Wie steht es eigentlich um die Wiedergabetreue? LEGO Speed Champions Lamborghini Countach und Lotus Evija im Review

LEGO Speed Champions 76908 76907 Review

In diesem Review nimmt Leser Maik für uns zwei neue LEGO Speed Champions Sets genauer unter die Lupe. Wie schlagen sich der LEGO 76908 Lamborghini Countach und LEGO 76907 Lotus Evija im Vergleich mit ihren großen Vorbildern? Neben vielen Slidern hat Maik sich auch an kleine Modifikationen für den Countach herangetraut. Jetzt aber Bahn frei für sein Review und viel Spaß damit!

Als bekennender Autofan verfolge ich die Speed-Champions-Serie seit Beginn an. Ich nenne zahlreiche Modelle mein Eigen, aber eben nicht alle – lediglich einige ausgewählte Modelle, die mir besonders gefallen. Somit habe ich auch den Wechsel von sechs auf acht Noppen Breite mit großem Interesse verfolgt. Jetzt, nach mittlerweile drei Neuheitenwellen der größeren Fahrzeuge, habe ich für mich festgestellt, dass die Serie dadurch deutlich gewonnen hat. Sie besitzt nun mehr Modellbau- und Sammelcharakter und nicht mehr die alte Spielzeugauto-Optik. Dadurch passt sie nicht mehr zu den artverwandten Automobilen aus der City-Serie – was aber aus AFOL-Sicht, aus dem Blickwinkel eines erwachsenen Petrol-Heads, recht egal sein kann.

Die diesjährigen Speed Champions-Neuheiten sind in Wort und Bild zwar bereits hinlänglich bekannt, dennoch möchte ich in einer etwas anderen Nachbetrachtung nochmals etwas ausführlicher auf sie eingehen. Insbesondere, was die Wiedergabetreue angeht. Dabei stecken wir dann tatsächlich mittendrin in einem Bausteinedilemma.

76907 76908 Verpackungen
Gewohnte Kost: Die Kartons bieten äußerlich keinerlei Überraschungen.

Aktuell kann das Unternehmen LEGO auf eine beachtliche Anzahl von Automobil-Lizenzen zurückgreifen: Aus dem Volkswagen-Konzern sind es Porsche, Bugatti, Lamborghini und Audi. Zudem Mercedes-Benz nebst Haustuner AMG, dann noch Ford und Chevrolet sowie das Unternehmenskonglomerat Stellantis mit Ferrari, Dodge und Mopar. Dazu gesellen sich aus Fernost Nissan, Toyota und die Briten McLaren, Jaguar, Aston Martin und Mini sowie Koenigsegg aus Schweden.

Es liest sich wie das „Who is who“ der Automobilbranche; und das sind nur die Marken, für die bislang LEGO Speed Champions-Modelle entwickelt wurden. Warum in dieser Serie die Wahl der Fahrzeuge so ist, wie sie ist, kann mehrere Gründe haben. Entweder gibt der Lizenzgeber vor, welche Modelle umgesetzt werden, das heißt die Designer haben sich an feste Vorgaben zu halten, oder die Fahrzeugwahl ist tatsächlich frei und man versucht, in enger Abstimmung mit Entscheidern der Autobauer Jahr um Jahr einen abwechslungsreichen Querschnitt interessanter Fahrzeugtypen anzubieten. Das würde beispielsweise erklären, dass auch etwas unpopulärere Modelle wie der diesjährige LEGO 76906 Ferrari 512 M in die Produktpalette aufgenommen wurden. Bevor wir jetzt aber noch lange weiter über das Warum und Wieso spekulieren, starten wir lieber mit dem ersten Set.

LEGO 76908 Lamborghini Countach

Auf dem Bautisch liegt aber nicht irgendeines, sondern das wohl beliebteste Fahrzeug der diesjährigen Speed-Champs-Sets, der Lamborghini Countach. Gebaut aus 262 Teilen kommt das Set mit einer UVP von 19,99 Euro daher. Wenn ich so zurückdenke, war wohl kaum ein Jungs-Kinderzimmer in den 1970/80er Jahren nicht mit einem solchen Poster geschmückt – meines eingeschlossen. Nicht zuletzt dank der Actionkomödie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ war die Popularität des Supersportlers damals ziemlich hoch.

76908 Neue Teile
Die Größe des Stickerbogens ist schon normal. Wenige neue Bauteile finden sich im Set.

Der Countach, den die Designer nun nachgebildet haben, könnte durchaus ein LP5000 Quattrovalvole aus dem Jahr 1986 sein. Denn das Modell verfügt über dieselben stilistischen Merkmale wie das Original, und dazu gehört unter anderem eine lederbezogene rote Innenausstattung.

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Rotes „Leder“ grellt einen aus dem Innenraum an – echte 80er Vibes.

Funfacts zum Lamborghini

Countach ist ein dialektales Wort aus dem Piemont und beschreibt einen Ausruf des Erstaunens oder auch großer Freude. Ein Mitarbeiter soll dieses Wort während der Entwicklung des Fahrzeugs ständig wiederholt haben. So sei der Lambo der Legende nach zu seinem Namen gekommen. Korrekt ausgesprochen wird er übrigens „Kuntasch“. Das nachfolgende LP steht für „Longitudinale posteriore“, was sich als „längs hinten“ übersetzen lässt und auf die Einbaurichtung des Motors hinweist. Die anschließende zumeist dreistellige Zahlenfolge deutet auf den Hubraum hin. So hatte ein LP400 3,9-Liter- und ein LP500 4,8- oder 5-Liter-Motoren. Der LP5000 Quattrovalvole sticht allerdings aus der Nomenklatur heraus: Dieser war bzw. ist mit einem 5,2-Liter-Triebwerk bestückt.

Der Unternehmensname Lamborghini spricht sich entgegen landläufiger Meinung mit einem harten G. Schließlich sagt man auch auch nicht „Spadschätti“ zu den Nudeln. Der Markenstier heißt übrigens Murcièlago, ein der Legende nach sagenumwobener Kampfstier, der für Kraft und Ausdauer steht. Ach ja, ganz früher, also ab 1948 hat ein gewisser Herr Ferruccio Lamborghini begonnen, Traktoren zu bauen. Es ranken sich viele Geschichten um den Start der Sportwagenproduktion ab 1963, wovon keine wirklich belegt ist. Eine, so erzählt man sich, gehe auf eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und keinem geringeren als Enzo Ferrari zurück. Der Rest ist allerdings tatsächlich passierte Geschichte.

Eckige Formen kann LEGO

Der doppelseitige Gesichtsaufdruck ist schon länger – auch bei den Speed-Champs – in Gebrauch.

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Immer wieder faszinierend, wie aus zunächst amorphen Teileklumpen später ein Auto entsteht.

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Für mich persönlich ist der Countach das schönste Modell der diesjährigen Speed Champs. Schlicht und ergreifend, weil er so gelungen ist. Die Formgebung des Originals kam den Designern sehr entgegen, harte Kante zu zeigen. Hier spielt die alte, klobige Designsprache der Autos LEGOs Teilegeometrie in die Karten. Und diese spielten die Designer wiederum gekonnt aus. Beim Lambo, der selbst ohne Aufkleber tadellos als solcher zu identifizieren ist, sind zahlreiche Detaillösungen allein über die Nutzung der Teilevielfalt eindrucksvoll verwirklicht. Als Beispiel seien der angedeutete seitliche, sogenannte NACA-Lufteinlass oder die Rückleuchten angeführt, die durch die Verwendung von  transparenten Cones die typische, nach außen hin sich verschmälernde Pfeilform des Vorbildes wunderbar zitieren. Überhaupt weiß das Heck außerordentlich zu gefallen. Das beginnt schon mit den verschiedenen Schrägen oberhalb der Gürtellinie, beginnend hinter der Cockpitscheibe.

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Schön anzusehen: die verschiedenen Neigungswinkel.

Die Darstellung der unterschiedlichen Neigungswinkel sind bautechnisch und später optisch, wie sie schließlich die Rückleuchten einfassen, eine helle Freude und sehr dicht am Original. An dieser Stelle ein großes Lob an die Designer.

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Das hat schon was von einem Raumschiff.

Die Wahl der Lackfarbe „Bianco“ passt perfekt zu dem oben erwähnten Vorbild. Im direkten Vergleich mit dem Original passen Länge, Radstand, Höhe und Überhänge im Großen und Ganzen sehr gut. Das bestärkt mich aufs Neue in der Meinung, dass die Vergrößerung der Modelle von 6 auf 8 Noppen eine lohnenswerte und richtige Entscheidung war. Denn oftmals wirkten gerade die Radstände und Überhänge an den kleineren Speed Champions eher unproportional. Zwar bin ich kein Freund von Aufklebern, ein Detail ist allerdings besonders faszinierend: die zwei Sticker nämlich, die nicht direkt sichtbar verklebt werden. Sie liegen später verdeckt unter der oberen Lage der abflachenden Fahrzeugfront hinter Glas und entfalten erst durch die entstehende Lichtbrechung der transparenten 1x1er Steine ihren ganz speziellen Reiz. Damit wird nämlich die originalgetreue Darstellung von Blinker und Standlicht wirkungsvoll nachempfunden.

76908 Blinker Effekt
Man muss zwar genau hinsehen, aber es gibt dann einen wirklichen Aha-Effekt.

Sticker hat der Lambo eigentlich gar nicht nötig.

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Die Felgen, bei denen es sich um bedruckte 2x2er Rundfliesen handelt, hinterlassen hingegen einen etwas zu abstrakten Eindruck. Dass die Bereifung und die Spur an der Hinterachse nicht breiter ausfallen – geschenkt. Aber mit der Fliese haben es sich die Designer in meinen Augen zu einfach gemacht. Diese mag vielleicht bei Betrachtung aus der Distanz funktionieren, doch das ikonisch-konkave Design der Campangnolo 5-Loch-Felgen geht – gerade beim Tiefbett an der Hinterachse – leider völlig verloren. Das ist schade. Auch, dass man nicht noch probiert hat, die namensgebenden Lambo-Doors einzubauen. Das hätte wirklich was gehabt. Aber wirklich unschön ist der nicht ganz farbstimmige Aufdruck der Cockpitscheibe, der auf den Fotos leider nicht so arg in Erscheinung tritt. Das Weiß des Druckbildes will leider gar nicht mit der Steinfarbe übereinstimmen. Übrigens nicht das erste Mal, dass so etwas vorkommt.

Vergleich mit dem Original

Der lässigste Renner der Speed Champions.

76908 Vergleich Front Set76908 Vergleich Front Orig

Auch die Silhouette im Modell kann sich sehen lassen.

76908 Vergleich Heck Set76908 Vergleich Heck Orig

Abgasanlage, Spoiler, Leucht, Luftauslässe – passt alles.

76908 Vergleich Seite Set76908 Vergleich Seite Orig

Man erkennt im Modell, dass man mit dem Aufdruck die charakteristische Form der Windschutzscheibe nachgeahmt hat.

76908 Vergleich Dach Set76908 Vergleich Dach Orig

Zugegebenerweise ist all das in der Summe Meckern auf sehr hohem Niveau. Nichts davon ist ein Weltuntergang. Als ein weiteres Ausstellungsstück macht er sich trotzdem ausgezeichnet in der heimischen Sammlung und ist für Leser*innen mit Benzin im Blut dennoch eine klare Kaufempfehlung. Somit ein Dank an LEGO für die Umsetzung eines wunderschönen Stücks Automobilgeschichte.

LEGO 76907 Lotus Evija

76907 Neue Teile
Deutlich mehr Neues beim Evija-Bausatz.

Das zweite Modell, der Lotus Evija, besteht aus 247 Teilen für 19,99 Euro und ist, nicht nur im Modell, der optische Gegensatz zum Lambo. Während drüben der kantige Zeitgeist der „fancy 80s“ vorherrscht, wirkt hüben beim Lotus alles im Fluss – was an sich bei heutigen Super- und Hypersportlern nichts Ungewöhnliches mehr ist. Zeitgeist eben, wie damals auch schon. So muss man sich als Automobilhersteller heutzutage schon etwas einfallen lassen, damit sich das eigene Design von anderen Mitbewerbern abhebt. Lotus hat das hinbekommen, vornehmlich beim Heck. Designtechnisch unbestrittendes Highlight sind die beiden Luftkanäle, die innen an den beiden Hinterrädern, vorbeigeführt am Heck, in zwei riesigen ovalen Auslässen münden. Als wäre das noch kein Hingucker genug, haben die Fahrzeugdesigner die Rückleuchteneinheit drumherum modelliert – der absolute Wahnsinn.

Funfacts zum Lotus

Der Fahrzeugname bedeutet aus dem Hebräischen übersetzt „lebendig“ und spricht sich wie „Auweia“, jedoch mit einem I anstatt Au vorneweg. Um der Namensbedeutung alle Ehre zu machen, will Lotus mit dem Evija das leistungsstärkste Serienauto der Welt anbieten. Dabei sollen für den Vortrieb vier Elektromotoren insgesamt 2.000 PS und 1.700 Nm Drehmoment entwickeln. Das schlägt Wellen in den Asphalt. Übrigens ergibt Evija – gespiegelt und mit etwas Fantasie – im für Lotus eigens entwickelten Schriftzug das englische Wort Alive. Passt also zur Lebendigkeit.

Das Dilemma mit den runden LEGO Formen

Die Minifig bekam einen schicken Overall, aber diesmal kein Wendegesicht.

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Im Modell sind die Luftleiter, um es gleich vorwegzunehmen, leider nicht durchgängig. Beim Zusammenbau wird auch schnell klar, warum nicht: Es ist schlicht kein Platz für eine Lücke vorhanden. Und so schaut unsereins von der Seite oder hinten in den Öffnungen alsbald auf rabenschwarze Wände.

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Ecken, wo in Wirklichkeit keine sind.

Dennoch haben die LEGO-Designer es geschafft, den einzigartigen Leuchtenring um die Öffnung zu konstruieren. Allein das ist aufwändig und pfiffig gebaut. Spätestens hier aber stecken wir hüfttief im eingangs angesprochenen Dilemma. Die Silhouette des Originals bekommt man mit eckigen Plättchen einfach nicht hin. Auch mit anderen Steinen nicht. So muss ein Kompromiss her. Gut, dass man sich in diesem Fall nicht für eine Sticker-Lösung entschieden hat. Vielleicht hätte sich eine Möglichkeit ergeben, wenn man, ähnlich wie beim LEGO 75878 Bugatti Chiron, versucht hätte, die Leuchten mit einem roten Gummiband darzustellen, die die Öffnung umrunden. Das hätte bei dem sehr dunkel gehaltenen Heck sicher einen tollen Effekt erzielt. Allerdings hätte ich, auch nach reiflicher Überlegung, keine konstruktive Lösung für eine gescheite Befestigung des Gummis parat. Die Designer in Billund womöglich auch nicht. Jedenfalls nicht, ohne neue Bauteile zu erfinden. Da wir schon bei der Heckansicht sind, fragt sich sicher die ein oder der andere, was denn der Heckspoiler dort soll? Selbstredend verfügt auch das Evija-Vorbild über einen solchen. Der ist allerdings bei Nichtnutzung geschickt in die Karosserieform eingearbeitet. LEGO zeigt ihn uns im Modell schlicht ausgefahren. Grundsätzlich aber fehlt dem dänischen Pendant besonders am Heck diese außerordentliche Bulligkeit.

So sehr sich die Designer mühten, die wie hingegossen wirkende Formgebung des originalen Blechkleides nachzuempfinden, machte ihnen die Teilegeometrie immer wieder einen (geraden) Strich durch die Rechnung. Irgendwo bilden sich immer Ecken und Kanten, wo beim Vorbild gar keine sind. Insbesondere die beim echten Evija beinahe skulptural wirkende Seitenfläche erscheint im Modell auf den ersten Blick als ein – entschuldigt den Ausdruck – zertretener Keks. Erst im direkten Vergleich mit dem Original lässt sich dank der schmalen Slopes und diagonal geteilten Tiles die Formensprache wiedererkennen.  Überhaupt wurde mit curved slopes nicht gespart, um die  Form einigermaßen zu treffen. Ich bin mir sicher, würde es diese Teile noch nicht geben, hätte man sie spätestens jetzt dafür erfunden, wie beispielsweise die neuen 2×3 curved wedges für die Scheinwerferecken.

76907 Lufteinlass
Ein diagonales Fest an curved slopes und tiles.

Bautechnisch gibt wieder viele tolle Tricks und Kniffe zu entdecken.

Kurz ein paar Worte zur Farbwahl. Das Dunkelgrün des Bausatzes ist nicht zufällig gewählt, wie übrigens kein Farbton der Speed Champions-Modelle. Hierbei soll die „Legend Livery“ in Ardent Grün mit gelben Akzenten nachempfunden werden. Eine Farbkombination, die wie keine andere das automobile Erbe der Marke Lotus repräsentiert. Ähnlich ikonisch wie das Rot bei Ferrari.

Leider hat man dem Cockpitscheibenteil unter dem gelben Streifen noch zusätzlich Dunkelgrün-Aufdrucke spendiert, um die hohe Seitelinie des Originals besser nachzuempfinden. Die Verwendung der trapezartigen Nexoknights-Scheibe als Weiterführung des Daches Richtung Heckabschluss bietet sich hier regelrecht an und passt hervorragend ins Gesamtensemble. So entspricht die sich nach hinten verjüngende Sektion aus der Vogelperspektive betrachtet recht exakt dem Vorbild. Die Überleitung dorthin, mittels der spitz zulaufenden 2x2er Slopes, ist ein kleines, faszinierendes Montage-Highlight. Insgesamt gelingt damit doch recht plausibel das konvexe Dachhalbrund. Von der Seite betrachtet wirkt das Modelldach allerdings eine Plattenhöhe zu niedrig. Übrigens: Wegen der ausgefeilten Aerodynamik besitzt der Evija gar keine Außenspiegel. Den Job übernehmen stattdessen kleine, rückwärtig ausgerichtete Kameras, die beim Original während des Betriebs ausfahren.

Ein weiterer Nachteil der waagerechten Ausrichtung der Steine ist, dass der vordere Haubenabschluss, dem echten Evija entsprechend, nicht tief genug abfällt. Zwar schafft das Raum für das große, schwarze Haifischmaul mit seinen fast unsichtbaren luftleitenden Details darin, aber insgesamt fällt es schwer, hierüber das Modell dem Vorbild entsprechend zuzuordnen. Die zwei Plattenhöhen vorn am unteren Karosserieabschluss sind hingegen seitenverkehrt montiert, so dass sich mittels Fliesen die schwarze Frontlippe mit seinen gelben Ecken gut nachempfinden ließ. Die Scheinwerfer auf den neuen Wedges sind neuerdings erfreulicherweise aufgedruckt – allesamt und über die komplette Neuheitenwelle hinweg übrigens. Streng genommen müssten auch diese tiefer sitzen und die Krümmung stärker ausfallen. Auch bekamen die Felgeneinsätze leider kein neues, Evija-gerechtes Design. Zudem müssten sie, gemäß des gewählten Farbschemas, eigentlich schwarz sein. Im Inneren wurde, im Gegensatz zum Lambo, ein Kessel Buntes verbaut. Es scheint sogar, wenn man pingelig ist, etwas Blaues nach draußen. Dafür hätte die Wahl des dunklen Grüns mit dem gelben Zierrat für einen Erstling aber nicht besser ausfallen können. Übrigens feiert die Automarke ihre Premiere im LEGO-Universum.

76907 Blaue Stelle
Das ist sie, die angesprochene blaue Stelle, die aber nicht weiter auffällt, wenn die Haube geschlossen bleibt. Soviel Ehrlichkeit muss sein.

Grundsätzlich hat der Evija mehr davon, wenn er mit Aufklebern beklebt wird. Dadurch wird der ansonsten löchrig wirkende gelbe Zierrat geschlossen und lässt das Modell kompletter erscheinen.

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76907 Nosticker Rs76907 Sticker Rs

Vergleich mit dem Original

Die Frontgestaltung ist dem Vorbild gegenüber zu hoch und zu wenig steil geraten. Allein die Spoilerlippe unter dem breiten Lufteinlass nimmt zwei Plattenhöhen in Anspruch.

76907 Vergleich Front Set76907 Vergleich Front Orig

Erst im direkten Vergleich offenbart sich, warum die Seite im Modell so aussieht, wie sie aussieht. Dafür ist der Hüftschwung angedeutet.

76907 Vergleich Seite Set76907 Vergleich Seite Orig

Der Diffusor beim LEGO-Modell ist zwar vorhanden, aber bestenfalls angedeutet. Die Imposanz, die das Fahrzeugheck in 1:1 ausstrahlt, sucht man im Modell leider vergebens.

76907 Vergleich Heck Set76907 Vergleich Heck Orig

Das Rundliche ist auch aus der Vogelperpektive nur mäßig zu erkennen. Dafür kommen der dreieckige Lufteinlass (gerade mit Hife von Aufklebern) auf der Fronthaube sowie die Dachsektion recht gut rüber.

76907 Vergleich Dach Set76907 Vergleich Dach Orig

Fazit

Bautechnisch sind beide Fahrzeuge, wie eigentlich die gesamte Themenreihe, über jeden Zweifel erhaben. Die Bedruckungen der Minifigs sowieso. Der Zusammenbau geht entsprechend reibungslos über die Bühne und bereitet ordentlich Bauspaß. Rund eine Stunde Zeit sollte man jedem Set einräumen, die baubaren Raffinessen für sich selbst zu entdecken und – wer es mag – die Aufkleber in aller Ruhe zu positionieren. Besonders lohnen sie sich beim Briten und helfen schließlich bei der Identifizierung.

76907 76908 Duett

Die Designer haben mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, wie ich finde, bei beiden Automobilen das Bestmögliche herausgeholt. In der Gesamtbetrachtung wirkt das Modell des Evija für sich allein betrachtet allerdings zu generisch, zu verwechselbar. Auch passen die Karosserieverhältnismäßigkeiten insgesamt weniger gut als beim Lambo. Der Countach hat es da wesentlich leichter. Dank der kantigen Formgebung lässt er sich aus LEGO einfach besser nachbauen. Und so rast der Countach beim Großen Preis um den Wiedererkennungswert mit erheblichen Vorsprung aufs Siegerpodest, dem Evija bleibt leider das Nachsehen. Die Lösung aus dem angesprochenen Steine-Dilemma kann allerdings nicht bedeuten, dass für die Wiedergabetreue moderner Karosserien nun stattdessen neue Formteile gefertigt werden sollten. Also, nicht so, wie es beispielsweise ein polnischer Mitbewerber handhabt. Vielleicht sollte man solche Fahrzeugtypen eher mit mehr Bedacht wählen. Anstatt also immer das neueste Spitzenmodell anzubieten, hätte in diesem Fall Lotus, als Neuling der Serie, zum Einstieg auch eine Legende wie der Europa, Elite oder der Esprit (bekannt als „U-Boot“ aus dem „James Bond“-Film „Der Spion der mich liebte“ von 1977) gut getan.

Sowieso würden mir, und das ist meine ganze persönliche Einstellung, ältere Fahrzeuge besser gefallen. Alleine die von LEGO lizensierten Marken würden einem Consorso d‘Eleganza Villa d‘Este oder dem Goodwood Festival of Speed in Sachen automobiler Legenden in nichts nachstehen. Zum Beispiel in Form eines extra dafür geschaffenen Subthemas à la „Speed Champions Heritage“. Und wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, hätte ich ganz große Freude an einem 8 Noppen breiten Porsche 917/20, genannt „Sau“, aus dem Jahr 1971. Wer wissen will, was den Porsche so besonders macht, kann ja mal googeln.

Zu guter Letzt eigene Modifikationen

Mit ein paar kleinen Umbauten ließe sich der Lambo noch mehr zu einem handfesten LP 5000 Quattrovalvole machen. Man nehme Käseecken für die (großen) Außenspiegel und konstruiere den Heckspoiler ein wenig um, damit die seitlichen kleinen Finnen mittels 1×2 Fliesen nachgebildet werden können. Hierbei könnte man noch darauf achten, dass auch die schwarzen Halterungen gegen transparente getauscht werden. Weiße gibt es leider (noch) nicht. Ersetze den beklebten Frontabschluss durch eine entsprechend beflieste 1×6-Platte und ergänze schlussendlich die vorderen Leuchtkörper um blinkertypische 1×1 Plättchen in transparentem Orange.

So könnte ein „noch dranner“ Quattrovalvole aussehen:

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Das Modding für den Evija musste leider entfallen, da ich nicht über einen ausreichenden Teilevorrat in Dunkelgrün verfüge. Wer mich kennt, weiß, ich hab’s da eher mit Rot.

Nachtrag: Ich weiß, dass ich den Diffusor am Lotus teilweise seitenverkehrt montiert habe. Aber als mir das auffiel, war bereits (nahezu) alles im Kasten.

Wir bedanken uns nochmals bei Maik für das ausführliche Review und die Gegenüberstellung mit den originalen Automobilen! Um mehr von Maik zu lesen, schaut gerne beim Farnheim Blog vorbei, wo er vor allem seine Feuerwehr-Fahrzeuge vorstellt. Falls ihr selbst Lust habt, mal ein Leserreview einzureichen, findet ihr alle Informationen dazu auf der „Bei StoneWars mitwirken“-Seite.

Habt ihr schon eine der beiden LEGO Speed Champions Neuheiten in eurer Sammlung? Wie gefällt euch die Umsetzung des LEGO 76908 Lamborghini Countach und des 76907 Lotus Evija? Bevorzug ihr die Umsetzung neuerer oder alter Fahrzeugmodelle? Schreibt gerne eure Meinung in die Kommentare!

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