Abenteuer im alten Ägypten: Die LEGO Adventurers von 1998

„Der mutige, unerschrockene Abenteurer Joe Freeman und seine Freunde wollen das Geheimnis um den Schatz des Pharaonentempels lüften – und den kostbaren roten Rubin, von dem der Papyrus sagt, er hätte magische Kräfte, beschützen. Auch die skrupellosen Banditen, der Sammler Mr. Hates und Sly Boots, wollen den roten Rubin in ihre Gewalt bringen. Doch es geschehen merkwürdige Dinge – und das Abenteuer beginnt …“

Mit diesem Narrativ legte LEGO im Katalog des Jahres 1998 den Grundstein für eine Spielwelt, die zahlreiche spätere Sets inspirieren sollte und die noch heute einen wesentlichen Teil der LEGOLAND Freizeitparks ausmacht: Die LEGO Adventurers!

Im heutigen Artikel konzentriere ich mich auf die erste Welle der Themenwelt, die in den Ruinen des alten Ägyptens spielte. Wir werden gemeinsam die Hieroglyphen entschlüsseln, einen Blick auf das Marketing werfen und ergründen, wo man die Abenteurer noch heute entdecken kann. Zunächst möchte ich euch jedoch einen ausführlichen Überblick über die Protagonisten, die Bösewichte und die Sets geben, und bereits hier erwarten uns die ersten Überraschungen. Sitzt ihr bequem? Dieser Artikel wird etwas länger, denn es gibt viel zu erzählen!

Die Abenteurer stellen sich vor

Die Abenteurerwelt umfasste sieben Charaktere, die in wechselnder Konstellation in allen Sets vorkamen. Alle Figuren hatten Namen, was zu dieser Zeit noch ungewöhnlich war und zeigt, dass hier großer Wert auf die Hintergrundgeschichte gelegt wurde. Manche Namen wurden schon im Katalog erwähnt, andere in Magazinen oder dem Hörspiel „Die Jagd nach dem Pharaonenschatz“, das in Deutschland dem Set 5938 beilag – aber hierzu später mehr. Wie damals üblich gab es regionale Unterschiede bei der Benennung der Sets und Figuren, ich habe deshalb im Folgenden immer die deutschen, britischen und amerikanischen Bezeichnungen vermerkt, soweit ich sie in Erfahrung bringen konnte. Ich empfehle euch, besonders auf die amerikanischen Namen der Figuren zu achten: Die dortigen Texter hatten, glaube ich, großen Spaß bei der Arbeit. Beginnen wir zunächst mit den Helden der Geschichte:

Joe Freeman (DE) / Sam Grant (UK) / Johnny Thunder (US)

Joe Freeman ist der Prototyp eines Abenteurers – idealistisch, entschlossen und unerschrocken. Nur vor Schlangen hat er Angst (böse Zungen könnten daher behaupten, Joe Freeman sei Indiana Jones ohne Lizenz). Er war der Protagonist der Adventurers-Reihe, kam in den Sets am häufigsten vor und taucht bis heute immer wieder im LEGO Universum auf. In der Welle „Orient Expedition“ wurde allerdings auch für die deutsche Version sein amerikanischer Name übernommen, Johnny Thunder.

Wer meint, gewisse Parallelen zwischen Joe Freeman und der Minifigur im Set 21320 IDEAS Dinosaurier-Fossilien zu erkennen (Tropenhemd, markanter Schnurrbart, Hut), liegt damit richtig: Der Designer des LEGO IDEAS Sets, Niels Milan Pedersen, gilt als (Mit-)Erfinder der Adventurers-Reihe und der Figur Joe Freeman. Er ist selbst Paläontologe und trägt gerne ähnliche Kleidung – es heißt, beide Figuren seien nach seinem Vorbild gestaltet worden.

Ausschnitt aus einem offiziellen Produktbild des Sets 21320

Prof. Articus (DE) / Dr. Charles Lightning (UK, US)

Der Professor ist in der deutschen Version ein guter Bekannter und in der britischen Version der Onkel von Joe Freeman (bzw. Sam Grant). Er ist Experte für Ägyptologie und hält sich eine Kobra namens Kleopatra als freilaufendes (bzw. -kriechendes?) Haustier, was Joe Freeman … irritiert. Gemeinsam brechen sie nach Ägypten auf, um Mr. Hates und Sly Boots daran zu hindern, den sagenumwobenen roten Rubin Ramses des IV. zu finden. Wie Joe Freeman kam der Professor in allen Adventurers-Wellen vor, ab „Dino Island“ allerdings unter dem Namen Prof. Kilroy.

Linda Lovely (DE) / Miss Pippin Reid/Reed (UK) / Miss Gail Storm (US)

Linda Lovely ist eine rasende Reporterin und immer auf der Suche nach einer spannenden Story. Deshalb folgt sie den Abenteurern zunächst heimlich und schließt sich dann Joe und dem Professor im Wettstreit gegen die Bösewichte an. Auch Ms. Lovely war in allen Adventurers-Wellen enthalten (das Hörspiel deutete sogar eine Hochzeit an). Im Gegensatz zu Joe Freeman, der zum amerikanischen Johnny Thunder wurde, wurde ihr Name in der „Orient Expedition“ auf die britische Version „Pippin Reed“ geändert.

Billy Speed (DE) / Harry Cane (UK, US)

Billy Speed ist Pilot und ein Freund Joe Freemans, der den Abenteurern dabei hilft, in Ägypten schneller mit der Suche voranzukommen als Mr. Hates. Er war ein Nebencharakter und tauchte im Hörspiel nur kurz auf, nach der zweiten Welle (Dschungel) hatte der Charakter keinen Auftritt mehr.

Mr. Hates (DE) / Evil Eye (UK) / Baron von Barron (US)

Mr. Hates ist ein reicher und skrupelloser Sammler, der den roten Rubin, koste es was es wolle, für seine private Sammlung haben möchte. Er hat statt der linken Hand eine Stahlklaue – seine Hand verlor er laut Hörspiel beim Versuch, einem indischen Maharadscha dessen größten Edelstein zu stehlen. Er ist den Abenteurern immer einen Schritt voraus oder dicht auf den Fersen.

Ich persönlich liebe ja den amerikanischen Namen der Figur, Baron von Barron, bei dem es sich vermutlich um ein Wortspiel mit barren handelt, das öde/ karg/ ausgedörrt bedeutet. Wer möchte nicht zu einem solchen Adelsgeschlecht gehören?

Sly Boots (DE) / Lizard Boots (UK) / Lord Sam Sinister (US)

Sly Boots wird im deutschen Hörspiel als der etwas dümmliche Handlanger von Mr. Hates dargestellt, der für ihn die groben Arbeiten erledigt. Im britischen Bricks’n’Pieces Magazin hingegen wird er als „das Gehirn“ hinter den Plänen der Bösewichte beschrieben. Der Charakter ist deshalb besonders interessant, weil er in späteren Wellen der Abenteurer erneut auftauchte (nun auch in Deutschland unter dem Namen Sam Sinister), dabei aber zunächst das Aussehen mit Mr. Hates tauschte („Dino Island“, 2000) und später als eine Art Verschmelzung beider Figuren dargestellt wurde („Orient Expedition“, 2003).

Sam Sinister in den Jahren 2000 & 2003

Ramses IV (DE) / Pharaoh Hotep (UK, US)

Ramses IV. gehörte ursprünglich der rote Rubin, hinter dem nun alle Beteiligten her sind. Hier weicht das Hörspiel am deutlichsten von den Sets ab, denn letztere implizieren, dass die Mumie des Pharaos noch heute den Rubin bewacht (und durch dessen Magie umherwandeln kann). Im Hörspiel hingegen haben Grabräuber den Rubin vor langer Zeit aus seinem Grab entwendet und ihn irgendwo in Ägypten versteckt. Der Ausgangspunkt für das Abenteuer ist dort ein Papyrus, der den ersten Teil des Weges zu diesem Versteck beschreibt.

Die Minifigur ist meines Erachtens großartig gestaltet und sollte in keiner Sammlung fehlen. Man achte vor allem auf die gedruckten Zehen, die in der LEGO Welt absoluten Seltenheitswert haben. Außerdem sind sie ein Indiz dafür, dass uns der bedruckte Sarkophag, der in einigen Sets vorkam, ein Bild des Pharaohs zu Lebzeiten zeigt – denn auch hier sind die Zehen der Minifigur zu sehen.

Mumie vs. Sarkophag. Achtet auf die Zehen!

Tolle Sets mit einer merkwürdigen Vertriebsstrategie

Kommen wir nun zu den Sets. Hier ergibt sich eine Schwierigkeit, die die Überschrift schon andeutet: Der deutsche Hauptkatalog listete für die erste Welle nur fünf Sets auf, der britische und der amerikanische Katalog immerhin je sieben Sets – allerdings nicht dieselben. Im deutschen Händlerkatalog („Neuheiten ’98“) tauchte ein sechstes Set auf, das im regulären Katalog nicht enthalten war, aber offenbar trotzdem von den Händlern bestellt werden konnte. Manche Sets waren länderexklusiv, andere wurden in verschiedenen Verpackungsvarianten oder nur über exklusive Vertriebspartner verkauft. Selbst Sets mit derselben Nummer unterschieden sich teilweise geografisch (5938 in Deutschland mit Audiokassette, im Rest der Welt ohne).

In Summe existierten de facto 18 Sets, die unter 25 verschiedenen Nummern in den Handel kamen. Kurzum: Die Vertriebsstrategie war (aus Kundensicht) ein völliges Chaos. Lasst uns deshalb zunächst einen Blick auf die Sets werfen, die regulär im deutschen, britischen und amerikanischen Hauptkatalog beworben wurden. Die deutschen Sets bildeten hierbei die „Schnittmenge“ aller Kataloge, es wurde darin also kein Set gezeigt, das nicht auch in den anderen Katalogen enthalten war.

Sets im deutschen Katalog

Adventurers im deutschen Hauptkatalog I

5918 Expeditionsmobil (DE) / Sam Grant’s Scorpion (UK) / Scorpion Tracker (US)

Das Expeditionsmobil war ein klassisches Einsteigerset. Es enthielt mit Joe Freeman die wichtigste Figur der Reihe, zwei Skorpione und jede Menge Expeditions-Zubehör in einer praktischen Kiste zum Abnehmen. Die bedruckte Schatzkarte werden wir uns später noch genauer ansehen – generell gab es in den Sets nur sehr wenige Sticker, alle dekorierten Teile, die in mehrerern Sets verwendet werden konnten, waren bedruckt. Auf die wenigen Fälle, wo geklebt werden musste, werde ich im Folgenden explizit hinweisen.

Durch die Felgen im Speichendesign, die Offroad-Reifen und den allgemein eher „spartanischen“ Look wirkt das Modell erstaunlich glaubwürdig, obwohl es nur aus 35 Teilen besteht. Das Monocoque (30149) trägt als großes Formteil natürlich ebenfalls hierzu bei – es kam sandfarben, dunkelgrau oder schwarz in diversen Sets der Reihe zum Einsatz und bildete die Grundlage für alle größeren Fahrzeuge, die immer ähnlich aufgebaut waren. Interessant finde ich zu beobachten, wie LEGO es dennoch schaffte, jedem Fahrzeug ein eigenständiges Aussehen zu verleihen.

5928 Doppeldecker (DE) / Evil Eye’s Bi-plane (UK) / Bi-Wing Baron (US)

Der Doppeldecker von Mr. Hates war mit immerhin 70 Teilen das nächstgrößere Set im Katalog. Auch dieses Set enthielt eine bedruckte Schatzkarte, die in einer praktischen Seitentasche neben dem Pilotensitz verschwand und deshalb auf den Fotos nicht zu sehen ist. Sollte vorher noch irgendein Zweifel bestanden haben, ob Mr. Hates als gut oder böse einzuordnen sei, herrschte nach dem Bauen dieses Sets Gewissheit. Schwarz als dominierende Farbe, Bewaffnung bis an die Zähne, Flammen aus dem Auspuff und natürlich die Gestaltung der Minifigur selbst: Alles an diesem Set implizierte, dass man sich mit Mr. Hates besser nicht anlegen sollte.

Und genau deshalb halte ich das Set für sehr gelungen, auch wenn die Optik natürlich wieder stark durch ein Formteil (6058) bestimmt wurde, das auch bei der Gestaltung diverser Raumschiffe zum Einsatz kam. Andererseits war der Einsatz solcher Teile in den Neunzigerjahren völlig normal und die Modelle generell nicht so kleinteilig konstruiert wie heute. Interessant ist die Bauweise des Motors: Hier dient die offene Unterseite eines Brick Modified with Studs on 4 Sides (4733) als Aufnahme für einen Technic-Pin, an dem dann der Propeller befestigt wird. Das Ganze hat zwar etwas Spiel, aber der Pin wird gehalten. Jonas würde wahrscheinlich nur milde darüber lächeln, aber mir war diese Bautechnik komplett neu.

5938 Das Grab des Anubis (DE) / The Anubis Chamber (UK) / Oasis Ambush (US)

Das dritte Set im Bunde enthielt 77 Teile und eine der großartigen Palmen, die ich heute sehr vermisse. Es war eines von nur zwei Sets der Reihe, in dem Teile beklebt werden mussten, in diesem Fall die Innenseiten der sandfarbenen Panele (4215b). Vermutlich traf LEGO diese Entscheidung, da die Teile sonst in keinem anderem Set vorkamen und somit der Aufwand zu groß gewesen wäre, oder es war damals aufgrund der Vertiefung zu schwierig, diese Teile sauber zu bedrucken. Generell fiel mir beim Vorbereiten des Artikels auf, dass bei den frühen Adventurers-Sets relativ viele Fehldrucke vorkamen – hier hat sich die Technik in den letzten 20 Jahren deutlich weiterentwickelt. Doch zurück zum Set: Neben Joe Freeman und Sly Boots war erneut eine bedruckte Schatzkarte, ein Skorpion und ein Skelett mit gelbem Kopfschmuck enthalten. Außerdem enthielt das Set ein weiteres bedrucktes Element: Die 1×4 Fliese wies die Abenteurer unmissverständlich auf die Gefahren für Grabräuber hin und ist auf dem zweiten Bild recht gut zu erkennen. Wir werden sie allerdings auch in anderen Sets erneut antreffen.

Die kleine Anubis-Statue auf dem Grab finde ich sehr gelungen, in der schwarzen Schatztruhe (die übrigens nur in fünf Sets vorkam, davon zwei in dieser Reihe) waren sogar einige Goldmünzen versteckt. Mittels Umlegen des Speers ließ sich das Grab über einen Kettenzug öffnen und gab den Blick auf das Innere frei. Die für diese Funktion verwendete Falltür (30041, 30042) kam außerhalb der Adventurers-Reihe nur in einem einzigen Set in dieser Farbe vor (7416 Emperor’s Ship, 2003). In Deutschland lag dem Set eine Audiokassette des Karussell-Verlages bei, „Die Jagd nach dem Pharaonenschatz“. In diesem Hörspiel, das ich weiter unten als Youtube-Video eingebunden habe, hatten alle Charaktere (außer der „untoten“ Mumie) einen Auftritt und auch die Spielfunktionen mehrerer Sets sowie die bedruckten Schatzkarten wurden in die Geschichte eingebaut. Es war deshalb eine tolle Ergänzung zu den Sets, mit denen die Geschichte parallel nachgespielt werden konnte.

Zuletzt noch ein kleiner Funfact: Schaut euch einmal genau den alternativen Bauvorschlag links auf der Rückseite der Verpackung an. Wurde hier etwa Sly Boots an die Palme gekettet und seinem Schicksal überlassen?

Alternativer (makaberer) Bauvorschlag

Auf mich wirkt es so, als habe hier der Designer erfolgreich einen makaberen Scherz an allen Kontrollen vorbei ins finale Produkt geschmuggelt.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktion dieses Sets als animiertes GIF:

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5978 Das Geheimnis der Sphinx (DE) / The Secret of the Sphinx (UK) / Sphinx Secret Surprise (US)

Kommen wir nun zum mit 347 Teilen zweitgrößten und meines Erachtens einem der schönsten Sets der Reihe. Es enthielt als einziges eine bedruckte 3D-Grundplatte, außerdem zwei Obelisken mit drei der insgesamt vier verschiedenen gedruckten Kartuschen, die jeweils den Namen eines der Götter umschlossen, die auch auf den Schatzkarten zu sehen waren – dazu später mehr. Eine weitere Besonderheit stellte ein schwarzes Stoffzelt dar (das in genau diesem Design, aber mit invertierten Farben zehn Jahre später als Teil der Inidiana Jones-Sets erneut erschien, was ich amüsant finde, da die Adventurers ja ihrerseits stark durch diese Filmreihe inspiriert worden waren). Als einziges in der Reihe enthielt dieses Set alle vier Varianten der bedruckten Schatzkarte, außerdem alle Minifiguren außer Billy Speed sowie ein Skelett mit weißem Kopfschmuck. Wer nun sagt: „Das stimmt ja gar nicht, denn die Mumie des Pharaos ist auf den Bildern nicht zu sehen“, dem empfehle ich, einen Blick auf das animierte GIF der Spielfunktionen zu werfen…

Die gebaute Sphinx finde ich überaus gelungen, für Palmen bin ich, wie bereits erwähnt, immer zu begeistern und auch die kleine Anubis-Statue hat ihren Reiz. Am meisten Freude an diesem Set bereiten mir aber die vielfältigen Möglichkeiten zum Bespielen. Neben den unten im GIF gezeigten Funktionen möchte ich hier das Mikroskop hervorheben, das aufgrund der funktionstüchtigen Lupe die Schatzkarte tatsächlich vergrößert. Auch das kleine Camp mit Zelt und Feuerstelle ist großartig, und sogar das Auto mit seinem bulligen Vierzylinder gefällt mir. Für mich ein rundum gelungenes Set.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktionen dieses Sets als animiertes GIF:

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5988 Der Schatz des Pharaonentempels (DE) / The Temple of Anubis (UK) / Pharaoh’s Forbidden Ruins (US)

Der große Tempel war mit 711 Teilen mehr als doppelt so umfangreich wie die Sphinx und zweifelsohne das Sahnestück der Ägypten-Welle der Adventurers. Hier wurde seitens LEGO aus dem Vollen geschöpft: Dieses Set enthielt die meisten Minifiguren (sämtliche Charaktere der Reihe sowie drei Skelette) und mit Abstand die meisten bedruckten Teile aller Sets (19 Stück), inklusive je zweier exklusiver bedruckter 4x6x6 Panele und 1x6x5 Steine sowie aller vier Kartuschen-Steine. Außerdem enthielt es viele unbedruckte Teile, die in ihren jeweiligen Farben sehr selten oder ausschließlich in diesem Set vorkamen (dunkelgrauer Sarkophagdeckel, dunkelgraue Krokodile, sandfarbene LURPs (6083), sandfarbene achteckige Steine (6037), … ). Die Spielfunktionen des Sets sind unten wieder in einem anmierten GIF dargestellt – außergewöhnlich war hierbei die Funktion der Rückwand des Tempels. Drehte man diese um 360 Grad, so verschwand der rote Rubin inklusive Glaskuppel „auf magische Weise“…

Kurzum: „Der Schatz des Pharaonentempels“ war das Premiumprodukt der Reihe und entsprechend gestaltet. Durch den Aufbau auf zwei nicht miteinander verbundenen 16×32 Grundplatten waren sowohl der vordere als auch der hintere Bereich perfekt bespielbar. Ein LKW sowie ein Heißluftballon rundeten die Spielmöglichkeiten ab. Der Heißluftballon bereitet mir beim Betrachten immer besondere Freude, weil seine Konstruktion identisch mit dem Tower meines Lieblingssets, des Aquazone Palais Neptun 6195, ist. Für mich ein schönes Beispiel, dass selbst große Formteile bei LEGO fast alles sein können – die passende Farbe vorausgesetzt.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktionen dieses Sets als animiertes GIF:

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Sets im britischen Katalog

Adventurers im britischen Hauptkatalog

Nachfolgend betrachten wir die Sets, die im britischen, jedoch nicht im deutschen Katalog beworben wurden. Im Falle des Sets 5900 war dies nicht ungewöhnlich, da solche Kleinstsets generell nicht in den deutschen Katalogen berücksichtigt wurden. Das Set 5919 hingegen war in Deutschland ebenfalls regulär erhältlich (siehe Händlerkatalog), wurde aber im Hauptkatalog nicht gezeigt. Im Endeffekt wurden also in Großbritannien die gleichen Sets wie in Deutschland angeboten, obwohl die Kataloge sich unterschieden.

5900 Sam Grant (UK)

Dieses Set war mit nur 13 Teilen ein klassisches Mitbringsel, wie es in den Neunzigerjahren in fast allen Themenreihen vorkam. Es enthielt Joe Freeman mit einer tollen Auswahl an Zubehör – hervorzuheben ist hier vor allem die 1×2 Fliese mit Dynamit-Aufdruck, ein Vorläufer der Dynamit-Gussform (64728), die erst 2009 eingeführt wurde. Den Rucksack (30158), der in diversen Sets vorkam, konnte man übrigens aufklappen und z.B. die Pistole oder das Dynamit darin verstauen – ein schöner Mehrwert für den Spielspaß dieses kleinen Sets. Einzig die grüne 2×6 Platte wirkte etwas deplatziert, zumal in keinem anderen Set etwas wie Gras vorkam.

Das Set erschien in Amerika ein Jahr später unter der alternativen Nummer 1094.

5919 Der Fluch des Pharaos (DE) / The Valley of the Kings (UK)

„Der Fluch des Pharaos“ enthielt neben Joe Freeman und Mr. Hates den obligatorischen Skorpion, mit dem bedruckten 1×16 Stein und dem bedruckten Sarkophagdeckel zwei der schönsten Elemente der Reihe, nette Spielfunktionen sowie ein großartiges Fahrzeug, bei dem ich immer wieder grinsen muss, wenn ich es sehe. Letzteres verwendete nämlich das Sarkopagunterteil als Karosserie, eine amüsante Idee, durch die es es sich optisch von den sonstigen Fahrzeugen der Reihe abhob. Desweiteren enthielt das Set zwei gelbe Papageien, die sonst nur in einem weiteren Set vorkamen, dem 6274 Caribbean Clipper von 1989 (und heute entsprechend teuer sind). Insgesamt umfasste das Set 164 Teile.

Bei den Spielfunktionen müssen alle Schlangenphobiker einmal wegsehen, denn neben einer Schlangengrube, die sich beim Wegschwenken des Eingangs zur Grabkammer auftat, bestand die zweite Funktion in einer Rutsche, aus der ebenfalls eine Schlange hervorschoss, sofern ein Abenteurer töricht genug war, an dem funkelnden 1×1 Kegel (der wohl eine Art Edelstein darstellen sollte) zu ziehen. Hob man in der Grabkammer den Sarkophag an, so fand man darunter einen Hohlraum, in dem ein roter Rubin versteckt war.

Das Set erschien in Europa in einer Sonderverpackung, die neben dem Set selbst auch einen Behälter in Form einer Mumie umfasste. Jener besaß einen Schraubverschluss, sodass die Teile des abgebauten Sets sicher darin verstaut werden konnten. Da die meisten Besitzer den Karton entsorgten (vermutlich aus Platzgründen, denn er war aufgrund des Mumienbehälters viel größer als normale Verpackungen für ein Set dieses Umfangs), ist dieser heute nur noch schwer zu bekommen und auch ich kann euch deshalb nur ein Bild des Mumienbehälters anbieten.

In Amerika hingegen war statt der Mumie ein goldener Sortierkoffer enthalten, der zusammen mit der Verpackung des Sets in eine Folie eingeschweißt wurde. Die Verpackung war dementsprechend kleiner, da sie keinen Platz für die Mumie bieten musste. Diese Variante des Sets wurde unter der Nummer 3722 verkauft und war nur eingeschränkt erhältlich, z.B. bei Toys’R’Us.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktionen dieses Sets als animiertes GIF:

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Sets im amerikanischen Katalog

Adventurers im amerikanischen Katalog

Der amerikanische Katalog beinhaltete ebenfalls alle deutschen sowie zwei weitere Sets, die in Europa nur eingeschränkt erhältlich waren. Dass es sich meiner Meinung nach um zwei der gelungensten Sets der Reihe handelte, machte die Sache nicht unbedingt besser.

5909 Treasure Raiders (US)

Die „Treasure Raiders“ halte ich für eines der schönsten Sets der Reihe, auch wenn es mit 196 Teilen bei weitem nicht das größte Set war und genau genommen nur Fortbewegungsmittel und Zubehör enthielt. Das „Herzstück“ dieses Sets war das Flugzeug von Billy Speed, das (leider unter Zuhilfenahme von Stickern) genau so gestaltet war, wie man es sich von der Maschine eines waghalsigen Fliegerasses vorstellt – Einschusslöcher und geflickte Leitwerke inklusive. Leider bot es nicht genug Platz, um Billy und den Professor gemeinsam darin unterzubringen – meines Erachtens das einzige Manko. Platz für zwei Minifiguren bot hingegen das Auto der Banditen, das zwar stark an Joe Freemans Fahrzeug aus dem Set 5978 erinnerte, sich aber durch das dunklere Farbschema, den etwas anders gestalteten Motor und natürlich die Bewaffnung dann doch deutlich von jenem abhob. Für mich eines der gelungensten Fahrzeuge der Reihe. Eine kleine Feuerstelle mit Palme und Skorpionen, der wunderschön bedruckte Sarkophag mit Skelett (diesmal ohne Kopfschmuck) sowie eine Vorratskiste, die unten am Flugzeug befestigt werden konnte, rundeten das Set ab.

Das Set enthielt in Amerika den gleichen Mumienbehälter, der in Europa im Set 5919 enthalten war. Außerdem erschien es – meines Wissens ebenfalls in Amerika – unter der alternativen Setnummer 5948 ohne den Behälter. Welche Händler welche Version erhielten und warum im Katalog die Version mit Mumie statt derer ohne Mumie beworben wurde, kann ich leider nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls war sich wohl auch LEGO der Tatsache bewusst, dass ihnen dieses Set besonders gut gelungen war und empfahl es daher im kanadischen Händlerkatalog als „Endcap Product“, also als ein Produkt, dass im Spielwarenladen als Blickfang am Kopfende eines Ganges platziert werden und so die Kunden zu einem spontanen Impulskauf animieren sollte.

Vorschläge für „End Cap Rotation“ im kanadischen Händlerkatalog 1998

In Europa erschien das Set ebenfalls ohne den Mumienbehälter und in einer kleineren Verpackung , hier allerdings unter einer dritten Nummer 2879 und nur eingeschränkt bei Toys’R’Us. Diese Verpackung ist in obiger Bildergalerie zu sehen.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktion dieses Sets als animiertes GIF:

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5958 Tempel des ewigen Lichts (DE)/ Mummy’s Tomb (US)

Auch vom Set Nummer 5958 existierte eine europäische Version, allerdings wird diese heute vergleichsweise selten gehandelt – wahrscheinlich war also auch hier die Verfügbarkeit eingeschränkt. Wie der nachfolgende Scan zeigt (den uns unser Leser Jonas ~ Turez dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat), konnte das Set in Deutschland über den „World Club Shop“ direkt bei LEGO erworben werden, außerdem war es wohl bei vereinzelten Händlern (z.B. ROFU) erhältlich.

Bestellbare Sets im LEGO World Club Shop, Oktober 1999

Aus 260 Teilen zauberte LEGO hier eine schöne kleine Szenerie auf einer 16×32 Grundplatte, die mit drei Spielfunktionen aufwartete und immerhin vier Minifiguren sowie diverse bedruckte Elemente enthielt, unter anderem den 1×16 Stein mit der Flügelsonne mit Uräusschlangen, ein im alten Ägypten tatsächlich häufig verwendetes Symbol des „gottbegnadeten Königtums“, wie es Wikipedia so schön ausdrückt. Leider fehlen in meinem Set der Rucksack des Professors sowie eine Spitzhacke – die müsst ihr euch auf den Bildern bitte dazu denken. Die 5x2x2 1/3 Bracket (6087) in sandgelb sowie der rote Sarkophagdeckel waren ausschließlich in diesem Set enthalten, der rote Fensterrahmen (4035), der hier hinter der Mumie verbaut wurde, kam zwar zuvor in einigen anderen, aber seitdem in keinem einzigen Set mehr vor. Auch die Spitze des Obelisken, der 2x2x2 Slope (3688) war in sandgelb übrigens ausschließlich in der Ägypten-Welle der Adventurers enthalten.

Wenn ihr den folgenden Bereich aufklappt, seht ihr die Spielfunktionen dieses Sets als animiertes GIF:

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Sonstige Sets/ Exklusive Vertriebspartnerschaften

Zu guter Letzt werfen wir ein Auge auf die diversen Sets, die in keinem Katalog auftauchten. Da einige von ihnen sehr klein (und ehrlich gesagt teilweise nicht sehr gelungen) waren, werde ich meine Ausführungen dazu sehr knapp halten. Die Angaben zur Verfügbarkeit stammen von Bricklink und Brickset. Zunächst aber stehen zwei mittelgroße Sets auf der Agenda, die in Deutschland als „Bundle“ bei Toys’R’Us und in Amerika via direkter Bestellung bei LEGO Shop at Home erhältlich waren:

Set-Bundle bei Toys’R’Us, Bildquelle: Bricklink

2995

Der unvergessene Heinz Erhardt hätte wohl gesagt: Noch’n Auto. Die Frontpartie dieses Sets erinnerte stark an die anderen Fahrzeuge der Reihe, allerdings ist es wirklich beachtlich, wie LEGO es schaffte, überall subtile kleine Unterschiede einzubauen – hier z.B. die Windschutzscheibe, die gelben Scheinwerfer und die im Vergleich zum Expeditionsmobil 5918 um eine Platte tiefer gelegte Motorhaube. Die eigentliche Besonderheit dieses Fahrzeugs lag jedoch darin, dass es sich um einen Pickup handelte. Als Heckklappe diente dabei das gleiche Panel, das bei Billy Speeds Flugzeug im Set 5909 als seitliche Verkleidung zum Einsatz kam.

Neben dem tollen aufklappbaren Rucksack und einer Kiste mit Schatzkarte war diverses weiteres Zubehör enthalten, außerdem ein Skelett mit der schönen, da bedruckten Variante des Pharaonen-Kopfschmucks und rotem Rubin. Alles in allem ein gelungenes kleines Auto.

2996

Dieses Set wird online unter dem Namen „Adventurers Tomb“ geführt. Da ich aber den Ursprung (wie auch beim Set 2995 „Adventurers Car“) nicht verifizieren konnte, weil mir kein Toys’R’Us Katalog aus dem Jahr 1998 vorliegt, habe jeweils auf die Nennung in der Überschrift verzichtet. Eigentlich hätte das Set eher „Adventurers Entry to Tomb“ oder ähnlich heißen müssen, denn im Wesentlichen bestand es aus einem Eingangstor. Dieses war zwar mit den von Königskartuschen gesäumten großen schwarzen Türen schön gestaltetet, aber die eigentliche Grabkammer musste in der Vorstellungskraft der Kinder entstehen. Immerhin war ein Sarkophag mit der Mumie des Pharaos (inkl. rotem Rubin) enthalten, außerdem Sly Boots mit einem „Auto“, über das wir lieber den Mantel des Schweigens hüllen. Desweiteren war eine Kiste mit Zubehör enthalten sowie eine Kaffeetasse, die ja aus heutigen Sets, speziell der City Reihe, nicht mehr wegzudenken ist.

Für sich alleine genommen, finde ich das Set nicht sehr interessant. In Kombination mit den anderen Sets, z.B. als Eingang zum Set 5958 platziert, hat es aber durchaus seinen Reiz. Es scheint allerdings, als habe sich das Set bzw. das Bundle mit der Nummer 2995 damals nicht sehr oft verkauft, denn beide Sets werden heute vergleichsweise selten gehandelt.

1182

Das kleine Floß umfasste 18 Teile und wurde laut Brickset 1999 als Werbeartikel ausgegeben. Über welche Werbepartner ist nicht mehr nachvollziehbar, außer in Japan, wo das Set als Polybag mit der Nummer 3020 in einem speziellen Umkarton zusammen mit Süßwaren der Marke Kabaya verkauft wurde. In Deutschland konnte man das Set wohl auch regulär erwerben, ob nur bei ausgewählten Partnern ist allerdings nicht mehr nachvollziehbar.

1183

Aus 17 Teilen bestehend wurde auch dieses Set laut Brickset als Werbeartikel ausgegeben, ebenfalls in 1999. Auch hier ist nur nachvollziehbar, dass es in Japan als Polybag mit der Nummer 3021 zusammen mit Süßwaren der Marke Kabaya verkauft wurde. Wenngleich es objektiv betrachtet wahrscheinlich das „sinnloseste“ der Mini-Sets ist, gefällt es mir von allen am besten – wahrscheinlich, weil sowohl die tolle Mumien-Minifigur als auch eine der bedruckten Schatzkarten enthalten war.

Dieses Set war, wie das Set Nummer 1182, in Deutschland auch regulär erhältlich.

2541

Aus immerhin 24 Teilen bestand dieses kleine Auto und wurde als Werbeartikel bei Shell ausgegeben. Es konnte, soweit ich mich erinnere, dort auch unabhängig von einem Tankvorgang erworben werden.

2542

Gleiches gilt für dieses Set, das aus 21 Teilen bestand. Interessanterweise gab es gleich zwei winzige Flugzeuge mit Billy Speed Minifigur.

3039

Das zweite Flugzeug im Bunde bestand aus 23 Teilen und wurde in Amerika als Werbeartikel via Nestlé ausgegeben, in Japan hingegen als Polybag mit der Nummer 3022, erneut in einem speziellen Umkarton zusammen mit Süßwaren der Marke Kabaya.

3055

Dieses „Auto“ (oder sollte es ein Bobby Car darstellen?) bestand aus 21 Teilen. Ein paar Teile mehr hätten dem Set gut getan. Es wurde in Großbritannien als Werbeartikel via Kellogs ausgegeben.

3023

Aber es geht noch minimalistischer, wie dieses Gefährt aus 24 Teilen beweist. Es war nur in Japan als Polybag zusammen mit Süßwaren der Marke Kabaya erhältlich. Leider (?) liegt mir das Set nicht im Original vor, das Bild des Polybags stammt von Brickset.

5381 Service Pack

Und natürlich gab es auch zu den Adventurers ein Service Pack, das viele brauchbare Teile enthielt, u.a. viele der bedruckten Elemente (aber leider nicht die Schatzkarten), einige Hüte, eine Kiste, eine Lupe und einen der tollen Rucksäcke zum Aufklappen.

Mein persönliches Fazit: Die Reihe umfasste viele liebevoll gestaltete, gelungene Sets – allerdings unter den kleinen Sets auch einige uninteressante, um nicht zu sagen hässliche. Die Gestaltung speziell der bedruckten Elemente und Minifiguren finde ich großartig und sie regt noch heute meine Phantasie an. Ich denke, auch für Kinder war und ist ein solches thematisches Setting hervorragend geeignet, um eigene Geschichten zu erfinden und nachzuspielen. Dass die zahlreichen (nicht bedruckten) exklusiven Teile der Reihe heute fast alle günstig bei Bricklink zu bekommen sind, zeigt, dass sich die Sets damals offenbar gut verkauften und deshalb die Teile noch heute in großer Anzahl am Markt verfügbar sind. Es zeigt aber auch, dass überdurchschnittlich viele Sets zerlegt und als Einzelteile weiterverkauft wurden, was ich persönlich als Sammler alter Sets etwas schade finde.

Die Adventurers-Reihe wurde nach diesen Sets noch einige Jahre lang weitergeführt, inspirierte aber auch andere Themenreihen und wurde (bzw. wird) bis heute immer wieder von LEGO zitiert. Das „Erbe“ der Adventurers werden wir später noch erforschen, zunächst aber werfen wir einen genaueren Blick auf die bedruckten Elemente: Sahen diese einfach nur schön aus, oder hatten sie evtl. eine tiefere Bedeutung?

Hieroglyphen und Eastereggs

Die kurze Antwort lautet: Ja, hatten sie. Die bedruckten Elemente waren mit großer Liebe zum Detail gestaltet, offensichtlich hatten die Designer sich vor dem Entwerfen der Grafiken intensiv mit der Pharaonenzeit und den Hieroglyphen auseinandergesetzt. Sehen wir uns die Teile einmal nacheinander an und ergründen, welche Geheimnisse sie verbergen…

Schatzkarten

Insgesamt gab es vier verschiedene Schatzkarten, von denen jede eine andere Kreuz-Markierung enthielt und eine andere Gottheit zeigte. In der unteren linken Ecke der Karten waren diese aufsteigend durchnummeriert, und auch das Hörspiel griff diese Reihenfolge auf und zeichnete den Weg der Abenteurer von Süden nach Norden nach. Bevor wir allerdings genauer auf die Unterschiede eingehen, betrachten wir zunächst die Gemeinsamkeiten: Alle Karten zeigten einen Flussverlauf, der – wenn auch nicht deckungsgleich – zumindest in etwa dem tatsächlichen Verlauf des Nils entsprach. Eventuell orientierten sich die Designer hierfür an einer überlieferten Karte.

Auch die eingezeichneten Städte existieren tatsächlich, waren aber teilweise (siehe z.B. Assuan) nicht korrekt verortet. Ich habe die Namen einmal für Euch entziffert und die deutschen Entsprechungen ins nachfolgende Bild eingefügt. Soweit ich nachvollziehen konnte, befinden sich in allen Städten (oder in deren Nähe) bekannte Ausgrabungsstätten oder historische Monumente. Ich empfehle euch sehr, euch mal einen Abend Zeit zu nehmen und hierzu die Wikipedia zu durchforsten.

 

Schauen wir nun, worin die vier Karten sich unterschieden. Ich bin kein Ägyptologe, aber soweit ich recherchieren konnte, gab es mehrere Arten von Hieroglyphen, unter anderem solche, die wie eine Lautschrift gelesen werden konnten. Die exakte Recherche ist etwas schwierig, da sich die Schriftsprache über die Jahrhunderte natürlich weiterentwickelte und mit zunehmendem griechischem Einfluss z.B. auch Laute aufgenommen wurden, die in der Ägyptischen Sprache ursprünglich nicht existiert hatten, nun aber zur Darstellung der griechischen Begriffe benötigt wurden. Die LEGO Designer bedienten sich hier (vermutlich recht frei) und versteckten die Namen des jeweils dargestellten Gottes in Hieroglyphenschrift auf den Schatzkarten.

= Chnum, ein Schöpfergott, der Menschen, Tiere und Pflanzen mithilfe eines Zauberstabes zum Leben erwecken konnte, in seiner Darstellung mit Widderkopf. Der LEGO Katalog schrieb hierzu: „Khnum [sic] hat solch eine Kraft, dass er selbst einen Stein in ein Lebewesen verwandeln kann.“ Das Kreuz befindet sich laut Hörspiel bei Abu Simbel, westlich von Assuan.

= Anubis, der altägyptische Gott der Totenriten und der Mumifizierung, in seiner Darstellung mit Schakalkopf. Er begleitete und beschützte die Verstorbenen auf ihrem Weg ins Totenreich. Der LEGO Katalog schrieb hierzu etwas kindgerechter: „Anubis ist der Wachhund. Wenn er einen Schatz bewacht, kommt keiner an ihm vorbei.“ Das Kreuz befindet sich laut Hörspiel im Tal der Könige.

= Thot, der Gott des Mondes, in seiner Darstellung mit Ibiskopf. Der LEGO Katalog schrieb hierzu: „Thot kann die alten Zeichen lesen und führt Dich zu den Schätzen.“ Tatsächlich wurde er u. a. als Erfinder von Sprache und Schrift verehrt und galt als Gott der Weisheit. Allerdings saß er auch – gemeinsam mit Anubis – dem Jenseitsgericht vor und entschied, ob ein Verstorbener würdig war, in die Jenseitswelt aufgenommen zu werden. Das Hörspiel indes bleibt, was diese Karte anbelangt, vage und macht keine konkrete geografische Angabe.

= Horus, der Himmels- und Königsgott. Zunächst galten Sonne und Mond als die beiden Augen des Horus, später wurde jedoch auch er selbst mit der Sonne identifiziert. Auf der Schatzkarte sehen wir Horus in seiner Darstellung mit Falkenkopf, außerdem trägt er die Sonnenscheibe mit Uräusschlange auf der Stirn, was impliziert, dass er hier in seiner Bedeutung als Sonne auftritt. Dazu passt auch die Beschreibung des LEGO Katalogs: „Horus ist der Gott der Sonne. Es gibt nichts, durch das er nicht hindurchsehen kann.“ Das Hörspiel verortete das vierte Kreuz in die Nähe von Kairo.

Obelisken

Die Namen der vier Götter, deren Hieroglyphen auf den Schatzkarten nur sehr klein und entsprechend schwer zu entziffern waren, bildeten auch die Inschriften der vier Kartuschen auf den bedruckten 1x2x5 Steinen, die in unterschiedlicher Verteilung in allen größeren Sets vorkamen. So wurden übrigens im alten Ägypten die Namen von Göttern oder (gottgleichen) Königen tatsächlich dargestellt, wobei die Anordnung und Leserichtung der Zeichen aber variierte.

Tempelwände

Auch die Tempelwände des Sets 5988 waren reich verziert, sowohl mit Kartuschen und Hieroglyphen als auch mit größeren bildlichen Darstellungen. Betrachten wir auch diese Teile der Reihe nach und schauen, was sie uns erzählen:

Oben links neben dem Eingang wartet der Tempel mit diesem Stein auf. Wir sehen darauf unter anderem das Auge des Re, das hier für die Göttin Sopdet stehen könnte. Diese half als Schutzgöttin des verstorbenen Pharaos jenem beim Himmelsaufsteig, was im Kontext des Sets gut passen würde. Außerdem sehen wir das Anch-Kreuz, ein Symbol für das Weiterleben im Jenseits. Die blaue Kartusche lässt sich (phonetisch) als „HAINRK“ lesen – eventuell die Abkürzung für den Namen eines der Designer, denn die gelbe Kartusche enthält den Namen „NIELS“, was mit ziemlicher Sicherheit auf den oben bereits erwähnten Designer Niels Milan Pedersen anspielt, das „reale Vorbild“ für Joe Freeman. Ich finde es eine sehr schöne und amüsante Idee der Designer, sich hier auf diese Weise zu verewigen.

Der Stein rechts oberhalb des Eingangs zeigt uns eine Barke, wie sie verstorbenen Pharaonen manchmal als Grabbeigabe für den Weg durch die Unterwelt mitgegeben wurde. Außerdem sehen wir sehr prominent einen Scarabäus mit Sonnenscheibe, ein Symbol für den Gott Chepre, der für den Sonnenaufgang und somit für die Wiedergeburt stand. Der Vogel ist vermutlich eine Horusdarstellung als Falke, wobei die LEGO Version recht stark von den gängigen Darstellungen, die ich finden konnte, abweicht. Die gelbe Kartusche enthält diesmal (phonetisch) den Namen „SISSA“, die braune „GAIR“. Leider sind mir die anderen Designer der Reihe (außer Niels) nicht namentlich bekannt, sodass eine Zuordnung schwer ist. Auch konnten manche Hieroglyphen für verschiedene Laute stehen. Wer mehr hierzu weiß, äußere sich gerne in den Kommentaren – vielleicht lösen wir das Rätsel gemeinsam! Auf den beiden folgenden Panelen wiederholen sich die Namen.

Unten links neben dem Eingang zeigte uns dieses Panel Anubis sowie eine Darstellung des Pharaos. Die Anordnung links vom Eingang kann als Westen interpretiert werden: Der Westen wurde als die Heimat der Toten angesehen (hier geht die Sonne unter), der Pharao sitzt hinter dem Totengott und hält das Anch-Kreuz in der Hand, also das Symbol für das Weiterleben im Jenseits.

Dem im doppelten Sinne gegenübergestellt befindet sich rechts, also östlich des Eingangs, erneut eine Darstellung von Horus in seiner Interpretation als Sonne und somit als der Tag und das Leben. Auch das Horusauge steht für diesen Gott, aber ebenso speziell für Unversehrtheit und Gesundheit. Die sich aufbäumende Schlange (Uräusschlange) war in der Mythologie das „Transportmittel“ der Sonne, hob diese morgens in den Himmel und senkte sie abends herab.

Sarkophage

Zu guter Letzt ist auch in den Sarkophagdeckeln noch eine Botschaft versteckt, was diese m. E. ohnehin großartig gestalteten Teile noch ein bisschen besser macht. Zu Füßen des Pharaos steht ganz einfach: LEGO.


Dass LEGO Designer gerne kleine „Eastereggs“ oder lustige Botschaften in den Sets verstecken, ist ja an sich nichts Neues und kommt heute wahrscheinlich sogar noch häufiger vor als in den Neunzigerjahren. Mir sind aber nur wenige Fälle bekannt, wo dies mit so viel Liebe zu Detail getan wurde wie in den Ägypten-Sets der Adventurers. Auch die stimmige Bemalung der Tempelwände, die – nach meinem eingeschränkten Wissen zu urteilen – mythologisch wirklich halbwegs sinnvoll war, fasziniert und begeistert mich. Alles in allem macht dies neben der ohnehin gelungenen Gestaltung der Sets und Figuren die Reihe für mich zu etwas ganz Besonderem.

Marketing

Bevor wir uns ansehen, wie es mit den Adventurers weiterging und wie andere Themenwelten durch sie beeinflusst wurden, verschnaufen wir kurz und schauen (bzw. hören) uns etwas Werbung an. Hierzu zählt für mich auch das bereits oft erwähnte Hörspiel des Karussell-Verlags, „Die Jagd nach dem Pharaonenschatz“, das in Deutschland dem Set 5938 beilag und das ich euch nun nicht länger vorenthalten möchte. Ich finde, man kann es auch heute als Erwachsener noch gut hören, es war aber auf jeden Fall für Kinder eine tolle Ergänzung zu den Sets. Umso schöner, dass es in einem relativ kleinen Set enthalten und damit für eine breite Käuferschicht erschwinglich war.

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Auch diesmal kann ich euch zeigen, wie die Adventurers-Reihe im britischen Bricks’n’Pieces Magazin, der Zeitschrift des dortigen offiziellen LEGO Clubs, vorgestellt wurde – etwas überladen zwar, dafür gab es für die Kinder viel zu entdecken.

Die Adventuerers stellen sich vor. Bricks’n’Pieces Magazin, Ausgabe März/ April 1998

Die Ausgabe März/April 1998 stand aber auch über diese beiden Seiten hinaus ganz im Zeichen der Abenteurer und enthielt unter anderem folgenden Comic, der zwar kein adäquater Ersatz für das deutsche Hörspiel war, aber dennoch zusammen mit obiger Beschreibung der Charaktere eine gute Inspiration für das eigene Spielzimmer bot.

Offenbar bestand der Fluch der Mumie also darin, bis zum  Ende seiner Tage von jener schlechte Witze erzählt zu bekommen – eine grauenhafte Vorstellung! Denken wir lieber nicht weiter darüber nach und lenken uns mit etwas Shopping ab, denn natürlich gab es auch wieder Merchandise, das über den LEGO Club bestellt werden konnte.

Bestellbare Adventurers-Fanartikel in verschiedenen Ausgaben des Bricks’n’Pieces Magazins

Auf das T-Shirt bin ich ja rückblickend schon ein bisschen neidisch. Aber immerhin nenne ich den Schlüsselanhänger mit Sam Grant (a.k.a. Joe Freeman, a.k.a Johnny Thunder) Minifigur mein Eigen.

Hier sehen wir etwas, das früher öfter zu beobachten war: Das Copyright der Minifiguren (oder zumindest derjenigen für die Schlüsselanhänger) datierte teilweise deutlich vor dem eigentlichen Start der Reihe, in diesem Fall laut Aufdruck des Polybags schon 1996. Ob die Schlüsselanhänger auch bereits in diesem Jahr produziert wurden, kann ich nicht mehr zweifelsfrei nachvollziehen. Es ist aber davon auszugehen, da LEGO normalerweise das Copyright auf Basis des Produktionsjahres bzw. des Jahres der Inverkehrbringung datierte (so waren die Sets alle © 1998 oder später). Auf jeden Fall ist es interessant, dass offenbar schon mehr als zwei Jahre vor dem eigentlichen Verkaufsstart der Reihe das Design der Minifiguren feststand – ein Zeichen für die früher im Vergleich zu heute deutlich längeren Entwicklungszeiträume.

Natürlich wurde neben der Printwerbung in zielgruppenrelevanten Zeitschriften auch wieder ein Werbespot gedreht, für den erneut die dänische Werbeagentur Advance aus Kopenhagen verantwortlich war.

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Das Erbe der Abenteurer

Nachdem die Adventurers das Geheimnis um den roten Rubin gelüftet hatten, war jedoch noch lange nicht Schluss. Schließlich galt es noch andere verborgene Schätze zu heben und auch die Bösewichte mussten weiter bekämpft werden. Deshalb wurde die Reihe gleich im Folgejahr 1999 mit einem Dschungelthema fortgesetzt, im Jahr 2000 entdeckten die Abenteurer die Insel „Dino Island“ und brachen – diesmal nach einer etwas längeren Pause – im Jahre 2003 schließlich zur „Orient Expedition“ auf.

Das Dschungelthema wurde im deutschen Katalog, wie oben zu sehen, kurioserweise nur mit einem einzigen Set beworben, dem noch heute sehr begehrten „Abenteuer Zeppelin“ 5956. Dabei umfasste die Reihe viel mehr Sets, wie z.B. der amerikanische Katalog beweist (Quelle: Brickset):

Adventurers Dschungel im amerikanischen Katalog 1999, Bildquelle: Brickset

Nach diesen drei Fortsetzungen wurde es still um die Adventurers, aber keineswegs um das Abenteuer-Thema an sich: Nachdem LEGO über sechs Jahre erfolgreich die eigene Marke Adventurers aufgebaut hatte, holte man schließlich doch die Lizenz für Indiana Jones – für beide Welten parallel war im Sortiment natürlich kein Platz. Anlässlich der Veröffentlichung des vierten Films (ja Lukas), „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, erschien in den Jahren 2008 und 2009 eine Reihe von Sets, die sich allerdings bei allen Teilen der Filmreihe bedienten. Gewisse Parallelen zwischen diesen lizenzierten Sets und der Adventurers-Reihe sind unverkennbar, so kam in einem Set z.B. das gleiche spezialisierte „Fahrerkabinen“-Formteil (30149) wie schon bei den Fahrzeugen der Ägypten-Sets zum Einsatz.

Indiana Jones im deutschen Hauptkatalog 2009

Nachdem das allgemeine Interesse an Indiana Jones wieder etwas nachgelassen hatte und da kein weiterer Film in Sicht war, beschloss LEGO, im Jahre 2011 wieder lizenzfreie Abenteurersets auf den Markt zu bringen. Statt einer Fortsetzung der Adventurers entschied man sich aber für eine Art „Reboot“ des Ägypten-Themas in modernisierter Aufmachung: Pharaoh’s Quest war geboren.

Pharaoh’s Quest im niederländischen Hauptkatalog 2011

Die Anleihen bei den Adventurers-Sets waren zahlreich. Auch hier kam z.B. wieder das Monocoque 30149 zum Einsatz, das die LEGO Designer offenbar als ideal für „Abenteurer-Autos“ ansahen. Aber auch der Sarkophag, der Mumien-Kopfschmuck, die Obelisken mit Hieroglyphen, das Farbschema – das alles erinnerte doch stark an die Sets von 1998. Was die neuen Sets aber deutlich von den alten unterschied, war die Tatsache, dass sie auf  „wild und gefährlich“ getrimmt waren, was durch die Präsentationsweise im Katalog natürlich noch verstärkt wurde. Außerdem setzte Pharaoh’s Quest größtenteils auf Sticker (sogar für die 3D-Grundplatte der Pyramide), wo bei den Adventurers noch hauptsächlich Drucke vorgekommen waren. Auch versteckte Botschaften in den Hieroglyphen suchte man (bzw. zumindest ich) vergeblich.

Stickerbogen der großen Pyramide 7327 der Pharaoh’s Quest Reihe

Für mich stellte all dies eine eindeutige Verschlechterung dar und die Sets sprechen mich noch heute weniger an, aber das ist natürlich Geschmackssache. Nach Pharaoh’s Quest erschien kein klassisches Abenteurer-Thema mehr, aber es gab verwandte Themen wie Monster Fighters (2012) oder Scooby Doo (2015), die die alten Adventurers-Sets teils liebevoll zitierten.

Und hiermit kommen wir zu der abschließenden Frage, wie allgemein der Stellenwert der Adventurers-Reihe in der LEGO Historie zu bewerten ist und welchen Einfluss sie auf andere Produktreihen des Herstellers hatten. So viel darf ich bereits verraten: Der Einfluss dauert bis heute an und viele LEGO-Designer lieben die Adventurers noch immer!

Betrachten wir zunächst exemplarisch einige spezielle Teile, die für die ersten Adventurers-Sets entwickelt wurden, z.B. den Sarkophag mit Deckel.

Ein Sarg in einem LEGO Set? Das wäre Anfang der Neunzigerjahre noch undenkbar gewesen, aber nach seiner Einführung wurde speziell der untere Teil immer wieder verwendet.

So gab es bereits im Jahre 2002 ein LEGO Studios Set (1381 „Die Gruft des Vampirs“; in dieser Reihe tauchten die Adventurers übrigens mehrfach als Protagonisten auf), das einen braunen Varmpirsarg mit neuem Oberteil enthielt. Pharaoh’s Quest enthielt 2011 wieder den Original-Sarkophag in einer neuen Farbkombination und für die Monster Fighters wurde 2012 eine dritte Variante des Deckels eingeführt, die flach war und sich deshalb flexibel bedrucken ließ. Dies nutzte LEGO im Jahre 2015 für die Scooby Doo Reihe, in der der Sarg erneut in dieser Variante, aber mit anderem Aufdruck erschien. Es gab allerdings auch ein Scooby Doo Set, das wiederum den originalen Sarkophag-Deckel enthielt – hierzu gleich mehr. Bei Bricklink findet ihr übrigens alle Varianten, wenn ihr nach „coffin“ sucht.

Ein weiteres Teil, das speziell für die frühen Adventurers-Sets entwickelt worden war, ist der Pharaonen-Kopfschmuck. Nun sollte man meinen, dass ein so spezielles Teil danach allenfalls noch bei Pharaoh’s Quest vorgekommen wäre – aber weit gefehlt!

Zunächst erschien 2002 ebenfalls in der LEGO Studios Reihe eine Mumien-Minifigur (1383 „Der Fluch des Pharao“), die diesen Kopfschmuck in sandfarbener Gestaltung trug. 2010 war in der Minifiguren-Sammelserie 2 ein Pharao enthalten, für den LEGO ebenfalls auf das Teil (diesmal in goldener Farbe) zurückgriff. 2011 spendierte man dem namensgebenden Pharao aus Pharaoh’s Quest erneut den goldenen Kopfschmuck, während für die Mumienkrieger (bzw. Kriegermumien?) zwei neue Varianten in schwarz und dunkel-sandfarbener Gestaltung eingeführt wurden. 2015 erschien in der Scooby Doo Reihe eine Mumie, die wieder die goldene Variante trug, diesmal aber mit rotem statt dunkelblauem Druck. 2017 erschien im Rahmen der Minifiguren-Sammelserie zu The LEGO Batman Movie die Figur „König Tut“, die erstmals eine weiße Variante des Kopfschmucks mit goldenem Aufdruck erhielt. Und das war noch immer nicht das Ende, denn 2018 wurde im LEGO Architecture Set 21047 Las Vegas eine dritte Version der goldenen Variante, hier mit hellblauem Druck, eingeführt. Ich bin gespannt, über wie viele Farb- und Druckvarianten dieses Teils wir uns in Zukunft noch freuen dürfen – aktuell stehen wir bei zehn verschiedenen!

Aber auch über die bloße Wiederverwendung von Teilen hinaus beeinflusste die Adventurers-Reihe spätere LEGO Sets, denn nur wenige Reihen wurden so oft von den LEGO Designern zitiert – diverse Auftritte in verschiedenen Videospielen sind hier noch gar nicht berücksichtigt. Beginnen wir mit dem bereits mehrfach erwähnten Scooby Doo Set 75900 aus dem Jahre 2015 (Mummy Museum Mystery), das sowohl den originalen Sarkophagdeckel als auch den Kopfschmuck enthielt. Als ob dies nicht bereits Huldigung genug wäre, befindet sich auf der linken Säule ein Papyrus über den sagenumwobenen roten Rubin und an der rechten Säule hängt doch tatsächlich ein Foto von Joe Freeman, auf dem er genau diesen lächelnd in die Kamera hält.

Johnny Thunder, Sarkophag und Kopfschmuck im Scooby Doo Set 75900, offizielles Produktbild

Sogar auf das Filmplakat zu The LEGO Movie hat Joe Freeman bzw. Johnny Thunder es geschafft. Eigentlich sind auf dem Plakat nur die Protagonisten des Films sowie einige bekannte und damals aktuelle Minifiguren enthalten. sieht man aber genau hin, so entdeckt man rechts, etwas im Hintergrund auf einem Hochhaus stehend, unseren Lieblings-Abenteurer!

Offizielles Filmplakat zu The LEGO Movie mit Johnny Thunder Minifigur auf Hochhaus

Doch LEGO ließ es nicht beim bloßen Auftritt im Film und auf dem Plakat, sondern legte sogar eine modernisierte Version der Minifigur auf, die im Set 70815 (Raumschiff der Super-Geheimpolizei) enthalten war.

Und auch ganz kürzlich gab es mehrere Referenzen auf die Abenteurer, so zum Beispiel im großartigen Set Ninjago City Docks 70657. Hier findet man gleich zwei Eastereggs: In einer Wohnung befindet sich an der Unterseite des oberen Etagenbetts ein Autogramm, das offensichtlich von Johnny Thunder stammt. Ein Plakat an der Wand eines anderen Gebäudes wirbt ebenfalls mit einem Bild Johnnys sowie des Sets 5935 Island Hopper, das in der Dschungel-Welle vorkam und dessen Setnummer in der Telefonnummer auf dem Plakat versteckt ist. Sozusagen ein Easteregg im Easteregg. Die Übersetzung des Plakattextes lautet übrigens: „Thunder Adventure Tours“.

Eastereggs in Ninjago City Docks 70657: Autogramm und Werbeplakat

Eine noch aktuellere Referenz finden wir mit der Figur „Dschungelforscher“ aus der Minifiguren-Sammelserie 19. An wen erinnert uns dieser Herr bloß?

Abenteurer aus der Minifiguren-Sammelserie 19

Dass LEGO auf die Adventurers-Reihe stolz ist, merkt man auch bei einem Besuch im LEGOLAND: Hier gibt es eine komplette Themenwelt „Land der Pharaonen“ mit inzwischen drei Fahrgeschäften (seit 2019), die alle an die Abenteurer angelehnt sind (besonders empfehlenswert ist hier meines Erachtens, trotz des dämlichen Namens, die „Tempel X-pedition“). Auch rund um die Fahrgeschäfte herum findet man jede Menge Dekoration, die durch die alten Sets inspiriert wurde. Zusätzlich zum Land der Pharaonen gibt es noch ein weiteres Adventurers-basiertes Fahrgeschäft, die Dschungel X-pedition. Hier wurde die Ausgestaltung durch eine Mischung aus Dschungel und Dino Island inspiriert.

Anleihen und Verweise auf die Adventurers-Reihe sind im LEGOLAND Günzburg an diversen Stellen zu finden, zu keiner Themenwelt gibt es mehr Fahrgeschäfte

Abschließend lässt sich konstatieren, dass die Adventurers und speziell der Charakter Johnny Thunder nicht nur bei vielen Fans, sondern offensichtlich auch bei einigen LEGO Designern hoch im Kurs stehen – und das meiner Meinung nach zu Recht! LEGO war immer und ist auch heute noch in der Lage, großartige Sets zu gestalten und phantasievolle Geschichten zu erzählen, ohne dafür eine Lizenz heranziehen zu müssen. Ob die Wertschätzung der Reihe und die – gerade in jüngerer Vergangenheit – eingestreuten Referenzen ein Zeichen dafür sind, dass wir irgendwann ein Revival der Abenteurer erleben dürfen? Ich würde es jedenfalls begrüßen!

Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Leser Jonas ~ Turez und o2zy, deren ergänzende Anmerkungen aus den Kommentaren ich in den Artikel eingearbeitet habe.

Das war unser „kurzer“ Überblick über die LEGO Adventurers mit Fokus auf die Ägypten-Sets. Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt: Vielen Dank für euer Interesse! Nun ist eure Meinung gefragt: Sind die Adventurers zurecht eine der „legendären“ LEGO Themenwelten und würdet ihr euch über ein Comeback freuen? Waren die Ägypten-Sets besser oder schlechter als Pharaoh’s Quest bzw. fandet ihr vielleicht die Sets mit Idiana Jones Lizenz am besten? Was sagt ihr zu der merkwürdigen Vertriebsstrategie? Und ganz wichtig: Findet ihr Artikel wie diesen zu lang? Wir freuen uns auf euer Feedback im Kommentarbereich!


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Über Jens Herwig 299 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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