Zweites (widersprüchliches) Statement von LEGO zu Preisanpassungen in Westeuropa

LEGO Preisanpassungen 2022 Titel

Update (22. September, 19:10 Uhr – von Lukas Kurth): Nachdem unser Artikel zu den Preiserhöhungen auch international für einige Aufmerksamkeit gesorgt hat und (teilweise nicht ganz korrekt) auch bei führenden LEGO News Seiten wie Brickset weiterverbreitet wurde, wobei StoneWars leider oft keine Erwähnung fand und die Informationen sowie die Quelle für das Statement von LEGO (welches wir angeregt und erfragt hatten) wahlweise unseren Kollegen von Promobricks bzw. Zusammengebaut zugeschrieben wurde, hat LEGO nun über das LEGO Ambassador Network (LAN) ein weiteres Statement veröffentlicht.

Bevor wir natürlich auch dieses Statement hier im Wortlaut teilen, wollen wir aber kurz erwähnen, dass das Team vom LAN uns dort zumindest indirekt beschuldigt, falsche Informationen zu verbreiten. Denn zu unserem Statement, das wir offiziell und auch mit der ausdrücklichen Bitte um Veröffentlichung von LEGO Deutschland bekommen haben, teilt LEGO nun über das LAN mit:

Dieses [Statement] ist nicht offiziell.

Im LAN teilt LEGO dann ein anderes Statement und fügt außerdem noch an:

Das andere [Statement] ist nicht korrekt.

Wir möchten hier an dieser Stelle nochmal ausdrücklich betonen, dass unser Statement von der offiziellen LEGO Pressestelle an uns geschickt wurde und wohl auch intern bei LEGO abgeklärt wurde. Wenn dabei von LEGO Deutschland Fehler begangen wurden, sollte LEGO auch dazu stehen und ganz eindeutig klar machen, dass dieser Fehler bei LEGO und nicht bei uns lag.

Nun aber das offizielle (zweite) Statement aus dem LEGO Ambassador Network. Und bevor uns eventuell nun eine fehlerhafte Übersetzung zugeschrieben wird, bleiben wir diesmal beim englischen Original:

The LEGO Group has no plans to increase the recommended retail price (RRP) of its portfolio of products.

In Western Europe, we’ve taken steps to make RRP pricing more consistent across different countries from 2022. The RRP of the majority of LEGO sets will not change as a result of this. However, on a small selection of sets the RRP will either go down or up depending on the set and the country.

There are currently no plans to make such changes in other markets.

It’s important to note that the final price charged to shoppers is set by retailers, not the LEGO Group.

Gerne dürft ihr in den Kommentaren diese erneute Statement diskutieren. Wir sparen uns hier lieber jeglichen weiteren Kommentar, bis die Preisanpassungen bei LEGO durchgeführt wurden und wir das Ganze in der Retrospektive und in Ruhe analysieren können.


Update (21. September, 18:29 Uhr – von Lukas Kurth): Heute erreichte uns von LEGO ein offizielles Statement zu den teilweise erwarteten Preiserhöhungen im Jahr 2022. Darin bestätigt LEGO eine unserer Vermutungen, die wir so auch mittlerweile aus Händlerkreisen vernehmen konnten: LEGO plant eine Anpassung der Preise im gesamten westeuropäischen Raum. Anbei zunächst mal das gesamte Statement im Wortlaut:

Für uns als LEGO Gruppe ist es wichtig, unseren Verbrauchern und Handelspartnern Kontinuität und Transparenz zu bieten. Wir ändern unsere Preisempfehlungen in der gesamten Region Westeuropa, um zu gewährleisten, dass wir dieses Versprechen einhalten. Die Preise, die wir unseren Einzelhandelspartnern mitteilen, sind unverbindliche Preisempfehlungen (UVP) – die endgültigen Einzelhandelspreise liegen im alleinigen Ermessen des Händlers. Für den deutschsprachigen Raum bedeutet dies eine höhere Preisempfehlung für einige Sets, aber auch eine Senkung für andere Produkte.

Wir sind davon überzeugt, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Wer ein LEGO Produkt kauft, erhält ein sicheres Produkt von sehr hoher Qualität, das von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Unsere Produkte bieten ein Spielerlebnis, das die Kreativität und Vorstellungskraft fördert – man kann Geschichten nachspielen, sich neue Geschichten ausdenken und alles, was man sich vorstellen kann, auch immer wieder neu bauen.

Die relevanteste Information ist hierbei: Die Preisempfehlungen werden nicht nur in Deutschland angepasst, sondern auch in anderen westeuropäischen Ländern. Unklar ist, welche Sets hier laut dem Statement im Preis sinken sollen. Das wird zudem explizit nicht notwendigerweise für Deutschland versprochen, sondern lediglich für den „deutschsprachigen Raum“. Dieser umfasst nämlich auch die Schweiz, wo die UVP im Vergleich zu Deutschland oft deutlich höher ausfällt. Uns sind zum aktuellen Zeitpunkt keine LEGO Sets bekannt, die in Deutschland im Preis sinken werden, aber LEGO hat uns auf Rückfrage bestätigt, das tatsächlich auch Sets günstiger werden sollen – welche genau, wurde uns bisher nicht mitgeteilt.

LEGO verrät außerdem auch auf Nachfrage bisher leider nicht, was genau für die LEGO Gruppe zur „Region Westeuropa“ gehört. Sicherlich sind dort auch viele mitteleuropäische Länder (u.A. auch Deutschland) inkludiert. Ob allerdings auch Nordeuropäische Länder wie beispielsweise Finnland dazu gehören, hat uns LEGO bisher nicht beantwortet.

Wir werden die Entwicklungen der Preisanpassung bei LEGO in den kommenden Wochen für euch verfolgen und vor allem im Nachhinein nochmal genauer auswerten, wie viele Sets tatsächlich teurer werden, wie viele Sets billiger werden und wie sich die Preise für das gesamte Sortiment im Euro-Markt verändern.


Originalbeitrag (17. September): Anstatt der neuen Folge von LEGO Masters haben wir leider schlechte Nachrichten zum Einstieg ins Wochenende: Wie wir aus mehreren Quellen erfahren haben, plant LEGO für mindestens 27 Sets eine Anhebung der UVP ab Januar 2022. Ob auch die Einkaufspreise der Händler entsprechend steigen, sodass diese Sets am freien Markt effektiv teurer werden, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Die geplante Preiserhöhung liegt bei den 27 betroffenen Sets bei durchschnittlich 12 Prozent der jetzigen UVP, wobei manche Sets auch 20, andere dagegen nur vier oder fünf Prozent teuer werden. Die 27 Sets stammen aus einem Pool von insgesamt über 250 Sets, die im Sortiment bleiben. Es betrifft also knapp über 10% der verbleibenden Sortiments. Die Erhöhung der UVP auf dieses gesamte Portfolio betrachtet liegt auf Grundlage unserer Informationen bei ca. 1,9 Prozent.

Übersicht der Sets, die 2022 teurer werden

Die Sets, deren Preise im kommenden Jahr erhöht werden sollen, gehören zu allen möglichen Themenwelten und Preissegmenten, eine Systematik der Auswahl ist nicht erkennbar. Nachfolgend findet ihr die betroffenen Sets als übersichtliche Tabelle mit alter und neuer UVP sowie der prozentualen Steigerung.

Bitte beachtet: unsere Liste enthält nur Sets, die auch im freien Handel (also bei jedem Händler) verfügbar sind, und ist damit eventuell nicht vollständig. Ob LEGO auch bei den exklusiven Sets einige Preise anheben wird, ist uns bisher nicht bekannt.

BildSetnr.ThemaTitelUVP altUVP neuTeurer
LEGO 10956 Erlebnispark10956DUPLOErlebnispark99,99 €119,99 €20%
LEGO 31109 Piratenschiff31109Creator 3-in-1Piratenschiff99,99 €119,99 €20%
LEGO 75255 Yoda75255Star WarsYoda99,99 €119,99 €20%
LEGO 60282 Mobile Feuerwehreinsatzzentrale60282CityMobile Feuerwehreinsatzzentrale49,99 €59,99 €20%
LEGO 10952 Scheune, Traktor und Tierpflege10952DUPLOScheune, Traktor und Tierpflege59,99 €69,99 €17%
LEGO 21166 Die verlassene Mine21166MinecraftDie verlassene Mine19,99 €22,99 €15%
LEGO 21167 Der Handelsplatz21167MinecraftDer Handelsplatz19,99 €22,99 €15%
LEGO 76191 Infinity Handschuh76191MarvelInfinity Handschuh69,99 €79,99 €14%
LEGO 42128 Schwerlast-Abschleppwagen42128TechnicSchwerlast-Abschleppwagen149,99 €169,99 €13%
LEGO 42110 Land Rover Defender42110TechnicLand Rover Defender179,99 €199,99 €11%
LEGO 41685 Magische Jahrmarktachterbahn41685FriendsMagische Jahrmarktachterbahn89,99 €99,99 €11%
LEGO 60295 Stuntshow-Arena60295CityStuntshow-Arena89,99 €99,99 €11%
LEGO 75948 Hogwarts Uhrenturm75948Harry PotterHogwarts Uhrenturm89,99 €99,99 €11%
LEGO 10698 LEGO Große Bausteine-Box10698ClassicLEGO Große Bausteine-Box44,99 €49,99 €11%
LEGO 10947 Rennwagen10947DUPLORennwagen44,99 €49,99 €11%
LEGO 11014 Steinebox mit Rädern11014ClassicSteinebox mit Rädern44,99 €49,99 €11%
LEGO 41681 Wohnmobil- und Segelbootausflug41681FriendsWohnmobil- und Segelbootausflug44,99 €49,99 €11%
LEGO 41688 Magischer Wohnwagen41688FriendsMagischer Wohnwagen44,99 €49,99 €11%
LEGO 60205 Schienen60205CitySchienen17,99 €19,99 €11%
LEGO 71755 Tempel des unendlichen Ozeans71755NINJAGOTempel des unendlichen Ozeans99,99 €109,99 €10%
LEGO 10933 Große Baustelle mit Licht und Ton10933DUPLOGroße Baustelle mit Licht und Ton119,99 €129,99 €8%
LEGO 41682 Heartlake City Schule41682FriendsHeartlake City Schule64,99 €69,99 €8%
LEGO 41683 Reiterhof im Wald41683FriendsReiterhof im Wald64,99 €69,99 €8%
LEGO 43196 Belles Schloss43196DisneyBelles Schloss79,99 €84,99 €6%
LEGO 71739 Ultraschall-Raider71739NINJAGOUltraschall-Raider84,99 €89,99 €6%
LEGO 42115 Lamborghini Sián FKP 3742115TechnicLamborghini Sián FKP 37379,99 €399,99 €5%
LEGO 42114 Knickgelenkter Volvo-Dumper (6x6)42114TechnicKnickgelenkter Volvo-Dumper (6x6)249,99 €259,99 €4%

Diese Informationen gelten Stand jetzt nur für den deutschen Markt. Ob und inwieweit die Preise auch in anderen Ländern und Regionen angepasst werden und ob es sich dabei um die gleichen Sets handeln wird, ist derzeit noch unklar.

Mögliche Gründe für das Vorgehen

Über die offiziellen Gründe für die Preiserhöhungen können wir derzeit nur spekulieren, da die LEGO Presseabteilung unsere Anfrage so kurzfristig vor dem Wochenende verständlicherweise nicht mehr beantworten konnte. Sobald uns ein offizielles Statement vorliegt, werden wir darüber berichten.

Mögliche Preistreiber könnten erhöhte Rohstoff- und durch die Corona-Krise stark gestiegene Frachtpreise sein, aber auch eine Angleichung der europäischen UVPs, die oftmals über dem deutschen Preis liegen, könnte LEGO zu diesem Plan veranlasst haben.

Denkbar, wenn auch unwahrscheinlich, ist in Anbetracht der vergleichsweise geringen Anzahl betroffener Sets und der Vielzahl verschiedener Segmente  aber auch, dass LEGO hier schlicht einen Testballon startet, wie die Kunden reagieren und ob sie bereit sind, die höheren Preise zu zahlen.

Eine Umstellung der Produktion auf nachhaltigere Materialien steht ebenfalls noch im Raum, etwa das Ersetzen der Plastiktüten im Inneren der Set-Kartons durch Papierbeutel oder der Umstieg auf Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Auch hier ist es allerdings unwahrscheinlich, dass LEGO diese Sets mitten in der Produktion umstellt und dabei noch die Preise anhebt, statt solche Änderungen zunächst bei neuen Produkten einzuführen.

Einordnung und Meinung

Die beiden Corona-Jahre waren für das produzierende Gewerbe und speziell für eine Firma mit einer komplexen weltweiten Logistik wie LEGO nicht einfach. Werke mussten zeitweise schließen, Lieferketten wurden unterbrochen und das weltweite Frachtvolumen ist noch immer weit unter dem Stand vor Beginn der Pandemie, was zu stark erhöhten Containermieten, längeren Wartezeiten und anderen Problemen führt.

Trotz all dieser Herausforderungen hat LEGO aufgrund der extrem erhöhten Nachfrage allerdings im Jahr 2020 Rekordzahlen erzielt, und auch 2021 dürfte nicht wesentlich schlechter ausgefallen sein. Mit einem 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 19% gestiegenen Nettogewinn von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro werden Preiserhöhungen den Kunden nur sehr schwer zu vermitteln sein.

Auch vor dem Hintergrund anderer Klemmbausteinhersteller, die teilweise schon heute wesentlich günstiger sind als LEGO oder zu vergleichbaren Preisen teils eine höhere Qualität bieten (etwa Mega Construx, wo quasi ausschließlich bedruckte Elemente statt Aufklebern zum Einsatz kommen), sendet eine Preiserhöhung ein bestenfalls merkwürdiges Signal an all jene, die LEGO bisher die Treue gehalten haben.

Auch für die Händler sind solche Preiserhöhungen beim Einkauf von Nachteil, da der Wettbewerb beim Verkauf von LEGO Produkten schon heute, speziell in Deutschland, äußerst hart ist und einige große Ketten sich einen Preiskampf mit Rabatten liefern, die auf Dauer nicht wirtschaftlich gesund sein können. Das liegt unter anderem daran, dass Reihen wie LEGO City, das mit drei Sets in der obigen Auflistung vertreten ist, schon jetzt von vielen (potentiellen) Kunden als stark überteuert angesehen werden.

Kurzum: Meiner Meinung nach verkennt LEGO die Lage auf dem deutschen und damit einem der wichtigsten europäischen Märkte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verteuerung von 27 Sets eine nennenswerte Auswirkung auf das Gesamtergebnis bei LEGO haben wird. Falls man damit nur testet, sich gegenüber der erstarkenden Konkurrenz auf dem Klemmbausteinmarkt noch stärker als Premiumhersteller zu positionieren, so könnte dieser Schuss nach hinten losgehen. Denn von den Produkten eines Premiumherstellers, der zudem die entsprechenden Preise aufruft, erwartet man nichts weniger als Perfektion. Die nachlassende Farbtreue, Fehldrucke, Anleitungsfehler und sonstige Nachlässigkeiten, die LEGO sich in letzter Zeit vermehrt erlaubt hat, müssen dann sofort abgestellt werden.

Wenn LEGO keine sehr gute Begründung für die Preiserhöhungen liefert, laufen sie sonst Gefahr, viele Fans der Marke nachhaltig zu verprellen – und die Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen.

Wie steht ihr zu den geplanten Preiserhöhungen? Werdet ihr aus der Auswahl der Sets schlau? Welche Motivation (außer Geldverdienen) vermutet ihr dahinter? Tauscht euch gerne in den Kommentaren aus!

Eine Bitte jedoch in eigener Sache: Da nun auch für uns ein hoffentlich stressfreies Wochenende anstehen soll, diskutiert bitte friedlich und haltet euch an die Netiquette.

Hinweis: In einer früheren Version des Beitrags war davon die Rede, dass auch die Einkaufspreise für die Händler entsprechend steigen werden. Dafür haben wir derzeit noch keinen Beleg, daher haben wir die entsprechende Passage umformuliert. Wir haben außerdem die Preiserhöhung im Hinblick auf das gesamte Sortiment auf Basis der uns bekannten Liste ergänzt.

Über Jens Herwig 279 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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