LEGO stoppt Bemühungen, Elemente aus Recycling-PET zu fertigen

Recycling Pet Projekt Eingestellt Titelbild

Bereits im Juni 2021 hatten wir über die Bemühungen der LEGO Group berichtet, künftig Steine aus Recycling-PET statt ABS zu fertigen. Das Projekt schien zunächst Fortschritte zu machen, wurde nun aber laut Berichten der Financial Times und des Guardian wieder eingestellt. Woran das liegt, was es bedeutet und wie LEGO die Nachhaltigkeits-Bemühungen in Zukunft fortsetzen möchte, haben wir für euch in Erfahrung gebracht.

Allen Lesern, denen das Thema noch völlig neu ist, möchten wir noch einmal den ursprünglichen Artikel von Lukas über die ersten Prototypen aus Recycling-Kunststoff ans Herz legen. Außerdem findet ihr hier den Guardian Artikel, der sich wiederum auf einen Bericht der Financial Times bezieht (wobei letzterer sich allerdings hinter einer Paywall versteckt).

Woraus bestehen LEGO Steine?

Es ist unter AFOLs recht bekannt, dass die meisten LEGO Steine aus Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymeren, kurz ABS, bestehen. Das war nicht immer so und trifft auch heute nicht auf alle Elemente zu: Erst seit 60 Jahren werden die meisten Steine aus dem stabilen, kratzfesten Kunststoff hergestellt, der die perfekte Klemmkraft garantieren soll. Für die Fertigung spezieller Teile, wie beispielsweise Baseplates, transparente Steine oder Pflanzenelemente, kommen aber auch heute noch andere Kunststoffe zum Einsatz. Einen Überblick über die aktuell verwendeten Plastikarten findet ihr direkt bei LEGO. Für eine ausführliche Analyse der Material-Geschichte von LEGO empfehlen wir euch diesen BrickNerd Artikel.

Grüne Teile: die Suche nach nachhaltigen Materialien

Das Problem mit den ABS-Steinen: Sie machen weiterhin circa 80 Prozent aller produzierten Elemente aus und verbrauchen in der Herstellung immense Mengen an Erdöl. Das Recycling von ABS gestaltet sich dagegen als eher schwierig, sodass aus LEGO Steinen nicht ohne Weiteres neue LEGO Steine entstehen können. Zum einen kann das Material in jedem Recyclingprozess an Stabilität, Steifigkeit und Viskosität einbüßen – hier stellen sich in der Forschung aktuell Fortschritte ein, was den Erhalt der ursprünglichen Eigenschaften betrifft. Problematisch ist aber auch die Reinigung des Plastikmülls von Verunreinigungen und Fremdmaterialien, um ein einwandfreies Recycling-ABS zu ermöglichen. Die EU-Spielzeugrichtlinie macht sehr strenge Vorgaben dazu, welche chemischen Stoffe in Spielwaren enthalten sein dürfen, und die Einhaltung dieser Grenzwerte kann mit wiederverwertetem ABS meist nur schwer garantiert werden. Im Interesse der Umwelt, aber auch im Interesse der eigenen Zukunft hat sich LEGO also auf die Suche nach Alternativen zum Wundermaterial ABS gemacht.

Erste Fortschritte stellten sich mit den Pflanzenteilen aus zuckerrohr-basiertem Polyethylen ein. Die Elemente sind zwar nicht biologisch zersetzbar, da sonst ihre Langlebigkeit nicht gewährleistet wäre, können aber aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden.

Recycling Pet Projekt Eingestellt Pflanzen Aus Pflanzen
Pflanzen aus Pflanzen: LEGO Elemente aus nachwachsendem Zuckerrohr; Bildquelle: LEGO

2021 stellte LEGO dann in einer Pressemitteilung ein Projekt vor, dass die Verwendungsmöglichkeiten von Recycling-PET für die Produktion von LEGO Steinen prüfen sollte.

Das Konzept: LEGO aus Recycling-PET

Polyethylenterephthalat, kurz PET, wird beispielsweise für die Produktion von Plastikflaschen verwendet. Das Material lässt sich gut recyclen, weshalb die LEGO Gruppe begonnen hatte, Test-Steine aus diesem Material zu fertigen.

In einer Pressemitteilung wurde das Projekt vorgestellt: Ein 150-köpfiges Team arbeitete damals an neuen Materialzusammensetzungen. PET muss nämlich, weil es weniger hart und kratzfest ist, noch mit Zusatzstoffen angereichert werden, um ähnliche Eigenschaften wie ABS zu erreichen.

LEGO Nachhaltigkeit Recycling Stein Infografik

Sobald eine zufriedenstellende Lösung gefunden sei, würde man die Teststeine noch einmal ausgiebig testen, um sicherzustellen, dass sie allen Standards für Langlebigkeit und Sicherheit genügen. Auch müsse man noch klären, wie und ob die Steine färbbar seien, so die damaligen Aussagen. Dennoch zeigte man sich vorsichtig zuversichtlich, dass eine Tages vielleicht PET-Steine das ABS ablösen und LEGO in den Recyclingkreislauf der Plastikindustrie einbinden könnten.

Mission Impossible: LEGO gibt das PET-Projekt auf, investiert aber weiter in Nachhaltigkeit

Inzwischen hat sich offenbar gezeigt: eine zufriedenstellende Materialmischung gibt es nicht. LEGO hat deshalb die Bemühungen um Recycling-PET-Steine aufgegeben.

Der Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung bei LEGO, Tim Brook, erklärte, dass das weiche PET in der Nachbearbeitung und Härtung einen zu hohen Energiebedarf gehabt hätte. Außerdem hätten große Teile der Produktion angepasst werden müssen. Alles in allem wäre dabei so viel zusätzliches Kohlenstoffdioxid entstanden, dass die neuen PET-Steine nicht mehr nachhaltig gewesen wären.

Auch nach ausgiebigen Tests konnte also offensichtlich kein wirtschaftlicher und nachhaltiger Weg gefunden werden, um Recycling-PET als Material für LEGO Steine zu verwenden. LEGO CEO Niels Christiansen kündigte allerdings an, bis 2025 die Nachhaltigkeitsausgaben des Konzerns auf 3 Milliarden US-Dollar zu verdreifachen, wobei die steigenden Forschungskosten nicht an den Endverbraucher weitergegeben werden sollen.

Fazit

Dass LEGO versucht, im Bereich der Nachhaltigkeit Fortschritte zu erzielen, ist offensichtlich. Die Umstellung auf Papier und Pappe, wo immer es irgendwie möglich ist, betrifft Teile-Tüten, Minifiguren-Verpackungen und die PaB-Becher. Nur das Kernprodukt kommt schwerlich vom Plastik weg: Der LEGO Stein selbst. Mit Zuckerrohr-PE gibt es bereits erste Teile aus nachwachsenden Rohstoffen, PET-Steine hätten jedoch größere Anteile des Sortiments nachhaltig gemacht.

Dass die Investitionen der LEGO Group in dieses Projekt nicht mit einem Erfolg endeten, ist nun ein Rückschlag im Versuch, die Firma etwas grüner zu gestalten. Die angekündigten Maßnahmen lassen aber immer noch Grund zur Hoffnung, dass mit hohen Investitionen doch noch irgendwann ein Durchbruch gelingen könnte, was sowohl umweltbewusste Kunden, als auch LEGO selbst vermutlich freuen würde.

Wie seht ihr das Thema PET-Steine? Ist Nachhaltigkeit im LEGO Hobby für euch ein Thema? Wie denkt ihr über die Versuche von LEGO, umweltfreundlichere Teile zu produzieren? Tauscht euch gerne in den Kommentaren aus, aber bedenkt bitte unsere Netiquette!

Über Justus 79 Artikel
LEGO Fan und Star Wars Nerd. Sammelt und baut MOCs, wenn er nicht gerade News oder Reviews schreibt.
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