Bestbewertet
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare