Bricklink AFOL-Designer Programm: Rückblick und Fazit

Bricklink AFOL-Designer Programm

Das Bricklink „AFOL-Designer Program“ (ADP) ist Geschichte. Vor mehr als einen Jahr endete die Einreichungsfrist für das Projekt. Wir wollen zum Anlass des baldigen Jahresendes mit euch zusammen noch einmal zurückzublicken und anschließend ein Fazit ziehen. Zuvor sehen wir uns jedoch die aktuellen Veränderungen an.

Bricklink Übernahme durch LEGO

Bevor wir uns intensiv mit dem ADP auseinander setzen, möchten wir auf kurz auf die Neuigkeiten eingehen: Genauso überraschend wie das ADP angekündigt wurde, meldeten Bricklink und LEGO am 26. November 2019, dass die LEGO Gruppe die Handelsplattform gekauft hat und nun neuer Eigentümer ist. LEGO kaufte damit überraschend den größten von LEGO unabhängigen Marktplatz. Laut Pressetext wolle LEGO damit den Austausch mit den erwachsenen Fans intensivieren. Ob sich das als wahr erweist oder andere Gründe dafür ausschlaggebend waren, lassen wir an dieser Stelle einfach mal unkommentiert.

Die Fangemeinde reagierte jedoch sehr skeptisch auf die Transaktion. Vielfach wurde befürchtet, dass LEGO damit die volle Kontrolle über den Zweitmarkt erlangt und daraus Nachteile für die Angebotsvielfalt entstehen. Diese Sorgen verstärkten sich als Bricklink kurze Zeit später neue Nutzerbedingungen erließ, die deutlich die Handschrift von LEGO erkennen ließen. Entgegen der Pressemitteilung zum Kauf von Bricklink, dass vorerst alles beim Alten bleiben solle, zeigten sich im Kleingedruckten erhebliche Einschränkungen. Wesentliche Änderungen, die ihr hier finden könnt, betreffen unter anderem

  • die „Markenreinheit“ auf Bricklink
  • das Verkaufsverbot von „Custom Parts“
  • die Behandlung von Lizenzen bei MOCs
  • den Zeitpunkt wann Teile gelistet werden dürfen.

Erste Auswirkungen zeigen sich im Gesamtsortiment von Bricklink: Fast der gesamte Markt für „Custom Parts“, wozu zum Beispiel auch Chromteile zählten, ist von Bricklink verschwunden. Das restliche Angebot und die Anzahl der angeschlossenen Händler sind bisher jedoch leicht angestiegen. Ob und wie sich Bricklink verändern wird, kann nur die Zukunft zeigen. Wir werden auf Auge auf die Veränderungen haben.

Doch nun möchten wir unseren Blick auf das AFOL-Designer-Programm werfen.

Startschuss des Bricklink ADP

Bei Bricklink hatte man schon länger die Idee, ein gemeinsames Projekt mit LEGO zu gestalten und zum Jubiläum „60 Jahre LEGO Stein“ gab es endlich den besonderen Anlass, um das Vorhaben zu verwirklichen. Es sollte ein Wettbewerb von Fans für Fans ausgerufen werden und den Amerikaner gelang es LEGO von dem Projekt überzeugen, womit das Bricklink „AFOL-Designer Program“ geboren war.

Schon Mitte 2018 liefen bei Bricklink die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Mitarbeiter wurden geschult, offene organisatorische Fragen besprochen und die Rahmenbedingungen festgelegt.

Am 06. September 2018 war es dann soweit: Bricklink und LEGO gaben überraschend eine Kooperation bekannt, wobei anfänglich nicht klar war, worum es dabei inhaltlich gehen könne. Doch schon eine Woche später verkündete Bricklink Details zum Projekt. Ähnlich wie auf der von LEGO bekannten IDEAS-Plattform konnten Fandesigner ihre Entwürfe einreichen, um Teil einer einmaligen und limitierten Jubiläumsausgabe von exklusiven Bausätzen zu werden. Bis zu 20 Sets sollten realisiert werden.

Das Projekt war in drei Phasen unterteilt:

  • Einreichung und Bewertung
  • Crowdfunding (Finanzierungsphase)
  • Verkauf (Selling)

So kündigte Bricklink das Programm an:

Your design can become a limited edition 60 Years Anniversary set!

We begin accepting entries on September 18th

After we posted a teaser about the AFOL Designer Program, we closely monitored the conversation surrounding it. It was fun to read what you all thought this program would be. So what is it exactly? In case you missed it, BrickLink and the LEGO Group are celebrating 60 years of the LEGO® brick with the AFOL community by realizing unique designs with truly original themes. Through this program, your design can become a limited edition 60 Years Anniversary set!

How does the AFOL Designer Program work?

Einreichung und Bewertung

Am 18. September startete die Einreichungsphase und in den nächsten zwei Monaten konnten nun Vorschläge bei Bricklink einreicht werden. Dabei galt es einiges zu beachten:

  • Die Teilanzahl musste zwischen 250 und 2.000 liegen
  • Die Einreichung war nur über die Planungssoftware Stud.io 2.0 möglich
  • Es standen ca. 10.000 Teile aus dem aktuellen LEGO Sortiment zur Verfügung
  • Die Nutzung von DUPLO war nicht zugelassen
  • Aus rechtlichen Gründen waren Lizenzthemen ausgeschlossen
  • Kein exzessiver Gebrauch von Minifiguren. Maximal sollte pro 250 Teile je eine Figur verwendet werden
  • Die Nutzung von verschiedenen Farben bei nicht sichtbar verbauten Teilen war Bedingung, damit die Käufer beim Bauen die Orientierung behalten.
  • Die Modelle sollten nicht nur optisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch Bauspaß beinhalten.
  • Der Entwurf musste stabil sein.

LEGO als Inhaber des Programms und offizieller Teilelieferant hat offenbar die zu verwendbaren Teile vorgegeben. Soweit das aus den Bricklink-Infovideos hervorging, sollen nicht alle Teile des gesamten LEGO Sortiments zur Verfügung gestanden haben.

Einen spannenden Einblick hinter die Kulissen gewährte uns LEGOPARD, alias Jonas Kramm, der den „Wild West Saloon“ entwarf und einen sehr umfangreichen Erfahrungsbericht in englischer und deutscher Sprache verfasst hat. Darin beschriebt LEGOPARD, wie die Idee entstand, wie er sie umgesetzt hat und die Zusammenarbeit mit Bricklink erlebte. Positiv hebt er hervor, dass die amerikanischen Designer nach Test seines Modells einen Verbesserungsvorschlag machten, der ein Stabilitätsproblem elegant löste.

Zum Ende der Einreichungsfrist am 18. November 2018 lagen über 400 Ideen vor und nun sichtete ein kleines Team von Bricklink und LEGO Designern die Entwürfe. Besonderen Wert legte man auf die Stabilität, den Einfallsreichtum und die verwendeten Bautechniken. 16 Sets schafften den Einzug in die Finalrunde und die Gewinner wurden uns Ende Januar 2019 offiziell vorgestellt.

Crowdfunding

Am 01. Februar 2019 startete das Projekt mit dem Crowdfunding bzw. der Finanzierung in die heiße Phase. Das Crowdfunding funktionierte ähnlich wie LEGO IDEAS, aber es gab einige entscheidende Unterschiede.

Die Entscheidung, welche Sets produziert werden sollen, lag alleine in den Händen der Fans. Im Gegensatz zu IDEAS, wo unverbindlich für ein Set gestimmt wird, musste beim AFOL-Programm eine bedingte Bestellung platziert werden. Dafür hatte man die Sicherheit, dass das Set gar nicht oder nur minimal geändert wird.

Der Kauf wurde verbindlich, sobald die festgelegte Mindeststückzahl am Ende der Finanzierungsrunde erreicht war. Deshalb musste für die Bestellung zwingend eine Kreditkarte benutzt werden. Während der Finanzierungsrunde konnten Bestellungen modifiziert und storniert werden. Theoretisch hätten also am Ende des Crowdfundings alle sechzehn Sets realisiert werden können.

Je nach Größe der Sets legte Bricklink die geforderte Stückzahl zwischen 100 und 400 fest. Die Kaufpreise lagen zwischen 30,- US-Dollar  und 200,- US-Dollar. Um Hamsterkäufe zu vermeiden, durften pro Kundenkonto maximal drei Sets bestellt werden und die Gesamtauflage wurde auf 2.500 Sets je Entwurf festgelegt. Sollte während der Finanzierungsrunde die Höchstgrenze nicht erreicht werden, wurden die Sets in der anschließenden Verkaufsphase (Selling) erneut zum Kauf angeboten.

AFOL Designer Programm

Ein besonderer Kaufanreiz war, dass alle Bestellungen während der Finanzierung versandkostenfrei waren. Zusätzlich gab es in jedem Set als kleine Überraschung ein „exklusives Teil„, dessen Geheimnis erst mit Beginn der Auslieferungen im Mai 2019 gelüftet wurde. Käufer außerhalb der USA mussten jedoch die Importkosten (Einfuhrsteuern und evtl. Zoll) mit berücksichtigen. Hierfür haben wir euch damals einen Kostenrechner bereitgestellt.

Weitere Unterstützung erfuhren die Sets durch jeweils ein etwa einminütiges Vorstellungsvideo, die auf den YouTube-Kanal von Bricklink gepostet wurden. Ebenfalls wurde uns ein umfangreicher Einblick hinter die Kulissen gewährt und Interviews mit den Verantwortlichen bereitgestellt. Leider erfuhr das Projekt darüber hinaus sehr wenig medialen Support.

Schon nach wenigen Tagen waren die Favoriten klar erkennbar. Die „Burg Löwenstein“, der „Wild West Saloon“ und die „LEGO Story“ übernahmen die Spitzenposition. Diese Reihenfolge blieb über den gesamten Zeitraum des Crowdfundings konstant.

Anfänglich herrschte reges Interesse und schnell füllte sich das Auftragsbuch. Nach zwei Wochen ließ das Interesse jedoch erheblich nach. In den Folgewochen änderte sich die Zahl der Vorbestellungen nur sehr langsam. Erst mit der Veröffentlichung des sehr hochwertigen Kartondesigns eine Woche vor dem Finanzierungsende zog die Nachfrage wieder deutlich an. Das spiegelte sich in den hohen Umsätzen in der letzten Projektwoche wider.

Nach zehn Wochen endete am 16. April 2019 die Finanzierungsrunde und dabei wurden insgesamt 13.500 Sets von ca. 11.500 Fans geordert. Das gesamte Finanzierungsvolumen betrug rund USD 1.600.000. Wir haben für euch die folgende Tabelle erstellt aus der ihr ersehen könnt, welche Sets in der Finanzierungsphase die die größten Umsätze erzielt haben.

Umsatzranking nach dem Crowdfunding

PlatzSetnameTeilePreisSchwelleFunded inVerkäufe
1Löwenstein Castle2000199,991001 Tag2500
2Wild West Saloon1497149,991001 Tag1880
3The LEGO Story144299,991001 Tag1497
4Antique Fire Engine1277149,991002 Tage990
5Sciene Tower1204129,991002 Tage953
6Skyline Express1373139,991005 Tage801
7Hot Shot Carnival59157,992003 Tage1358
8Eight Studs139399,991007 Tage550
9Bikes!52049,992003 Tage1088
10Vintage Roadster47454,992003 Tage934
11Imagine It! Build It!92769,9920035 Tage934
12Steampunk Mini Chess37137,9930068 Tage464
13Isle Of Peril130199,9910064 Tage157
14Clovershire Castle84374,99200Nein92
15Viking Ship 3D Mosaic23729,99400Nein148
16Poseidonia25935,99300Nein105

Drei Sets scheiterten an der festgelegten Schwelle und erhielten demzufolge keine Produktionsfreigabe. Die anderen dreizehn Sets erfüllten die geforderten Mengen und qualifizierten sich damit für den Verkauf. Die „Burg Löwenstein“ war nicht mehr im freien Verkauf verfügbar, aber der Grund dafür war sehr erfreulich, denn das Set erreichte bereits im Crowdfunding die Maximalmenge von 2.500 Stück. Nur mit sehr viel Glück war es möglich, das Set über einen Eintrag auf der Warteliste zu beziehen.

AFOL-Designer-Programm Bricklink

Wenige Tage später informierte Bricklink über die nächsten Schritte. In der E-Mail teilten die Amerikaner mit, dass der Versand nach den zeitlichen Ordereingang erfolgen solle. Überraschend wurde gleichzeitig angekündigt, dass sich aufgrund des hohen Orderaufkommens der Versand verzögern würde. Die Formulierung „..some order will not be shipped until as late as end of summer“ ließ befürchten, dass die Logistik überfordert sei.

Verkauf und Versand

Der Verkauf startete planmäßig am 22. April 2019 und dauerte bis zum 30. Juni 2019. Bis auf die erwähnte Burg Löwenstein wurden die Sets erneut zum Erwerb angeboten. Neben der Kreditkartenzahlung war es nun möglich, bequem per PayPal zu zahlen. Je nach Setgröße waren nun jedoch Versandkosten zwischen USD 10 und USD 35 zu berücksichtigen. Unmittelbar nach dem Verkaufsstart erhielten viele Sets den Status „backordered“ (Lieferverzug).

Anfang Mai startete der internationale Versand. Endlich verschickte Bricklink die lang ersehnten Versandbestätigungen. Damit begannen die Probleme für uns als deutsche Empfänger jedoch erst. LEGO hatte offenbar zwischenzeitlich aufgrund der Plagiatsproblematik mit Lepin/King und anderen Firmen ein Grenzbeschlagnahmeverfahren beim deutschen Zoll erwirkt, um den Markenschutz wirksamer durchzusetzen. Das hatte eine intensivere Zollprüfung und längere Abwicklungszeiten zur Folge. Für weitere Diskussionen sorgte das fehlende CE-Kennzeichen.

AFOL-Designer-Programm Bricklink

Die Sendungen nahmen innerhalb Deutschlands völlig willkürliche Wege. Mal kam das Set unverzollt als Warensendung an, mal wurde die Sendung vom Versandunternehmen verzollt an die Haustür geliefert oder das Paket musste direkt beim Zoll abgeholt werden.

In manchen Fällen lagen die Zustellzeiten bei sieben Wochen und mehr. Sehr wahrscheinlich haben die Versandunternehmen auch einen Teil zur Verzögerung beigetragen. Urlaubsbedingt sollen beispielsweise bei DHL Sendungen bei der Verzollung liegengeblieben sein.

Am 30. Juni 2019 endete der Verkauf. Bricklink gab auf Facebook bekannt, man habe über 18.000 Sets mit 22 Mio. Teilen in mehr als 60 Länder verkauft. Auf den ersten Blick ein beeindruckendes Ergebnis. Bei genauer Betrachtung sieht das Resultat aber anders aus.

Obwohl der Zeitraum für Finanzierung und Verkauf fast gleich war, setzte Bricklink „nur“ noch geschätzte 5.000 weitere Sets ab. Das ist wesentlich weniger als die 13.500 Sets während des Crowdfunding und ein starkes Indiz dafür, wie schleppend der Verkauf im Vergleich zum Funding lief. Das Gesamtvolumen des gesamten AFOL Designer Programm schätzen wir damit auf etwa 2,1 Mio US-Dollar.

AFOL-Designer-Programm Bricklink

Bricklink erzielte mit den „über 18.000“ Sets knapp die Hälfte (ca. 46 %) der Maximalmenge von 40.000 Stück. Hauptsächlich wurden die „großen“ Sets bestellt. Deshalb konnten immerhin ca. 57% des möglichen Gesamtvolumen erreicht werden. Die Kollegen von „Beyond the Brick“ haben hierzu ein Video hochgeladen, das einen guten Eindruck vermittelt, wie die Herausforderungen des AFOL-Programms bei Bricklink bewältigt wurden.

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Bleibt die Frage: „Was passiert mit den übrig gebliebenen Sets?“  In der Antwort auf unsere Mailanfrage weisen die Verantwortlichen des „AFOL-Program“ daraufhin, dass vorsichtshalber nur die Anzahl an Sets vorproduziert war, die nach internen Prognosemodellen verkauft werden würden, zuzüglicher einer Reserve für den Kundendienst. So sollten Kosten gespart werden. Die tatsächlich überschüssigen Sets wurden anschließend an erfahrene Bricklink Händler weiterverkauft.

Der Verkauf endete mittlerweile vor einigen Monaten. Wir möchten nun kurz die Stärken und Schwächen darstellen und danach ein persönliches Fazit ziehen.

Stärken und Schwächen

Durch die Festlegung auf lizenzfreie Sets wurden rechtliche Probleme ausgeschlossen und den klassischen LEGO Modellen eine große Plattform geboten. Die Sets wurden auf einer „wie-sie-sind“-Basis angeboten. Der Käufer hatte die Sicherheit, das Set exakt so zu bekommen, wie es angeboten wurde. Gravierende nachträgliche Änderungen im Setdesign, wie bei den IDEAS-Entwürfen, gab es nicht.

Bricklink versuchte durch sehr viel Begleitmaterial wie zum Beispiel Videointerviews, kurze Setvorstellungen und Unboxings Interesse zu erzeugen. Der Großteil davon blieb leider unentdeckt. Der Bricklink-YouTube-Kanal hat gerade einmal 949 Abonnenten (Stand 29. Dezember 2019). Die meisten Unboxing-Videos erhielten weniger als 1.000 Views. Hier hätte LEGO als offizieller Kooperationspartner mit Hinweisen auf das „AFOL-Designer-Program“, beispielsweise in den sozialen Medien, sehr gut unterstützen können. Das hätte zu mehr Aufmerksamkeit geführt. Von Bricklink hatten wir ebenfalls viel mehr mediale Präsenz erwartet. Während der gesamten Laufzeit gab es lediglich zwei Facebook-Posts.

Um das Projekt wirtschaftlich zu bewerten, vergleichen wir es mit den ersten von LEGO direkt initiierten Crowdfundingprojekt „LEGO Forma“ (80100). Im Herbst 2018 testete LEGO erstmalig ein eigenes  Finanzierungsprojekt, allerdings nur für England und die USA. Innerhalb von 41 Tagen verkaufte LEGO 6.673 Sets im Gegenwert von ca. USD 0,7 Mio. Das entspricht rund 17.000 Dollar pro Tag. Bricklink erreichte im Funding 21.500 Dollar pro Tag und das obwohl eine lange Flaute zu verkraften war.  Im Verkauf sackte der tägliche Umsatz auf rund 7.500 pro Tag ab. Vermutlich machte sich hier bemerkbar, dass der Versand im Verkauf kostenpflichtig war. Wirtschaftlich dürfte das AFOL-Programm trotzdem als Erfolg gewertet werden.

AFOL-Designer-Programm Bricklink

KLEINRAUM, Fandesigner von „8 Studs“, hat in seinen Blog einen Erfahrungsbericht mit Verbesserungsvorschlägen verfasst. Darin äußert er den Vorschlag, die Projektlaufzeit zu verkürzen, um damit einer Umsatzflaute vorzubeugen. Er schlägt darin 30 Tage vor. So ist die mediale Aufmerksamkeit auf einen kurzen Zeitraum konzentriert. Das soll sogar zu insgesamt höheren Umsätzen führen.

Das AFOL-Programm zeigte einige Schwachpunkte, die schwer verständlich sind. Die ersten kleinen Schwächen begannen unmittelbar nach Abschluss der Finanzierungsrunde. Obwohl nach dem Funding „nur“ rund ein Drittel der möglichen Sets geordert waren, zeigte sich Bricklink überfordert und bereitete uns  Ende April auf mögliche Lieferverzögerungen vor. Uns stellt sich hier die Frage, was passiert wäre, wenn innerhalb des Crowdfundings sämtliche Sets verkauft worden wären.

Beim Import nach Deutschland wurden die Sendungslaufzeiten durch das von LEGO beantragte Grenzbeschlagnahmeverfahren und die Urlaubszeit bei den Versandunternehmen zusätzlich verlängert. Hinzu kommt die Diskussion um das fehlende CE-Kennzeichen und eine falsche Angabe des Warenwerts. Hier muss deutlich gesagt werden, dass Bricklink für viele Probleme beim Versand nach Deutschland nicht verantwortlich gemacht werden.

Die unkorrekte Angabe des Warenwertes (halber Warenwert) ist jedoch absolut unverständlich und unprofessionell. Hinzu kommt, dass die Sendungen offenbar falsch deklariert worden. Das führte dazu, dass bei der Einfuhr für das versandkostenfreie Paket, Frachtkosten für die Berechnung der Zollgebühren in Rechnung gestellt worden. In den Chats wird teilweise von horrenden Einfuhrkosten berichtet.

AFOL Designer Programm Zollerklärung
Bricklink deklariert „Hot Shot Carnival“ mit einem Wert von USD 29,00 anstatt mit USD 57,99

Gravierender Verbesserungsbedarf besteht beim Kundenservice. Die Antworten waren in vielen Fälle nicht ausreichend. Oft blieben Anfragen unbeantwortet. Am Ende wirkten die Antworten – wenn geantwortet wurde – sehr genervt. So leitete uns ein Leser folgende Antwort weiter, die er auf seine Anfrage bezüglich Problemen beim Zoll bekam:

Hi XXX,

What we would recommend is for your customs office to return the set to us. We will refund you and then you may purchase another Science Tower from a reseller located within Germany. We are tired of dealing with customs issues, and we will not spend any more time on this.

Thanks, Russell

Eine solche Kommunikation gegenüber Kunden kann man wohl durchaus als „unprofessionell“ bezeichnen. Hier ist eventuell einer der Punkte, bei denen LEGO durch die Bricklink Übernahme sogar etwas positives beitragen kann, sollte es eine Neuauflage des ADP geben.

Ein mögliches Folgeprojekt müsste also viel besser organisiert werden. Bricklink hat auf unsere Anfrage erklärt, dass Interesse an einer Neuauflage besteht. Man möchte sich jedoch die Zeit nehmen, um das Projekt zu analysieren und die Fehler beheben. Letztendlich wird LEGO als schon damaliger Rechteinhaber des AFOL-Programms und neuer Besitzer von Bricklink die Entscheidung treffen müssen. Und vielleicht haben die Sets dann auch ein offizielles LEGO Logo…

Unser persönliches Fazit

Aus unserem Team haben Lukas, Malte und Oliver beim AFOL Designer Programm bestellt und wir alle wollen im Folgenden ein kurzes (persönliches) Fazit zum ADP ziehen.

Lukas:

Ich bin sehr gespaltener Meinung über das AFOL Design Programm von Bricklink. Ich habe selber zwar nur die Burg Löwenstein bestellt, hatte aber mit massiven Wartezeiten, Schwierigkeiten beim Versand und einem beschädigten Karton zu kämpfen. Da ich zu dem Zeitpunkt schon wusste wie untätig oder abweisend Bricklink auf entsprechende Anfragen reagiert, habe ich die Beschädigung einfach auf sich beruhen lassen. Das Set an sich ist ja wirklich toll und auf die Verpackung kann ich hier im Zweifelsfall auch einfach verzichten. Dennoch ist es natürlich ärgerlich.

Den Ansatz des Programms finde ich hingegen großartig. LEGO Sets auf Basis von Crowdfunding zu realisieren gefällt mir abseits von LEGO Ideas sehr gut. Daher hoffe ich auf eine Neuauflage oder vielleicht auch ähnliche Programme von anderen Anbietern oder LEGO selbst. Denn die Umsetzung von Bricklink kam mir als Außenstehenden einfach ziemlich amateurhaft vor. Ich bin gespannt, was die Zukunft hier bringt.

 

AFOL Designer Program
Bestseller: „Burg Löwenstein“, „Wild West Saloon“ und „The LEGO-Story“

Malte:

Für mich war das „AFOL Designer Program“ eine tolle Aktion – trotz der durchaus vorhandenen Probleme. Fasziniert hat mich die große Varianz der Modelle. Ebenfalls positiv ist, dass LEGO und Bricklink die eingereichten Vorschläge eben nicht (oder nur minimal) modifiziert haben. Bei IDEAS ist das ja normal und auch vernünftig, da sich die fertigen Sets eben nicht ausschließlich an AFOLs richten und folglich entsprechend aufgebaut sein müssen. Es gibt dort also mehr Beschränkungen, die es beim „AFOL Designer Program“ nicht gab. Dadurch waren hier Dinge möglich, die man bei LEGO nie finden würde, was eine gewisse Abwechslung gebracht hat.

Mit Problemen beim Import hatte ich zugegebenermaßen anfangs nicht gerechnet und war entsprechend überrascht, als diese dann doch auftraten. Auch die Verpackung hat mir bekanntlich („The LEGO Story“ Review, „Science Tower“ Review) Probleme bereitet und muss dringend verbessert werden.

Zumindest bei den Sets, die ich erworben habe, kann sagen: Sie sind auf einem extrem hohen Niveau. Sowohl, was das Design angeht, als auch die Qualität der Anleitung stimmen.

Ich würde mich freuen, wenn es eine Neuauflage des Programms geben würde – allerdings bin ich mir im Moment noch nicht sicher, ob ich erneut den Import wagen würde. Es bleibt also zu hoffen, dass es bis dahin eine Lösung für Europa gibt.

AFOL Designer Program
Nicht realisiert: Viking Ship 3D Mosaic, Clovershire Castle und Poseidonia

Oliver:

Ich finde das AFOL-Programm war auf jeden Fall ein sehr interessantes Projekt. Durch die Festlegung auf lizenzfreie Sets wurden rechtliche Probleme ausgeschlossen und den klassischen LEGO-Modellen eine große Plattform geboten. Das hat den Entwürfen etwas sehr ursprüngliches gegeben. Ich freute mich besonders über Themen, die ich in der normalen LEGO-Welt vermisse.

Die größte Schwachstelle war die Logistik. Obwohl Bricklink das per E-Mail versicherte, wurden die Bestellungen nicht in der Reihenfolge des Eingangs versendet. Ich gehörte zu den ersten Bestellern und hätte mich über eine zweistellige Nummer auf den Setkarton sehr gefreut. Da es das erste Projekt dieser Art war, hatte die Ordernummer für mich eine gewisse Bedeutung gehabt. Die Enttäuschung vergrößerte sich, als ich bemerkte, dass Käufer aus Deutschland, die erst in der Verkaufsphase bestellten, das Set früher erhielten.

Der Versand nach Deutschland nervte mich. Ich hatte zwar zum Glück keine Diskussionen mit den Zoll, wusste teilweise aber nicht wo meine Sendung war, da dass FedEx-Tracking sehr ungenau war. Kombiniert mit den langen Lieferzeiten war ich mir nicht sicher, ob meine Bestellungen auf den Weg zu mir waren. Diese Ungewissheit hat mir viel Vorfreude genommen.

Generell würde ich es nochmal wagen, an einem Folgeprogramm teilzunehmen. Dafür möchte ich aber das Gefühl haben, dass aus den Fehlern gelernt wurde.

Vorteile:

  • Originelle Designs
  • Setkauf „wie gesehen“
  • Gutes Begleitmaterial (Videos und Interviews)
  • Keine Lizenzprodukte
  • Gute Unterstützung der Designer
  • Hochwertiger Karton mit Hintergrundbild
  • Limitierung auf 3 Sets pro Bricklink-Kunde (Keine Investmentkäufe möglich)
  • Katalogeintrag bei Bricklink und Brickset

Nachteile:

  • Zu lange Projektlaufzeit
  • Überforderte Versandlogistik
  • Schlechter Kundenservice
  • Schlechte bzw. falsche Zolldeklaration
  • Hohe Importkosten
  • Wenig Werbung durch Bricklink
  • Keine Erwähnung bzw. Bewerbung durch LEGO
  • Versandreihenfolge wurde nicht eingehalten
  • kein offizielles LEGO Set

Wie findet ihr die Idee des AFOL-Programms? Haben euch die Entwürfe gefallen? Was hat euch gut gefallen und was würdet ihr verbessern wollen? Würdet ihr bei einer Neuauflage (wieder) teilnehmen? Wie findet ihr generell die Idee, das LEGO im Wege des Crowdfundings neue Ideen testet? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

Oliver
Über Oliver 356 Artikel
Fan des Classic Space, Technik-Begeisterter und Freund von Creator 3-in-1. Ständig auf der Suche nach den kleinen Besonderheiten im LEGO Sortiment und interessiert an den Hintergründen im Spielwarenmarkt.
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