LEGO Masters Staffel 2: Unsere Kritik zur ersten Folge der RTL Show

LEGO Masters Staffel 2 Kritik
Screenshot aus LEGO Masters Staffel 2 (© RTL/TV Now)

Die erste Folge der zweiten Staffel LEGO Masters lief gestern Abend auf RTL und gab den Auftakt für die Neuauflage als Freitagabend-Show. Ob LEGO Masters hier im Vergleich zur ersten Staffel etwas interessanter geworden ist und neben dem breiten Publikum auch für den LEGO Fan interessant war, wollen wir in einer kleinen TV-Kritik zur ersten Folge klären.

Um es direkt vorweg zu nehmen: Die zweite Staffel LEGO Masters funktioniert für mich deutlich eher als die erste Staffel, die 2018 lief. Das neue Konzept hilft der Show und insgesamt ist es in meiner Wahrnehmung deutlich spannender als vor zwei Jahren. Allerdings gibt es leider auch Schattenseiten…

Machart und Zielgruppe der Show

Die Machart von LEGO Masters war insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig für mich als jemanden, der nur selten die üblichen Fernsehshows verfolgt. Die Off-Stimme von Daniel Hartwich reißt hier den einen oder anderen zu offensichtlichen Witz und kann zuweilen auch anstrengend sein. Alles in allem bleibt aber die ganze Show (für RTL-Verhältnisse) allerdings sehr niveauvoll und auch Hartwich als Moderator macht insgesamt einen guten Job. Gerade in Kontrast zu den anderen RTL Produktionen (für die in den Werbepausen teils kurze Clips liefen) lernt man LEGO Masters hier direkt wertzuschätzen.

Für absolute LEGO Nerds bietet die Show nur wenig Spannendes. Zwar ist das eine oder andere etwas seltenere oder besondere Teil kurz zu sehen gewesen, aber auf besondere Bautechniken und besonders gut gelöste Details wurde kaum eingegangen. Das ist wenig überraschend: Die Show ist nunmal für ein breites Publikum konzipiert und ist nicht dafür gedacht, den seit vielen Jahren LEGO bauenden AFOL zu begeistern.

Die Analysen der Modelle blieben (vermutlich dem Schnitt geschuldet) leider meist recht oberflächlich und auch die Kamera war an einigen Stellen nicht wirklich in der Lage, coole kleine Details an den Modellen einzufangen. Hier wurde für meinen Geschmack zu viel Zeit darauf verwendet, immer wieder zu Kommentaren der jeweiligen Teams zu schneiden um mehr oder weniger emotionale Reaktionen zu bekommen.

Bei einer LEGO Show hätte ich mir dann doch deutlich ausführlichere Einblicke in die Modelle gewünscht – und sei es in digitaler Form als Zusatzmaterial zur Show, wenn die Sendezeit dazu nicht ausreichen sollte.

Positiv hervorzuheben sind hier allerdings noch die wenigen Werbeunterbrechungen: Nur 3 Stück konnte ich davon in der 2 Stunden andauernden Show zählen. Da kenne ich teilweise deutlich häufigere und längere Werbeunterbrechungen. Auf der Gegenseite muss natürlich auch gefragt werden, wie so eine Show, die sich zu 100% mit den Klemmbausteinen einer ganz bestimmten Marke beschäftigt, nicht ohnehin als „Dauerwerbesendung“ gekennzeichnet sein muss…

Konzept: Alles nur geklaut?

Was etwas schade ist, ist dass man bei RTL hier scheinbar wirklich zu 100% auf Sicherheit spielen wollte und das Konzept der australischen Show als unabänderliches Vorbild genutzt und wirklich 1 zu 1 kopiert hat. Aber nicht nur das Konzept, sondern auch die erste Aufgabe war wirklich vollständig gleich, inklusive des „Twists“ bei der Aufgabe. Klar, die erste Staffel war als eigenes Experiment wohl ein ziemlicher Flop, aber etwas mehr hätte man sich hier schon trauen dürfen. Denn spätestens jetzt ist wohl klar, was die nächsten Folgen von LEGO Masters als Aufgaben beinhalten werden.

Auch das Konzept, nur einen einzigen Juror in Form eines LEGO Certified Professionals auszuwählen stammt aus Australien. Auch hier hätte ein leicht anderes Konzept mit eher zwei oder drei Juroren der Show sicherlich nicht geschadet, denn so blieben die Wahl über Sieger und Verlierer an einigen Stellen wenig nachvollziehbar.

Schwierige Entscheidungen

Denn die Urteile, die René im Rahmen der Show fällen musste, waren für mich als Zuschauer der zusammengeschnittenen Version im TV nicht wirklich nachvollziehbar. Es hat den Eindruck, als hätte René hier die Teilnehmer nicht anhand des reinen Ergebnisses, sondern eher in Relation zu den von ihnen erwarteten Fähigkeiten bewertet. Während bei den eher unerfahreneren Kandidaten gerne mal Augen zugedrückt wurden, standen beispielsweise Frank und Luca als erfahrene MOC-Baumeister dauerhaft unter (von außen nicht immer ganz nachvollziehbarer) starker Kritik.

Im gestrigen Stream bei Henry von der Klemmbausteinlyrik nach der Ausstrahlung der Folge konnten sich sowohl René als auch Frank als Gast zu der Situation noch ein bisschen äußern, so dass einige Eindrücke im Nachhinein etwas nachvollziehbarer wurden:

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In keinem Fall will ich hier René seine Kompetenzen als Juror bei der Show absprechen und die Entscheidungen waren sicherlich auch nicht leicht zu treffen. Aber in der letztlich im TV sichtbaren Version blieben mir da zu viele offene Fragen, warum denn nun gerade welche Kandidaten die Show verlassen mussten und andere bleiben durften.

Fragwürdiger Kandidat

LEGO Masters Kandidaten
Die Kandidaten der zweiten LEGO Masters Staffel (Foto: TVNow/Frank Hempel)

Mein größtes Problem mit der ersten Folge der LEGO Masters waren allerdings die Kandidaten, beziehungsweise vor allem einer der Kandidaten. Auch wenn dem in der Sendung glücklicherweise keinerlei Raum gegeben wurde, finde ich es nicht nachvollziehbar, dass mit Moritz (hier rechts im Bild) ein Kandidat gewählt wurde, der nebenberuflich mit „Valiant Bricks“ einen Shop für Minifiguren in SS-Uniformen und bedruckte Fliesen mit Nazi-Propaganda aus dem dritten Reich betreibt, ohne diese in einen kritischen historischen Kontext einzuordnen. Zwar wurden auf Figuren und Plakaten alle verbotenen (weil verfassungsfeindlichen) Symbole ausgetauscht, aber der eindeutige Bezug zur den verbrecherischen Organisationen bleibt dabei klar erhalten.

Auf unsere schon etwas zurückliegende Anfrage an LEGO, wieso ausgerechnet dieser Kandidat gewählt wurde, teilte LEGO uns mit, dass man am Casting der Kandidaten gar nicht beteiligt war und das dies vollständig von RTL bzw. der Produktionsfirma EndemolShine vorgenommen wurde. Von den Produkten im Shop hat LEGO sich dabei eindeutig distanziert. RTL hat sich auf unsere Anfrage zu dem Thema leider nie zurückgemeldet. Moritz gibt selber an, seinen Shop sogar auf seiner Bewerbung bei Endemol angegeben zu haben.

Mittlerweile ist der Shop von Moritz nach unseren Anfragen bei RTL und LEGO vollständig von allen seinen physischen Produkten befreit worden und erwähnt wurde der Shop und die Nebentätigkeit von Moritz in der Show auch nirgends, aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt mir hier schon. Da ist es beispielsweise schon deutlich nachvollziehbarer (wenn auch sicherlich etwas ironisch) mit Alexander Jones (hier rechts im Bild) einen „Klemmbaustein-Designer“, der unter anderem auch für Bluebrixx arbeitet, als Kandidaten bei der „LEGO Masters“ Show dabei zu haben.

Wer sich in der Diskussion rund um den Kandidaten die Sicht von Moritz und einigen anderen durchlesen will, dem sei dieser Thread bei 1000Steine ans Herz gelegt.

Fazit

Für mich ist die zweite Staffel LEGO Masters bisher ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zur ersten Staffel, aber natürlich ist auch hier nicht alles perfekt. Bei der Auswahl der Kandidaten hätte man aus meiner Sicht gerne noch mehr aussortieren dürfen. Da sich ja insgesamt laut René Hoffmeister über 300 Leuten beworben haben sollen, hätte das wohl möglich sein sollen.

Auch die Entscheidungen sind als Beobachter zumindest in der ersten Folge nicht ganz nachvollziehbar gewesen, wobei ich das zumindest in Teilen eher dem Schnitt und dem Kamerateam als dem „Brickmaster“ René in die Schuhe schieben möchte.

Aber alles in allem muss ich sagen: Ich fand die erste Folge tatsächlich spannend und konnte hier zwischenzeitlich auch durchaus mitfiebern! Von daher werde ich wohl auch die nächste Folge der Show schauen und miterleben, was das Gewinner-Team mit dem „Goldenen Brick“ anstellt…

Wie war euer Eindruck der 2. Staffel LEGO Masters bei RTL? Hat euch die erste Folge der Show gefallen? Diskutiert gerne in den Kommentaren über die Show, die Kandidaten und die Entscheidungen, bleibt aber bitte freundlich! 🙂

Über Lukas Kurth 2020 Artikel
LEGO Liebhaber und Star Wars Fan seit der frühen Kindheit. Begeisterungsfähig und immer Kind geblieben. 31 Jahre alt, studierter Maschinenbauingenieur und der Mensch und Gründer hinter StoneWars.de
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