Uns’re Bucht soll schöner werden: Ergänzungen an der 21322 Pirates of Barracuda Bay

„Wenn dir was am Set nicht gefällt, bau es halt um – ist doch LEGO!“, liest man regelmäßig in den Kommentarspalten von LEGO Neuvorstellungen oder Rezensionen. So sehr der Satz gern mal an berechtigter Kritik an der Qualität eines Sets vorbeigeht, enthält er natürlich einen wahren Kern. Doch wo holt sich der geneigte AFOL Inspirationen für sogenannte MODs, also Modifikationen an offiziellen Sets? Und lässt sich ein beliebtes Set überhaupt noch verbessern? Heute möchte ich mit euch die Veränderungen, die ich am Set 21322 Piraten der Barracuda-Bucht vorgenommen habe, aus der Nähe betrachten und diskutieren.

Wie ich schon in meinem vorherigen Artikel über den MOC-Bau „Blauröcke-Festung“ schrieb, war für mich das Erscheinen der 21322 Piraten der Barracuda-Bucht im April 2020 ein tatsächlicher Höhepunkt des Jahres – auch an dieser Stelle sei euch noch einmal Jens‘ lesenswerte Review zu dem Set ans Herz gelegt. Von der nostalgischen Verpackung über die liebevolle Reminiszenz an die originale 6285 Black Seas Barracuda bis hin zur innovativen Idee, aus dem gekenterten Schiff in wenigen Schritten wieder ein seetüchtiges Boot herzustellen – all das hat mich begeistert und schon vor dem Erscheinen bzw. bevor ich das Set in der Hand hatte (einer meiner wenigen Käufe direkt am Erscheinungstag) Interviews mit den Designern, Reviews und die Set-Infos verschlingen lassen.

Trotzdem wurde beim Erscheinen der ersten Bilder auch Kritik laut, die ich grundsätzlich nachvollziehen kann. Neben dem häufig bei Ideas-Sets zu hörenden Vorwurf, das Set sei farblich und auch im Aufbau viel zu weit vom Entwurf entfernt, gab es auch allgemeine Kritik an den zu knalligen Farben, sei es die Übernahme des gelben Hecks aus der alten Barracuda, seien es die azurblauen Wasserplatten, die manche mit der Friends-Reihe assoziierten.

Für mich war schnell klar, dass ich dieses Set – eines der größten und teuersten modernen Sets, die ich überhaupt besitze – gern länger ausstellen möchte, es auch nicht sakrosankt sein soll, sondern von meiner sechsjährigen Tochter bespielt werden darf. Und für mich war es überhaupt kein Widerspruch, dass meine nostalgischen Gefühle (ich habe als Kind Anfang der 90er Jahre einige Sets der sagenumwobenen ersten Piratenwelle bekommen und besitze sie noch heute – auch wenn es die großen Sets, sei es die alte Barracuda oder das Gouverneuskastell, nie in mein Kinderzimmer geschafft haben) die Bucht auf den Rang des schönsten LEGO Sets der letzten Zeit erhoben haben – und mir trotzdem nicht jede ästhetische Entscheidung der Designer gefällt. Folgende Veränderungen hatte ich mir bald nach dem Bau in den Kopf gesetzt:

  • Die farbintensiveren Abschnitte – das Gelb am Heck und an der Galionsfigur, das Weiß um die Stückpforten herum – sollten etwas gedeckter und gealterter erscheinen.
  • Die Segel sollten nicht so formschön aufgerollt sein, sondern schön zerfetzt von den Masten hängen.
  • Die Bretter- und Bruchbuden-Optik der Originalidee, die stellenweise auch im fertigen Set vorkommt, sollte sich mehr durchziehen, indem Fenster und andere Bereiche stärker „verrammelt“ werden, um den Elementen zu trotzen.
  • Bricky_Bricks Einreichung bestand weniger aus Schiffsteilen und mehr aus Hütten, die scheinbar aus den Brettern der auf Grund gelaufenen Barracuda zusammengesetzt wurden. Insofern sollte zusätzlicher und überdachter Wohnraum für die Piraten entstehen.
  • Das Meer sollte zu einer mit transparenten Fliesen gestalteten Fläche verschiedener Wassertiefe werden und sich damit dem von mir gebauten Eldorado-MOC angleichen.
  • Zum Schluss soll das ganze Modell heimelig beleuchtet werden.
Hinweis: Da der Umbau der Barracuda-Bucht und die Vollendung der Eldorado-Festung zu einer ähnlichen Zeit stattfanden und zudem gemeinsam ausgestellt werden sollten, lassen sich gewisse Überschneidungen mit meinem MOC-Artikel „Ein Eldorado für Piraten“ nicht vermeiden, da man beide Texte auch unabhängig voneinander lesen können soll. Vereinzelte Dopplungen bitte ich insofern zu entschludigen.

Sprudelnde Quellen der Inspiration

Neben meinen eigenen Ideen habe ich auch verfolgt, welche Umbauüberlegungen die Community so geäußert hat. Im Vorstellungsartikel zum 21322 Piraten der Barracuda Bucht-Set gibt es allein 506 (!) Kommentare und einige spannende Ideen, etwa zu Farbanpassungen. In der BrickLink-Galerie entdeckte ich einen Vorschlag, wie die eher offenen Bereiche des Sets weiter verkleidet werden könnten (leider wurde dieser Beitrag auf „For display only“ gesetzt, weil MODs bestehender Sets als „lizensierte Ideen“ in der BrickLink-Galerie angesehen werde, was mich ehrlich gesagt frustriert). Auf YouTube demonstrierte der Nutzer MOC YOUR BRICKs kurz nach Erscheinen des Sets, wie man das Schiff erweitern kann, wenn man mal locker zwei Sets zusammenlegt.

Ein schier nicht enden wollender Strom von Ideen war aber tatsächlich die Piraten-Community auf Eurobricks, die seit dem Ideas-Entwurf zu neuem Leben erwachte. Der Thread „Modding the Barracuda“ ist 25 Seiten lang und vereint großartige Ideen, was andere Nutzerinnen mit dem Set angestellt haben, da wurden Renderings, Fotos und ganze Stud.io-Dateien hin und her getauscht, dass es eine Freude war. Für mich kommen da die schönsten Aspekte der AFOL-Community zusammen – wenig Streit, viel Kreativität und Kameradschaftlichkeit. Am Ende entsteht daraus ein richtiges Buffet, aus dem man sich je nach Größe des Geldbeutels, eigener Kreativität und verfügbarer Zeit Ideen herauspicken und diese weiterentwickeln kann. Und genau das habe ich in den folgenden Monaten getan.

Kleiner Farbtausch

Hinweis: Für alle kommenden Bilder muss ich darauf hinweisen, dass ich trotz mehrerer Feudel-Einsätze nicht für Staubfreiheit garantieren kann und durch die Beleuchtung sowie die Bespielung durch im Haushalt freilaufende Kinder möglicherweise nicht jeder Stein perfekt angedrückt ist.

Die Farbpalette der gestrandeten Barracuda orientiert sich an dem Originalset aus dem Jahr 1989: Der dunkle Schiffsrumpf wird durch weiße Akzente neben den Stückpforten sowie gelbe Bereiche an Bug (inklusive der Galionsfigur) und Heck farblich aufgelockert. Mir gefiel diese Farbwahl nicht so gut. In der beschränkten Farbauswahl der 80er und 90er Jahre stand für mich und meine kindliche Fantasie die gelbe Galionsfigur immer für Gold – vielleicht unbewusst geprägt durch einen wenige Jahre früher gedrehten Film von Roman Polanski. Mittlerweile gibt es aber Gold in der LEGO Farbpalette, und überhaupt war mir das Weiß ein wenig zu strahlend und auch das Gelb zu makellos, als dass es zu der Geschichte gepasst hätte, dass hier ein Schiff jahrelang auf einer karibische Insel und dem Einfluss der Elemente trotzdend gelegen hätte.

Die weißen Slopes ließen sich problemlos ersetzen, sowohl die ein als auch zwei Noppen breite Variante gibt es in Tan. Als Ersatz für das Gelb gab es mehrere Optionen, so schlug Jonas unter dem Vorstellungsartikel des Ideas-Sets spontan Dunkelgrau, Hellgrau, Weiß und Schwarz sowie Reddish Brown vor. Mir gefiel die Idee einer entsättigten Farbe, die vielleicht sogar zu den Stückpforten und Segeln passen würde, und so stieß ich auf Dark Red, für die es nahezu alle benötigten Steine gab. Die Soft Axles existieren nicht in dieser Farbe, hier hatte ich mich aber schnell auf Pearl Gold festgelegt, denn meine Piraten sollten ihre Reichtümer aus besseren Tagen in eine ordentliche Ladung Blattgold für ihren Bugspriet investiert haben. Als Figur konnte ich großenteils den „Fliegenden Krieger“ aus der Sammelfigurenserie 15 verwenden, erweitert um ein paar goldene Teile des Hogwarts-Architekten aus dem 2019er Adventskalender. Einen kleinen optischen Bruch gibt es mit dem schwarzen „Rock“ an ihrem Unterkörper, der sich für mich aber ganz gut mit der Bootsfarbe mischt. (Die Figur hält eigentlich auch noch einen goldenen Dreizack in den Händen, wurde kurz vor den Fotoaufnahmen aber offensichtlich entwendet – vielleicht von den vorwitzigen City-Äffchen.)

Zeit zum Segel-Streichen

Ich war begeistert, dass das Ideas-Set ohne Sticker und sogar mit großen Stoffsegeln ausgestattet war. Dass die Piraten sie ordentlich eingerollt am Mast lassen und jederzeit bereit zum Ablegen sind, bricht zumindest mit einigen Klischees, mir aber fehlte ein wenig die Dramatik, die im Comic der Setanleitung ja behauptet wird: Ein schrecklicher Sturm, gerissene Taue, zerbrochene Planken – und schrecklich zerschlissene Segel, die selbst einer Silent Mary aus dem „Fluch der Karibik“ das Fürchten lehren würden …

So begann ich zu überlegen, mir einfach die Segel aus dem entsprechenden LEGO Set bei BrickLink zu bestellen – erstaunlicherweise sind sowohl das schmale als auch das breite Segel zu bezahlbaren Kursen bei deutschen Händler:innen verfügbar. Allerdings: Würden die Abmessungen passen, und gefallen mir die sandfarbenen Segel wirklich? Die löchrige Ästhetik dagegen hatte es mir angetan, sie verströmt diesen klassischen LEGO Vibe von Abstraktion, die trotzdem klar macht, was gemeint ist – und erinnert mich an das kleine Floßsegel aus dem Set 70410 Soldaten-Wachposten mit Piratenfloß.

Aufgrund der guten Scans der „Silent Mary“-Segel auf BrickLink entschied ich mich, mir eine Chimäre aus den Barracuda-Segeln und denen von Capitán Armando Salazar zu basteln. Also habe ich die Scans in Adobe Illustrator vektorisiert und anschließend in InDesign weiterbearbeitet: Ich habe die Segelgrößen auf die Masten der Barracuda angepasst und dann die Streifen darübergelegt. Entstanden ist ein PDF für die Vor- und sogar die Rückseiten (eine Verbesserung zu den mitgelieferten einseitig bedruckten Segeln), das man einfach auf Papier, Leinwand oder (entsprechende Drucker vorausgesetzt) Stoff drucken kann – und das man sich hier kostenlos herunterladen kann. (Es gibt außerdem ein weiteres PDF, das die originalen, nicht-zerschlissenen Segel sowie Varianten mit einem weißen und schwarzen Totenkopf darauf, die es in der LEGO Piraten-Geschichte ja auch regelmäßig als Segelmotive gab.)

Wer die Kosten nicht scheut, kann sich eine (einseitig) auf Stoff gedruckte und mit Lasern zugeschnitte Variante dieser Segel auch in diesem amerikanischen ebay-Shop kaufen; auf meinen hier gezeigten Bildern verwende ich auch diese Segel, vorher hatte ich mit der Nagelschere ausgeschnittene Papier-Prototypen eingesetzt. (Offenlegung: Ich bekomme eine kleine Provision von dem Segelhersteller, wenn ein Exemplar der Segel gekauft wird, da er meine vorbereiteten Grafiken verwendet hat.)

Ein bisschen mehr Piratsphäre, bitte!

Im Oktober 2020 stieß ich dann im erwähnten Eurobricks-Forum über einen Beitrag, der mich sehr begeistert hat, weil er deutlich machte, wie man mit einer stilistischen Fortschreibung der Bucht einige der offenen „Puppenstuben“ verschließen und das Set abrunden könnte. Ein italienischer Nutzer mit dem Pseudonym Elusys Ra Arwal, der das fertige Ideas-Set nur anhand der Promofotos digital nachgebaut hatte und schon Ende März 2020 (!), also vor Erscheinen des Sets, erste Vorschläge machte, wie sich die baufällige, vernagelte Ästhetik weiter durch das Set ziehen könnte, veröffentlichte digitale Renderings und eine Stud.io-Datei, die eine zusätzliche Verkleidung zahlreicher Stellen des Originalsets ermöglichte. Und wenn ich wie bekannt gebranntes Kind mit MOC-Anleitungen bin – diese Datei hier war ein Traum. Obwohl ausschließlich digital gebaut, ließen sich die Ergänzungen problemlos und stabil dazubauen, die Datei war übersichtlich strukturiert – und die Veränderungen wurden sogar sehr klug reversibel vorgenommen, eigentlich wird alles eingeklippt. Dafür werden im Original offen gebliebene Technic-Steine verwendet oder unter der Rehling Cliphalter angesetzt, die dann mehrere kleine Anbauten tragen.

Pirate Bay Mod 35Pirate Bay Mod 34
Pirate Bay Mod 37Pirate Bay Mod 36

Ganz ehrlich: Ich kann völlig nachvollziehen, wenn jemandem diese komplettierte Ausstattung überladen oder optisch zu hektisch aussieht. Ich persönlich kann jedoch nicht mehr das normale Set anschauen, ohne dass es mir nackt vorkommt. Besonders gefällt mir der komplette Verschluss des Schlafbereiches im mittleren Schiffsrumpf, den man aber noch entspannt mit einer Holzmarkise lüften kann, sowie der kleine Balkon, der an die Kombüse im Heck angedockt ist – beide Elemente verschließen die „abgeschnittenen“ Formteile mit ihren Technic-Löchern. Nicht minder mag ich aber auch die teils vernagelten Stückpforten, aus denen in besseren Zeiten Kanonen herauslugten und denen man ansieht, wie die Piraten sie eilig zugenagelt haben, um die tropischen Stürme aus ihrer Unterkunft herauszuhalten.

Für die Anbauten wurden einfache Konstruktionen mit z.B. Brick, Modified 2 x 2 with Pin sowie Slopes und Curved Slopes verwendet, um die Geometrie der reddish-brown Formteile nachzuahmen, und dann kamen vergleichbar zur Konstruktion der BrickHeadz zahlreiche Steine mit seitlichen Noppen dazu, um Fliesen in schönstem Bretterbuden-Stil anzubringen. Die Stückpforten-Verschlüsse sind recht lawede Rahmen, die durch die angebrachten Fliesen eine ausreichende Stabilität erhalten und mit Clips an Plate, Modified 1 x 2 with Bar Handle on End befestigt sind, die wie bereits erwähnt einfach zwischen der Rehling dazugekommen sind. An diesen Rahmen befinden sich dann an den Heck- und Bug-seitigen „Enden“ der Schiffsteile noch einmal dreieckige Holzkonstruktionen, die auch diesen Teilen etwas mehr Zusammengenageltes geben – verbunden sind sie mit Clips, die sich gegenseitig an einer Bar festhalten. (Und das klingt jetzt wie die Hinführung zu einem ganz blöden LEGO Witz …)

Ich will auch noch auf ein kleines, simples, aber erstaunlich wirkungsvolles Element hinweisen: Zwischen Bug- und Heckteil, wo im Original das pinke Hausschwein seine Runde dreht, wurde noch ein Lagerfeuer hinzugefügt – ein naheliegendes Detail, über dem man sich aber gut einen Fisch oder ein Stück Schinken braten kann und das spätestens ab dem Beleuchten noch ein zusätzlicher Blickfang wird.

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Was mir an Bricky_Bricks Originalentwurf gefiel, war die Mischung aus Schiffsteilen und Dorf-Infrastruktur, also den Treppen und Hütten – vieles davon ist auch im fertigen Set gelandet, und doch hat mich die Abwesenheit von Dächern etwas gestört, immerhin sind Dachschrägen gegen Regen die beste Erfindung seit geschnittenem Brot. Im obigen Abschnitt habe ich verschwiegen, dass Elusys Ra Arwal in seinem Ergänzungsentwurf bereits eine Hütte konzipiert hatte, die achtern auf dem Heckabschnitt des Schiffes thronte. Die gefiel mir so gut, dass ich eine weitere Bretterbude vor den Großmast setzen wollte – also auf den Mittelteil, der mit der Plate, Modified 8 x 8 with Grille besonders ungeschützt vor Regen wirkt, und ausgerechnet darunter liegen ja die Schlafkabinen!

Für dieses kleine Häuschen wollte ich eine etwas geschlossenere Form finden, und weil dieser Artikel ja vor allem zeigen soll, wie man mit wenig Eigenkrativität zu Ergebnissen kommt, habe ich mich bei einem weiteren Modell vom Eurobricks-Nutzer Elusys Ra Arwal bedient: einer sehr freien Neuinterpretation von 6270 Forbidden Island (Pirateninsel). Da gefiel mir das kleine Piratenhäuschen sehr gut – allerdings musste ich es um ein paar Noppen schrumpfen, damit es den vorhandenen freien Raum in der Bucht optimal ausnutzt. Ich konnte es allerdings so umsetzen, dass man weiterhin an das Innenleben des Schiffsrumpfes von oben herankommt, indem man 8×8 Platte und Teile des Hauses auf einmal abnimmt. Das verbaute Dach liegt stabil, aber ohne feste Verbindungen auf.

Nun gibt es also zwei zusätzliche Rückzugsräume für die Piraten, an denen sie ungestört von Kombüsendämpfen und schnarchenden Kollegen ihre nächsten Pläne schmieden können.

Ein Ozean aus Fliesen

Wie ich schon im vorherigen MOC-Artikel schrieb, bin ich nicht der größte Fan der azurblauen Dreiecksplatten. Die transparenten dunkelblauen Fliesen gibt es regelmäßig in der „Pick-a-Brick“-Wand der LEGO Stores und damit deutlich kostengünstiger als die hellblauen, die in der Ninjago-City-Baureihe verbaut werden – und das sattblaue Wasser gefällt mir für die Tiefen der Karibik gar nicht schlecht, zumal sich die unterschiedlichen Wassertiefe mit einer Zwischenebene aus weißen, sandfarbenen, hellgrauen und schließlich blauen Platten leicht erzeugen lassen (auch diesen Kniff kennt man aus den großen Ninjago-Sets).

Um die abfallende Unterwasserlandschaft möglichst konsequent zu gestalten (wenn auch vielleicht sehr logisch, aber im Endresultat fällt es mir gar nicht negativ auf), habe ich die Piratenbucht in Stud.io hineingeladen und nur die ersten paar Lagen Steine liegen lassen. Dann habe ich jede Noppe, die vom Originalaufbau angekratzt wird – sei es durch eine gerundete Sandbank, einen im Wasser liegenden Stein o.ä. – mit weißen Platten unterlegt; mit den transparenten dunkelblauen Fliesen sehen diese dann hellblau aus. Von dort aus habe ich dann zwei Noppen breit „dunklere“ Farben angelegt – erst Tan (was einen ganz hübschen grün-blauen Stich gibt), dann Hellgrau für einen halbdunklen Übergang und schließlich ein ganz normales Blau, das mit den transparenten Fliesen zu einer schönen, spiegelnd-tiefen Farbe führt. (Auch hier hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass es nichts im Internet nicht gibt: Bei Eurobricks gibt es einen Thread, in dem verschiedenfarbige transparente Fliesen auf verschiedenen Untergrundfarben dargestellt werden, sodass man schon mögliche Kombinationen vorab abschätzen kann, bevor man sich mehrere tausend Fliesen abfüllen lässt …)

Beim Fliesenlegen (einer meditativen Tätigkeit, die sich wohl nur mit dem Bau eines LEGO Art-Sets vergleichen lässt) habe ich mich übrigens entschieden, dass die Teile nicht tabellenartig in Reih und Glied, sondern jeweils um eine Noppe versetzt platziert werden; sicherlich Geschmackssache. Jede zweite Fliesenreihe wird daher mit einer durchsichtigen dunkelblauen Käseecke abgeschlossen – wenn die 1×1 Fliesen in derselben Farbe nicht so teuer und selten wären (weil zuletzt 2005 in drei Factory-Sets verbaut), hätte ich auch diese verwendet. Auch Stellen, bei denen sich der 1×2-Fliesen-Rhythmus nicht ausging, habe ich mit den Käseecken als leichten Wellengang etwas getrickst. Die Koi-Karpfen musste ich, wenn auch biotopisch nicht ganz korrekt, natürlich auch einbauen, und trotz der anderen Fliesenfarbe mischen sie sich ganz gut hinein.

Bei den Baseplates habe ich wie bei der Eldorado-Festung zwei 48 x 48 hellgraue Grundplatten verbaut, die haargenau auf ein in die Breite gekipptes Ikea KALLAX-Regals mit 2 x 4 Fächern passen.

Mehr Licht!

Original-Set und erweiterte Bucht bieten sich in meinen Augen sehr zum Beleuchten an und werden dadurch noch etwas sagenumwobener – gerade nachts, denn tagsüber hat man von ein paar glühenden LEDs nicht viel.

Mit dem entsprechenden Know-how kann man sich (zum Beispiel angeleitet von Tobias in seinem DIY-Beleuchtungsartikel) maßgeschneidert feinste Drähte und kleinste Lämpchen zusammenlöten und an einen Arduino zur Steuerung hängen. Für Normalsterbliche gibt es aber auch die Möglichkeit, vorkonfektionierte Beleuchtungskits zu bestellen, etwa beim chinesischen Hersteller Lighttailing – über besonders gute Rabattaktionen in diesem Shop berichtet StoneWars auch gelegentlich.

Dort habe ich mir zwei Beleuchtungssets von BRIKSMAX für die Barracuda Bay eingedeckt (aber nicht allein für dieses Set, sondern auch das Eldorado-MOC verwendet). Dieses Set bietet eine recht breite Auswahl von Punktlichtern, Fernbedienung, RGB-Streifen usw., beleuchtet das kleine Gefängnis aber „gruselig grün“ und setzt wilde eisblaue Punktlichter mitten auf die Meeresplatten – für mich keine Option, aber ein guter Anfang, der ohne Rabatt allerdings immerhin mit 70 € (!) pro Beleuchtungsset zu Buche schlägt. Außerdem kann man anhand der umfangreich bebilderten Anleitung erste Anregungen erhalten, wo man geschickt Verteiler setzen und wie man möglichst unauffällig die Kabel an den Laternen entlangführen kann. Mit dem zentralen RGB-Bord, das mitgeliefert wird, kann man per Fernbedienung nicht nur die mehrfarbigen RGB-Streifen auf die gewünschte Farbe einstellen oder die Beleuchtung insgesamt an- und ausschalten – man kann vor allem auch die verbundenen Punktlichter in mehreren Stufen herunterdimmen, was in meinen Augen oft den Unterschied zwischen stimmungsvoller Beleuchtung und kitschiger Weihnachtsdeko macht.

Eine sinnvolle Ergänzung für meine Zwecke waren die BRICKSMAX-Beleuchtungssets für den Volkswagen T1, die es regelmäßig beim deutschen Amazon mit guten Rabatten gibt. Mit etwas Glück bekommt man hier für weit unter 20 € unter anderem zehn lange Punktlichter plus weiteres Material.

Weil ich es unbesehen für eine gute Idee hielt (und ein Spielkind bin), habe ich mir beim deutschen Importeur Illuminate your bricks einige spezielle Teile vom australischen Anbieter Light my bricks geholt, konkret für dieses Set ein Flicker-Effektboard, das drei Anschlüsse für zeitlich versetztes, wenn auch nicht hyperrealistisches Kerzenflackern bietet. Der Plan: Alle draußen hängenden Laternen flackern im Wind, während die Innenräume von konstant brennenden Kerzen illuminiert werden. Leider war das Ergebnis nicht überzeugend, der Flackerrhythmus wirkt zu mechanisch und ist trotz der drei verfügbaren Kanäle nicht verschieden oder zeitlich verschoben genug, dass es nach einem zufälligen Flackern aussähe – vielmehr wirkt es so, als würden die Piraten unablässlich „SOS“ durchmorsen. Also habe ich noch einmal alle Punktlichter anders verdrahtet, und nun flackern die Kerzen in den Innenräumen und sorgen für etwas Bewegung, das Gros aller Beleuchtung hängt aber draußen und leuchtet unbewegt.

Parallel zur Blauröcke-Festung habe ich dann den hinteren unteren Bereich der Bucht mit einem RGB-Streifen ausgestattet, dem ich meistens ein dunkles Blau gebe. Er hängt unter der Decke, ist so nur als Reflektion, aber nicht als Lichtquelle zu erkennen und gibt der nächtlichen Piratenbucht eine mystische, aber auch etwas nach Mondlicht und Wasser aussehende Grundierung, die sich angenehm in den Fliesen fängt und von meiner weißen Zimmerwand reflektiert wird.

Im Gegensatz zum Eldorado-MOC bietet die Barracuda-Bucht etwas weniger Möglichkeiten, Steuerungseinheiten und Verteiler zu verstecken; am Ende konnte ich aber die meiste Kabelei unter den Holzstegen des Vorderteils verstecken, und eine zusätzliche Schatztruhe, die ohnehin von den neuen Holzverkleidungen verdeckt wird, enthält noch einen größeren Verteiler für die Kajüten. Übrigens: Mit den Punktlichtern lässt sich mit ein wenig Glück und Spucke ganz schön Leben in die verbauten Kerzen, die aus Kerzen- und Flammenteil bestehen, bringen – zwirbelt man das dünne Kabel an der LED etwas auf, kann man diese direkt durch die Plastikflamme scheinen und sie mit ihren Kabeln am Übergang zur Kerze festhalten lassen. Das sorgt in der Addition des warmweißen Punktlichts mit dem orangefarbenen Flämmchen für sehr authentische Beleuchtung aus einer tatsächlichen Lichtquelle heraus.

Fazit

Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, in ein einzelnes Set so viel Zeit und Teile zu stecken, um es dann als Dauerausstellung im Wohnzimmer stehen zu haben – zu viele tolle Sets gibt es, die man bauen, vielleicht in die Vitrine stellen, später abbauen und mit einem nächsten Bau ersetzen möchte. Für mich war die Konzentration auf das Thema „LEGO Piraten als AFOL-Sets“ aber eine schöne Langzeitbaustelle in der Pandemie – sie hat meinen Teilebestellungen, Minifiguren-Spontan- und Setkäufen eine Bestimmung, mindestens aber einen Fokus gegeben. Natürlich habe ich auch andere Sets (und MOCs) in dieser Zeit gekauft, aber die Freude über kompatible Steine-und-Teile-Neuzugänge („Wow, neue Holzfliesen!“) oder eine angesparte BrickLink-Bestellung überwog, und das regelmäßige Aus- und Umbauen hat zu einem guten „Euro pro Bauminute“-Wert geführt. Immer wieder herumzubauen und zu optimieren, ohne es (hoffentlich) zu überladen, zudem ein passendes Blauröcke-Spiegelbild zu ergänzen, hat mir und auch den Kindern im Haus großen Spaß gemacht. Wenn dann abends das Diorama vor sich hinglimmt und -flimmert, geht dem Piraten-Kind in mir das Herz auf – auch wenn hier regelmäßig der Staubwedel geschwungen werden muss.

Es bleibt nur die ängstliche Frage: Wie geht es weiter? Beide Bauten können jetzt noch bevölkert werden, aber dann ist das KALLAX-Regal erst einmal voll. Grundsätzlich würde ich auf die Wasserfläche zwischen den beiden Inseln noch eine Geschichte erzählen – für ein ganzes Segelschiff fehlt aber der Platz, und meine 70413 Brick Bounty passt mir in ihrer Einfachheit und Kindlichkeit nicht ganz ins Konzept. Allerdings würde ein etwas realistischeres Segelschiff die Frage nach dem verwendeten Maßstab noch einmal mit zusätzlichem Nachdruck stellen. Vielleicht wird es auch ein kleineres See-Scharmützel mit Kanus und Ruderbooten, oder eine kleine nächtliche Überraschungsinvasion. Und dann habe ich mein Fernrohr auch schon auf ein weiteres MOC gerichtet, das ein Piraten-Set meiner Kindheit neu interpretiert … Aber dass es immer noch etwas zu tun und zu holen gibt, passt ja auch ganz gut zur Seeräuber-Thematik. Insofern: Auf zum nächsten Abenteuer!

Und weil im letzten Artikel einige Leserinnen und Leser um Bildmaterial von Festung und Bucht mit Figuren baten, hier noch eine kleine Auswahl:

Wie haltet ihr es mit euren Sets? Baut ihr an ihnen weiter oder bleiben sie wie von den LEGO Designer:innen erdacht? Habt ihr auch ein absolutes Lieblingsset, das ihr in Ehren haltet oder besonders ausstellt? Und wie steht ihr zu Beleuchtung – Kitsch oder Mehrwert? Ich freue mich schon, eure Geschichten und Meinungen in den Kommentaren zu lesen!

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Über David 20 Artikel
Mitte 30, arbeitet in einer bayerischen Kulturinstitution und erkundet mit zwei Kindern die Welt. Hat 2016 durch DUPLO zurück zu LEGO gefunden und 2019 StoneWars entdeckt. Nun baut er die Blauröcke-Festungen und Piraten-Schlupfwinkel, von denen er als Kind geträumt hat.
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