LEGO Minifiguren-Serien erscheinen ab 2023 in Pappverpackung: Kein Erfühlen mehr möglich

LEGO Sammel Minifiguren Papier Verpackung 2023 Titelbild 01

Die LEGO VIDIYO Bandmates haben es vorgemacht, die Mario Charakter-Sammelserie 5 zog nach und nun ist es auch für die regulären LEGO Minifiguren-Sammelserien offiziell: Ab 2023 erscheinen diese statt der traditionellen Blindbags in einer Blindverpackung aus Pappe, die ein Ertasten unmöglich machen wird – starten sollen die Pappverpackungen wohl ab September des kommenden Jahres. LEGO geht hiermit den eigenen Angaben nach einen weiteren Schritt in Richtung der vollständigen Umstellung auf nachhaltigere Verpackungsmaterialien.

Wie einige Recognized LEGO Fan Medien, darunter zunächst BricksFanz und Hothbricks, in einem Interview mit der Marketing-Managerin für LEGO Minifiguren, Myra Lind, und dem Verpackungs-Spezialisten Lukas Brza erfuhren, wird das Verpackungskonzept der LEGO Minifiguren-Serien auf Kartons umgestellt. Diese Umstellung wird ab September 2023 erfolgen, sodass die nächsten drei Minifiguren-Serien (Serie 23 ab September 2022 sowie voraussichtlich noch zwei weitere Serien im Januar und Mai 2023) noch in den altbekannten Blindbags bzw. Foilpacks erscheinen dürften.

Nur noch nachhaltige Verpackungen ab 2025

LEGO hat sich vorgenommen, bis spätestens 2025 alle Verpackungen auf nachhaltige Materialien umzustellen. Im Zuge dieses Strebens nach mehr Nachhaltigkeit wurden laut Aussage des Unternehmens bereits Verpackungsgrößen reduziert, außerdem arbeitet man in Billund zur Zeit daran, die Folienbeutel, in denen die Einzelteile eines Sets zusätzlich zum Karton verpackt sind, durch neue Tüten aus Papier zu ersetzen.

Solche Umstellungen geschehen natürlich nicht von heute auf morgen, sondern brauchen viel Vorlaufzeit, in der meist mehrere Ideen mittels Prototypen getestet werden. Die ersten Papiertüten im Inneren von Sets tauchten etwa Ende des letzten Jahres auf, bilden aber bisher noch immer eine große Ausnahme.

Das sind die neuen Minifiguren-Verpackungen

Die verschiedenen Ideen für das neue Verpackungskonzept der Minifiguren zeigen wir euch in der folgenden Galerie, wobei das große Bild das finale Konzept zeigt, wie es zukünftig (vorbehaltlich weiterer Detailänderungen) bei LEGO Verwendung finden wird. Die kleinen Bilder in der Galerie darunter zeigen die Alternativideen, die bei LEGO getestet wurden.

LEGO Sammel Minifiguren Papier Verpackung 2023
Das finale Konzept, wie es so (oder sehr ähnlich) ab September 2023 zum Einsatz kommen wird.

Kauf ausgewählter Figuren wohl nicht mehr möglich

An der neuen Verpackung für die Minifiguren-Serien arbeitete LEGO laut eigenen Aussagen bereits seit 2019. LEGO sei sich dabei der Tatsache bewusst gewesen, dass das Ertasten der Minifiguren für viele Fans (und auch ganz speziell in den LEGO Brand Stores) ein entscheidender Aspekt des Sammelns sei – man habe sich deshalb die Entscheidung für eine Verpackung, die dies unterbindet, nicht leicht gemacht. So wurde unter anderem auch ein Konzept mit Papiertüten getestet, das sich aber offenbar als nicht praktikabel erwies, vermutlich zu leicht reißen konnte und aufgrund des dickeren Materials wohl ebenfalls dazu geführt hätte, dass ein Ertasten nicht mehr möglich gewesen wäre.

Ein Ausgleich – etwa ein von außen sichtbarer Code oder eine sonstige Kennzeichnung, welche Figur sich in der Blindverpackung befindet – ist aktuell offenbar trotz des für die Kunden entstehenden Nachteils nicht vorgesehen. Auch auf die Frage, ob LEGO selbst zukünftig immer auch Komplettboxen anbieten würde, reagierten die Interviewpartner leider nur mit einem Verweis auf das Verkaufsteam, das diese Entscheidung zu treffen habe.

Der Preis der Minifiguren soll sich nicht ändern – das ist hinsichtlich der in der Herstellung vermutlich deutlich teureren Karton-Verpackungen ein gutes Zeichen.

Einordnung und Fazit

Ab September 2023 bleibt den Komplettisten voraussichtlich nur der Gang zum (Online-)Händler ihres Vertrauens, der die Serien vorsortiert bzw. als Komplettboxen verkauft, oder aber der Erwerb auf dem Zweitmarkt bei Ebay, Kleinanzeigenportalen usw. Ob hingegen diejenigen, denen es nur um einzelne, bestimmte Figuren geht, den Aufwand betreiben werden, diese auf ähnlichen Wegen oder etwa bei Bricklink zu besorgen, bleibt abzuwarten. Insgesamt – das ist zumindest meine persönliche Einschätzung – wird sich die Umstellung der Verpackung für LEGO keinesfalls verkaufsfördernd auswirken, sondern im Gegenteil manch einen potentiellen Kunden abschrecken. Es sei denn natürlich, LEGO schafft einen Ausgleich: Die Sechserpacks, wie sie mit den Muppets-Minifiguren eingeführt wurden und die dort in zwei Varianten jeweils einen halben Komplettsatz enthielten, gingen hier ja bereits einen Schritt in die richtige Richtung.

Letztlich muss die Zeit zeigen, welche Verkaufsstrategien LEGO ab September 2023 für die Minifiguren-Serien wählen wird. Noch gibt es die Chance, dass LEGO erkennt, wie wichtig vielen Fans der Kauf ausgewählter Figuren oder vollständiger Sätze ist, ohne den Umweg über Drittanbieter zu gehen.

Dass LEGO sich für die Papierverpackungen entschieden hat, dürfte hauptsächlich auf Gründen des Marketings beruhen, da nun einmal öffentlichkeitswirksam kommuniziert wurde, dass man bis 2025 auf Einwegplastik bei Verpackungen verzichten wolle. Kartons sind zwar leider nicht per se besser für die Umwelt, sondern können aufgrund der aufwendigeren Herstellung und des höheren Gewichts auch negative Auswirkungen, beispielsweise auf die CO2-Bilanz eines Produktes haben. Wie genau es sich mit der Umweltverträglichkeit von LEGO Kartons im Vergleich zu den Blindbags verhält, können wir von außen jedoch nur schwer beurteilen.

Insgesamt besteht allerdings die Gefahr einer „Lose-Lose-Situation“, nämlich dass LEGO den Fans die Möglichkeit zum Ertasten der Minifiguren nimmt und dabei möglicherweise gleichzeitig die Umweltbilanz der Minifiguren verschlechtert. Denn grundsätzlich ließe sich sicherlich auch darüber diskutieren, wie zeitgemäß es im Hinblick auf die Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit eines Produktes ist, mittels Blindbags bzw. Blindboxen einen Anreiz dafür zu schaffen, mehr Exemplare zu kaufen, als man im Endeffekt benötigt – was nun durch die Pappkartons noch einmal verstärkt wird.

Wie denkt ihr über die geplante Umstellung des Verpackungskonzepts der LEGO Minifiguren-Sammelserien? Könnt ihr die Beweggründe nachvollziehen und wäre euch eine bessere Lösung eingefallen? Hat diese Entscheidung einen Einfluss auf euer Kaufverhalten? Tauscht euch gerne in den Kommentaren aus.

Über Jens Herwig 302 Artikel
Mag verzerrte Gitarren, LEGO und Enten. Wollte so sein wie MacGyver, ist aber nur Physiker geworden. Erweckung aus den Dark Ages durch den Technic Unimog. Liebt alte Sets und hat ein Aquazone-Diorama im Wohnzimmer stehen.
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