LEGO GBC: Einführung und Review des Buches von Christoph Ruge zu den LEGO Kugelbahnen

Es gibt eine Kategorie von MOCs, die in der öffentlichen Wahrnehmung leider recht wenig Aufmerksamkeit erfährt: Die LEGO GBC-Module. Wenn euch diese Abkürzung nichts sagt, ihr schon immer einmal etwas tiefer in das Thema einsteigen oder womöglich sogar selbst kreativ werden wolltet, so seid ihr hier genau richtig! Mit diesem Artikel möchte ich zunächst eine kurze Einführung in die “LEGO Kugelbahnen” geben und anschließend “Das LEGO Kugelbahn Handbuch” mit Infos und Anleitungen zu diesem Thema vorstellen, das vom deutschen Autor Christoph Ruge stammt. Zum Schluss gibt es sogar ein kleines Gewinnspiel, in dem wir einige Exemplare des Buches verlosen!

Vorausschicken möchte ich, dass ich selbst kein Profi in Sachen GBC, sondern nur ein enthusiastischer Fan bin, der bereits ein paar Module nachgebaut hat. Ich sehe das als Vorteil für diesen Artikel, da er so automatisch etwas einsteigerfreundlicher werden und sich nicht in technischen Details verlieren wird. “Ist die Formulierung ‘Technische Details’ bei einer Kugelbahn nicht etwas zu hoch gegriffen”, werdet ihr euch nun vielleicht fragen. Wir sollten daher als erstes klären, wofür “GBC” überhaupt steht und was man sich darunter vorzustellen hat.

Einführung

LEGO GBC: Begriffserklärung

“GBC” steht für Great Ball Contraption, was so viel wie “große, komplizierte Ball-Maschine” bedeutet. Und dieser Name fasst das, worum es geht, eigentlich schon hervorragend zusammen, denn das Ziel eines jeden GBC-Moduls ist es, kleine LEGO Fuß- bzw. Basketbälle, wie diese ab und zu in Sets vorkommen, auf möglichst interessante, komplizierte oder verrückte Weise von A nach B zu transportieren. Wie das Wort “Modul” sowie das “Great” in GBC bereits implizieren, ist es dabei idealerweise mit nur einer Maschine noch lange nicht getan. Alle Module sind vielmehr so konstruiert, dass sie miteinander verbunden, quasi hintereinander geschaltet werden können, sodass am Ende eines jeden Moduls die Bälle an das nächste weitergegeben werden.

Gemeinsam Großes erreichen

Auf Ausstellungen finden sich dann ganze Gruppen von GBC-Fans zusammen, verbinden ihre Module und erzeugen so eine große gemeinsame Maschine, welche die kleinen Bälle immer weiter im Kreis transportiert, also am Ende wieder in den Anfang übergeht. Gerade in den USA entstehen so teils riesige Anlagen, von denen viele Module rein mechanisch mit nur einem Motor, andere aber auch mit einer komplexen Mindstorms-Steuerung mit Sensoren und diversen Aktuatoren oder gar mittels Pneumatik betrieben werden. Ein im Vorfeld definierter “Mindestdurchsatz” von einem Ball pro Sekunde stellt sicher, dass kein Stau an einem zu langsamen Modul entsteht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Auch auf dem Skærbæk Fan Weekend ist es inzwischen Tradition, dass eine GBC aufgebaut wird, und Henry von der Klemmbausteinlyrik hat diese auch im letzten Jahr in einem eigenen Video verewigt, das ihr oben sehen könnt. Dies sollte euch eine Vorstellung davon geben, wie das Ganze funktioniert.

Kunst oder Technik?

Wie man im Video sehen kann, geht es den GBC-Baumeistern bei manchen Modulen primär um den technischen Aspekt, möglichst interessante und vielfältige Mechanismen für den Transport zu konstruieren. Schließlich benötigt man ja auch eine gewisse Menge von Modulen, um eine so große Anlage damit auf die Beine stellen zu können. Immer wieder finden sich aber auch Module, die wunderschön gestaltet sind (im Video z.B. die beiden Spielautomaten), mit lustigen Details aufwarten (der Fahrrad-fahrende Vader) oder aber durch ihre besondere technische Ästhetik zu beeindrucken wissen.

Der “Großmeister” in dieser letzten Kategorie, also technisch wahnwitzige Module zu bauen, die dabei auch noch elegant aussehen, ist nach einhelliger Meinung der Japaner Akiyuki.

Die Module von Akiyuki

Akiyuki, der im richtigen Leben als Ingenieur, vermutlich im Maschinenbau-Bereich, arbeitet, betreibt einen Youtube-Kanal, auf dem er seine Kreationen präsentiert. Es fällt mir schwer, für diesen Artikel einzelne Module herauszugreifen, da jedes auf seine Art großartig ist. Auch viele der im unten rezensierten Buch auftretenden Interviewpartner, die in der GBC-Szene aktiv sind, sind erst durch Akiyukis Videos auf dieses Thema aufmerksam geworden. Ich empfehle euch daher unbedingt, einmal selbst die entsprechende Playlist bei YouTube zu durchstöbern. Zwei seiner Konstruktionen möchte ich dennoch direkt als Videos hier einbinden, da sie sehr schön sowohl die Kreativität der Mechanismen als auch deren besondere Ästhetik verdeutlichen.

Bei der ersten, die ich selbst schon nachgebaut habe, handelt es sich um die Catch and Spin Robots, die 2019 veröffentlicht wurden und zu denen es sowohl eine offizielle Anleitung als auch – und das ist neu – vorkonfektionierte Teilepacks bei einem spanischen Anbieter gibt, sodass man sich die Einzelteile nicht mehr selbst zusammensuchen muss. Das Modul besteht aus 1205 Teilen und ist daher so klein und kompakt, dass es sich auch super als einzelnes Ausstellungsstück im Regal eignet.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Beim zweiten Modell handelt es sich um eine etwas neuere Konstruktion von 2021, die, was mir besonders gut gefällt, selbst so modular aufgebaut ist, dass man sie mit sehr geringem Aufwand für verschiedene Höhen anpassen kann, je nachdem, was gerade gebraucht wird. Die Rede ist von den Five Tilted Rings, zu denen ebenfalls eine offizielle Anleitung (direkt auf der Homepage), aber leider bisher kein Teilepack existiert. Dieses Modul ist mit ca. 2900 Teilen deutlich umfangreicher.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Falls ihr euch näher mit Akiyukis Modellen beschäftigen oder diese nachbauen wollt, gibt es z.B. auch im Eurobricks-Forum einen Thread, in dem viele Module, die keine offiziellen Anleitungen haben, von den Nutzern digital umgesetzt und mit kostenlosen Anleitungen versehen wurden.

Review: “Das LEGO-Kugelbahn-Handbuch”

Review Gbc Kugelbahn Handbuch Ruge Cover
Das Cover des Buches. Bildquelle: dpunkt.verlag

GBC ist was für Leute, die gerne ausprobieren. Wundere dich also nicht, wenn deine neuen Kreationen nicht auf Anhieb so funktionieren, wie du dir das gedacht hast. Irgendwo verhakt sich etwas, oder ein Mechanismus hat mehr Spiel als erwartet. Hier heißt es: probieren und verbessern! Mitunter werden die Module dann am Ende ganz anders als ursprünglich gedacht. Meine erste Modulidee ist bei heute nicht zu einem funktionsfähigen Modul geworden. Dafür habe ich jetzt zahlreiche andere Module …

Mit diesen Worten endet das Vorwort des Buches, das den Gegenstand der folgenden Rezension bilden wird, und mit genau dieser Einstellung solltet ihr auch an das Buch herangehen: mit der Lust zum Ausprobieren. Zwar werden auch einige konkrete Module gezeigt und in drei Fällen sogar eine Bauanleitung bereitgestellt – nämlich genau für diejenigen drei Module, die auf dem Einband zu sehen sind. Im Wesentlichen geht es aber um die grundlegenden Mechanismen, die dafür genutzt werden können, um kleine Bälle von A nach B zu transportieren. Die Intention des Buches ist dabei ganz offensichtlich – so viel sei bereits vorab zusammenfassend gesagt – dem Leser möglichst viele Ideen an die Hand zu geben, um eigene Modulideen damit umsetzen zu können. Da es deshalb mitunter ziemlich technisch wird, sollte man entweder ein sehr gutes Vorstellungsvermögen oder – vermutlich die bessere Lösung – gleich eine Kiste voller Technic-Teile mitbringen, mit der man im Zweifelsfall die beschriebenen Grund-Mechaniken nachbauen und so ihre Funktion besser verstehen kann.

Die wesentlichen Fakten zum Buch:

  • Titel: Das LEGO Kugelbahn Handbuch
  • Untertitel: Ideen und Techniken für eigene GBC-Module
  • Autor: Christoph Ruge
  • Verlag: dpunkt.verlag
  • Seitenanzahl: 332
  • Druck: Farbdruck, broschiert
  • ISBN: 978-3-86490-952-8
  • Preis: 29,90 Euro

Der Autor Christoph Ruge

Bevor es um den konkreten Inhalt des Buches geht, lernen wir zunächst kurz dessen Autor kennen. Der Name Christoph Ruge könnte euch bekannt vorkommen, zumindest, wenn ihr Fans von LEGO Ideas oder ganz allgemein der LEGO Weltraumsets seid. Er ist nämlich in der LEGO Szene kein Unbekannter und war unter anderem der Fandesigner, auf dessen Entwurf die LEGO Ideas 21321 Internationale Raumstation (ISS) basierte.

Bricking Bavaria 2023 Gbc Christoph Ruge
Christoph Ruge und die GBC-Gemeinschaftsanlage auf der Bricking Bavaria 2023

Auch als Buchautor trat Christoph bereits in Erscheinung, als er gemeinsam mit Henry von der Klemmbausteinlyrik, dessen Frau Hilke und Michael von Promobricks das Buch “Eigene LEGO-Modelle programmieren” verfasste. Für sein neues Werk mit dem allgemeinverständlichen Titel “Das LEGO-Kugelbahn-Handbuch: Ideen und Techniken für eigene GBC-Module” zeichnet Christoph nun allein verantwortlich, hat darin aber, wie wir nachher sehen werden, viele Mitstreiter aus der GBC-Community zu Wort kommen lassen. Gemeinsam mit diesen ist Christoph auch auf Ausstellungen wie etwa der Bricking Bavaria zu finden, weshalb er für sein Buch aus seinem praktischen Erfahrungsschatz zum Thema GBC schöpfen konnte.

Aufbau und Stil des Buches

Das LEGO Kugelbahn Handbuch ist in zehn Kapitel unterteilt, wobei die letzten drei aus Bauanleitungen und Teilelisten für die Module auf dem Cover bestehen. Ein Anhang gibt weitere nützliche Tipps, etwa zu Bestellmöglichkeiten für Einzelteile und zur Programmierung der PoweredUp-Hubs. Das Inhaltsverzeichnis haben wir euch nachfolgend eingebunden, ihr findet es neben weiteren Leseproben aber auch auf der Verlagsseite als PDF. In diesem Review werden wir uns an der Struktur des Buches orientieren.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Inhaltsverzeichnis 1

Der Leser wird in den Kapiteln oft direkt angesprochen, so als ob man sich gerade mit dem Autor unterhielte und dieser einem persönlich seine Gedanken und Tipps mitteilte. Dennoch ist der Schreibstil nicht sehr umgangssprachlich, sondern meistens recht sachlich. Das ist auch nötig, da gerade in den Kapiteln 3 – 6 eine große Menge an Informationen vermittelt wird. Zur Auflockerung und Veranschaulichung hat Christoph aber auch sehr viele Bilder angefertigt, die teilweise sogar einer Farbcodierung der Teile folgen, um die im Text beschriebenen Zusammenhänge im Bild deutlicher darzustellen. Zwischen den Kapiteln finden sich immer kurze Interviews mit verschiedenen Personen, in welchen diese sich selbst und ihre “Rolle” in der GBC-Community vorstellen sowie einige Tipps an Neueinsteiger loswerden. Ein Beispiel findet ihr oben in der Galerie mit dem Rest des Inhaltsverzeichnisses. Das Buch will ganz offensichtlich nicht nur ein Nachschlagewerk sein, sondern auch für den GBC-Gemeinschaftsgedanken werben – das wird immer wieder deutlich.

Kapitel 1 & 2: Einleitung und Grundlagen

Los geht es mit einem einleitenden Kapitel, das die Entstehungsgeschichte des GBC-Themas, einige Worte zum Gemeinschaftsgedanken und Tipps zum Einstieg vermittelt. Dabei wird immer wieder auf weiterführende Quellen Bezug genommen, die in Randnotizen dann auch konkret angegeben werden, etwa das LUGNET, in dem man noch heute den ersten Post mit der Idee zum GBC-Konzept von Steve Hassenplug finden kann, aber z.B. auch Foren und YouTube-Kanäle, die sich heute mit GBCs beschäftigen. Man bekommt so als Leser einen guten Einstiegspunkt, um sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Im folgenden Kapitel geht es um die Grundlagen, also z.B. die Regeln des GBC-Standards (Durchsatz von einem Ball pro Sekunde , standardisierte Maße, etc.), die dafür sorgen, dass die Module miteinander kompatibel sind, wenn mehrere Baumeister sich auf einer Ausstellung treffen und ihre Werke zu einer GBC verbinden möchten. Außerdem muss natürlich die Frage geklärt werden, woher man ausreichend viele Bälle bekommt, denn diese werden von LEGO zwar nach wie vor produziert, kosten aber derzeit mit fast einem Euro pro Stück zu viel, wenn man große Mengen davon benötigt. Deshalb wirft Christoph an dieser Stelle auch einen Blick über den Tellerrand hin zu kompatiblen Fremdprodukten – was aber der einzige “Ausflug” in diese Richtung bleibt.

Kapitel 3 & 4: Antriebssysteme und Getriebearten

In den nächsten Kapiteln wird es zunehmend technischer. Zunächst bietet das dritte Kapitel eine Übersicht der gängigen Antriebssysteme für die GBC-Module, was konkret bedeutet, dass alle nützlichen Komponenten wie die LEGO Motoren der verschiedenen Generationen (ab Power Functions), Umschalter, Spannungsregler, Hubs, Mindstorms-Komponenten usw. mit Bildern und einigen erklärenden Sätzen vorgestellt werden. Das bietet auch denjenigen eine sehr gute Übersicht, die andere Technic-Modelle motorisieren wollen und noch nicht so tief im Thema sind. Allerdings beschränkt sich die Übersicht auf die gängigen Systeme, also z.B. im Falle von Mindstorms ab EV3, und lässt insbesondere auch die diversen Sensoren, mit deren Hilfe sich natürlich besonders komplexe GBC-Module umsetzen lassen, komplett außen vor.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Auszug Antriebssysteme
Auszug aus Kapitel 3: Antriebssysteme. Pfeil links: Als Randnotizen werden Leseempfehlungen zu themenbezogenen Online-Quellen, aber auch zu anderen LEGO Büchern des dpunkt-Verlags gegeben. Pfeil rechts: Alle Komponenten des Kapitels werden mit LEGO Produktnummer und Bild gelistet, um sie leichter zu finden. Die meisten sind allerdings nicht mehr direkt bei LEGO erhältlich.

Stattdessen folgt auf die elektromechanischen Komponenten eine Übersicht der aktuellen Pneumatikteile von LEGO, denn auch damit werden manche GBC-Module betrieben. Die rein mechanischen Linearaktuatoren werden hingegen nicht gezeigt. Das Kapitel ist somit zwar für Einsteiger sehr nützlich, konzentriert sich aber auf die im GBC-Bereich offenbar gängigsten Komponenten und eignet sich daher nicht als “komplettes” Nachschlagewerk.

Mit dem vierten Kapitel steigt dann der Schwierigkeitsgrad plötzlich sprunghaft an. Hier werden nämlich diverse Standard-Getriebearten anhand von (gerenderten) Technic-Konstruktionen dargestellt. Damit sind nicht nur die klassischen Zahnrad-Getriebe gemeint, sondern vor allem auch solche, die z.B. mit Hilfe diverser Liftarme eine Drehbewegung (des Motors) in komplexere Bewegungen umsetzen, etwa bestimmte Kurven, Hebebewegungen, schrittweise Bewegungen usw. Das ist einerseits als Nachschlagewerk toll, da einem als Laie genau an dieser Stelle meist das Wissen fehlt, um bestimmte Abläufe mit LEGO Technic umsetzen zu können, allerdings zeigt dieses Kapitel auch knallhart die Grenzen eines Buches gegenüber anderen Publikationsformen auf: Es erfordert mitunter sehr viel Vorstellungskraft, anhand der statischen Bilder zu verstehen, wie genau die beschriebene Bewegung aussehen soll – da helfen auch die Texte und die Farbcodierung der Teile manchmal wenig weiter.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Auszug Getriebe
Beispielhafter Auszug aus Kapitel 4: Die Erklärung ist gut (zumal die Begriffe wie “Koppel” und ihre Farbcodierung vorher definiert werden), aber dennoch kann die Vorstellung, wo genau der Vorteil dieses Getriebes liegt, hier schnell an ihre Grenzen geraten.

Christoph verweist zwar am Anfang des Kapitels darauf, dass man die vorgestellten Getriebe online auch in interaktiver Form in der Digitalen Mechanismen- und Getriebebibliothek finde, allerdings zeigen Stichproben, dass nicht alle Getriebe dort leicht auffindbar und auch nicht alle mit einer brauchbaren Animation versehen sind. Außerdem verwendet die Seite natürlich z.B. Strichanimationen und greift nicht auf LEGO Elemente zurück. Hier wäre es für das Verständnis also wesentlich besser gewesen, eine eigene kleine Bibliothek mit Animationen genau der verwendeten Technic-Konstruktionen bereitzustellen und auch im Buch hätte man z.B. durch das Einzeichnen gestrichelter Linien den Bewegungsablauf besser verdeutlichen können.

Trotz dieser kleinen Schwächen bietet Kapitel 4 wohl einen großen Nutzen für all jene, die schon eine Vorstellung davon haben, welche Bewegungen die Bälle in ihrem Modul durchführen sollen, aber noch nicht wissen, wie sie diese umsetzen sollen. Zusätzlich Recherche oder ein verfügbarer Teilefundus zum sofortigen Nachbau sind zwar Voraussetzung dafür, alle gezeigten Konzepte verstehen zu können, aber genau das möchte das Buch, wie schon im Vorwort deutlich wird, ja auch erreichen: dass man die Ideen praktisch ausprobiert und damit herumexperimentiert.

Kapitel 5 & 6: Fördertechniken und Modulaufbau

Auch die folgenden Kapitel bleiben technisch. Während die Getriebe in Kapitel vier eher als “Grundlagenwissen” einzuordnen waren, geht es im fünften Kapitel darauf aufbauend um konkrete Fördertechniken, also darum, welche Mechanismen sich dazu eignen, die Bälle zu greifen bzw. auf andere Weise mitzunehmen und zu transportieren. Dies wird im Buch anhand konkreter Module mit Bildern und erklärenden Texten gezeigt. Im Gegensatz zu den Getrieben, die jeweils nur aus einigen, gut erkennbaren Teilen bestanden, sind viele der Beispiele in diesem Kapitel allerdings so komplex, dass man sie nicht ohne Weiteres auf den ersten Blick nachbauen kann. Tiefergehende Recherche und Beschäftigung mit den Modulen ist in diesen Fällen erneut unumgänglich, wobei es weiterhilft, dass Christoph die Namen der Module und ihrer Erbauer explizit nennt. Was hingegen nirgends im Buch erwähnt wird, und das finde ich völlig unverständlich, ist, dass auf der Homepage des Autors diverse YouTube-Playlists zu finden sind, in denen man z.B. die verschiedenen Fördertechniken sehen kann. Evtl. wurden diese erst nach Veröffentlichung angelegt – jedenfalls erleichtern sie das Verständnis teilweise ungemein!

Etwas eigene Recherche schadet dennoch nicht, denn manchmal findet man online sogar Bauanleitungen zu den gezeigten Modulen, etwa im Falle der “S-Capade” von John Sherman. Als Ideen-Fundus für eigene Experimente bzw. für fortgeschrittene Technic-Baumeister funktioniert das Kapitel aber auch ohne diese weiteren Informationen, denn es fasst sehr schön die Vielfalt der gängigsten GBC-Mechanismen zusammen. Manche Beispiele werden zudem durch vereinfachte Renderings zusätzlich erklärt.

Auszug aus Kapitel 5: Links das Modul “Vintage Robot” mit Hebemechanismus, rechts die vereinfachte Darstellung. Den Erbauer Hubert Rabago alias Pinwheel lernen wir später im Buch in einem der Interview-Steckbriefe kennen.

Kapitel 6 ist vielleicht das wichtigste des ganzen Buches. Unter dem Titel “Modulaufbau” wird darauf eingegangen, wie aus den diversen Einzelideen und Möglichkeiten der vorherigen Kapitel ein zusammenhängendes Modul werden kann. Natürlich macht das Buch auch hier keine konkreten Vorgaben im Sinne einer Anleitung, sondern bietet einen Fundus von Ideen, wobei der Fokus auf dem “Drumherum” liegt, etwa: Wie stelle ich einen stabilen Rahmen sicher und wie verhindere ich effektiv, dass mein Modul sich im Dauerbetrieb verhakt bzw. zu großer Verschleiß auftritt? Schließlich sollen die Module im Zusammenspiel als GBC auf einer Ausstellung im Idealfall viele Stunden störungsfrei laufen. Welche Grundregeln man dafür beim Aufbau beachten sollte, fasst Christoph hier sehr schön zusammen. Manche Tipps sind zwar für Technic-Veteranen selbstverständlich, etwa dass bewegliche Teile zwecks Leichtgängigkeit immer etwas Spiel benötigen, andere Tipps, etwa durch Ausgleichsgewichte oder Verdopplung der Mechanismen Unwuchten und damit langfristig den Verschleiß zu reduzieren, sind schon weit weniger trivial. Das Kapitel zeigt auch diverse Hilfsmechanismen, die z.B. dazu dienen, Bälle kontrolliert (einzeln) zu übergeben oder Fehler im Betrieb zu verhindern. Da es sich bei den GBC-Modulen teilweise um recht komplexe Mechanismen handelt, lohnt es sich, über solche Aspekte nachzudenken.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Auszug Modulaufbau
Die erste Doppelseite des Kapitels 6, “Modulaufbau” inkl. kleinem Photoshop-Malheur, das es sogar ins gedruckte Buch geschafft hat. Links seht ihr von oben nach unten die wesentlichen Komponenten des Moduls “The Ring”, zu dem das Buch auch eine Anleitung enthält: Vereinzeler mit Ball-Rührer, Ablauframpe zur Weiterleitung ans nächste Modul, Antriebseinheit für das Schöpfrad sowie das Schöpfrad selbst.

Kapitel 7: Ausstellungen

Hat man einmal einige Module zusammen, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man diese auch in eine größere Anlage integrieren möchte, und deshalb beschäftigt sich das letzte reguläre Kapitel mit den Gepflogenheiten und praktischen Tipps zu GBC-Ausstellungen. Wer bringt etwa die Bälle für die Anlage mit, wie sorgt man dafür, dass bei Problemen mit einem Modul nicht die ganze Anlage stillstehen muss, und wie macht man den Besuchern schon durch den Aufbau subtil klar, dass sie bitte nur mit den Augen schauen sollen und verhindert gleichzeitig, dass vom Tisch rollende Bälle eine Verletzungsgefahr durch Ausrutschen darstellen? Solche Fragen werden hier thematisiert.

Kapitel 8 – 10: Bauanleitungen

Wie aus den obigen Zusammenfassungen hervorgeht, stellt das Buch ein überaus brauchbares Nachschlagewerk für Ideen dar, aber durch die mitunter technisch recht kompliziert wirkenden Themen empfindet man als Leser die Hürde, um selbst mit dem Bau von Modulen loszulegen, dennoch als hoch. Genau deshalb war es wichtig und richtig, einige konkrete Bauanleitungen bereitzustellen, was in den Kapiteln 8 – 10 geschieht. Mit zunehmender Komplexität werden hier Christophs Module “Dragon’s Neck” (ein einfaches Förderband im Drachenkopf-Design), “High Speed Pursuit” (ein kompakter Stufenförderer, von dem sich viele Exemplare hintereinander schalten lassen) und “The Ring” (ein Schöpfrad) vorgestellt.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Module Mit Anleitungen

Dabei kommen diverse Techniken zum Einsatz, die vorher im Buch beschrieben wurden, was zum Verständnis beiträgt und die Hemmschwelle herabsetzt, sich auch einmal an den anderen Mechanismen zu versuchen. Die Anleitungen sind dabei übersichtlich und nachvollziehbar gestaltet, auch die Stücklisten werden sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form zum Einlesen, etwa bei BrickLink, bereitgestellt. Gerade das letzte Modul ist interessant, da es neben dem eigentlichen Fördermechanismus, wie oben schon gezeigt, auch einen Vereinzeler sowie diverse konstruktive Schutzmaßnahmen enthält, die eine Beschädigung des Moduls durch Störungen verhindern sollen. Nach Fertigstellung des jeweiligen Moduls sind außerdem immer einige Hinweise zu dessen Inbetriebnahme aufgeführt.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Auszug Anleitung
Auszug aus Kapitel 9, also der Anleitung zum Modul “High Speed Pursuit”. Links die letzten beiden Bauschritte (neue Teile werden rot umrandet dargestellt), rechts die Hinweise zur Inbetriebnahme.

Für den Antrieb verwendet Christoph PoweredUp-Motoren, deren Programmierung im anschließend folgenden Anhang kurz erläutert wird. Ein Umrüsten auf ältere “Power Functions”-Motoren zwecks Betrieb mit Eisenbahn-Fahrregler ist aber natürlich möglich. Apropos Anhang: Dort findet man auch drei weitere kleine Bauanleitungen für “nützliche Helfer”, nämlich einen Ballbehälter, ein Werkzeug zum Aufsammeln von schwer erreichbaren Bällen und – als kleines Technic-Schmankerl zum Abschluss – einen Drehrichtungsgleichrichter, der verhindert, dass ein Modul durch einen verkehrt herum drehenden Motor Schaden nehmen kann.

Fazit

Betrachtet man die am Anfang des Artikels gezeigten Module von Akiyuki, so ist man zwar davon fasziniert, aber gleichzeitig legen sie die Messlatte für eigene Module unrealistisch hoch. Dass man auch mit etwas konventionelleren Mechanismen und Ideen tolle, vielfältige Module zaubern kann, zeigt “Das LEGO Kugelbahnhandbuch” von Christoph Ruge auf nahezu perfekte Weise, soweit dies im Rahmen eines Buches mangels bewegter Bilder überhaupt möglich ist. Wer sich an das Thema GBC aktiv herantrauen möchte, findet hier – gerade auch im Zusammenspiel mit den leider etwas zu gut versteckten Zusatzinfos auf der Homepage des Autors – eine große Fülle an Ideen und konkreten Umsetzungs-Ansätzen, mittels derer man selbst kreativ werden kann. Auch der Community-Gedanke wird durch die eingestreuten Interviews und die immer wieder zu findenden Verweise auf Foren und konkrete Personen deutlich herausgestellt und man wird als Leser dazu animiert, sich im Zweifelsfall auf diesem Wege weitere Tipps zu holen, wenn etwas nicht klappt.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist, dass eine eigene, auf die im Buch gezeigten Getriebe zugeschnittene Sammlung von Animationen oder wenigstens eine schematische Darstellung von deren Bewegungsabläufen das vierte Kapitel wesentlich verständlicher gemacht hätten. Perfekt wäre natürlich auch eine Stückliste gewesen, in der alle für die Beispiele verwendeten Teile zu finden sind. Auch wünscht man sich an der einen oder anderen Stelle etwas weitergehende Erklärungen oder ein für das Verständnis des Gelesenen wichtiges Bild ist erst nach dem Umblättern auf die nächste Seite zu finden – das ist aber Jammern auf hohem Niveau, zumal man, wenn man ernsthaft in das Thema GBC einsteigen möchte, um das praktische Herumprobieren sowieso nicht umhinkommt, wie das Buch auch immer wieder betont. Und genau dabei – und sei es nur als Stichwortgeber für eigene Recherchen zu auftretenden Problemen – kann einem das LEGO Kugelbahn Handbuch ungemein weiterhelfen.

Gewinnspiel

Update (4. April): Das Gewinnspiel ist vorbei und wir haben die Gewinner unter den gültigen Kommentaren ausgelost! Gewonnen haben:

  • Bernd
  • Johannes
  • Silvia

Ihr bekommt heute noch eine E-Mail von uns! 🙂


Wie ihr wisst, legen wir bei StoneWars großen Wert darauf, unsere Rezensionsexemplare für Set- und sonstige Reviews selbst zu kaufen – das haben wir auch diesmal wieder getan und das Buch zunächst in Papierform gekauft und “durchgearbeitet”. Da wir allerdings zur Arbeitserleichterung für den Artikel gerne auch eine PDF-Version haben wollten und ohnehin noch eine Frage hatten, nahmen wir Kontakt mit dem dpunkt-Verlag auf, wo man uns überaus freundlich weiterhalf. Unter anderem bot man uns an, einige Verlosungsexemplare des Buches zur Verfügung zu stellen, was wir für euch gerne angenommen haben.

Review Kugelbahn Handbuch Ruge Gewinnspiel

Ihr könnt deshalb, wenn ihr nun Lust auf “Das LEGO Kugelbahn Handbuch” von Christoph Ruge bekommen habt, an unserem Gewinnspiel teilnehmen und eines von insgesamt drei Exemplaren des Titels gewinnen! Alles, was ihr dafür tun müsst, ist Folgendes:

Verfasst einen Kommentar unter diesem Artikel, in dem das Wort “Gewinnspiel” vorkommt. Erklärt darin, warum euch das Thema GBC interessiert, wo ihr evtl. schon einmal – zum Beispiel auf einer Ausstellung – damit in Berührung gekommen seid und welches Modul euch besonders gefällt – am besten mit Angabe einer frei verfügbaren Quelle, wo auch andere sich das Modul ansehen können. So sammeln wir auf diese Weise gleich noch einige “Geheimtipps” und können uns gemeinsam an der Vielfalt der GBC-Module erfreuen!

Wir danken dem Team vom dpunkt-Verlag für die Bereitstellung der Verlosungsexemplare! Alle Infos zum Buch, auch zu den digitalen Versionen, findet ihr übrigens auf der Verlagsseite. Dort könnt ihr das Buch auch direkt erwerben. Wenn ihr unsere Arbeit mit eurem Kauf unterstützen wollt, erhaltet ihr das Buch aber natürlich auch über unseren Affiliate-Link bei Amazon:

*Partnerlinks (Werbung), Preise zuletzt am 17.06.2024 aktualisiert

Die uns zur Verfügung gestellten Exemplare verlosen wir drei Tage nach Veröffentlichung dieses Artikels unter allen Kommentaren, die die oben genannten Voraussetzungen erfüllen. Die Einsendefrist eurer Kommentare für das Gewinnspiel endet daher am 01.04.2023, um 23:59 Uhr. Spätere Einsendungen können wir leider nicht mehr berücksichtigen. Der Versand erfolgt nach der Auslosung und Klärung der Adressdaten mit den Gewinnern. Die Gewinner werden im Abschnitt “Gewinnspiel” dieses Beitrags als stilles Update ergänzt und per E-Mail benachrichtigt. Außerdem gelten unsere üblichen Gewinnspiel-Bedingungen, die ihr schon aus unserem Adventskalender kennt und im nachfolgenden, zugeklappten Bereich nachlesen könnt.

Klick öffnet: Weitere Hinweise zum Gewinnspiel

Wir erlauben nur eine Teilnahme pro Haushalt. Stellen wir einen Betrugsversuch fest, so wird der Teilnehmer ohne Vorwarnung vom Gewinnspiel ausgeschlossen – bleibt also bitte fair. Verwendet bitte unbedingt eine gültige E-Mail-Adresse, die ihr regelmäßig prüft, damit wir euch im Falle eines Gewinnes kontaktieren können. Wir nutzen diese Adresse ausschließlich, um euch über einen Gewinn zu informieren! Teilnehmen darf nur, wer seinen Wohnsitz in Europa hat – ein Versand auf andere Kontinente ist nicht möglich.

Habt ihr durch diesen Artikel Interesse an Christophs Buch oder ganz allgemein am Thema GBC bekommen? Dann tauscht euch gerne in den Kommentaren aus, etwa zu besonders tollen Modulen, die ihr gefunden habt oder zu Ausstellungen, auf denen euch die GBC-Anlage besonders beeindruckt hat. Und wenn ihr mögt, nehmt dabei doch auch gleich an unserem Gewinnspiel teil!

Hinweis: Dieser Beitrag enthält sogenannte Affiliatelinks zu Online-Shops (z.B. LEGO, Amazon, eBay oder Alternate) und ist daher als „enthält Werbung“ gekennzeichnet. Wenn ihr einen dieser Links nutzt und anschließend im verlinkten Shop einkauft, bekommen wir dafür eine Provision vom Händler. Damit unterstützt ihr also StoneWars.de (mehr dazu hier) und ermöglicht es uns, frei von Bannerwerbung und bezahlten Inhalten zu bleiben. Vielen Dank dafür!

Über Jens Herwig 555 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
guest
44 Kommentare
Ältester
Neuester Bestbewertet
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare