LEGO Beleuchtungssets der 60er und 70er Jahre: Reise in die Vergangenheit und Ausblick in die Zukunft

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Durch den immer größer werdenden Anteil an erwachsenen LEGO Fans und Display-Modellen im Sortiment, ist die Nachfrage nach Möglichkeiten zur Beleuchtung von Sets in den letzten Jahren gestiegen.  In den 1960er und 1970er-Jahren gab es bereits ein kleines, aber dafür sehr variables Beleuchtungssystem von LEGO, integriert in 2×2 und 2×4 Steine. Dieses System möchten wir uns heute einmal genauer anschauen.

In den vergangenen Weihnachtsferien habe ich gemeinsam mit meinem Vater mal wieder einige seiner alten LEGO Sets aufgebaut. Während die meisten seiner Steine in Wühlkisten gelandet waren und sich in meiner Kindheit nach und nach mit meinen neueren Steinen vermischten, hatte er bestimmte Teile aus der damaligen Zeit stets separat aufbewahrt. Darunter waren auch einige LEGO Beleuchtungssets aus den Jahren 1969 und 1978, die ich euch heute vorstellen möchte. Außerdem haben Jens und ich uns zudem noch ein paar Gedanken darüber gemacht, wie zukünftige Beleuchtungsmöglichkeiten gestaltet werden könnten, sollte LEGO doch wieder einmal etwas Derartiges auf den Markt bringen.

Beleuchtungssets vor 1970

Im Jahr 1966 nahm LEGO erstmals einen Zugmotor mit zugehörigem Batteriekasten (100 – 4.5 V Motor Set) ins Sortiment auf. Die Batteriebox stellte mit drei Batterien vom Typ C die damals im LEGO System benötigte Spannung von 4,5 Volt bereit. Für den Zugmotor existierten damals zudem spezielle Räder mit Einkerbungen in der Achse, um die Drehung des Antriebs auf Räder übertragen zu können. Auch ein spezielles Metallteil mit einer Technic-Achse kam 1970 hinzu, nachdem die ersten Sets mit Zahnrädern erschienen waren.

Bereits ab 1957 existierten spezielle 2×4 Steine mit integrierten Glühlämpchen, auch wenn sich für die damalige Zeit noch keine LEGO-eigene Batteriebox in den gängigen Datenbanken finden lässt. Dieser Leuchtstein war ab 1969 auch im Set 985 – Lighting Device Parts Pack enthalten. Neben dem 2×4 Stein lagen der Verpackung noch eine hellgraue 6×8-Platte, ein besonderer 1×2 Stein in weiß und ein passendes Kabel bei. Preise von sehr alten Sets lassen sich heute teils nur sehr schwer herausfinden, auf der Packung steht jedoch noch ein handschriftliches Preisetikett von 4F (Franc), was zum damaligen Zeitpunkt umgerechnet 2,50 DM entsprach. Ein Online-Inflationsrechner spuckt dafür das heutige Äquivalent von knapp fünf Euro aus. Für diesen Betrag bekommt man bei LEGO Pick a Brick aktuell ebenfalls einen batteriebetriebenen Leuchtstein (3,80 Euro) und ein paar Standardsteine.

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Der Leuchtstein wurde mithilfe einer speziellen Gussform hergestellt und besaß im Inneren „geriffelte“ Seitenwände, die das Licht streuten und so für eine gleichmäßigere Beleuchtung sorgten. Die kleine Glühlampe im Stein war lediglich zwischen zwei Metalllaschen geklemmt und konnte im Zweifelsfall leicht ausgetauscht werden.

Als Kabel wurden einfache, unisolierte Steckkontakte an die Enden einer Zwillingslitze gecrimpt. Der enthaltene 1×2 Stein besaß eine spezielle Einkerbung, die als Kabeldurchführung diente.

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1969 erschien außerdem auch das Set 995 Lighting Bricks with Color Filters, das neben Leuchtsteinen und Kabeln auch transparente Steine enthielt. Die Kontakte an den Kabelenden waren hierbei nicht mehr gecrimpt, sondern als Schraubhülsen ausgeführt. Unter den transparenten Elementen befanden sich auch drei bedruckte Teile mit den Aufschriften „LEGO“, „HOTEL“ und dem damaligen Lizenzpartner „Shell“. Zwei weiße 1×2 Steine mit Kabeldurchführung waren ebenfalls enthalten.

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Die Lichter wurden nun nicht mehr in 2×4 Steinen, sondern in roten 2×2 Steinen untergebracht, die nur zu einer Seite und zum Boden hin transparente Flächen besaßen.

Analog zum Set 985 konnten die beiden Kabel an den Leuchtstein angeschlossen und durch den eingekerbten Stein hindurchgeführt werden, wenn das Licht im Inneren eines Bauwerks erstrahlen sollte. Durch die verschiedenen transparenten Farben waren nun außerdem mehr Möglichkeiten zu farbenfroher Beleuchtung gegeben.

LEGO Beleuchtung der 1970er Jahre

Die beiden bereits gezeigten Beleuchtungsmöglichkeiten waren in dieser Zeit in zahlreichen leicht variierenden Sets verschiedenster Nummern erhältlich, da die Vertriebsstrategie von LEGO damals (besonders über Landesgrenzen hinweg) keineswegs so stringent war wie heute und auch keinesfalls so gut (öffentlich) dokumentiert wurde wie zu Zeiten des Internets.

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1978 machte das Beleuchtungssystem mit dem Set 970 Lighting Bricks schließlich den nächsten Schritt. Zum Betrieb war nun ein leicht veränderter Batteriekasten notwendig, bei dem die Anschlussbuchsen den passenden Abstand für die neuen Kontakte an den Kabeln hatten. In Punkto Sicherheit waren die neuen Stecker den einzelnen Kabeln aus den 60er-Jahren deutlich überlegen, da sich nun keine leichten Kurzschlüsse mehr erzeugen lassen konnten.

Die 2×2 Leuchtsteine und die 1×2 Steine mit Kabeldurchführung waren ab dieser Zeit auch in gelb, beziehungsweise rot erhältlich. Die neuen Kabel boten zudem noch einen weiteren Vorteil: Sie besaßen an der Rückseite der Stecker weitere Kontaktbuchsen, mithilfe derer man auch Stecker direkt mit anderen Steckern verbinden konnte. Somit war es nun erstmals möglich, mehrere Lichter mit einer einzelnen Batteriebox zu versorgen. Die beiden im Set 970 enthaltenen Kabel, ein sehr langes und ein sehr kurzes, eigneten sich dazu hervorragend.

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Dem Set lag außerdem ein recht langes Faltblatt bei, das verschiedenste Inspirationen zur Verwendung und zum Einbau der Beleuchtung zeigte.

Führt man den Gedanken der 1×2 Steine mit Kabeldurchführung weiter, lassen sich auch die Steine mit seitlicher Vertiefung (1×2 und 1x2x5) nutzen, um Kabel in Wänden senkrecht nach oben oder unten zu führen. Diese Teilefamilie kam 1981 passend zu den damals eingeführten Garagentoren ins Sortiment.

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Die Steine mit seitlicher Vertiefung sind durch die nach wie vor eingesetzten Garagentore auch weiterhin erhältlich, während die 1×2 Steine mit Einkerbung an der Unterseite zunächst 1991 ihren letzten Einsatz hatten. Abgesehen von einer Neuauflage des Metroliners im Rahmen der Legends-Sets, kam dieses Element jedoch 2005 unter kuriosen Umständen noch einmal in grün zurück: In den System-Sets der LEGO Bionicle „Toa Hordika“ Reihe wurden sie verwendet, um grüne Schnüre, die als Spinnweben dienten, festzuknoten.

Spätere Beleuchtungsmöglichkeiten

In den 1980er Jahren folgte das 12 Volt System, das viele Elemente der vorherigen 4,5 Volt Komponenten übernahm. Dadurch konnten Züge erstmals mit einem externen Trafo anstelle einer Batteriebox betrieben werden. In den 90er-Jahren begann das Zeitalter der 9 Volt Komponenten bei LEGO, deren Bandbreite weit über reine Antriebe oder Beleuchtungen hinaus ging. Dieses System alleine bietet Stoff genug für einen eigenen Artikel, weshalb wir an dieser Stelle nicht weitere darauf eingehen wollen. In der Insectoids-Reihe brachte LEGO 1998 erstmals spezielle batteriebetriebene Komponenten auf den Markt, die nur einem bestimmten Zweck dienten und nicht mit weiteren Komponenten kompatibel waren.

Im neuen Jahrtausend folgten zahlreiche Varianten verschiedener batteriebetriebener Module, die in Sachen Beleuchtung von den nach wie vor verwendeten Light Bricks über spezielle Leuchtsteine für einzelne Themenreihen (Exo Force) bis hin zu Minifiguren mit einer integrierten LED für leuchtende Lichtschwerter reichten.

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Leuchtstein mit Lichtleitkabel im Set „Stealth Hunter“ (7700) aus der „Exo-Force“-Reihe von 2006

Dennoch existieren seit 2008 auch im Bereich der funktionalen Komponenten (Power Functions / Powered Up) wieder Lichter, die mittels Kabeln an die universelle Batteriebox des jeweiligen Systems angeschlossen werden können. Neben Technic Fahrzeugen oder Zügen können damit auch Gebäude beleuchtet werden, wie im Falle des kürzlich erschienenen LEGO Ideas 21335 Leuchtturms ein Kamin und das Lichtsignal des Turms.

Wird es in Zukunft wieder Beleuchtungssets von LEGO geben?

Heutzutage wünschen sich viele Fans ein eigenes Beleuchtungssystem von LEGO zurück, um etwa ihre ausgestellten Sets beleuchten zu können. Die entstandene Marktlücke wird derzeit von verschiedenen Fremdherstellern abgedeckt. Eines dieser Systeme hat LEGO bereits selbst bei einem Marketing-Testlauf unter dem Namen „Night Mode“ auf der LEGO World Kopenhagen im Februar 2020 an Kunden getestet. Daraufhin gab es einige Spekulationen ob LEGO plane, ein eigenes Beleuchtungssystem auf den Markt zu bringen. Darüber, ob LEGO etwas Ähnliches in absehbarer Zeit auf den Markt bringt, können wir zum aktuellen Zeitpunkt natürlich nur spekulieren. Nichtsdestotrotz haben wir uns ein paar Gedanken gemacht, wie LEGO eigene Beleuchtungssets aussehen könnten und womit eher nicht zu rechnen wäre.

Eine Frage der Zielgruppe

Im breiten Spektrum der erhältlichen Beleuchtungssets von Drittherstellern erkennt man bereits die vielen möglichen Ansätze: Von Lichtern im Inneren von Klemmbausteinen bis hin zu speziellen Platinen und kleinen LEDs an sehr dünnen Kabeln, die sich von außen unsichtbar in die Modelle integrieren lassen, ist hier vieles vertreten. Während sich 2×2 und 2×4-Steine gut zum Spielen und Bauen für Kinder eignen, dürften sich AFOLs und Sammler eher über ein filigraneres System freuen, das sich möglichst unsichtbar in die großen (Display-)Modelle integrieren lässt. Daraus resultiert ein schwieriger Spagat, einerseits gut bespielbare, aber andererseits auch für Displaymodelle geeignete Leuchtkits zu entwickeln.

Corner Garage Beleuchtung

Die technische Umsetzung

Waren in den vorgestellten Leuchtsteinen aus den 60er- und 70er-Jahren noch kleine Glühbirnchen verbaut, führt heute kein Weg mehr an Leuchtdioden (LEDs) vorbei. In Sachen Energieeffizienz, Wärmeentwicklung, möglichst kleiner Bauform und Kosten sind sie den herkömmlichen Glühbirnen eindeutig überlegen. Eine kleine LED in eine 1×1 Platte zu integrieren stellt rein technisch inzwischen kein Problem mehr da und auch 2005 fanden LEDs bei LEGO selbst bereits ihren Weg in spezielle Lichtschwertgriffe.

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Minifigur von Darth Vader (sw0117). Drückt man auf den Kopf, leuchtet das Lichtschwert auf. Kopf, Körper, Hüfte und rechter Arm der Figur lassen sich nicht zerlegen.

Die Frage bleibt jedoch, wie sich die Beleuchtung generell am besten ins LEGO System integrieren ließe. Die beiden realistischen Lösungsansätze hat LEGO in früheren Zeiten bereits eingesetzt: Die ersten Leuchtsteine wurden mithilfe von frei verlegbaren Kabeln und speziellen Steinen zur Kabeldurchführung versorgt, im 9V System gab es neben Kabeln auch spezielle Platten mit Kontaktflächen in den Noppen, die ebenfalls als Stromleiter dienten. Um mit dieser Methode jedoch ganze Modelle beleuchten zu können, wären viele verschiedene Steine notwendig, um große Distanzen überbrücken zu können. Ohne Kabel wird ein solches System also nicht auskommen, sofern es über ein ganzes Modell verteilt einfach einsetzbar sein soll. Ein bestehendes Beispiel hierfür sind die Produkte der Firma Light STAX, deren ursprüngliche Leuchtsteinsets analog zu LEGOs früherem 9V System mit in den Steinen integrierten Kontakten (elektrisch) verbunden werden können. Anders als im früheren LEGO Sortiment bietet Light STAX jedoch eine große Bandbreite an mit LEDs ausgestatteten Teilen an. Inzwischen ist die Firma allerdings auch dazu übergegangen, Erweiterungspacks mit reinen Verbindungsplatten und Kabeln anzubieten, da eine Verbindung nur von Leuchtstein zu Leuchtstein bereits bei etwas komplexeren Modellen an ihre Grenze stößt.

Der Einsatz des Powered Up-Systems im LEGO City 60337 Passagierzug und im LEGO Ideas 21335 Leuchtturm könnte hingegen darauf hindeuten, dass bei LEGO selbst auch in Zukunft der seltene Einsatz einer Beleuchtung ausschließlich über das jeweils aktuelle „Motor-System“ geschehen soll. Um diesen Einsatz oder auch die eigene Verwendung jedoch attraktiv zu machen, müssten die Preise der einzelnen Komponenten, allen voran der Batteriebox (88015; 34,99 Euro) deutlich nach unten gehen und die Komponenten öfter in Sets in niedrigeren Preisbereichen eingesetzt werden. Dass LEGO bereits die Reaktion der Fans auf  beleuchtete Sets getestet hat, macht dennoch Hoffnung, dass in Billund derzeit vielleicht bereits etwas im Gange ist, von dem wir in Zukunft noch erfahren werden.

Wie steht ihr zum Thema Beleuchtung? Wusstet ihr, was LEGO bereits alles in diesem Bereich im Angebot hatte? Würdet ihr euch mehr Möglichkeiten zur Beleuchtung wünschen, oder benötigt ihr solche Features vielleicht gar nicht? Tauscht eure Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema gerne in den Kommentaren aus!

Tobias
Über Tobias 50 Artikel
Als Star Wars Fan kaufte er sich als Kind von seinem ersten Taschengeld Luke's Landspeeder (7110) und kam während des Studiums durch das Modell der Saturn V zurück zu LEGO.
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