BrickLink entfernt ausgewählte Teile-Varianten aus dem Katalog: Analyse der Situation

LEGO Bricklink Teile Zusammenlegung Katalog

BrickLink hat vor einigen Tagen offiziell angekündigt, in den kommenden Wochen einige ausgewählte Varianten von Teilen aus dem eigenen Katalog zu entfernen. Damit wird einerseits die Sortierung und folglich die Arbeit für einige auf der Plattform tätige Händler einfacher. Aber andererseits ist die Befürchtung bei einigen Fans vorhanden, dass dadurch die Qualität der Daten bei BrickLink abnehmen könnte und es für Sammler älterer Sets bei den betroffenen Elementen schwieriger wird, die korrekten Ersatzteile zu bestellen.

Wir wollen hier die anstehenden Änderungen, die ab Februar und bis Ende Mai umgesetzt werden sollen, kurz erklären und dabei die möglichen Vor-, aber auch Nachteile einer solchen Änderung aufgreifen. Außerdem versuchen wir mit einigen Missverständnissen aufzuräumen, die in der Fan-Szene intensiv diskutiert wurden, nachdem wir das Thema schon in der letzten Folge Quatschen und Bauen ab 00:12:49 intensiv besprochen haben.

Wir haben für diesen Beitrag ein umfangreiches Hintergrundgespräch mit Jonas (Nickname: Turez) geführt, der als sogenannter “Community-Admin” bei BrickLink aktiv ist. Er ist dort, zusammen mit vier anderen Admins, für die Inventarisierung von LEGO Sets und generell den Katalog von BrickLink zuständig. Diese Tätigkeit läuft auf freiwilliger Basis ab, wird von BrickLink aber mit einer Aufwandsentschädigung vergütet.

Bevor wir zu den Änderungen kommen, die BrickLink vornehmen will, müssen wir jetzt allerdings ein klein wenig ausholen…

Was sind Varianten bei BrickLink?

Dass BrickLink im eigenen Katalog diverse Varianten nutzt, dürfte den meisten LEGO Fans und regelmäßigen Nutzern der Plattform bekannt sein. Manche Teile, die auf den ersten Blick identisch aussehen, stammen aus unterschiedlich gestalteten Spritzgussformen und unterscheiden sich damit in kleineren Details.

Wichtig ist hier vor allem, dass BrickLink in der Vergangenheit noch nie alle Varianten unterschieden hat. Das Ziel der Administratoren ist es, eine Variante anzulegen, sobald es relevante Unterschiede in der Funktionalität oder wichtige kosmetische Unterschiede gibt. Diese Grenzen sind allerdings in manchen Fällen fließend und über die Jahre hinweg auch nicht immer vollständig gleich geblieben.

Die Community-Admins haben eine (nicht vollständige) Liste mit Teilen angelegt, bei denen es Varianten gibt, die bei BrickLink bisher nicht existieren. Sie umfasst beinahe 600 Teile. Außerdem gibt es eine (nicht immer ganz aktuelle) Hilfeseite, die ein paar grundlegende Dinge rund um Varianten und deren Existenz bzw. Nichtexistenz aufklärt.

Ein Beispiel für eine Variante, die sicherlich auch einen optischen, aber in jedem Fall einen funktionalen Unterschied bildet, ist die Unterscheidung der aktuell genutzten Brick, Round 1 x 1 (links) und der Brick, Round 1 x 1 – Solid Stud, Bottom Lip (rechts), die bis 1981 im Einsatz waren:

LEGO Solid Vs Open Stud
Zwei Varianten eines 1×1 Rundstein – Links: 3062 (Brick, Round 1 x 1 Open Stud), Rechts: 3062a (Brick, Round 1 x 1 Solid Stud)

Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Steinen ist relativ einfach und die Sortierung mit Variante a und Variante b in BrickLink samt den Beschreibungen (“Solid Stud” und “Open Stud”) auch recht eindeutig. Aber das ist nicht immer so.

Wichtiger Hinweis: Bis zum 1. Februar war die Teilenummer des aktuell genutzten Steines bei BrickLink noch 3062b statt jetzt einfach nur 3062 und auch die Namen waren noch etwas anders. Hier hat eine Umbenennung stattgefunden, auf die wir später noch anhand eines anderen Beispieles eingehen werden.

Probleme und Inkonsistenzen bei den Varianten

Varianten sind bei BrickLink leider nicht immer so angelegt, dass sich Teile eindeutig unterscheiden lassen. Oft gibt es ein (zuerst eingetragenes) Teil mit einer eher allgemein gehaltenen Beschreibung. Wird später eine Variante dieses Teiles entdeckt, wird zugehörig zu diesem ursprünglichen Teile eine Variante angelegt, die die Besonderheit hervorhebt. Ein Beispiel für ein Element, das nun auch von der Änderung betroffen ist, ist das folgende Teil:

  • 4079: Minifigure, Utensil Seat / Chair 2 x 2
  • 4079b: Minifigure, Utensil Seat / Chair 2 x 2 with Center Sprue Mark 

Die Schwierigkeit an dieser Unterscheidung ist, dass das ursprüngliche Teil, 4079, keinerlei Spezifikation darüber gibt, ob der Stuhl nun einen Anspritzpunkt (Sprue Mark) in der Mitte aufweist, oder nicht. Es handelt sich um einen “unbestimmten” Eintrag, der tatsächlich Teile mit und ohne Anspritzpunkte zulässt. Klar ist nur, dass die Variante 4079b definitiv über den sichtbaren Anspritzpunkt verfügt. Wenn ihr also das Teil 4079 bestellt, ist es reine Glückssache, ob ihr einen Stuhl mit oder ohne Anspritzpunkt bekommt. Und ein Händler, der zwischen den beiden Teilen unter der Teilenummer 4079 nicht unterscheidet, macht nach den Regeln von BrickLink auch keinen Fehler.

Bricklink Teile Zusammenlegung Beispiele 2
Links: ein Stuhl mit Anspritzpunkt auf der Noppe, Rechts: ein Stuhl mit Anspritzpunkt in der Mitte

Eigentlich sollte es nun so ablaufen: sobald eine Variante gefunden wird, bei der sich das Adminteam einig ist, dass sie auf Grundlage der eigenen Regeln bei BrickLink unterschieden werden soll, werden zwei neue Varianten angelegt: eine für das Teil mit und eine für das Teil ohne die Spezifizierung. Im Falle des Stuhls hätte es dann also folgende Varianten geben können:

  • 4079: Minifigure, Utensil Seat / Chair 2 x 2
  • 4079a: Minifigure, Utensil Seat / Chair 2 x 2 without Center Sprue Mark
  • 4079b: Minifigure, Utensil Seat / Chair 2 x 2 with Center Sprue Mark

Die Inventarlisten aller Sets werden dann den korrekten Varianten zugeordnet und die ursprüngliche Variante wird zur Löschung markiert. Sie könnte also theoretisch eines Tages gelöscht werden.

Zu diesem Vorgehen gibt es auch Beispiele, denn genau so ist das aktuell mit dem Wedge 6 x 4 Triple Inverted: Es gibt die Variante a (with Connections between 2 Studs) und die Variante b (with Connections between 4 Studs). Zusätzlich gibt es den “Undetermined Type”, der laut Datenbank in keinem Set vorkommt, da die korrekten Varianten mit den jeweiligen Sets verknüpft sind. Diese ursprüngliche Variante ist auch zur Löschung markiert, da man sie für die Datenbank nun eigentlich nicht mehr bräuchte. Doch diese Markierung zur Löschung erfolgte in diesem Fall schon im Jahr 2015, also vor mittlerweile rund neun Jahren. Denn so einfach ist das mit dem Löschen nicht.

Verknüpfung von Datenbank und Marktplatz

BrickLink ist eben seit jeher nicht nur eine Datenbank für interessierte Fans und LEGO Nerds, die Informationen über in Sets enthaltene Teile suchen, sondern in erster Linie ein Marktplatz. Und die Marktplatz-Tätigkeit ist eben das, womit BrickLink Geld verdient. Diese Verknüpfung von Datenbank-Funktion und Marktplatz-Funktion kann zu einigen Hindernissen führen, denn solange ein Händler ein Teil in seinem Inventar hat, das einem Undetermined Type zugeordnet ist, wird dieses Teil auch in aller Regel nicht gelöscht. Zwar kommen selten neue Händler hinzu, da viele Händler die Outpart-Funktion von BrickLink nutzen und diese alte Variante keinem Set mehr zugeordnet ist, aber ein Händler, der das Teil im Sortiment hat, kann die vorhandenen Stückzahlen beliebig anpassen.

Manche Händler bei BrickLink unterscheiden sehr gewissenhaft zwischen den unterschiedlichen Formen und haben sich über die Jahre ein enormes Wissen zu den Teiletypen angeeignet. Aber gerade große Händler, die mit Gebrauchtware handeln und dabei auf die Hilfe von mehreren Menschen zum Sortieren angewiesen sind, können gewisse Teile nicht immer korrekt unterscheiden. Das führt dazu, dass zwar die Datenbasis auf BrickLink sehr genau ist, aber die Ware, die verkauft werden soll, nicht selten falsch zugeordnet wird.

Ein Beispiel hierfür ist eines, woran sich nun (Spoiler-Alarm: unbegründet) einige Diskussionen entzündet haben: die Fliese, die es mit und ohne eine Fase bzw. Rille an der Unterseite gibt. Diese Bauteilveränderung, “Groove” genannt, hat sich bei LEGO seit fast 50 Jahren zum Standard entwickelt, bei älteren Sets fehlte sie hingegen.

Bis ins Jahr 1976 wurden die ersten Fliesen (1×1, 1×2 und 2×2) in den sechs Farben Schwarz, Blau, Hellgrau, Rot, Weiß und Gelb also ohne “Groove” hergestellt. Verkauft wird diese Fliese heute aber angeblich in mehr als 25 Farben, von denen ein Großteil damals noch gar nicht existierte. Hinter diesen Farben (und sicherlich auch hinter einigen Fliesen mit den existierenden Farben) verbergen sich also die moderneren Fliesen mit Groove, die von den Händlern falsch eingepflegt wurden.

Tile 2x2 Without Groove Colors

Zusammenlegung und Umbenennung von Varianten

Kommen wir nun zur Kernthematik dieses Artikels: Bei ausgewählten Varianten will BrickLink nun zukünftig doch nicht mehr unterscheiden und die entsprechenden Einträge auf bricklink.com zusammenführen. Bei manchen Teilen soll es auch lediglich zu einer Umbenennung der Varianten und der zugehörigen Nummern kommen.

Wichtig ist hier zu sagen: diese Pläne stammen nicht von den Community-Admins, die sich um die Pflege der Datenbank kümmern. Die kommen also mutmaßlich von den Verantwortlichen direkt bei BrickLink selbst, oder aber von der LEGO Gruppe, die seit 2020 BrickLink besitzt. Und wie es bei solchen Exekutiventscheidungen oft abläuft, ist bei der Kommunikation einiges schiefgelaufen.

BrickLink hat über den Admin Russell zunächst eine Liste veröffentlicht, die einige der geplanten Änderungen leider nicht ganz transparent gemacht hat. Mittlerweile gibt es hier eine etwas ausführlichere Liste zu den geplanten Änderungen. Wir wollen kurz auflisten, welche Änderungen genau vorgenommen werden sollen.

Umbenennung der Fliesen

Zunächst wird es bei einigen Teilen zu einer Umbenennung der Varianten und der zugehörigen Teile kommen. Wichtigstes Beispiel sind hier die Fliesen: hier soll lediglich der Zusatz “with Groove” und der Variantenzusatz “b” hinter der Teilenummer entfernt werden, während die alten Fliesen “without groove” als unterschiedliches Teil bestehen bleiben – die Teilenummer bleibt hier wohl bei 3068a.

Diese Änderung hat BrickLink mit dem Beginn des Monats Februar bereits umgesetzt, sodass die reguläre Fliese jetzt beispielsweise einfach Tile 2×2 heißt. Gleiches gilt für die oben besprochene Umbenennung des 1×1-Rundsteines

Zusammenlegung von Varianten

Bei einigen weiteren Varianten wird es tatsächlich zu Zusammenlegungen kommen. Hier werden nicht nur die Inventare der Händler zusammengelegt, sondern auch die gesamte Datenbasis von BrickLink wird dabei verändert und teilweise leider auch “verdummt”. Allerdings werden hier vor allem solche Varianten zusammengelegt, die eigentlich nach den gültigen Regeln bei BrickLink ohnehin nie hätten unterschieden werden sollen, da es weder einen relevanten optischen, noch einen echten funktionalen Unterschied gibt.

Einige Beispiele für solche Zusammenlegungen sind:

  • Innenstrukturen bei Frosted Bricks
    Bisher wurde hier beispielsweise zwischen Frosted Horizontal Lines, Frosted Vertical Lines und Frosted Interior unterschieden. Diese Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen wurde bisher nur bei den Frosted Bricks gemacht und laut den Community-Admins ohnehin kaum gepflegt. Somit geht hier kaum historisches Wissen verloren.
  • Smooth Slopes und “normale” Slopes
    Bis heute ist nicht klar, ob der Unterschied zwischen Smooth Slopes und den “normalen” Slopes durch eine Änderung der Form bei LEGO, oder einfach durch deren Abnutzung zustande kam. Außerdem handelt es sich bei dem normalen Slope um einen unspezifischen Eintrag, der also beide Arten Slopes zulässt. In jedem Fall sind die sogenannten “smooth” Slopes gar nicht perfekt glatt, sondern bloß weniger rau als die überwiegende Zahl aller Slopes, wobei sich generell die Rauheit von Slope-Oberflächen seit etwa 20 Jahren in einem weiten Spektrum zwischen “sehr rau” und “wenig rau” bewegt. Eine objektive Abgrenzung der “smooth” Slopes ist daher ohnehin kaum möglich und die explizite Beschreibung von nicht sehr rauen Slopes als “smooth”, also “glatt”, eigentlich sogar falsch.
  • Minifiguren-Köpfe: Hollow, Vented und Blocked Open Stud
    Während weiter zwischen Solid Stud und Hollow Stud (hier gibt es einen funktionalen Unterschied) differenziert werden soll, wird es zukünftig keinen Unterschied mehr zwischen den verschiedenen Hollow Studs geben. Minifiguren lassen bei BrickLink keine alternativen Inventare zu, das heißt, dass bei BrickLink zu jeder Minifigur nur eine Kopfversion zugeordnet werden kann, selbst wenn in einem Set im Laufe der Jahre verschiedene Kopfformen enthalten gewesen sein konnten.
  • Minifiguren-Stuhl mit und ohne Anspritzpunkt
    Die beiden Einträge unseres oben besprochenen Beispiels: BrickLink hört auf, zwischen den beiden Stühlen mit Anspritzpunkt und der unspezifischen Variante zu unterscheiden.
  • Hinges mit Zähnen
    Zukünftig unterscheidet BrickLink nicht mehr zwischen den “Hinges with Teeth” mit sieben und denen mit neun Zähnen. Entgegen mancher Annahmen gibt es lediglich einen kaum sichtbaren optischen, aber keinen funktionalen Unterschied.
  • Achslöcher in Plus- und X-Form
    Zwischen den beiden Formen von Achslöchern soll zukünftig nicht mehr unterschieden werden. Einen funktionalen Unterschied gibt es hier nicht.
  • Diverse Torsi
    Bei einigen Torsi, die es aus unterschiedlichen Epochen mit dem gleichen Druck gibt (also beispielsweise Classic Space), soll zukünftig nicht mehr zwischen einigen der Varianten der inneren Stege unterschieden werden.

Katastrophe oder nachvollziehbare Änderungen?

An einigen Stellen, unter anderem im BrickLink Forum, wurden die Änderungen sehr intensiv diskutiert. Nach der Ankündigung durch den BrickLink Admin Russell am 9. Januar haben sich vor allem Händler eingeschaltet, aber auch in der Community kam das Thema hoch. Während manche Händler den wegfallenden Aufwand begrüßen, gab es auch hier zahlreiche Kritik an dem Vorgehen – innerhalb der Community war die Kritik ebenfalls recht laut.

Spannend ist aus unserer Sicht vor allem, wie die eigentlich zuständigen Community-Admins die Änderungen sehen, wobei es natürlich auch hier unterschiedliche Sichten auf das Thema geben mag. Rein inhaltlich gehen die Community-Admins beispielsweise bei der Zusammenlegung der Frosted Bricks oder der Smooth Slopes durchaus mit. Allerdings wurden wohl nicht alle Änderungen im Team diskutiert, sodass einige Änderungen durch BrickLink offenbar als Exekutiventscheidung umgesetzt werden – ein Vorgehen, dass manchen freiwilligen Helfern nicht unbedingt gefallen dürfte.

Vielen Änderungen gegenüber habe ich persönlich nach meinen Gesprächen mit Jonas (Turez) großes Verständnis. Jahrelang hat BrickLink hier zwischen Varianten unterschieden, die eigentlich weder einen funktionalen, noch einen relevanten optischen Unterschied machen. Außerdem wurde zwischen Teilen unterschieden, bei denen es fließende Übergänge gibt und wo gar nicht klar ist, ob es sich hier wirklich um unterschiedliche Teile handelt, oder ob im Laufe der Zeit einfach eine Spritzgussform abgenutzt wurde. Diese Teile nun zusammenzulegen, ist für fast alle Nutzer und vor allem Händler eine gute Idee.

Es gibt allerdings auch einige Teile, wo es für Sammler einen echten Unterschied machen kann: gerade beim Classic Space Torso macht es für Sammler von Retro Sets sicherlich oft einen Unterschied, ob sie nun einen alten oder eben einen modernen Torso mit dem Classic Space Logo kaufen.

Bricklink Teile Zusammenlegung Beispiele 8

Und auch wenn die Änderungen teilweise nachvollziehbar sind und BrickLink bei anderen, ähnlichen Beispielen nie unterschieden hat, bleibt ein Argument: die Datenbasis, die von vielen engagierten Freiwilligen über Jahre hinweg aufgebaut wurde, wird an einigen Stellen nun schlichtweg verschlechtert. Das mag nur den nerdigsten ein Prozent der Nutzer von BrickLink ein Dorn im Auge sein, aber es müsste doch eigentlich nicht sein. Hier stellt sich die Frage: Kann man das nicht anders lösen?

Warum entscheiden User und Händler nicht selbst?

Die auf den ersten Blick “einfachste” Lösung wäre, dass sowohl für die Nutzer, als auch für die Händler bei BrickLink bei diversen Varianten eine Wahl getroffen werden kann, sodass sie selbst entscheiden, ob sie beim Kauf oder Verkauf der Teile zwischen den Varianten unterscheiden möchten.

Händler, die sich weniger Mühe machen wollen, unterscheiden einfach nicht und geben das bei der Pflege ihres Inventars entsprechend an. Nutzer, die einfach irgendeine passende Variante kaufen wollen, könnten das ebenso einstellen und bekommen dann das gesamte Sortiment angezeigt. Und wenn Händler sich bei der Sortierung mehr Mühe geben und die Varianten entsprechend unterscheiden, haben sie mit den zusätzlichen Nutzern, die nach bestimmten Varianten suchen, eine größere Kundschaft und könnten auch höhere Preise verlangen.

Eine solche Unterscheidung könnte man theoretisch wohl ähnlich implementieren, wie heute schon zwischen den Zuständen “New”, “Used” oder “Any” unterschieden wird.

Bricklink Varianten Waehlen
So ähnlich sollten Nutzer:innen auch zwischen Varianten unterscheiden können

Das Problem hieran ist, dass die gesamte Code-Basis, auf der BrickLink bis heute aufbaut, sehr schwer zu pflegen ist. Im gesamten Unternehmen gibt es nur wenige Personen, die den gesamten Code verstehen und pflegen können. Eine Umsetzung einer solchen zusätzlichen Funktion ist hier dem Hörensagen nach schlichtweg nicht so einfach umsetzbar. Bevor man dies macht, müsste BrickLink von Grund auf neu programmiert werden. Ein Projekt, das auch seit Jahren im Raum steht, aber zu dem es wohl keinerlei substanzielle Neuigkeiten gibt.

Solange BrickLink also nicht grundlegend modernisiert wird, bleiben die Einschränkungen durch die Verknüpfung von Marktplatz- und Datenbank-Funktionen bestehen. Eine Wahlfunktion für die Teilevarianten durch Kunden und Händler ist also leider reine Fantasie.

Bisherige Auswirkungen und Handlungsempfehlungen

Da einige Umbenennungen von Teilen und deren Nummern schon stattgefunden haben, gibt es aktuell die ersten kleineren Auswirkungen, auf die wir hier kurz hinweisen wollen. Außerdem haben wir ein paar “Tipps” für euch, auf die ihr ggf. achten könnt, falls ihr selbst mit aus BrickLink exportierten Wanted-Listen arbeitet oder beispielsweise Anleitungen mit Teilelisten verkauft.

Zunächst ein Hinweis für alle Nutzer der LEGO Bau-Software Studio: Dort kommt es gerade durch die Umbenennung der Teile (beispielsweise bei den Fliesen) zu kleineren Fehlern in der Anzeige, was die Existenz von Farbvarianten angeht. Da die alte Teilnummer mit dem Varianten-Zusatz “b” bei BrickLink nun nicht mehr existiert, werden alle Farben in Studio als nicht mehr existent angezeigt. Verwenden lässt sich das Teil dennoch und das Problem wird sicherlich mit dem nächsten Update von Studio gefixt.

Etwas wichtiger ist noch ein Hinweis, falls ihr einige Wanted-Listen lokal auf eurem Rechner gespeichert habt, oder gar Anleitungen samt XML-Teilelisten irgendwo anbietet: hier kann es durch die Umbenennung von Varianten zu dem Problem kommen, dass beim Upload zu BrickLink die Teilenummern nicht mehr korrekt zugeordnet werden können. Während es für die bisherigen Umbenennungen (beispielsweise bei den Fliesen oder den 1×1-Rundsteinen) schon “zu spät” ist, könnt ihr bei den noch anstehenden Änderungen und Zusammenlegungen diese Probleme vermeiden, indem ihr alle Wanted-Listen jetzt wieder bei BrickLink hochladet. Dann werden die Varianten auch innerhalb eurer Wanted-Listen zusammengelegt, sobald BrickLink die Änderungen umsetzt. Anschließend könnt ihr die Listen wieder exportieren. Falls ihr eure Anleitungen und Teilelisten über Rebrickable verkauft, sollte die Umstellung automatisch erfolgen.

Bricklink Xml Fehler Nach Umbenennung
So sieht die Fehlermeldung aus, die bei betroffenen XML-Dateien zustande kommt

Um aktuell fehlerhafte XML-Listen zu korrigieren, könnt ihr die XML-Dateien in einem Texteditor eurer Wahl (z.B. Editor unter Windows oder Textedit unter Mac) öffnen und einen “Suchen und Ersetzen”-Befehl über die gesamte Datei laufen lassen. Ersetzt dann also beispielsweise “3068b” durch “3068”, danach sollte der Upload wieder funktionieren.

Fazit: Nicht furchtbar, aber auch nicht optimal

Wenn man einen Blick auf die teilweise in der LEGO Community und unter BrickLink-Nutzer:innen und -Händler:innen geführten Diskussionen wirft, wurden die Änderungen oft drastischer dargestellt, als sie letztlich wirklich sind. Viele Änderungen sind erstmal nachvollziehbar, wenn man zugrunde legt, dass BrickLink in der Vergangenheit grundsätzlich nie zwischen allen Varianten unterschieden hat und einige der bisher unterschiedenen Varianten nach den heutigen Definitionen ohnehin nicht hätten unterschieden werden müssen, da es weder einen echten funktionalen, noch einen wichtigen optischen Unterschied gibt.

Auch vor dem Hintergrund der unbestimmten Varianten, die es Nutzern auch bisher schon schwer gemacht haben, die gewünschten Teile zu bestellen, ohne sich beim Händler nochmal rückzuversichern, dass man tatsächlich das korrekte Teil bekommt, scheint eine kleine “Aufräumaktion” hier durchaus angemessen.

Dennoch gibt es mindestens zwei Punkte, die kritisiert werden sollten. Vor allem aus der Sicht der vielen freiwilligen Fans und Community-Admins ist es kein feiner Zug, dass die Daten, die in hunderten Stunden freiwilliger Arbeit zusammengetragen wurden, nun ohne größere Rücksprache “gelöscht” werden. Und auch aus User-Sicht ist die Kommunikation von BrickLink zu der Zusammenlegung nicht wirklich optimal verlaufen. Besonders das Missverständnis rund um die Zusammenlegung der Fliesen mit und ohne Rille hätte sich sicherlich mit einer besseren Planung der Kommunikation vermeiden lassen.

Grundsätzlich bleibt zu sagen, dass es BrickLink auf jeden Fall guttun würde, die gesamte Seite auf eine modernere Code-Basis zu stellen, die solche nachträglichen “Verdummungen” der Datenbasis vermeidbar machen würden und Usern wie Händlern einfach individuell die Wahl lassen würden, ob sie zwischen Varianten unterscheiden wollen, oder eben nicht.

Das gute ist: Händler können zwar auch zukünftig weiter zwischen verschiedenen Varianten ihrer Teile unterscheiden, müssen dafür aber das Beschreibungsfeld nutzen, das sich beim Anlegen einer Wanted-Liste und dem automatisierten Bestellablauf beispielsweise nicht berücksichtigen lässt. Es ist davon auszugehen, dass nur wenige Händler diesen recht aufwendigen Schritt gehen werden. Dennoch ist es immerhin möglich und Kunden können die Beschreibungsfelder bei der Suche nach Teilen auch durchsuchen – wirklich strukturiert nutzbar sind die Daten allerdings dann nicht mehr.

Schaut euch gerne auch unsere Diskussion bei Quatschen und Bauen zu dem Thema an, die bei 00:12:49 startet:

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Wie seht ihr das? Habt ihr in eurer eigenen Sammlung zwischen den Varianten, die nun zusammengelegt werden, unterschieden? Beim Kauf welcher Teile legt ihr persönlich Wert auf die Unterscheidung und wie habt ihr bisher sichergestellt, das korrekte Teil bei BrickLink zu bekommen? Diskutiert gerne mit uns und anderen Leser:innen in den Kommentaren!

Über Lukas Kurth 2103 Artikel
LEGO Liebhaber und Star Wars Fan seit der frühen Kindheit. Begeisterungsfähig und immer Kind geblieben. 32 Jahre alt, studierter Maschinenbauingenieur und der Mensch und Gründer hinter StoneWars.de
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