Immer größer, immer teurer? Eine Analyse des LEGO Sortiments für Erwachsene seit 2010

LEGO Erweachsenensets Preisanalyse

LEGO Sets und deren Preise sorgten schon immer für zahlreiche Diskussionen unter AFOLs. Mit der steigenden Anzahl an Sets, die stärker auf  eine erwachsene Käuferschicht ausgerichtet sind, kam ein weiterer Aspekt zu dieser Diskussion hinzu. Zusätzlich zur Frage, ob der Preis eines einzelnen Sets gerechtfertigt sei oder nicht, stellt sich nun auch die Frage, wohin sich das gesamte Sortiment preistechnisch bewegt. In dieser Analyse gehen wir daher der Frage auf den Grund, ob das LEGO Sortiment für Erwachsene in den vergangenen Jahren in seiner Gesamtheit in immer höhere Preisregionen gehoben wurde.

In den letzten Jahren stieg neben der Gesamtzahl neuer LEGO Sets pro Jahr auch die Zahl der Sets, die sich stärker an ein erwachsenes Zielpublikum richten. Im Jahr 2017 legte der LEGO Star Wars 75192 Millennium Falcon die Preislatte mit einer UVP von 799,99 Euro zusätzlich auf ein nie dagewesenes Niveau. Inzwischen liegen die teuersten LEGO Sets sogar bei 849,99 Euro. Die wachsende Anzahl an Fans und der steigende Absatz, insbesondere während der Corona-Pandemie, sorgten dafür, dass in den vergangenen Jahren immer mehr große Sets mit bis zu 11.695 Teilen in Preisregionen von mehreren hundert Euro auf den Markt kamen. Wer sich intensiv mit LEGO und neu erscheinenden Sets beschäftigt, kann sich von dieser hohen Schlagzahl leicht überwältigt fühlen. Des Weiteren ist in Diskussionen häufig zu lesen, dass die Anzahl extrem großer und damit teurer Sets deutlich stärker zugenommen hätte, als die Anzahl kleiner bis mittlerer Modelle mit niedrigeren Preisen. Wie sich das Preisgefüge im LEGO Sortiment für Erwachsene in den letzten Jahren tatsächlich entwickelt hat, werden wir deshalb in diesem Artikel einmal ausführlich analysieren.

Kurzfassung

Um die Preisentwicklung des LEGO Sortiments für Erwachsene auszuwerten, müssen wir zunächst abgrenzen, welche LEGO Sets sich explizit an Erwachsene richten. Dabei wurden vor allem bestimmte Labels und Themenwelten (18+, Arts, Ideas, Lunar New Year, Creator Expert, usw.), aber auch hochpreisige Sets und D2C Sets regulärer Themenwelten (Technic, Star Wars, Harry Potter, Ninjago, usw.) herangezogen. Daraus ergaben sich insgesamt 267 Sets, von denen im Jahr 2011 nur acht, im Jahr 2022 hingegen 51 erschienen. Vergleicht man die Verteilung der einzelnen Preise aller Sets im Bezug auf ihr Erscheinungsjahr, bewegen sich die mittleren 50% der Preise über alle Jahre hinweg in einem konstanten Bereich. Die untersten 75% der Preise aller Sets bewegen sich ebenfalls in konstanten Preisregionen bis maximal 274,99 Euro. Dieser Höchstwert stammt aus dem Jahr 2016 und wurde seither nicht mehr übertroffen. Im Jahr 2022 lag der maximale Preis in den unteren drei Vierteln des Sortiments bei 244,99 Euro. Auch die Medianwerte der Preise aller Jahre bewegen sich in einem kleinen, konstanten Fenster. Der Median ist dabei wie folgt definiert: Listet man alle Preise der Sets eines Jahres vom niedrigsten bis zum höchsten Preis auf, liegt der Medianwert genau in der Mitte. Den niedrigsten Median von 119,99 Euro aus dem Jahr 2020 trennen nur einhundert Euro vom höchsten Medianwert (219,99 Euro) aus dem Jahr 2016. Im Bezug auf den Preis pro Stein sind die Schwankungen über alle Jahre hinweg ebenfalls sehr gering, die Jahre 2020 bis 2022 liegen hier im Vergleich zur Gesamtheit im mittleren bis niedrigen Bereich.

Trotz deutlich mehr Sets, die jedes Jahr erscheinen und neuen Rekordpreisen bei Sets wie dem UCS Millennium Falcon oder dem UCS AT-AT lässt sich also keine grundsätzliche Steigerung im Preisgefüge feststellen. Mit steigender Anzahl großer und teurer Sets stieg in den vergangenen Jahren demnach auch die Anzahl kleinerer und günstigerer Sets, die eine erwachsene Zielgruppe ansprechen.

Welche LEGO Sets sind eigentlich “für Erwachsene”?

Auch wenn es mit Einführung des 18+ Labels deutlich einfacher wurde, zu erkennen, welche Sets LEGO gezielt an Erwachsene vermarkten will, ist es dennoch nicht immer leicht, eine feste Grenze zu ziehen. So existieren neben den großen Sammelsets durchaus auch Themenreihen mit kleineren (und günstigeren) Produkten, die Sammler ansprechen, etwa die Minifiguren-Serien, die BrickHeadz und die saisonalen Sets. Erwachsene können sich aberdurchaus auch an klassischen Kindersets im Bereich von 10,- bis 20,- Euro sehr erfreuen. Dennoch haben wir uns im Rahmen dieses Artikels hauptsächlich auf große (und damit teure) Sets und Displaymodelle konzentriert. Kleinere Sets, die sich durch das 18+ Label explizit an Erwachsene richten, sind ebenfalls mit in die Auswertung eingeflossen. Festgelegte Preisgrenzen, bspw. nur Technic Sets über 150,- Euro mit einzubeziehen, richten sich aus Gründen der Kontinuität nach unserer bereits existierenden, jährlichen Übersicht aus dem Blog, die manchen von euch vielleicht schon bekannt ist.

Diese Auswahl hat natürlich eine erhebliche Auswirkung auf die Preisspanne der Sets und damit auch auf die jährlichen Durchschnittspreise. Da wir über den kompletten Zeitraum die gleichen LEGO Unterthemen betrachten, besitzen die daraus abgelesenen Trends und Entwicklungen allerdings dennoch eine repräsentative Aussagekraft.

In unserer Analyse haben wir uns daher vor allem auf folgende Themengebiete und Sets bezogen:

LEGO Preiserhöhung 2022

Vergangenes Jahr glich LEGO die Preise des Sortiments zunächst europaweit an, aus deutscher Sicht wurde das gesamte Sortiment dadurch jedoch leider 1,3% teurer. Die zudem durchgeführte Preiserhöhung im September verteuerte das gesamte Sortiment im Schnitt noch einmal um 4,5%. Da auch die Preise von 2022 neu erschienenen Sets im gleichen Jahr noch erhöht wurden, haben wir in diesem Fall jeweils den Preis nach der Erhöhung verwendet. Vor 2022 erschienene Sets, die ebenfalls von der Preiserhöhung betroffen waren, wurden hingegen mit dem günstigeren Preis aus ihrem jeweiligen Erscheinungsjahr in die Berechnungen einbezogen, um vorherige Jahre in der Analyse nicht zu verfälschen.

Beispiele

Der LEGO Star Wars 75192 Millennium Falcon erschien im Jahr 2017 zu einer UVP von 799,99 Euro. Durch die Preiserhöhung im September 2022 kostet das Set nun 849,99 Euro. Da wir jedoch die Situation im Jahr 2017 darstellen wollen, geht dieses Set mit einem Preis von 799,99 Euro in die Analyse ein.

Der LEGO Star Wars 75343 Dark Trooper Helm erschien im März 2022 zu einer UVP von 59,99 Euro, der Preis wurde im September des gleichen Jahres jedoch auf 69,99 Euro erhöht. Hier verwenden wir den höheren Preis.

Preisentwicklung des Erwachsenensortiments von 2010 bis 2022

Für unsere Analyse haben wir entsprechend der oben genannten Kriterien insgesamt 267 Sets aus 13 Jahren herangezogen, wobei die Anzahl der Sets pro Jahr mit der bewussteren Fokussierung von LEGO auf den Erwachsenen- und Sammlermarkt deutlich anstieg. Nach nur acht Sets im Jahr 2011 stieg die Zahl nach 2018 extrem an und erreichte im vergangenen Jahr den Rekordwert von 51 Sets.

Der starke Anstieg an veröffentlichten Sets hängt eng mit dem im Jahr 2020 neu eingeführten 18+ Label bei LEGO zusammen. Dieses schließt Serien mit ein, die sich bereits zuvor auch an Erwachsene richteten (Modular Buildings, Creator Expert Fahrzeuge, etc.) und erweiterte das Sortiment darüber hinaus um reine Deko- oder Displaymodelle, wie gebaute Blumen, Helme oder kleine Dioramen berühmter Filmszenen. Sets wie den Blumenstrauß oder einen Stormtrooper Helm gab es zuvor nur sehr selten im LEGO Sortiment, ab 2018 und insbesondere 2020 stieg die Anzahl dieser Sets jedoch sprunghaft an.

Anzahl Afol Sets Nach Jahren

In unseren Kommentaren wird häufig die Frage aufgeworfen, wer das denn noch alles kaufen solle, da Platz und Geld schließlich begrenzt seien. Für die vergangenen Jahre hatte Lukas eine Übersicht angelegt, die die Preise aller Erwachsenensets jedes Jahres aufsummierte. Mit einem starken Anstieg der Anzahl an Sets wächst logischerweise auch der Gesamtpreis, sollte jemand alle Sets (oder zumindest alle Sets einer bestimmten Themenreihe) kaufen wollen. Was im Jahr 2010 noch für gut 1.300 Euro in den räumlichen Gegebenheiten einer normalen Wohnung möglich gewesen wäre, hätte 2021 bereits über 8.500 Euro gekostet und eher ein eigenes Museum als eine bezahlbare Wohnung zur Unterbringung all dieser Sets vorausgesetzt.

Da die breite Auswahl jedoch vor allem möglichst vielen Leuten etwas Interessantes bieten soll, ist die (hypothetische) Annahme, ein Kunde kaufe jedes Jahr alle erscheinenden Sets, in den meisten Fällen nicht wirklich sinnvoll. Um den subjektiven Eindruck eines Preisrucks nach oben zu bestätigen, müssten die Sets daher nicht nur zahlreicher werden, sondern vielmehr auch im Einzelnen in jeweils höhere Preisregionen vorstoßen.

Um die Verteilung der Preise aller innerhalb der einzelnen Jahre erschienenen Sets zu analysieren, nutzen wir sogenannte Box-Plots. Diese bieten eine einfache Möglichkeit, die Verteilung von Daten visuell greifbar zu machen. Box-Plots zeigen sowohl die gesamte Spannweite der Daten, als auch die Verteilung innerhalb bestimmter Bereiche.

Box-Plots

Box Plots V2

  • Minimum: kleinster Wert des Datensatzes
  • Unteres Quartil: 25% der Werte sind kleiner oder gleich diesem Wert
  • Median: 50% der Werte sind kleiner oder gleich diesem Wert
  • Oberes Quartil: 75% der Werte sind kleiner oder gleich diesem Wert
  • Maximum: größter Wert des Datensatzes
  • Box: im Bereich der Box liegen die mittleren 50% der Werte

Während hohe Preise, wie etwa der des UCS Millennium Falcon, extreme Ausreißer sind, zeigt die Lage der Box auf den ersten Blick, in welchem Bereich sich die mittleren 50% der Preise befinden. Die “Antennen” unter und über der Box enthalten immer die unteren, bzw. oberen 25% der Daten. Sind die Antennen sehr kurz, befinden sich viele Sets mit ähnlichen Preisen in diesem Bereich. Sind die Antennen hingegen lang, verteilen sich diese 25% über einen sehr weiten Preisbereich.

Preisverteilung Afol Sets Nach Jahren

Stellt man alle zugrunde liegenden Preise der einzelnen Jahre als Boxplots dar, sind auf den ersten Blick zwei Dinge zu erkennen: Zum einen liegen die Boxen in einer relativ konstanten Preisregion, zum anderen werden die Ausschläge der oberen Antennen ab 2017 sehr viel extremer, als in den Jahren zuvor. Die hohen Ausschläge der Maximalwerte sind schnell zu erklären. Sets wie der Millennium Falcon, der Imperial Star Destroyer, der AT-AT und der Eiffelturm ließen LEGO Sets in früher unvorstellbare Preisregionen von bis zu 799,99 Euro (bei Markteinführung) vorstoßen. Die Länge der zugehörigen Antennen zeigt jedoch auch, dass es nur sehr wenige solcher hohen Ausschläge gibt und sich die oberen 25% der Preise in den jeweiligen Jahren über eine große Preisspanne strecken.

Interessanter für eine allgemeine Beurteilung sind hingegen die Boxen und Medianwerte. Die Boxen zeigen die Streuung der mittleren 50% aller Preise an, gleichzeitig sind die Hälfte aller Werte kleiner oder gleich dem Median. Die Medianwerte (Querstrich in der Box) bewegen sich auf und ab und zeigen keinen kontinuierlichen Trend in die eine oder andere Richtung. Der niedrigste Medianwert stammt aus dem Jahr 2020 und liegt bei 119,99 Euro, der höchste Medianwert wurde 2016 mit 219,99 Euro erreicht. Die Boxen bewegen sich zwischen dem Höchstwert für das obere Quartil von 274,99 Euro (2016) und dem niedrigsten Wert eines unteren Quartils von 54,99 Euro (2014).

Preisverteilung Spannweite

Trotz der immens gestiegenen Anzahl an Sets und deutlich größeren Ausreißern nach oben, lagen die unteren 75% der Preise innerhalb eines Jahres stets unter dem Wert von 2016 und die mittleren 50% der Preise in einem recht konstanten Preisbereich. Die Medianwerte bewegen sich über alle Jahre hinweg in einer Spannweite von hundert Euro, was wir, zusammen mit den Durchschnittswerten aller Preise, im folgenden Plot noch einmal genauer sehen können. Die Betrachtung des Medians, dessen Wert genau in der Mitte der betrachteten Datenmenge liegt, bietet den Vorteil, dass der Wert im Gegensatz zum Durchschnitt (arithmetischer Mittelwert) nicht von extremen Ausreißern verfälscht wird.

Beispiel: Median vs. Mittelwert

Ein klassisches Beispiel zur Veranschaulichung ist, dass in einem Raum mit Jeff Bezos und den 99 ärmsten Menschen der Welt im Durchschnitt alle Anwesenden Milliardäre wären. Die bloße Tatsache, dass im Durchschnitt alle einhundert Personen Milliardäre sind, sagt jedoch rein gar nichts über die tatsächlichen Verhältnisse aus, da ein einzelner, extrem vermögender Mensch diesen Durchschnitt komplett verschiebt. Das Medianvermögen dieser Personen wäre hingegen der mittlere Wert, sodass die Hälfte aller im Raum vertretenen Vermögen darunter liegt, was im gewählten Beispiel extrem niedrig wäre.

Der Median gibt also einen besseren Überblick über die Verteilung (“die Hälfte der Werte ist kleiner oder gleich diesem Wert”), während der Durchschnitt hingegen das gesamte verfügbare Vermögen im Raum mit einbezieht.

Mittelwert Und Median Nach Jahren

Die Grafik zeigt, dass der Median in den letzten Jahren stets deutlich niedriger lag als bei seinem Maximum im Jahr 2016. Seit 2017 liegt der Durchschnittspreis in jedem Jahr über dem Median, was auf starke Ausreißer in hohen Preisregionen hindeutet. Dies ist durch die bereits aufgezählten “Flaggschiffe” aus der UCS oder Creator Expert / Icons Reihe auch der Fall.

Bekomme ich heute weniger für mein Geld?

Die durchgeführte Betrachtung der Preise des Erwachsenensortiments zeigt also, dass es inzwischen zwar deutlich mehr hochpreisige Sets gibt als früher, sich parallel dazu allerdings auch die Anzahl der Sets in niedrigeren Preissegmenten proportional mitentwickelt hat. Neben “immer mehr, immer teureren” Sets kommen also auch immer mehr explizit an Erwachsene gerichtete Sets zwischen fünfzig und hundert Euro auf den Markt.

Die vorgestellte Analyse bezieht sich dabei ausschließlich auf die absoluten Preise der Sets, nicht auf ihre relative Wertigkeit innerhalb des (historischen) LEGO Sortiments oder im Bezug auf andere Produkte. Die Betrachtung der absoluten Preise hat definitiv ihre Berechtigung, denn ein Set für 799,99 Euro könnte den allerbesten Wert in Sachen Preis pro Stein oder Preis pro Gewicht haben und wäre dennoch für viele aufgrund des Preises finanziell unerreichbar.

Die Frage, ob LEGO Sets heute relativ gesehen teurer sind als früher, lässt sich aus mehreren Gründen nicht ganz so leicht beantworten. Zum einen ist der Wert eines Sets zu einem gewissen Grad sehr subjektiv, zum anderen lassen sich nicht alle Daten zur Berechnung vermeintlich objektiver Kriterien ohne größeren Aufwand sammeln. Besonders den Preis pro Gewicht konnten wir für diesen Beitrag noch nicht in ausreichender Form für den kompletten Zeitraum aufbereiten. Diese Analyse würden wir uns für einen zukünftigen Beitrag vornehmen.

Etwas einfacher sieht es mit dem Preis pro Stein aus, der sich sehr leicht für alle betrachteten Sets ermitteln und ebenfalls nach Jahren aufschlüsseln lässt. Dazu haben wir drei Kennwerte pro Jahr erstellt. Zum einen den absoluten Preis pro Stein, also die Gesamtzahl der Teile aller Sets eines Jahres aufsummiert und durch den Gesamtpreis aller Sets dividiert. Zusätzlich haben wir den Durchschnitt und den Median der Preis-pro-Stein-Werte der einzelnen Sets des betreffenden Jahres errechnet. In der Theorie könnten sich je nach Verteilung der Setgrößen und Preise deutliche Unterschiede ergeben, ein Blick auf die Daten zeigt jedoch, dass sich die Werte auch hier wieder in einem recht engen Fenster bewegen. Auf einzelne Werte bezogen sind zwar leichte Ausreißer zu erkennen, die vergangenen drei Jahre verzeichnen jedoch in allen drei Kategorien mittlere bis niedrige Werte. Eine Steigerung des Preis pro Stein ist für die ausgewerteten Jahre im Bezug auf das Teilsortiment für Erwachsene also ebenfalls nicht zu bestätigen.

Hierbei bleibt jedoch zu beachten, dass die Sets im Laufe der Jahre immer detaillierter und somit kleinteiliger wurden. Dies wirkt sich natürlich positiv auf den Preis pro Stein aus, sodass eine genaue Beurteilung der Werte ohne weitere Metriken (wie die Entwicklung des Preis pro Gewicht) nicht direkt möglich ist.

Preis Pro Stein Nach Jahren

Warum hohe Preise im Sortiment dennoch verstärkt wahrgenommen werden

Ein erster Erklärungsansatz könnte in der medialen Begleitung der jeweiligen Sets liegen. Große Sets, vor allem in Bereichen beliebter Lizenzen wie Star Wars, Harry Potter oder aktuell Herr der Ringe, werden lange im Voraus erwartet (beispielsweise das jährliche UCS Set zum May the 4th) und in den Blogs und Youtube-Kanälen von den ersten Gerüchten über Leakbilder bis hin zur Veröffentlichung intensiv begleitet. Besonders der Kampf um die ersten Infos und Leaks auf Plattformen wie Youtube und Instagram verschiebt die Aufmerksamkeit für ein Set zeitlich immer weiter nach vorne, sodass der “Hype” bis zum tatsächlichen Verkaufsstart oft bereits wieder abgekühlt sein kann. Besonders große oder rekordverdächtige Sets ziehen somit viel Berichterstattung nach sich, während der allergrößte Teil des LEGO Sortiment mit deutlich weniger Aufmerksamkeit bedacht wird. Dadurch werden die großen Sets deutlich stärker wahrgenommen als ihre kleinen Gegenstücke.

Ein weiterer Erklärungsansatz findet sich in der Art der Sets. Viele AFOLs, die sich intensiv mit LEGO beschäftigen, dürften tendenziell häufiger nach Sets mit einem Fokus auf Spielwert und Weiterverbauen suchen, als die “Eintagsfliegen” unter den LEGO Kunden, die sich ein 18+ Set ihres Lieblingsfranchise zulegen und ansonsten wenig Bezug zum Sortiment haben. Die günstigen Sets der vergangenen Jahre waren jedoch häufig Sets wie die Helmet Collection, die Botanical Collection oder die Dioramen, die sich stark von den klassischen LEGO Spielsets unterscheiden und oft “nur zum Hinstellen” vorgesehen sind. Gleichzeitig werden manche Spielsets immer größer, detaillierter und teurer, was bei Interesse an diesen Sets natürlich den Eindruck des “immer größer, immer teurer” verstärkt.

Auch die Präsentation der Sets in den Läden könnte den Eindruck verstärken. Die Kartons der 18+ Sets mit schwarzem Hintergrund stechen beim Betreten eines LEGO Stores optisch stark hervor und wirken im Vergleich zu anderen Kartonsdesigns wuchtiger. Auch rein flächentechnisch betrachtet erscheint der prozentuale Anteil an großen Sets stärker, da ein großer Karton den Platz zahlreicher kleinerer Sets benötigt. Um die eingenommene Regalfläche optisch auszugleichen reicht es also nicht aus, gleich viele große wie kleine Sets herauszubringen.

Ein weiterer (vor allem aus Sicht langjähriger AFOLs) nicht zu unterschätzender Punkt ist außerdem, dass Modelle von Sammelserien, die seit vielen Jahren etabliert sind (beispielsweise die Modular Buildings oder die früheren Creator Expert Autos), aufgrund von immer detaillierteren und komplexeren Modellen und dadurch mehr Teilen in höhere Preisregionen rutschen. Da hier je nach Thema teilweise nur ein einziges Set pro Jahr erscheint, kann der absolute Preis für Sammler dieser Serien auch nicht durch andere 18+ Sets in niedrigeren Preisregionen ausgeglichen werden, da hier keine oder kaum Auswahlmöglichkeiten bestehen.

Fazit

Unter Einbeziehung der verfügbaren Setdaten und Preise lässt sich im Hinblick auf den Zeitraum von 2010 bis einschließlich 2022 also kein Trend hin zu hochpreisigen Sets feststellen. Im Verhältnis zu mehr hochpreisigen Sets erscheinen gleichzeitig auch mehr Sets in günstigeren Preisregionen. Da selbst der Durchschnittspreis in den vergangenen Jahren weniger stark schwankte als in früheren Jahren, fangen kleinere Sets auch die zunehmende Anzahl hoher Ausreißer jenseits der 500 Euro ab. Dennoch schleicht sich bei einigen AFOLs das Gefühl ein, nur noch von viel zu großen Sets überwältigt zu werden.

Neben den im letzten Abschnitt aufgeführten Erklärungsansätzen steigt mit der Gesamtzahl an Sets natürlich auch der aufsummierte Preis aller Sets eines Jahres. Während AFOLs vor zehn bis zwanzig Jahren noch über zu wenig Auswahl im Sortiment für ihre Zielgruppe klagten, ist die Herausforderung inzwischen das genaue Gegenteil. Mich eingeschlossen, können die meisten hier wohl von sich behaupten, dass sie in der Regel mehr interessante Modelle im Sortiment finden, als sie sich anschaffen können oder wollen. Dass man dadurch immer häufiger Vernunft walten lassen und verzichten muss, ist bei einem emotional aufgeladenen Produkt wie LEGO vermutlich der wichtigste Faktor für die subjektive Wahrnehmung der Entwicklung.

Um nicht nur auf einen speziell zugeschnittenen Teil des Sortiments eingegrenzt zu sein, könnte man die gleiche Analyse in Zukunft auf das gesamte Sortiment erweitern. Gleichzeitig würde die Einbeziehung des Preis pro Gewicht eine weitere, besser vergleichbare Metrik zusätzlich zum Preis pro Stein bieten.

Haben euch die Ergebnisse überrascht oder hättet ihr mit dieser Entwicklung der Preisverteilung gerechnet? Interessieren euch solche Analysen oder beschäftigt ihr euch lieber direkt mit den Steinen? Haben euch bestimmte Aspekte gefehlt? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare!

Über Tobias 100 Artikel
Als Star Wars Fan kaufte er sich als Kind von seinem ersten Taschengeld Luke's Landspeeder (7110) und kam während des Studiums durch das Modell der Saturn V zurück zu LEGO.
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