LEGO Ideas für Fans und Fandesigner: Wissenswertes aus dem Regelwerk

LEGO IDEAS Regelwerk

Die LEGO Ideas Plattform wurde ins Leben gerufen, um den Ideenaustausch zwischen LEGO und den Fans zu beflügeln. Doch immer wieder sorgen die Ideas-Entscheidungen für Diskussionen. Wir möchten euch deshalb auf eine kleine Reise durch das Regelwerk mitnehmen und auf die wichtigsten Passagen und Neuerungen aufmerksam machen.

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Es ist wieder soweit: Vor wenigen Tagen endete die dritten Reviewrunde 2020 und es werden wieder eine Vielzahl von unterschiedlichen Entwürfen dem Ideas Review Board zur Prüfung vorlegt. 2020 war für Ideas defintiv ein Rekordjahr, denn noch niemals zuvor schafften es so viele Projekte innerhalb eines Jahres die notwendige Unterstützung von 10.000 Stimmen zu erhalten.

Die neue Bestmarke setzte das zweite Review 2020: Unglaubliche 35 Ideen liegen aktuell auf den Schreibtischen des Ideas-Team und warten auf eine Entscheidung. Deshalb spekulierten wir sogar im Mai 2020 mit euch zusammen, ob eine Ideas-Reform notwendig ist.

Wer sich mit Ideas etwas intensiver beschäftigt, für den wird die Entwicklung keine Überraschung sein, denn bereits im Oktober 2019 berichteten wir, dass sich mittlerweile ein Million Nutzer registriert hatten. Seitdem sind aber nochmals gut 580.000 weitere Nutzer hinzugekommen (Stand: 9. Januar 2021). Eine detaillierte Darstellung könnt ihr auch in dem Ideas-Jahresrückblick 2020 vorfinden.

Doch wie funktioniert Ideas eigentlich und was sollte beachtet werden? Warum kommen manchmal vermeintlich merkwürdige Entscheidungen zu Stande? Welche Fallstricke gibt es im Regelwerk? Darf LEGO die Fanentwürfe so stark verändern, wie es zum Beispiel bei der Sesamstraße der Fall war? Damit ihr einen aktuellen Überblick bekommt, stellen wir euch die wichtigsten Regeln für Fans, aber auch für Fandesigner, mit Beispielen zusammen und hoffen damit viele von euren Fragen beantworten zu können.

LEGO Ideas Regelwerk
Unterteilung der Ideas Guidelines

Es mag etwas verwirrend sein, aber insgesamt kennt Ideas sogar drei unterschiedliche Regelwerke: In den House Rules sind die allgemeinen Verhaltensregeln unter den Usern festgelegt, also quasi eine Netiquette. Deshalb beschäftigen wir uns mit den beiden Kernstücken, den Terms of Services, die alle rechtlich relevanten Regelungen enthalten und zusätzlich mit den Guidelines, die alles Wissenswerte und die besonderen Regeln rund um die eingereichten Sets beinhalten. Alles klar? Na, dann geht´s los.

Grundsätzliches (Term of Service)

Wer darf teilnehmen?

Voraussetzung für die Nutzung von Ideas ist ein kostenloses Nutzerkonto. Das Konto ist notwendig, um eigene Entwürfe hochzuladen, um andere Projekte zu unterstützen oder um Kommentare verfassen zu können. Das Mindestalter ist auf 13 Jahre festgelegt. Das reicht erst mal aus, damit ihr euch auf Ideas bewegen könnt. Falls ihr jedoch über das Hochladen eines vielversprechenden Entwurfs nachdenkt, solltet ihr zusätzlich beachten, dass ein Mindestalter von 18 Jahren sinnvoll ist oder vorher die Zustimmung des gesetzlichen Vertreter vorliegt. Das ist für LEGO nämlich zwingend notwendig, damit eine erfolgreiche Idee später auch eine Produktionsfreigabe erhält.

Einen Entwurf kann (fast) jede/r einreichen. Ausgenommen sind aber LEGO Mitarbeiter und deren Familienmitglieder, Mitarbeiter von verbundenen Unternehmen oder Mitarbeiter von Lieferanten der Produktlinie. Wir berichteten, dass zwei Sets nach dem Erreichen der Schwelle von 10.000 Supportern in der zweiten Reviewrunde 2019 disqualifiziert wurden. Die Kollegen von The Brick Fan erfuhren, dass zumindest ein Fandesigner ein LEGO Mitarbeiter war und der zweite sehr wahrscheinlich auch für LEGO tätig war. Aus diesem Grund musste Ideas die Sets leider aus dem Wettbewerb nehmen.

Weiterhin sind Personen nicht teilnahmeberechtigt, die in einen Land wohnen, das auf einer internationalen Sanktionsliste steht. Das gilt zum Beispiel für den Sudan, Nordkorea oder Syrien. Den letzten Ausschluss betreffen Einwohner des kanadischen Bundesstaates Quebec. Sie sind allerdings nur von Ideas Wettbewerben (Contest) mit einen Preisgegenwert von mehr als CAD 2.000 ausgeschlossen.

Nutzungsrechte

Die Nutzungsrechte sind klar gestaltet. Mit dem Einreichen einer Idee, also vom Zeitpunkt des erfolgreichen Hochladens, übertragt ihr sämtliche Nutzungsrechte an LEGO. Das schließt das Kopieren, Ändern und Ausstellen ausdrücklich ein.

Damit ihr euren Wettbewerbsbeitrag trotzdem bewerben könnt, erteilt euch LEGO formal eine beschränkte und widerrufliche Lizenz, um

  • Bilder und Infos auf der eigenen Website oder auf Social-Media-Konten zu teilen
  • das Modell auf einer öffentlichen Ausstellung (Fan Convention) zu zeigen.
  • Entwurfsfotos unentgeltlich in einem Online-Forum, einer Fan-Website oder einem Blog zu veröffentlichen
  • Bilder und weitere Infos in das Fandesigner-Portfolio aufzunehmen
  • den abgelaufenen Ideas Entwurf bei anderen Wettbewerben der LEGO-Gruppe einzureichen, sofern die Wettbewerbsregeln das erlauben
  • die notwendige Unterstützung auf der Ideas Plattform zu erhalten.

Wichtig zu wissen ist: Mit der Präsenz auf Ideas unterwerft ihr euch zusätzlich einen Kommerzialisierungsverbot, dass heißt ihr dürft mit der eingereichten Idee kein Geld erlösen. Weder der Setverkauf noch der Verkauf einer Bauanleitung ist gestattet. LEGO behält sich das Recht vor, bei Verstoß euren Beitrag ohne Ankündigung zu löschen und im Extremfall sogar rechtliche Schritte gegen euch einzuleiten.

Das Kommerzialisierungsverbot gilt solange, wie die Nutzungsrechte bei LEGO verbleiben. Das liest sich erst mal recht harmlos, hat aber einen großen Haken, denn die Rückübertragung der Nutzungsrechte erfolgt erst drei Jahre nachdem euer Entwurf im Review abgelehnt wurde, durch Zeitablauf den Status „Expired“ erhielt oder von euch gelöscht wurde. Daraus folgt auch, dass ihr drei Jahre, nachdem das Projekt wieder von Ideas „freigeben“ wird, keine Einnahmen erzielen dürft, da ihr immer noch nicht über die Nutzungsrechte verfügt.

Durch die Übertragung der Nutzungsrechte seid ihr jedoch nicht vor möglichen Copyright-Verstößen gesichert. LEGO wird euch sehr wahrscheinlich auch nicht dabei unterstützen eure Urheberrechte zu verteidigen. Mehrere Anfragen, wie sich Ideas verhalten wird, wenn seitens des Fandesigners um Hilfe gebeten wird, beantwortete uns das Ideas-Team leider nicht. In vielen Kommentarbereichen auf Ideas ist allerdings die Tendenz zu erkennen, dass LEGO nicht für euch aktiv wird. So berichten einige Fandesigner, dass sie das Ideas-Team über mögliche Verstöße informiert hätten, aber weder Rückmeldung erhielten noch eine erkennbare Aktion seitens LEGO erfolgte.

Copycat Ideas
Ideas-Entwürfe, die wir in Shops Dritter entdeckten – Stand: Juni 2020

Deshalb solltet ihr lieber davon ausgehen, dass ihr euch selbst um einen möglichen Ideenklau kümmern müsst. Das ist nicht zu unterschätzen, denn in letzter Zeit beobachten wir vermehrt, dass Entwürfe von Ideas übernommen werden und als modifiziertes Set von Dritten verkauft werden. Das gilt sowohl für abgelaufene Entwürfe, aber auch für aktive Ideen. Als ein Missbrauchsbeispiel sei neben den vielen bekannten Fandesignern auch der Entwurf „Lego Aquarium“ von farmfarm mit aktuell gut 2.300 Stimmen erwähnt. Es kann also jeden treffen.

Ein besonders dreistes Beispiel ist das Projekt Fiat 500F von saabfan, das in der zweiten Reviewphase 2018 vom Ideas-Board abgelehnt wurde. Leider tauchte das Set als Kopie in Asien wieder auf. Besonders pikant ist die Aufforderung an saabfan aka Felix Stiessen, er möge sich doch bitte melden, damit er vergütet werden könne. Felix erklärte uns, dass es sich hierbei ausdrücklich nicht um eine Zusammenarbeit handelt und distanziert sich vehement von dem Angebot. Eine Rückmeldung von LEGO erhielt er jedoch nicht. Falls ihr Interesse an seiner Version des Fiat 500 habt, könnt ihr seine kostenfreie Bauanleitung auf Rebrickable finden. Da aber noch bis Februar 2022 das Kommerzialisierungverbot gilt, werdet ihr im Gegenzug um eine Spende für einen guten Zweck gebeten. Ich finde das ist ein fairer Deal.

Fiat 500f Copyright2

 

Ideas-Regeln (Guidelines)

Basisregeln

Ihr seid der Meinung, dass ihr eine gute Idee für ein LEGO-Set habt? Dann solltet ihr darüber nachdenken, euren Vorschlag auf Ideas hochzuladen. Die Anforderungen an die Entwürfe sind nicht sehr hoch. Ein paar Basics gilt es jedoch zu beachten. Die wichtigsten davon haben wir euch hier zusammengetragen:

  • Euer Vorschlag sollte maximal 3.000 Teile haben
  • Er muss auf ein Thema beschränkt sein und soll kein Konzept für eine gesamte Serie umfassen.
  • Eure Idee soll mit existenten LEGO Steinen gebaut werden, d.h. es sollen keine neuen Elemente benutzt werden. Vorhandene Elemente in neuen Farben sind zugelassen.
  • Die Einreichung von einem Remake ist nicht erwünscht
  • Das Design muss von euch stammen und darf nicht mit Rechten Dritter „belastet“ sein. Einreichungen in Form einer Kooperation sind zulässig.
  • Die Einreichungen müssen im Einklang mit den Werten von LEGO sein.
  • Vermeidung von Themen, die Wettbewerber im Programm haben
  • Mindestanforderungn an den Beschreibungstext und die Bilder

Wir können euch nur empfehlen, bei der Einreichung auf die Einhaltung der Basisregeln zu achten. Ansonsten seid ihr dem Risiko ausgesetzt, dass der Entwurf ohne Ankündigung aus dem Voting entfernt wird.

LEGO dehnt manchmal die eigenen Regeln

Die Regeln hören sich erst mal normal und sinnvoll an. Spannend daran ist, dass LEGO selbst Teile dieser Vorgaben manchmal „sehr großzügig“ auslegt. Das beste Beispiel ist der von Bricky Brick als „Pirate Bay“ eingereichte Entwurf, der mittlerweile mit der Setnummer 21322 als „Pirates of Barracuda Bay“ in der Ideas Reihe offiziell erschienen ist und sich große Beliebtheit erfreut. Die LEGO Setbilder und Beschreibungen in der offiziellen Bauanleitung zeigen ganz eindeutig, dass bewusst sehr starke Anlehnungen an die im Jahr 1989 (Set-Nr. 6285) veröffentlichte „Black Seas Barracuda“ vorhanden sind. Damit hat LEGO quasi selbst für ein Remake gesorgt.

LEGO 21322 Pirate Bay: FAQ zum VerkaufsstartBesonders die Frage, ob ein Entwurf in Einklang mit den Werten von LEGO ist, sorgt immer wieder für Schwierigkeiten bei der Regelauslegung. LEGO nennt zwar ganz klar im Guideline-Kapitel „Acceptable Content“ zehn Punkte, die als inakzeptabel eingestuft werden, doch insbesondere bei der Definition von Kriegsszenen (Punkt 8) gibt es einen großen Spielraum. LEGO selbst schreibt dazu in den Ideas Guidelines, dass

Warfare or war vehicles in any modern or present-day situation, or national war memorials

nicht gestattet sind. Wie konnte es aber sein, dass der Entwurf  „The Huáscar“ von aldrin zur Begutachtung in der dritten Reviewrunde 2019 zugelassen wurde, obwohl es sich sogar laut Beschreibungstext, um ein Kriegsschiff aus dem 19. Jahrhundert handelt, das bis in die heutige Zeit die Parlamente von Chile und Peru beschäftigt?

LEGO IDEAS Huascar
Ist das ein „modernes“ Kriegsgerät?

Diese Frage haben wir auch den Ideas-Support gestellt. Nun, die Antwort erfordert ganz genaues Lesen, denn bei dem Schiff handelt es sich nach Einordnung des Ideas-Teams, nicht um ein „modernes“ Kriegsgerät, da die Einsatzzeit vor dem ersten Weltkrieg lag. Aufgrund dieser Definition hat LEGO auch kein Problem mit historischen Darstellungen, wie zum Beispiel Ritterszenen, Piraten oder Wikingern.

Ideas hatte aber auch kein Problem, den Entwurf des bis 1999 aktiven Überschallaufklärungsflugzeug  SR 71-A  zuzulassen. Wo genau Ideas bzw. LEGO die Grenze bei „modernen“ Kriegsgerät zieht, ist vermutlich auch absichtlich nicht beantwortet worden, um eine gewisse Flexibilität zu behalten. Den Höhepunkt der Diskussion wurde mit Sicherheit erst vor wenigen Monaten erreicht, als LEGO sich genötigt sah, die LEGO Technic 42113 Bell Boeing V-22 Osprey kurz vor der Markteinführung zurückzuziehen.

LEGO Ideas Sr 71a

Auch die Teilegrenze von 3.000 Steinen ist etwas schwammig formuliert. Während es in der Ankündigung zur Regeländerung noch eine klare, absolute Grenze gab („so we’re setting a part count limit of 3,000 pcs.„), ist nun in den Ideas-Guidelines unter „What is a product idea?“ die Formulierung „Please keep your product ideas to a maximum of 3,000 pieces“ zu finden. Es wird lediglich (eindringlich) darum gebeten, sich an dieses Limit zu halten.

Doch was ist noch im Einklang mit den Bedingungen? Sind 3.100 Teile im Entwurf noch okay, wenn das Projekt während der Laufzeit wieder in das Limit gebracht wird? Sind 3.500 oder 4.000 Teile noch im Rahmen? Ich persönlich finde es nicht gut, an dieser Stelle eine Auslegungsregel zu haben, denn in der Praxis wird es immer wieder zu unnötigen Diskussionen kommen, ob die Entscheidung richtig ist oder nicht.

Wahrscheinlich werden wir bald ein bisschen schlauer sein, denn mit dem Entwurf „Southwest 737-800“ von BigPlanes-customs gibt es ein Projekt im zweiten Review 2020, das die Bitte unter 3.000 Teilen zu bleiben sehr großzügig auslegt. In dem Vorstellungsvideo gibt der Designer die Teileanzahl mit 4.000 an. Offensichtlich störte sich das Ideas-Team auch nicht allzu sehr daran, denn im Folgevideo berichtet der Designer nur davon, dass die Größe des Modells bei Ideas mit Sorge betrachtet wurde, aber letztendlich doch freigeschaltet wurde. In diesem Zusammenhang fiel uns zusätzlich auf, dass im „1ok-Interview“ die Frage nach der Teilezahl nicht beantwortet wurde bzw. nicht auftauchte.

Noch extremer ist der Entwurf „Ship Of My Dreams„, der laut Designer sogar 4.700 Teile umfasst und trotzdem von Ideas akzeptiert wurde. Wie das Verhalten von Ideas einzuordnen ist, überlasse ich euer Interpretation. Ich empfehle euch aber dringend, das Teilelimit zu beachten, um keine böse Überraschung zu erleiden.

LEGO Ideas Southwest 737 800 (1)

Wie wichtig klare Regeln sind, zeigte der Ideas Contest (Wettbewerb) „Music to our ears“ im Sommer 2020. Die Fans  wurden aufgerufen, ihre Ideen zu dem Thema einzureichen. Nach der Begutachtung durch Ideas konnten die Ideas-User im Fanvoting für den persönlichen Favoriten aus einer vorselektierten TOP10 abstimmen. Doch noch während die Abstimmung lief, wurden gegen zwei Beiträge Einwände erhoben.

Nach einer Überprüfung kam das Ideas-Team zu dem Entschluss (siehe Update vor den Kommentaren), den Sony Walkman aus dem Voting auszuschließen, da eine zu große optische und bautechnische Ähnlichkeit zu einem bekannten MOC bestand. Besonders verwirrend geht der Fall weiter: Denn obwohl das Ideas-Team in dem Blogpost zum Contest selbst festgestellt hat, dass es einen Regelverstoß wegen zu großer Ähnlichkeit gab, durfte der Fandesigner den Entwurf bei Ideas erneut hochladen und kann aktuell um die Stimmen der Fans werben. Demnach hätte das Ideas-Team wissentlich einen Ideas-Entwurf freigeben, der nach eigener Prüfung gegen das Regelwerk verstößt.

LEGO Ideas Sony Walkman

Der zweite Beitrag und spätere Contest-Gewinner „Daft Punk“ wurde im Wettbewerb belassen. Dem Einwand, es wurden regelwidrig „customs parts“ bei der Minifigurengestaltung benutzt, entgegnete das Ideas-Team:

„In terms of the Daft Punk submission, we do not currently see that the helmet pieces are a sufficient breach of our rules to disqualify it.“

Die Folge war, dass die Abstimmung nach der Disqualifikation des Sony Walkman nur noch mit neun Projekten fortgeführt wurde. Ein zehntes regelkonformes Projekt wurde damit um die Teilnahme an der Abstimmung gebracht. Ebenfalls stellt sich die Frage, wie die Abstimmung wohl ausgegangen wäre, wenn die Stimmen für den Sony Walkman nochmals am Fanvoting hätten teilnehmen können. Ihr könnt jetzt zwar sagen, dass es „nur“ ein Ideas-Contest war, aber „Daft Punk“ hätte als einer der TOP-10-Contest-Sets unter Umständen auch zu einem offiziellen LEGO Ideas Set gewählt werden können. Dann hätten wir einen nicht regelkonformen Entwurf gehabt, der zum offiziellen Set geworden wäre. Die Wahl entschied jedoch auf die unbelastete Idee Stratocaster von TOMOELL für sich.

Ich persönlich finde die Entscheidungen sehr unglücklich, denn sie stellen meiner Meinung nach viele weitere Fragen. Was ist denn ein ausreichender Verstoß gegen das Regelwerk? Was sollen zum Beispiel die beiden Ideas Fandesigner des „Japanese Tea Garden“ und „Gravity Falls“ dazu sagen? Ist es ein „ausreichender“ Verstoß LEGO Mitarbeiter zu sein, wenn der Entwurf sonst frei von Einwänden ist? Ist es „ausreichender“ Verstoß einen Entwurf mit 4.000 Teilen als Ideas-Projekt einzureichen?

Daft Punk Helmet
Sieger des Ideas-Wettbewerbs „Music to our ears“: Daft Punk von RobotRock

Prüfung einer Lizenz

Doch kommen wir nun nach diesem Exkurs wieder zu den Guidelines zurück. Bevor ihr eure Idee umsetzt, solltet ihr wissen, ob ihr euch für eine eigenständige Idee oder ein Lizenzthema entscheidet. Sofern ihr ein Lizenzthema hochladen möchtet, ist es unbedingt notwendig zu prüfen, ob die benötigte Lizenz überhaupt verfügbar ist. Dazu gibt es seit der Regeländerung im September 2019 ein neues Tool, das euch die freien Lizenzen direkt vor dem Hochladen anzeigt. Generell ausgeschlossen sind Lizenzen, die LEGO selbst im aktuellen Sortiment nutzt und Themen, die bereits über Ideas den Weg in die Regale gefunden haben. Die ständig aktualisierte Liste könnt ihr hier finden.

Des Weiteren erwähnt LEGO weitere Themen, die einen bekannten Lizenzkonflikt beinhalten oder nach Ansicht von LEGO nicht zur Marke passen. Dazu gehören unter anderem „Monopoly“ oder „Transformers“, aber auch „Call of Duty“ und „Games Of Thrones“ werden explizit benannt. Als Fandesigner ist es schwer da den Durchblick zu behalten. Bevor ihr eure Idee unter „Submit Idea“ übermitteln könnt, hat Ideas deshalb für euch einen „IP-Tester“ in den Übermittlungsprozess eingebaut, der euch einen möglichen Konflikt direkt anzeigt.

Als letzte Instanz prüft das Ideas-Team, ob euer Entwurf im Einklang mit den Regelwerk steht und informiert euch über mögliche Probleme. Ihr könnt dann die notwendigen Änderungen vornehmen und einen weiteren Versuch starten. Nachdem eure Idee erfolgreich an LEGO übertragen wurde, erfolgt die Freischaltung  durch das Ideas-Team üblicherweise innerhalb von ein bis drei Werktagen.

IDEAS Regelwerk 6
Für Ideas gesperrt: Star Wars und Star Treck

Entwicklungsüberschneidung mit LEGO

Die Ideas-Bedingungen weisen ausdrücklich darauf hin, dass die LEGO Designer intern an einer identischen Produktidee arbeiten können. Im Falle einer solchen Überschneidung wird LEGO euren Vorschlag ablehnen und das eigene Set auf den Markt bringen, ohne euch mit der üblichen Fandesignervergütung von 1% des Nettoumsatzes zu beteiligen.

Könnt ihr euch an die hitzigen Diskussionen zur Markteinführung des LEGO 75827 Ghostbusters Hauptquartier erinnern? LEGO wurde vorgeworfen, den Ideas Entwurf von Sergio512 übernommen zu haben, der im zweiten Review 2014 abgelehnt wurde. Wahrscheinlich arbeitete aber LEGO schon seit einiger Zeit an einer eigenen Version, die pünktlich zum Filmstart des dritten Ghostbusters-Film im Jahr 2016 auf den Markt kam.

 

LEGO Ghostbusters Haus: Ideas Entwurf (links) vs. offizielles Set (rechts)
Das Ghostbusters Haus: Der Ideas Entwurf (links) vs. das offizielle Set (rechts)

Zu einer ähnlichen Kontroverse hätte es kommen können, wenn LEGO das 21317 Steamboat Willie als „normales“ LEGO-Set vorgestellt hätte, obwohl gleichzeitig der Ideas-Vorschlag schon fast 8.500 der notwendigen 10.000 Stimmen erhalten hatte. In diesem kuriosen Fall deutet sehr viel darauf hin, dass LEGO sich schon längst entschlossen hatte das Steamboat in 2019 auf den Markt zu bringen.

Eine etwas wilde Spekulation ist, dass kurzerhand dafür gesorgt wurde, den Entwurf die restliche Unterstützung zum Erreichen der Schwelle von 10.000 Stimmen zu organisieren, um eine erneute Diskussionen zu vermeiden. Ein Indiz für diese These ist, dass Ideas erst am 18. Februar 2019  das „Steamboat Willie“ offiziell zum Sieger der zweiten Reviewrunde 2018 erklärte, aber die erste Tranche des offiziellen LEGO Sets schon vor der Verkündung, nämlich in der siebten Kalenderwoche 2019 (11.02-17.02.), produziert wurde. Das könnte auch eine Erklärung dafür sein, dass die erste Verkaufstranche mit der falschen Ideas-Setnummerierung in den Regalen stand.

Erneut kochte das Thema im Juni 2019 hoch, als LEGO das Jurassic Park Set (75936) vorstellte. Das Set hatte große Ähnlichkeit mit einer Ideas-Einreichung. Sofort wurde diskutiert, ob der damalige Fandesigner hintergangen worden sei. In unserem Interview zeigte sich der Fandesigner senteosan unaufgeregt und freute sich, dass LEGO eine ähnlichen Entwurf realisiert hatte. Hier ist die rechtliche Situation eindeutig, denn mit dem Hochladen des Entwurfs hatte der Fandesigner auch akzeptiert, dass im Falle einer Überlappung keine Ansprüche gegen LEGO bestehen.

LEGO gab an, dass die ersten eigenen Entwürfe zum „Jurassic Park“ eine Vorlaufzeit von acht Jahren gehabt haben. Das hört sich nach einer sehr langen Zeit an. Allerdings erwähnt ein LEGO Designer zum Beispiel bei der Vorstellungen der LEGO Super Mario Sets im März 2020, dass eine vierjährige Vorlaufzeit mit Nintendo notwendig war, um die Serie auf den Markt zu bringen. Auf der anderen Seite wurde im Rahmen der virtuellen Fan Days 2020 stolz erwähnt, dass die gesamte Entwicklungzeit für das Set LEGO 75318 Star Wars „The Child“ nur 9 Monate betrug. Eine endgültige Sicherheit wird es in dieser Frage wohl nie geben.

Wir können euch daher bei Lizenzthemen nur empfehlen, dass ihr euch mit möglichen Fortsetzungen der Themenwelt auseinandersetzt und euch zu überlegen, ob das Thema in das normale Sortiment von LEGO passen könnte (z.B. Modular Building oder Autos). So können mögliche Überlappungen und Enttäuschungen reduziert werden.

Einführung von Sperrlisten

LEGO zog aus diesen Fällen offensichtlich die Konsequenzen und überarbeitete mit Wirkung ab 05. April 2017 die Regeln für die Seteinreichung. Seitdem werden Ideen, die auf aktiven oder angekündigten Lizenzen beruhen, abgelehnt. Darüber hinaus müsst ihr als Fandesigner auch die bisherigen Ideas-Sets im Blick haben, denn Ideas lässt keine Ideen mehr zu, die schon mal zu einem offiziellen Set wurden. Die ständig aktuelle Übersicht der von LEGO aktiv genutzten Lizenzen findet ihr hier.

Wir haben hier also zwei unterschiedliche Listen: Eine „starre“ Liste, die sich mit jedem weiteren Ideas-Set verlängert und eine „dynamische“ Liste, die die aktuell genutzten Lizenzen zeigt. Doch was macht ihr, wenn ihr eine gute Idee habt, die auf einer aktuell von LEGO genutzten Lizenz basiert? – Euch bleibt leider nichts anders überig als geduldig zu warten, denn eure Chancen stehen nicht schlecht (je nach Lizenz natürlich), dass das gesperrte Thema irgendwann wieder „freigegeben“ wird. Die Guidelines regeln das so:

„If a licensed property no longer appears on our list, and it didn’t enter the LEGO portfolio via LEGO Ideas, you’re welcome to submit product ideas based on it then.“

LEGO Ideas Sperrliste

Von dieser Regel konnte zum Beispiel auch der Entwurf „BMW M1 (E26)“ von TOMELL profitieren. Nachdem mit der LEGO Technic 42063 BMW R 1200 GS Adventure (Motorrad) das letzte BMW-Lizenzset Ende 2018 aus dem LEGO Sortiment verschwand, wurde auch der Eintrag auf der Lizenzliste entfernt. Damit war der Weg für Fandesigner frei, die Entwürfe unter Nutzung einer BMW-Lizenz hochladen wollten. TOMELL präsentierte sein Projekt am 25. Februar 2019 den Ideas-Usern.

Doch was passiert mit Ideen, die noch auf Ideas aktiv sind, während LEGO die gleiche Lizenz auf einmal selber nutzt? Oder was geschieht, wenn euer Entwurfsthema vom Ideas-Review-Board ausgewählt wird, während eure Idee noch die notwendigen Stimmen sammelt? Lesen wir doch weiter in den Guidelines…

Archivierung von Entwürfen

Mit Einführung der Lizenzlisten wurde auch eine relativ unscheinbare Klausel eingefügt, die es aber für betroffene Fandesigner richtig in sich hat. Im Kapitel „What is a product idea?“ findet sich unter dem Punkt „Don’t base your idea on a licensed property we currently sell…“ folgende Formulierung:

Whenever we release a new license, or re-release a set from a past licensed property, we’ll archive any related product ideas to follow this guideline

Die Idee dahinter erscheint aus Ideas-Sicht logisch. Man möchte vermeiden, dass aussichtslose Entwürfe weiterhin um die Stimmen der Ideas-Nutzer werben können. Durch die Nutzung einer aktivierten Lizenz würden die Projekte quasi rückwirkend den Regeln widersprechen. Die Folge ist, dass eure Ideen aus der Abstimmung entfernt werden. Der kleine aber sehr große Unterschied ist, dass eine sofortige Archivierung erfolgt und die Entwürfe nicht den Status „Expired“ erhalten.

Die Folgen sind gravierend: Während bei einem normalen Zeitablauf („Expired“) die Daten über eine Suche auf der Website relativ problemlos gefunden werden können, sind die Sets im Status „Archived“ über die Ideas-Suche nicht mehr auffindbar. Sie können nur noch über eine Google-Suche oder über den direkten Link gefunden werden. Das ist aber nicht der einzige nachteilige Unterschied.

Der Entwurf wird darüber hinaus aus der Bildergalerie des Fandesigners einfach entfernt. Im folgenden Bild könnt ihr erkennen, welchen Effekt das beim Fandesinger Babyteeth hat: In der Galerie ist nur ein Projekt zu sehen, aber anhand der Badges könnt ihr sehen, dass insgesamt drei Entwürfe hochgeladen wurden. Die anderen beiden Einträge sind unsichtbar geworden. Ein ähnliches Phänomen ereignet sich übrigens auch in der „Supported“- oder „Saved“-Übersicht der Unterstützer: Der Eintrag verschwindet dort spurlos.

Ideas Babyteeth Contributions

Mit der Archivierung kommen noch weitere Probleme auf euch als Fandesigner zu, denn die Kommentarfunktion wird mit der Archivierung gesperrt und die Möglichkeit eure Unterstützer wenigstens über die „Updates“ zu informieren fällt weg. LEGO schreibt zwar in einer versteckten Regelauslegung, dass es bei archivierten Projekten einen offiziellen Kommentar mit Erklärung geben soll, aber in der Praxis wird das leider oft vergessen.

Wer also durch Zufall nach der Archivierung den direkten Link zu eurem Projekt über eine Google-Suche finden sollte, erhält keine Information, was passiert ist. Faktisch wird eure Idee durch die Archivierung kommentarlos eingefroren. Archivierung sind leider durchaus üblich. So wurden zum Beipsiel mit Einführung des LEGO Technic 42115 Lamborghini Sian alle weiteren Lamborghini-Projekte archivert.

Der letzte Fall ereignete sich nach unser Beobachtung Mitte Dezember 2020, als der am 04. Juni 2019 hochgeladene Entwurf „Medieval Blacksmith Shop“ von LEGO Scape Sculpture Design verschwand. Das Projekt würde durch die Wahl der mittelalterlichen Schmiede, dessen offiziellen Vorstellung wir in Kürze erwarten, nachträglich im Widerspruch mit der „statischen“ Sperrliste stehen. Weitere Infos und Details zur Thema Archivierung haben wir ausführlich am Beispiel zur Archiveriung der Piratenschiffe in einem Artikel behandelt.

Keine Lizenzthemen von Wettbewerbern

Beim weiteren Studium fällt uns noch ein weiterer Passus auf, der bisher kaum Beachtung fand: Ideas möchte keine Entwürfe, die auf aktiven Lizenzen von Wettbewerbern basieren. Die Begründung erscheint einleuchtend und logisch: Durch eine bereits aktive Lizenzvereinbarung mit einem Konkurrenten kann es natürlich zu rechtlichen Problemen kommen, die vermieden werden sollen. Die eingereichten Ideas-Projekte werden aber nicht im Detail auf mögliche Überschneidungen mit bestehenden Lizenzen von Wettbewerbern überprüft und auch der schon erwähnte „IP-Tester“ schützt euch nicht davor. Ihr solltet also vor dem Hochladen mal prüfen, ob nicht ein Wettbewerber das Thema im Sortiment hat.

We do not check all new submissions for license conflicts as there are too many potential conflicts, but product ideas may be removed at any time if legal issues arise.  To avoid this, you might want to do your own research for potential conflicts before submitting an idea.

Die eigene Vorabprüfung ist auch in eurem Interesse, denn Ideas behält sich das Recht vor, euer Projekt bei Lizenzkonflikten von der Website zu entfernen. Vor diesem Hintergrund dürfte es spannend sein, das Schicksal des „Trabant 601“ weiter zu verfolgen, der ja schon seit einiger Zeit bei COBI erhältlich ist. Aufgrund dieser Regelung könnte es durchaus sein, dass der Entwurf aus dem Review genommen wird oder sogar ganz gelöscht wird.

LEGO Ideas Trabant 601 (1)

Mindestanforderung für Bilder und Text

Kommen wir nach diesen Ausflug wieder zurück zum Einreichungsprozess: Ihr habt also alle Vorprüfungen für euren Entwurf abgeschlossen und bereitet die Präsentation vor. Damit ihr die notwendige Aufmerksamkeit erhaltet sind natürlich gute Bilder besonders wichtig. Sie entscheiden oft, ob die Nutzer sich ein Projekt ansehen und eventuell auch unterstützten. Ideas verlangt in den Guidelines unter „Quality Standard“ von euch ein paar Selbstverständlichkeiten, die wir aber trotzdem erwähnen wollen:

  • Macht gute Bilder oder Renderings von euren Projekt. Euer Motiv soll mindestens 80% des Bildes ausfüllen
  • Verschwommene, unscharfe oder verpixelte Bilder sind nicht zugelassen
  • Legt den Fokus auf den Entwurf. Der volle Bautisch soll nicht zu sehen sein
  • Ihr dürft maximal 15 Bilder hochladen

Wenn ihr mit euren Bildern zufrieden seid, kommt es auf einen guten Beschreibungstext an. Dieser muss auf jeden Fall in englisch verfasst sein, kann aber zusätzlich auch in einer weiteren Sprache veröffentlicht werden, wenn das sinnvoll erscheint. Ein gutes Beispiel hierfür das „Moominhouse„, denn das Lizenzthema ist vor allem in Finnland und Japan sehr beliebt. Fandesigner „Bonefoot“ entschloss sich deshalb die japanischen Fans direkt mit einer Übersetzung anzusprechen.

Der Text soll natürlich euer Projekt so gut es geht beschreiben und Interesse beim Leser wecken. Ideas legt wert darauf, dass ihr kurz erklärt, warum ihr euch für das gewählte Projekt entschieden habt und möchte auch gerne von euch wissen, warum ihr glaubt, dass der Entwurf ein gutes Ideas-Set sein könnte. Die Mindestanforderungen mögen sich vielleicht banal anhören, aber die schlechte Präsentation ist einer der häufigsten Gründe, warum das Hochladen abgelehnt wird.

Zeitliche Meilensteine

Nachdem eure Idee endlich „live“ ist, liegt es an euch, die Werbung für euer Projekt zu organisieren, um die notwendige Unterstützung für euren Entwurf zu erhalten. Dafür stehen euch alle erdenklichen Wege offen. Ihr habt nun zwei Monate Zeit, um die ersten 100 Supporter zu gewinnen. Habt ihr diesen Meilenstein erreicht, wird euch ein Jahr auf dem Zeitkonto gutschrieben. Mit dem Passieren der Schwelle von 1.000 bzw. 5.000 Unterstützern erhaltet ihr jeweils sechs weitere Monate Zeitgutschrift. Die maximale mögliche Laufzeit beträgt also aktuell zwei Jahre und zwei Monate.

Einen letzten Check muss euer Projekt bestehen, wenn ihr die 1.000 Supporter-Grenze erreicht: Das Ideas-Team nimmt sich dann nochmals eure Idee vor und prüft, zusätzlich zum bereits erwähnten „IP-Tester“, ob der Vorschlag einen Lizenzkonflikt verursachen wird. Dieser letzte Check hat es nochmal richtig in sich, denn falls Ideas ein Problem feststellt, wird euer Entwurf archiviert. Habt ihr auch diese Prüfung bestanden, stehen dem Weg zur magischen Grenze von 10.000 Supportern vom Regelwerk keine Bedenken mehr entgegen.

When a project reaches 1,000 supporters, our team performs a basic check to look for any known conflicts. Sometimes this check shows us we can’t consider a project for licensing reasons (keep in mind that occasionally, we are made aware of a licensing issue even when projects have surpassed 1,000 supporters, resulting in projects being archived after this milestone).

IDEAS Regelwerk 5

Werkzeuge für Fandesigner

Als Fandesigner steht euch seit etwa zwei Jahren unter „Statistics“ ein Tool zur Verfügung, das euch dabei helfen soll, die Wirksamkeit euer Werbemaßnahmen nachzuvollziehen. Damit könnt ihr taggenau prüfen, wie viel Zuspruch ihr hinzugewonnen habt. Dank des Fandesigners StudioTRico und dem Entwurf „Avatar – The Last Airbender YIP YIP!“ können wir auch mal einen Blick darauf werfen. In diesem Fall sorgte ein Posting auf Reddit für den entscheidenden Schub, um das Projekt in das dritte Review 2020 zu befördern.

Ideas Fandesigner Support
Entwicklung der Unterstützung „Avatar – The Last Airbender YIP YIP“

Eine weiteres Instrument findet ihr direkt auf der Entwurfsseite. Dort können die Fans euch direkt ein Feedback hinterlassen, damit ihr während der Laufzeit des Projekts noch Verbesserungen vornehmen könnt.

Während der Laufzeit dürft ihr als Fandesigner kleine Änderungen an dem Entwurf vornehmen. Die sogenannten „Edits“ sind alle 30 Tage möglich, wobei ihr natürlich auch kleine Änderungen selbstständig über die „Updates“ euren Fans präsentieren könnt. Bei den „Edits“ ist natürlich darauf zu achten, dass sich der Kerngedanke nicht verändert. Leichte Farbwechsel sind ebenso zugelassen wie das Austauschen von Steinen, um beispielsweise die Stabilität zu erhöhen. Zu starke Änderungen können verweigert werden. Ein Auto soll sich ja nicht über Nacht in ein Schloss verwandeln. 🙂

Stimmabgabe für Fans

Ursprünglich wurde vor der Stimmabgabe die Teilnahme an einer kleinen Umfrage gefordert. Das Ideas-Team wollte von euch wissen, wer die Zielgruppe des Sets sein könnte und wie viel man selber für den Entwurf zahlen würde. Dieser kleiner Poll wurde mit dem Blogeintrag vom 12. Dezember 2018 abgeschafft und auf das heutige Verfahren umgestellt.

Heutzutage ist es sehr einfach die Stimme abzugeben: Ihr braucht nichts weiter zu tun, als den blauen „Support“-Button anzuklicken. Fertig! Die Stimmabgabe ist unlimitiert möglich und unwiderruflich. Ihr könnt die Unterstützung also nicht wieder entziehen.

Die gegebene Unterstützung ist für euch als Fans völlig unverbindlich. Das heißt, ihr verpflichtet euch durch das Anklicken des „Support“-Buttons zu nichts. Einige Nutzer übertreiben es leider. So gibt es tatsächlich einige Nutzerkonten, die gerade erst ein Jahr bestehen, aber schon mehr als 5.000 Entwürfe unterstützen. Das könnte auch ein wesentlicher Grund dafür sein, warum in jüngster Zeit so viele Ideen das Review erreichen.

Reviewphasen und Prüfkriterien

Ihr habt 10.000 Stimmen erhalten? – Herzlichen Glückwunsch! – Das „Review“ ist erreicht und ihr könnt zu recht stolz auf euch sein. Nur etwa 1% aller Ideen bezwingt den langen Weg. Bis es jetzt weitergeht, müsst Ihr euch aber leider noch etwas gedulden. Ideas wird eure Idee nicht sofort unter die Lupe nehmen, sondern es werden alle Entwürfe gesammelt, die innerhalb von vier Monaten die Grenze erreicht haben. Die sogenannte Reviewphase ist in einen 4-monatiges Intervall unterteilt. Der erste Zeitraum läuft immer von Januar bis April, der zweite von Mai bis August und der dritte von September bis Dezember.

Das LEGO Review Board prüft nun, wie euer Entwurf präsentiert worden ist, ob euer Präsentationskonzept stimmig ist und bewertet die Absatzchancen anhand der Ideas-Supporterdaten in Kombination mit der eigenen Marktforschung. Bei der Entscheidung werden zusätzlich die Bespielbarkeit, die Stabilität sowie die Sicherheit bewertet und ob das Motiv zu generell LEGO passt.

Für diesen Prüfprozess fordert LEGO von euch diverse weitere Details wie zum Beispiel Produktfotos oder falls vorhanden die Datei des digitalen Entwurfs, um sich durch den Nachbau selbst eine Eindruck zu verschaffen und die Stabilität zu prüfen. Eine Entscheidung könnt ihr normalerweise kurz nach Ende der nächsten Reviewphase erwarten. Passend dazu haben wir ein YouTube-Video gefunden, in dem der damalige Senior Business Developer von LEGO Cuusoo alles sehr anschaulich erklärt.

LEGO Ideas Kriterien

Sollte euer Entwurf leider abgelehnt werden, müsst ihr die Entscheidung ohne eine Begründung hinnehmen müssen. Das war in den jungen Jahren mal anders. In den alten, abgelehnten Vorschlägen begründete das Ideas-Team den Entscheid wenigstens in den „Official LEGO Comments“. Hier könnt ihr euch zum Beispiel ansehen, warum damals „The Winchester – Shaun of the Dead“ keinen Zuschlag erhielt.

Als kleine Anerkennung für das Erreichen des Reviews könnt ihr euch bis zu drei LEGO Produkte bis zu einem Gesamtwert von 500 US-Dollar aussuchen und erhaltet für jeden gut sichtbar die Bezeichnung „10k-Club-Member„.

Änderungen vom Fanentwurf zum Ideas-Set

Euer Entwurf wurde tatsächlich von Ideas ausgewählt? Herzlichen Glückwunsch! Das ist ein Grund zu feiern! – Doch bei aller Freude solltet ihr und eure Fans gerade jetzt auch die Ideas-Guidlines im Hinterkopf haben, damit das tatsächliche LEGO Set nicht zur Enttäuschung wird, denn mit der Entscheidung für euer Projekt beginnt bei LEGO Ideas nun die Produktionsphase.

Von nun an übernimmt LEGO die volle Kontrolle. Das bedeutet, dass das dänische Designerteam basierend auf euren Vorschlag die Idee zu einen offiziellen Ideas-Set ausarbeitet. LEGO behält sich ausdrücklich vor, das Design komplett zu überarbeiten. In den Guidelines liest sich das so:

The LEGO Group makes all final decisions on how a Product Idea becomes a LEGO set, including the final model design, applicable licenses, production run size, sales channels, etc.

Für Fans und Fandesigner ist das sehr wichtig zu wissen, denn LEGO macht bei jedem Entwurf davon Gebrauch. Wie ihr vielleicht selbst schon einmal festgestellt habt, ist der Grad der Überarbeitung jedoch sehr unterschiedlich. Wir haben euch einige Beispiele aus der Vergangenheit herausgesucht, die euch deutlich machen sollen, in welchem Umfang LEGO in das Design eingegriffen hat.

Hier könnt ihr Beispiele mit sehr starken Eingriffen sehen:

Hier sind einige Beispiele mit mäßigen Änderungen:

Es gibt auch Entwürfe, die LEGO kaum überarbeitet hat:

Vergütungsregeln

Wenn LEGO endlich eure Idee zur Produktion freigegeben hat, werdet ihr mit 1% des Nettoumsatzes vergütet und erhaltet zusätzlich zehn kostenlose Exemplare eures offiziellen LEGO Ideas-Sets. Diese Vergütungsregelung gilt aber nur für euren Entwurf. Falls sich LEGO entscheiden sollte, die Vorlage aufzugreifen, um daraus eine eigenständige Serie zu machen, werden keine weiteren Vergütungen für die Folgeprodukte gezahlt.

We do not offer compensation for follow-up products. For example, if we decide to produce additional products after yours, based on a license we secure to produce your product idea, or new models in the same genre as your non-licensed idea, you will not be compensated as these products are initiated by the LEGO Group independently of LEGO Ideas

In der Ideas-Geschichte kam es schon sogar einmal dazu, dass aus einer Fanidee erst ein Set und danach eine ganze Reihe entwickelt wurde: Viele von euch kennen bestimmt die aktuellen Minecraft Sets. Angefangen hat es damals mit den Cuusoo-Entwurf „Minecraft“ (Cuusoo ist der Vorgängername von Ideas), der in der Rekordgeschwindigkeit von nur zwei Tagen die Schwelle von 10.000 Fans erreichte.

Ursprung der LEGO Minecraft Reihe: Der Fanentwurf zum LEGO Ideas 21102 Minecraft

Im Juni 2012 erschien das 480 Teile umfassende Cuusoo-Set „Minecraft“. Schon gut ein Jahr später, im September 2013, folgte das erste LEGO Minecraft Set 21105 „The Village“ mit 466 Teilen und war das erste Set der neu geschaffenen LEGO Minecraft Reihe. Der Designer wird seine Vergütung nur für das Cuusoo bzw. Ideas-Set erhalten haben und nicht für die neu geschaffene Themenreihe.

Doch was passiert, wenn LEGO euer Ideas-Set als Re-Release nochmals auf den Markt bringen wird? Dieses bisher undenkbares Szenario können wir jetzt am Beispiel der 21309 Saturn V und dem 21313 Schiff in der Flasche verfolgen. Im Herbst 2020 entschloss sich Ideas die beiden nicht mehr verfügbaren Sets aufgrund der großen Nachfrage nochmals ins Sortiment aufzunehmen. Werdet ihr dann auch noch vergütet?

„Kommt darauf an“, denn gemäß dem Regelwerk hängt diese Entscheidung davon ab, ob LEGO die Wiederaufnahme unabhängig von dem ursprünglichen Ideas-Set umsetzt. Was das genau heißt, ist bleibt unklar. Im Fall der beiden ehemaligen Ideas-Sets dürfte die Entscheidung recht einfach gewesen sein, denn offensichtlich wurde der Karton der beiden Sets nur minimal geändert und die fortlaufende Ideas-Nummerierung ist ein eindeutiger Beleg für den Bezug zum ursprünglichen Ideas-Set. Folgerichtig kommt LEGO in einer Stellungnahme auch zu den Schluss:

The two sets are being re-launched due to popular demand, and as they had already left the market, we could not keep the original numbers. The agreements with the Fan Designers remain unchanged.

 

 

IDEAS Regelwerk

Zukunft für abgelehnte Entwürfe

Bis vor Kurzem hatten die abgelehnten Entwürfe keine große Aussicht auf eine rosige Zukunft. Nach dem negativen Entscheid durch das Ideas-Review Board fällt die Hoffnung auf eine Realisierung auf nahe null. Soweit wir die Geschichte von Ideas untersuchten, gab es bisher nur im Fanvoting zum 10-jährigen Ideas-Jubiläums die einmalige Chance als Set nachträglich umgesetzt zu werden. Allerdings standen nur vier Projekte zur Wahl. Ansonsten hatten Fandesigner entweder die Möglichkeit die Idee kostenfrei zur Verfügung zu stellen oder mussten sich mit dem Anleitungsverkauf oder dem Drittvertrieb wegen des Kommerzialierungsverbots drei lange Jahre gedulden.

Doch Mitte Dezember 2020 sorgte eine Ankündigung von BrickLink für frischen Wind, denn die Teilebörse und Ideas bestätigten die Neuauflage des zweiten BrickLink AFOL Designer Program (ADP). Die große Besonderheit an der zweiten Auflage werden die zugelassenen Sets sein: Es werden sich ausschließlich abgelehnte „non-IP“ Ideas-Entwürfe zum nächsten Crowdfunding qualifizieren. Das gibt auf jeden Fall für lizenzfreie Projekte erstmals eine berechtigte Aussicht doch noch als Set auf den Markt zu kommen. Auch die Enttäuschung der Fans wird nicht so groß sein, wenn das Set zu einem späteren Zeitpunkt eventuell im Crowdfunding nochmals angeboten wird.

Aktuell sind zwar noch keine Details bekannt, aber es deutet einiges darauf hin, dass die Sets nicht unter der Marke „LEGO“ vertrieben werden, sondern unter dem  „BrickLink“-Label seine Abnehmer finden sollen. Die vertraglichen Rahmenbedingungen sind bisher ebenfalls noch nicht veröffentlicht, so dass uns auch keine Einschätzung möglich ist. Ungeachtet der Details, könnte es aber immerhin für die abgelehnten, lizenzfreien Entwürfe Hoffnung geben, dass eine Teilnahme dem AFOL Designer Program möglich wird.

LEGO Bricklink Adp Ideas Entwürfe

Zusammenfassung

Ich finde Ideas ist eine wunderbare Ideenschmiede und ein Ort, wo tolle Kreationen das Licht der LEGO Welt erblicken. Mit mittlerweile weit über 1,5 Millionen Usern hat die Website eine enorme Reichweite und ist ein guter Gradmesser, welche Themen die LEGO Community beschäftigen.

Als Fandesigner muss man sich allerdings ganz genau darüber im Klarem sein, dass mit dem Hochladen des Entwurfs alle Nutzungsrechte an LEGO übertragen werden und dort bis zu drei Jahre nach Beendigung der Abstimmungsphase verbleiben. Während dieser Zeit ist es rechtlich nicht gestattet, Einnahmen zu erzielen. Weiterhin müsst ihr davon ausgehen, dass LEGO euch nicht hilft gegen mögliche Copyright-Verstöße vorzugehen. Es könnte also passieren, dass eure Idee während der Präsenz auf Ideas kopiert wird und ihr selbst den Kampf dagegen aufnehmen müsst.

Hinzu kommt, dass ihr euch als Fandesigner darüber bewusst sein müsst, dass es zu einer Überlappung kommen kann und ihr dann keine Ansprüche gegenüber LEGO habt. Ebenso unterliegt ihr dem Risiko, dass LEGO eine von euch genutzte Lizenz wieder aktiviert oder euer Entwurfsthema (z.B. Piratenschiff) vom Ideas-Review Board für die Umsetzung eines anderen Entwurfs ausgewählt wird. In beiden Fälle wird einen Archivierung folgen und euer Werk dürfte dann nahezu unauffindbar sein. Beide Ereignisse können viel Enttäuschung oder Frust auslösen.

Das sind natürlich sehr starke Einschränkungen, die meiner Meinung nach aber noch nachvollziehbar sind, denn LEGO stellt seinen starken Markennamen und die erwähnte Reichweite zur Verfügung. Als Fandesigner könnt ihr die weltweite Fangemeinde direkt und ganz gezielt ansprechen. Diese möglichen Kanäle selbst zu erschließen und sich eigenständig in der LEGO Community einen Namen zu erarbeiten, erfordert viele Anstrengungen, Beharrlichkeit und Ausdauer. Im Gegenzug für diesen Marktzugang fordert LEGO die gesamten Nutzungsrechte ein. Ob das ein fairer Deal ist, muss jeder letztendlich selbst entscheiden.

Zusätzlich könnte es zu Entscheidungen kommen, die auf einer Interpretation des Regelwerks beruhen. Ich bin kein Freund von Gummiparagraphen, sondern von klaren Bedingungen, die ohne Ausnahme für alle gelten. Meiner Meinung nach würde dadurch auch ein Großteil der Diskussionen vermieden werden. Ich bin mittlerweile sehr verwundert, dass es in letzter Zeit immer häufiger zu Grenzfällen und sogar zum Regelbruch kam. Eventuell lässt sich das mit zunehmenden Beliebtheit von Ideas erklären, die es schwer machen in der Masse alle Fehler zu entdecken. Auf der anderen Seite erwarte ich aber von einem Weltkonzern, dass er in der Lage ist, Rechtssicherheit für alle Vertragspartner zu gewährleisten.

Als Fan sollte man im Hinterkopf haben, dass die Unterstützung leider immer nur für das vorgelegte Konzept erfolgt und das eigentliche LEGO Ideas Set erheblich umgestaltet werden kann. Ich musste die Erfahrung schmerzlich beim LEGO Ideas 21318 Baumhaus machen, wo ich mich richtig in den Fanentwurf verliebt hatte. Die Präsentation der offiziellen Setbilder war für mich schon ein Schock und das obwohl ich die Regel kannte. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich damit angefreundet hatte.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Ich habe alle relevanten Fakten nach bestem Wissen und Gewissen aus dem Regelwerk für euch zusammengestellt. Trotzdem stellt dieser Artikel ausdrücklich keine Rechtsberatung dar. Maßgeblich ist natürlich nur das aktuelle Regelwerk. Daher empfehle ich dringend, jedem Interessierten, insbesondere aber den Fandesignern, die Bedingungen sorgfältig durchzulesen und erst nach reiflicher Überlegung und ggf. einer zusätzlichen Rechtsberatung zu entscheiden, ob ihr euren Entwurf hochladen wollt. Für konkrete Fragen zum Regelwerk steht euch das Ideas Team mit Sicherheit gerne zur Verfügung.

Seid ihr auf Ideas aktiv? Habt ihr schon mal Entwürfe unterstützt und habt mit den Fandesigner mitgefiebert? Könnt ihr die Entscheidungen von Ideas nachvollziehen oder habt ihr das Gefühl, es handelt sich um eine Blackbox? Wie findet ihr die gezeigten Regeldehnungen bzw. Regelbrüche? Ist das für euch akzeptabel? Seid ihr mit den Designänderungen von LEGO zufrieden? Habt ihr auch schon mal eine Archivierung miterlebt? Findet ihr, dass die Sets dadurch besser oder schlechter werden? Schreibt uns eure Meinungen gerne in die Kommentare.

Über Oliver 299 Artikel
Fan des Classic Space, Technik-Begeisterter und Freund von Creator 3-in-1. Ständig auf der Suche nach den kleinen Besonderheiten im LEGO Sortiment und interessiert an den Hintergründen im Spielwarenmarkt.
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